Entdeckt la guyane française!

Wer an Frankreich denkt, hat meist Bilder von Weinbergen oder Lavendelfeldern im Kopf. Doch 7.100 Kilometer südwestlich von Paris entfernt, zeigt sich la grande nation an der Nordostküste Südamerikas von einer völlig anderen Seite. Französisch-Guayana ( La Guyane française ) ist mit mehr als 83.000 Quadratkilometern fast so groß wie Österreich, besteht aber zu rund 95% aus dichtem, unberührtem tropischem Regenwald. Und mittendrin liegt Kourou.

Kourou: wo Europa nach den Sternen greift

Aufgrund seiner Nähe zum Äquator ist Kourou der ideale Standort für das europäische Weltraumzentrum CSG ( Centre Spatial Guyanais ). Von hier aus starten die Ariane-Raketen in den Orbit. Das Raumfahrtzentrum ist heute eines der Besucher-Hotspots dieser fernen collectivité territoriale und gewähnrt faszinierende Einblicke in die Astronomie und die Bedeutung dieses Standorts für die gesamte Europäische Union. In Kourou trifft die Zukunft der Raumfahrt auf die Wildnis.

Die Inseln des Teufels: bei Papillon

Nur wenige Kilometer vor der Küste von Kourou liegen die Îles du Salut. Der Name „Inseln des Heils“ klingt heute fast wie ein hämischer Scherz, denn hier befand sich einst eine der berüchtigtsten Strafkolonien der Welt. Auf der Teufelsinsel ( Île du Diable ) und den Nachbarinseln verbrachten tausende Häftlinge, darunter berühmte Persönlichkeiten wie Alfred Dreyfus oder Henri Charrière, Aztor des Bestsellers Papillon, ihre Haft unter grausamsten Bedingungen. Heute haben sich die Palmen und die tropische Vegetation die Ruinen der Gefängnisse zurückerobert und Affen tollen umher.

Cayenne: Schmelztiegel der Kulturen

Cayenne, die schnell wachsende Hauptstadt der Guyane française, ist ein kultureller Schmelztiegel. Hier vemischen sich kreolische Traditionen mit Einflüssen aus Frankreich, Brasilien und dem Nachbarland Surinam jenseits des Maroni River. Wer über den zentralen Markt schlendert, entdeckt alle jene landwirtschaftliche Produkte, für die la Guyane française berühmt ist: Muskat, Vanille und natürlich der berühmten Cayenne-Pfeffer. Ihr könnt mit dem Euro bezahlen!

Das Herz der Stadt schlägt an der Place des Palmistes mit ihren Kolonialbauten und Cafés. Für den besten Überblick über die Kapitale wandert einmal zum Fort Cépérou hinauf – von den Ruinen genießt ihr einen herrlichen Panoramablick über Cayenne! Lust auf ein Bad im Atlantik? Dann plant einen Strandtag im südlich gelegenen Badeort Remire-Montjol ein, auch Cayenne-Plage genannt! Am Strand von Remirement-Montjol, wie auch in Awala-Yalimapo, legen riesige Lederschildkröten, die größten Meeresschildkröten der Welt, ihre Eier ab – ein beeindruckendes Naturschauspiel!

Ab in den Dschungel!

Das wahre Abenteuer beginnt jedoch hinter den Stadtgrenzen. Der Regenwald von Französisch-Guayana ist Teil des größten zusammenhängenden Tropenwaldes der Erde. Tief im Süden der Guyane française findet ihr hier auch den Parc amazonien de Guyane, Frankreichs größten Nationalpark mit rund 20.300 Quadratkilometern in der Kernzone und 13.600 Quadratkilometern in der Pufferzone – (8,5 Millionen Hektar Regenwald insgesamt! Auf den riesigen Flüssen wie dem Maroni oder dem Oyapock könnt ihr in traditionellen Einbäumen (Pirogen) lautlos durch das grüne Dickicht gleiten.

An den Ufern der beiden Ströme leben indigene Gemeinschaften sowie die Maroons – Nachfahren geflohener Sklaven –, die ihre jahrhundertealten Traditionen und Sprachen bis heute bewahren. Wer hier in einer Hängematte unter dem Sternenhimmel übernachtet und den Rufen der Brüllaffen lauscht, erlebt auf unvergessliche Weise echte Wildnis. Auch Jaguare, Tukane und hunderte Schmetterlingsarten, darunter den leuchtend blauen Himmelsfalter (Morpho), haben hier ihr Refugium.

La Guyane française ist kein klassisches Touristenziel. Es zu entdecken, kann durchaus fordernd sein. Im Gegenzug aber bietet das Land, Erlebnisse, die man nirgendwo sonst in Europa finden kann. Wer bereit ist, sich auf das feuchtheiße Klima und die Unberechenbarkeit des Dschungels einzulassen, wird mit einer Ursprünglichkeit belohnt, die in unserer globalisierten Welt selten geworden ist.

Meine Beiträge zur Guyane française

No posts