So viel Frankreich steckt in … Hamburg

Blick auf Hamburg mit den Landungsbrücken
Blick auf Hamburg mit den Landungsbrücken
Blick auf Hamburg mit den Landungsbrücken. Foto: Hilke Maunder

Wie viel Frankreich steckt in Deutschland? Das verrät euch meine neue Blogparade, die in Kooperation mit der Vereinigung der Deutsch-Französischen Gesellschaften für Europa  (VDFG) das Jahr der Frankophonie 2018 begleitet. Den Auftakt macht Hamburg. Die Hansestadt, die in diesem Jahr 60 Jahre der Städtepartnerschaft mit Marseille feiert, hat ein ganz besonderes Verhältnis zu Frankreich, verdankt es ihm doch eine kulinarische Spezialität: das Franzbrötchen.

Quelle merde! Auch dieser Versuch, das Croissant für die Soldaten der Truppen Napoléons nachzubacken, war gründlich daneben gegangen. Trotz des richtigen Rezeptes geriet der Plunderteig immer wieder sehr nordisch. Nicht pludrig und luftig, sondern buttrig schwer. Wütend schlug der Bäcker mit der Hand auf das missratene Backwerk. Um das Unglück zu kaschieren, bestreute er es mit einer Zucker-Zimt-Mischung: Voilà, das Franzbrötchen war geboren.

Ob’s stimmt? Eine schöne Legende ist es allemal, und äußerst lecker überdies. 1806 – 1814 gehörte Hamburg als „bonne ville de l’Empire français“ im Département des Bouches de l’Elbe zu Frankreich. Doch die Beziehungen reichen viel weiter zurück als die Hamburger „Franzosenzeit“.

Gebäckklassiker aus Hamburg: das Franzbrötchen. Foto: Hilke Maunder

Der süffige Hamburger Rotspon

Bereits 13. Jahrhundert brachten Hansekoggen junge Bordeauxweine von der Atlantikküste an die Elbe. Von der Seereise erholte sich der Wein im Oxen-Fass in Hamburgs Kellern. Dieser  Rotspon mundete den napoleonischen Truppen im Norden viel besser als ihr heimischer Rebensaft.

Nachdem Ludwig XIV das Toleranzedikt von Nantes widerrufen hatte, waren ab 1685 viele Hugenotten nach Hamburg geflüchtet. Unter ihnen war 1737 auch Charles Sarry, der mit der Loge d’Hambourg die Freimauerei in Hamburg begründete. Hugenotten haben Hamburg Jahrhunderte lang geprägt: Alexis de Chateauneuf gestaltete ab 1842 das Herz Hamburgs rund um die Kleine Alster, Chérie Maurice gründete 1843 das Thalia Theater.

Hamburger Rotspon. Foto: mit freundlicher Genehmigung von florian@librito.de

Französische Lebenslust an der Elbe

1799 brachte der emigrierte Adlige Augustin Lancelot de Quatre Barbes einen Hauch von Paris an die Alster und eröffnete den Alsterpavillon, bis heute eines der beliebtesten Lokale an der Binnenalster. Der vor den Schergen derFranzösischen Revolution geflohene Oberst Rainville gründete an der Elbe die Rainville-Terrasse, wo tout Hambourg tanzte, ein anderer Emigrant das Hotel.

Am 30. Mai endete die Franzosenzeit in Hamburg, die viele Hamburger als Schreckenszeit erleben. Als Hammonia 1842 brannte, ein Drittel der Stadt Opfer der Flammen wurde, war es Frankreich, das half – vor allem Paris und Marseille. 1958 wurden die beiden Hafenstädte Partner. In diesem Jahr wird das 60-jährige Jubiläum der Partnerschaft ein Jahr lang gefeiert.

60 Jahre Hamburg-Marseille: das Festival

Den Auftakt macht das Festival arabesques, das im siebten Jahr als Motto „Gegenwelten – repenser le monde“ gwählt hat. Am Tag der deutsch-französischen Freundschaft, dem Am 22. Januar 2ß18, wird es in St. Johannis – Kulturkirche Altona eröffnet.

Das von Nicolas Thiébaud gegründete Ensemble arabesques mit Solisten der Hamburger Staatsoper und Solisten des Marseiller Institut Français des Instrument à vents wird Werke Hamburger und Marseiller Komponisten spielen, die sich dem Chants Pays, und damit der kulturellen Identität und dem kollektiven Gedächtnis widmen.

Die Lieder und Tänze sind Zeugnisse der gestalterischen Kraft, mit der die Dörfern einem nicht immer leicht zu bewältigenden Alltag begegneten. Der französische Komponist und Musikwissenschaftler Marie-Joseph Canteloube de Malaret (1879 – 1957) ist heute vor allem für seine Arrangements von Volksliedern der Auvergne bekannt, die er bei Bauern und Hirten hörte, die sie auf Occitan sangen, der romanischen Sprache des südlichen Frankreichs und baskischen Teile Spaniens.

Mit dem Marseiller Komponisten Henri Tomasi (1901 – 1971), der korsisches Liedgut verarbeitete, wird die Städtepartnerschaft besonders geehrt. Emmanuel Chabrier (1841 – 1894) widmete sein Werk der ländlichen Idylle und den Dorftänzen. Eine Auswahl von Liedern Gustav Mahlers zu der Gedichtssammlung „Des Knaben Wunderhorn“ von Clemens Brentano und Achim von Arnim ergänzen dieses Konzert, das mit einer Komposition des Hamburgers Georg Philip Telemann eröffnen wird.

Mehr zum Festival findet ihr hier im Blog.

arabesques – das deutsch-französische Kulturfestival. Foto: mit freundlicher Genehmigung von Barbara Barberon-Zimmermann, Intendantin arabesques.

Der Bürgeraustausch

Im Jahr 2013 organisierten die DFG Cluny e.V. und die Maison Allemande Marseille den 1. Bürgeraustausch zwischen Marseille und Hamburg anlässlich des 55. Partnerstadtjubiläums. Im Jahr 2018, zum 60. Partnerschaftsjubiläum, lassen Gabriele Jacobsen und ihre Marseiller Partnerin Ulrike Klotz-Eiglier den Bürgeraustausch nach 2013 und 2015 zum dritten Mal stattfinden.

Für die Hamburger geht es am 9. Mai für fünf Tage nach Marseille, wo u.a. ein Empfang im Rathaus, eine Stadtrundfahrt mit Besichtigung der Basilika Notre Dame de la Garde, Besuche des Museums MUCEM, der l’Euroméditerranée und der Docks ein Spaziergang durch das Panier-Viertel sowie Ausflüge nach Avignon und Arles geplant sind.

In Hamburg wird der Besuch aus Marseille am 16. Juni erwartet und ebenfalls im Rathaus begrüßt. Weitere Programmpunkt sind eine Stadt- und Hafenrundfahrt, die Besichtigung der Elbphilharmonie sowie Ausflüge nach Lübeck und vielleicht auch Lüneburg.

Der Hamburger Schnack

2018 feiert die Welt das „Année du français et des cultures francophones“, das Jahr der Francophonie, Ziel ist es, die Französisch und die damit verbundenen frankophonen Kulturen durch Initiativen und Angebote an Schulen und Kultureinrichtungen zu fördern.

Auch Hamburg macht mit. Denn die berühmte Hamburger Schnauze hat viele Redewendungen und Ausdrücke aus dem Französischen verballhornt und in ihr Missingsch integriert. Für euch habe ich ein paar Beispiele rausgesucht, die immer noch im Alltag täglich verwendet werden. Lest erst mal nur die Überschrift. Erratet ihr, was die Ausdrücke bedeuten?

Auf dem Kiwiw sein

Aus der Frage der Wachsoldaten „Qui vive – wer da?“ entstand der typisch Hamburger Ausdruck für „aufpassen“.

Keine Fisematenten machen

Zur Franzosenzeit sollen die Soldaten die schönen Hamburgerinnen in ihr Zelt eingeladen haben: Voulez-vous visiter ma tente? Erschrocken hätten die Eltern ihre Mädchen ermahnt, keine „Fise ma tenten“, sprich, keinen Unsinn zu machen…

Mit Zisslaweng

Mit viel Schwung, wie der Wind, meinst diese Redensart, die aus „Entre la zist et le vent“ entstanden ist.

Ätschibätsch

Hättet ihr geahnt, dass es aus dem französischen „Vous êtes si bête“ entstanden ist?

Plörre

Ist der Kaffee so dünn wie in der Besatzungszeit, kann man nur „pleurer“, weinen.

Hamburg & Frankreich: das rockt!

Auch in diesem Jahr ist Frankreich wieder Partnerland des Reeperbahn Festivals. Vom 19. bis 22. September präsentiert Chic Schnack auf Europas größtem Clubfestival wieder zahlreiche in Frankreich produzierte Bands – und das nicht nur auf St. Pauli, sondern auch in Hamburgs neuem Konzerthaus: in der Elbphilharmonie!

Den Auftakt macht am 21. September 2018 Ibeyi. Das französisch-kubanische Zwillings-Duo Lisa-Kaindé und Naomi Diaz verbindet seinen erdigen Musikmix aus Soul, Hip-Hop, Synthie-Pop und afrokubanischen Rhythmen mit politischen Statements und sorgte mit seinen beiden bislang erschienenen Alben international für Aufsehen. Nach seinem Deutschland-Debut beim Reeperbahn Festival in 2014 kehren Ibeyi nun als gewachsene Stars an die Elbe zurück.

Her ist eine der spannendsten französischen Newcomer-Bands und begeistern mit tanzbaren Electro-Soul, lässiger Dandy-Eleganz und kämpferischer Sozialkritik ihre Fans Am 22. September wollen sie mit R’n’B, Soul und Pop die Elphi zum Dancefloor unfunktionieren.

Hamburg & Frankreich: Was für Verbindungen!

Institut Français Hamburg

Seit 1951 fördert das Institut français de Hambourg die deutsch-französischen Beziehungen mit Sprachkursen und Sprachzertifikaten, Kulturveranstaltungen, Beratung und einer gut sortierten Médiathek.

Schüleraustausch

Über das Brigitte-Sauzay-Programm des Deutsch-Französischen Jugendwerkes (DFJW) können Schülerinnen und Schüler Hamburger Stadtteilschulen und Gymnasien drei Monate lang rund um Toulouse und Marseille/Aix-en-Provence die Schule besuchen, mit dem Voltaire-Programm des DFJW sogar sechs Monate lang.

Abibac

An den drei bilingualen Gymnasien Osterbek, Othmarschen und Süderelbe sowie an der französischen Auslandsschule Lycée Français de Hambourg (LFH) kann mit dem Abibac gleichzeitig ein französisches und ein deutsches Abitur abgelegt werden.

Amicale de Hambourg

Wer aktiv im wirtschaftlichen Austausch mit Franzosen steht oder mit ihnen beruflich zu tun hat, findet hier ein Forum für Austausch. Geboten wird ein anspruchsvolles Programm mit Vorträgen zu aktuellen Themen aus Wirtschaft und Politik mit anschließendem gemütlichen Zusammensein oder Dîner. Amicale de Hambourg ist MItglied des französischen Netzwerkes CAFA, das 20 Businessclubs in beiden Ländern umfasst.

Cluny e.V (Hamburg)

Seit 71 Jahre fördert die älteste deutsch-französische Gesellschaft von Hamburg aus die bilaterale Freundschaft im Rahmen einer gesamteuropäischen Entwicklung. Cluny veranstaltet Vorträge über Politik, Wirtschaft und Kultur, organisiert Studien- und Austauschfahrten nach Frankreich und die Städtepartnerschaft mit Marseille. Der jährlich vergebene Prix Cluny ehrt herausragende Leistungen Hamburger Schülerinnen und Schüler im Fach Französisch.

CoPeCo

Die Hamburger Hochschule für Musik und Theater  und das Conservatoire National Supérieur Musique et Danse de Lyon gründeten vor einigen Jahren einen europaweit einzigartigen Studiengang für zeitgenössische Musikaufführung und -komposition, der heute als Master-Studiengang Contemporary Performance and Composition mittlerweile vier Hochschule umfasst. Auch die Eesti Muusika- ja Teatriakadeemia in Tallin und die Kungl. Musikhögskolan i Stockholm gehören inzwischen dem Pilotprojekt an.

Francais du Monde ADFE Hambourg

Seit 2011 gibt es auch in Hamburg eine Ortsgruppe des gemeinnützigen Vereins Français du Monde – AdFE für Franzosen, die in der Hansestadt leben und arbeiten. Ziel ist neben der Vernetzung und dem Austausch von Infos über Kultur, Politik, Wirtschaft und Soziales in Frankreich, auch eine vertiefte Bindung zum Gastland. Zum Angebot gehören neben der Arbeitsvermittlung auch gemeinsame Brunch-Treffen sowie Sprachkurse für Kinder.

Hamburg – Bordeaux

Älter als der Elysée-Vertrag (1963) ist die Unipatenschaft von Hamburg mit Bordeaux, die bereits 1957 begründet wurde.

HamburgAmbassador

Angela Reverdin in Marseille, Wolfgang Michalski in Paris und Dieter Kästner in Toulouse: Als ehrenamtliche Repräsentanten der Hansestadt in Frankreich engagiert sich das Trio in ihrem jeweiligen persönlichen wie beruflichen Umfeld für den Ausbau der Beziehungen zwischen Frankreich und Hamburg.

Hambourg Accueil

Herzlich willkommen und bienvenue: So heißt seit 1989 der Verein Hambourg Accueil mit seinen Mitgliedern französische Neuankömmlinge in Hamburg willkommen und hilft bei der Integration mit geselligen Treffen, Tanz und viel Kultur.

 

Mon Hambourg

Florence Coantic ist Bretonin, stolz auf ihre doppelte Staatsbürgerschaft und ihre beiden Jungs – und Gründerin und Autorin von monhambourg.de. Dort bloggt die Hamburgerin mit französischen Wurzeln zweisprachig zu allen Themen, die ihre Wahlheimat und die deutsch-französische Lebensart der Hansestadt betreffen. Sehr lesenswert!

 

Hamburg – Frankreich: ein paar Fakten & Zahlen

• Frankreich ist vor China, den Niederlanden, Großbritannien und den USA Hamburgs wichtigster Handelspartner. Die Exporte aus Hamburg nach Frankreich erreichen jährlich rund 10,7 Mrd. Euro, die Importe 13,9 Mrd. Euro.

• Fast 1.500 Hamburger Unternehmen stehen in wirtschaftlichen Beziehungen zu Frankreich. 150 davon sind mit Niederlassungen oder Produktionsstätten in Frankreich vertreten oder beteiligen sich an deutsch-französischen Joint Ventures.

• Zu den wichtigsten französische Firmen  in Hamburg gehört mit  der Compagnie Générale Maritime (CGM) die größte Reederei Frankreichs. Der Kreditversicherer Euler Hermes SA beschäftigt in seiner Hamburger Hauptverwaltung mehr als 1.000 Mitarbeiter. Bereits seit Beginn der 1980er-Jahre ist JCDecaux, das weltweit größte Unternehmen für Außenwerbung, in Hamburg aktiv. Airbus machte mit drei Fertigungsstätten in der Metropolregion Hamburg zum drittgrößten Standort der Luftfahrt.

• Rund 4000 Franzosen leben in Hamburg

• 89 Erasmus-Programme bestehen zwischen Hamburger Hochschulen und französischen Universitäten.


Wie viel Frankreich steckt in Deutschland? Das verrät euch meine neue Blogparade, die in Kooperation mit der Vereinigung der Deutsch-Französischen Gesellschaften für Europa (VDFG) das Jahr der Frankophonie 2018 begleitet. Alle bisherigen Beiträge findet ihr hier.

Ihr wollt, dass ich auch eure Stadt und ihre Verbindungen mit Frankreich vorstelle? Dann schreibt mir eine Mail! Ich freue mich auf ganz viele Tipps und Infos. Und sage: MERCI!

20 Jahre Lycée Français de Hambourg. Foto: Hilke Maunder

 

9 Kommentare

  1. Bonjour Hilke,
    vielen Dank für die vielfältigen und interessanten Tipps und Anregungen zu diesem Thema. Als Hamburgerin kenne ich bereits einige Institutionen, aber das soviel Frankreich in Hamburg steckt, das wusste ich nicht. Das ist klasse, denn wenn das Fernweh Richtung France aufkeimt und die bevorstehende Reise noch ein bisschen hin ist, werde ich die Zeit damit gut in Hamburg überbrücken können. Ich freue mich auf weitere Informationen zu diesem Thema auf deinem Blog. Claudine

  2. Hallo,
    unsere Stadt (Ansbach) hat mit Anglet seit 2018 eine 50 jährige Partnerschaft.
    Unser Verein Angletclub.de ist seit letzten Jahr 30 Jahre tätig, wir hatten 2017 den 22. Weihnachtsmarkt in Anglet.
    Für weitere Fragen einfach melden.
    Mit freundlichen Grüßen.
    Helmut Schmelzer

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.