Postkarte aus … Harfleur

Harfleur. Foto: Hilke Maunder
Das Füsschen Lézarde fließt mitten durch Harfleur. Foto: Hilke Maunder

Harfleur: 8.237 Einwohner, 15,6 Prozent Arbeitslose. An der Rue de la République und Rue Gambetta sind zahlreiche Ladengeschäfte verwaist, selbst Bars verrammelt. Putz bröckelt von den Fassaden.

Die Tatsache, dass heute der Hafen von Le Havre bedeutsamer ist – bis ins 15. Jahrhundert war es Harfleur! – und die Auswirkungen der Finanzkrise hatten deutliche Spuren in der Stadt hinterlassen.

Harfleur. Foto: Hilke Maunder
Harfleur an der Lézarde, die mitten durch das alte Zentrum fließt. Foto: Hilke Maunder

So erlebte ich die Stadt bis 2018. Noch seitdem hat ein kleiner Aufschwung begonnen. Auf neun Prozent ist die Arbeitslosigkeit gesunken – trotz der Covid-19-Pandemie 2020/21. Auch Harfleur erlebt eine kleine Renaissance.

Harfleur. Foto: Hilke Maunder
Harfleur. Foto: Hilke Maunder

Besonders in der Rue des 104 ist Leben zu spüren. Man kauft vor Ortz beim Grünhöker und Schlachter, füllt in der Bar-Tabac den Lottoschein aus, trinkt einen Café und tauscht sich mit anderen Gästen aus.

Die malerische Rue des 104 erinnert mit ihrem Namen an die 104 Bauern, die Harfleur 1435 von der Herrschaft der Engländer befreiten.

Harfleur. Foto: Hilke Maunder
Schlachter an der Rue des 104. Foto: Hilke Maunder

Farbspiele in Glas

Harfleur. Foto: Hilke Maunder
Die jahrhundertealte Kirche Église Saint-Martin ist für ihre modernen Buntglasfenster bekannt. Foto: Hilke Maunder.

Sie endet an der Église Saint-Martin, deren Bau vom 13. bis 16. Jahrhundert dauerte. Mit ihrem 83 Meter hohen Kirchturm gehört das Gotteshaus zu den Prunkstücken der gotischen Architektur in der Normandie.

1944 stürzte der Glockenturm bei den Kämpfen während der Befreiung halb ein. Die Restaurierungsarbeiten dauerten bis 1964. 2011 wurde die Westfassade 2011.

Harfleur. Foto: Hilke Maunder
Église Saint-Martin. Foto: Hilke Maunder

Das Schönste im Innern der St.-Martins-Kirche sind ihre 15 modernen Buntglasfenster, die von in Gelb-, Rot-, Blau- und Lilatönen leuchten. Bernard Piffaretti schuf sie 2012 als Ersatz für die die von Drouin gemalten Glasfenster im Stil des späten 19. Jahrhunderts.

1915 hatte die Kirche sie bei der Explosion einer Fabrik, die den Spitznamen “das belgische Pulvermagazin” erhielt, verloren. Jene  hatte fast alle historischen Fenster zerstört. Die wenigen, die noch erhalten blieben, ließen 1943 und 1944 die Weltkriegsbomben zerbersten.

Harfleur. Foto: Hilke Maunder
Église Saint-Martin. Foto: Hilke Maunder

Abends leuchtet Harfleur

Noch mehr leuchtet Harfleur am Abend. Kunstvoll mit Licht in Szene gesetzt werden nicht nur die Église St-Martin, sondern auch Fischerhäuser und Fachwerk. Wunderschön illuminiert werden auch historische Bauten wie die Prieuré aus dem 15. Jahrhundert, die heute ein Museum zur Stadtgeschichte birgt.

Harfleur. Foto: Hilke Maunder
Die Église Saint-Martin wird abends wunderschön beleuchtet. Foto: Hilke Maunder

Wunderschön illuminiert ist schließlich auch das monumentale Rathaus, das in einem aus Ziegel- und Naturstein errichteten Schloss des 17. Jahrhunderts in einem zwei Hektar großen Park im englischen Stil residiert.

Und schließlich tanzt das Licht der Straßenlaternen und Wohnhäuser auch auf der nur 14 km langen Lézarde, die sich durchs Straßenzentrum windet.

Harfleur. Foto: Hilke Maunder

Harfleur: meine Reisetipps

Solidarische genießen

La Cantine

Restaurant associatif steht auf der Schiefertafel, die zwischen Blumentöpfen, Gestecken und zusammengeklappten Stühlen steht. Restaurant associatif? Muss ich da Mitglied sein? Kann, muss man aber nicht.

Harfleur: Gast im Restaurant "La Cantine". Foto: Hilke Maunder
“La Cantine”: schlemmen ganz solidarisch – und mit Spaß an Farbe und Vielfalt. Foto: Hilke Maunder

Mittags wird zu einem äußerst günstigen Einheitspreis ein täglich wechselndes Menü gereicht. Wer einen kleinen Obolus als Mitgliedsbeitrag zahlt, erfährt schon vorher, welche Speisen, Konzerte oder andere Veranstaltungen geplant sind.
• Place Victor Hugo/Ecke Rue Jehan de Grouchy, Harfleur, Reservierung: Tel. 06 16 73 59 61, www.facebook.com/lacantine.harfleur

La Cantine, Restaurant associatif in Harfleur. Foto: Hilke Maunder
La Cantine mag es bunt: von den Gästen über die Einrichtung bis zur Küche. Foto: Hilke Maunder

Erleben

Viel lebendiger als in der Woche ist Harfleur beim großen Markt am Sonntagvormittag mit seinen Farben und Düften. Das Fest der Säge, La Fête de la Sie, feiern alljährlich im April rund 20.000 Besucher.

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Harfleur. Foto: Hilke Maunder
Malerisch schön: Harfleur zur blauen Stunde. Foto: Hilke Maunder
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