ENTDECKT
Aisne!
Das Département Aisne, bei dem das „s“ lautlos bleibt und das daher wie „Än“ ausgesprochen wird, gehört zu jenen Landstrichen in Frankreich, die noch nicht so sehr im touristischen Fokus liegen. Und doch besitzt es einen ganz eigenen Reiz, eingebettet in eine ländliche Beschaulichkeit und Ursprünglichkeit, wie sie für La France profonde – das tiefe, echte Frankreich – so typisch ist.
Das Département Aisne liegt im Norden Frankreichs in der Region Hauts-de-France. Es grenzt im Norden an das Département Nord, im Osten an die Ardennes und die Marne, im Süden an Seine-et-Marne sowie im Westen an die Oise. Mit einer Fläche von 7.369 Quadratkilometern ist Aisne das zwölftgrößte Département Frankreichs und bildet ein Mosaik aus weiten Feldern, tiefen Wäldern und geschichtsträchtigen Tälern, in denen so manch eine Schlacht geschlagen wurde.

Logenplatz der Geschichte: Laon
Zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten gehört die Altstadt von Laon. Sie thront spektakulär hoch über der Ebene auf einem markanten Inselberg, der schon von weitem die Silhouette des Landstrichs prägt. Über dem mittelalterlichen Gewirr der Gassen erhebt sich seit dem 12. Jahrhundert die Kathedrale Notre-Dame de Laon. Als eines der bedeutendsten frühen Bauwerke der französischen Gotik ist sie nicht nur ein architektonisches Meisterwerk, sondern auch als Teil des UNESCO-Weltkulturerbes geschützt. Besonders markant sind die Ochsenfiguren an den Türmen, die an die harte Arbeit der Tiere beim Bau der Kathedrale erinnern.
Wehrhafte Burgen und die Wiege der Sprache

Zwischen Laon und Soissons – der Präfektur des Départements, die ebenfalls mit einer sehenswerten Kathedrale und bedeutenden Abteiruinen wie Saint-Jean-des-Vignes aufwartet – findet ihr das Château de Coucy. Diese gewaltige Anlage aus dem 13. Jahrhundert galt einst als eine der größten und mächtigsten Burgen Europas. Auch wenn der riesige Wohnturm (Donjon) im Ersten Weltkrieg zerstört wurde, zeugen die massiven Mauern noch heute von der Unbeugsamkeit der Herren von Coucy.
Im Süden des Département Aisne eröffnete im Schloss von Villers-Cotterêts im Oktober 2023 die Cité internationale de la langue française. In diesem ungeheuer spannenden Erlebniszentrum dreht sich alles um die französische Sprache. Der Ort ist geschichtsträchtig, denn hier unterzeichnete Franz I. im Jahr 1539 das Edikt, welches Französisch zur Amtssprache des Reiches machte.

Im Norden de Départements Aisne ist die Thiérache berühmt für ihre Wehrkirchen – entdeckt sie auf einer Themenroute! die den Bauern in Zeiten von Kriegen und Plünderungen als Festung dienten. Ebenso beeindruckend sind die riesigen Staatsforsten wie die Wälder von Retz und Saint-Gobain, die Wanderer und Naturliebhaber in eine grüne Stille entführen.
Das Département Aisne ist schließlich auch ein Ort des Gedenkens. Der Chemin des Dames, ein Höhenrücken zwischen den Tälern der Aisne und der Ailette, war Schauplatz verheerender Schlachten im Ersten Weltkrieg. Heute mahnen Orte wie die Caverne du Dragon (Drachenhöhle) an die dunklen Kapitel der Geschichte und bieten tiefe Einblicke in das Leben der Soldaten unter Tage.

Kulinarik mit Charakter: Maroilles und mehr
Zum Picknick oder Abendbrot gehört im Département mit der Ordnungsnummer 02 unbedingt der Maroilles-Käse dazu. Dieser kräftige Rotschmierkäse kommt oft frisch aus dem Keller auf den Tisch und verströmt ein Aroma, das so markant ist wie das Département. Ob pur, auf einer Flamiche (herzhafter Kuchen) oder sogar im Kaffee getunkt, wie es die Einheimischen im Norden manchmal tun – der Maroilles ist das kulinarische Herzstück der Hauts-de-France.
In meinen Beiträgen über das Département Aisne nehme ich euch mit zu versteckten Abteien, erzähle von Begegnungen in verschlafenen Dörfern und zeige euch, warum dieser Landstrich zu Unrecht oft übersehen wird. Bonnes découvertes !








