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Somme!

In der Region Hauts-de-France im Norden Frankreichs erstreckt sich das Département Somme über eine Fläche von etwa 6.170 Quadratkilometern. Eingebettet zwischen den Départements Pas-de-Calais und Nord im Norden, Aisne im Osten, Oise im Süden sowie der Seine-Maritime und dem Ärmelkanal im Westen, bildet der Landstrich das Herz der historischen Picardie.

La Somme ist ein Département der zwei Gesichter. Im Westen lockt die unberührte Weite der Baie de Somme, wo Seehunde auf Sandbänken dösen und das Licht der Küste Maler verzückt. Doch folgt ihr dem Lauf des Flusses nur eine Autostunde landeinwärts, ändert sich die Atmosphäre schlagartig. Hier, in den sanften Hügeln des Hinterlandes, liegen die Narben der Weltgeschichte so dicht unter der Grasnarbe wie nirgendwo sonst in Europa.

Der längste Küstenfluss Frankreichs

Namensgeber des Départements mit der Ordnungsnummer 80 ist die Somme. Mit 245 Kilometern ist sie der längste Küstenfluss Frankreichs. Sie entspringt in Fonsomme bei Saint-Quentin (Aisne) und schlängelt sich durch idyllische Landschaften mit sanften Hügeln, dichten Wäldern und weiten Weiden, ausgedehnten Sumpfgebiete und die berühmten schwimmenden Gärten von Amiens, die Hortillonnages. Schließlich mündet der Fluss in die Baie de Somme, für mich die schönste Bucht der Picardie.

Amiens: Gotische Pracht und Beton der Moderne

Die Hauptstadt Amiens, ist ein städtebauliches Palimpsest, immer wieder zerstört, überbaut und verändert. An jeder Ecke spürt man, dass unter dem, was man heute sieht, noch etwas anderes durchschimmert, Amiens, das römische Samarobriva, eine Stadt voller Schichtungen ist.

Über allem thront die Kathedrale Notre-Dame d’Amiens, die größte gotische Kirche Frankreichs und UNESCO-Welterbe. Ihr Innenraum ist gigantisch, ihr Figurenschmuck unglaublich filigran. Wie durch ein Wunder blieb sie in beiden Weltkriegen fast unversehrt. Doch drumherum die Narben des 20. Jahrhunderts.

Geradazu streng wirkt der Wiederaufbau- der Nachkriegszeit. Wie ein Ausrufezeichen ragt die Tour Perret über dem Bahnhofsviertel auf – für die einen ein Symbol des Fortschritts, für die anderen ein Fremdkörper in der historischen Stadtstruktur. Überlebt hat sie u. a. im Quartier Saint-Leu, das „Venedig des Nordens“, wo sich bunte Häuser an schmale Kanäle schmiegen.

Das Trauma: Die Schlacht an der Somme

Im Ersten Weltkrieg war das Département eines der am heftigsten umkämpften Gebiete Frankreichs. Zwischen Juli und November 1916 fand hier die Schlacht an der Somme statt. Die Alliierten, hauptsächlich britische und französische Truppen, kämpften gegen die deutschen Streitkräfte entlang eines 50 Kilometer langen Frontabschnitts entlang des Flusses.

Die Schlacht begann am 1. Juli 1916 mit einer massiven britischen Offensive, bei der Hunderttausende von Soldaten in einem verheerenden Artilleriefeuer gegen die deutschen Verteidigungsstellungen vorgingen. Trotz anfänglicher Erfolge und kleiner Geländegewinne wurden die Alliierten bald von starken deutschen Gegenangriffen und dem Einsatz moderner Verteidigungstechniken wie Maschinengewehren und Stacheldraht gestoppt.

Die Kämpfe zogen sich über mehrere Monate hin, wobei beide Seiten enorme Verluste erlitten. Die Schlacht gilt als eine der blutigsten Schlachten der Geschichte, mit Hunderttausenden von Toten und Verwundeten auf beiden Seiten. Die britischen Truppen allein verloren an nur einem Tag, dem 1. Juli 1916, mehr als 57.000 Männer.

Die Schlacht an der Somme hatte auch weitreichende Auswirkungen auf die Strategie und den Verlauf des Ersten Weltkriegs. Obwohl die Alliierten letztendlich nicht die erhofften Durchbrüche erzielten, gelang es ihnen, die deutschen Streitkräfte stark zu binden und den Druck von anderen Fronten wie Verdun zu nehmen. Die Schlacht trug somit dazu bei, die deutsche Armee zu schwächen und den Kriegsverlauf zugunsten der Alliierten zu beeinflussen.

Heute sind entlang der Somme zahlreiche Gedenkstätten, Friedhöfe und Denkmäler zu Ehren der Gefallenen des Ersten Weltkriegs zu finden. Sie wollen nicht nur erinnern, sondern engagieren sich heute aktiv und mehr als je zuvor für den Frieden.

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