Herbst-Unterhaltung à la française

Lesetipps

Wenn die Abende länger werden, gibt es kaum etwas Gemütlicheres, als auf dem Sofa oder im Sessel zu lesen. Oder einen schönen Film zu schauen. Voilà ein paar neue Titel mit ganz viel Frankreich-Flair, Infos und Unterhaltung à la française.

Anke Steinemann, Jens F.Meyer: Im ersten Gang geht’s immer rauf*

Der R4, liebevoll auch La Quatrelle genannt, ist mit 34 PS und knapp 1000 Kubikzentimetern Hubraum, der perfekte Wagen für eine nostalgisch-entspannte Landpartie durch Frankreich.

Und genau dies haben Anke Steinemann und Jens R. Meyer mit der automobilen Legende gemacht. Was das Paar dabei unterwegs erlebte, hat es auf 255 Seiten in einem unterhaltsamen Reisetagebuch festgehalten, das Alltagsabenteuer und Reisetipps für Sehenswertes verbindet.

Und das besonders abseits bekannter Routen. So werden auch all diejenigen, die Frankreich bereits gut kennen, noch sicherlich den ein oder anderen Tipp erhalten. Das Duo war vornehmlich im Norden und Westen unterwegs.

Von den Ardennen bis zur bretonischen Atlantikküste, vom Burgund bis zu den Schlössern der Loire reist ihr beim Lesen mit auf der Rückbank ihres R4. Und erlebt in 34 Artikeln eine großartige Reise im Lehnstuhl, die Farbaufnahmen verschönern. Wer mag, kann ihren Reisebericht hier* online bestehen.

Lindsey Tramuta: La Parisienne*

Das neue Paris. Stadt der Frauen. So lautet der Titel eines 320 Seiten dicken Buches, das der Zufall mir per Post brachte. Seine stylische Aufmachung, sein wertiges Papier, sein Thema: Noch ein Beitrag zum Trendthema „Frauenquote“? Ich gebe zu: Ich war mehr als misstrauisch.

Und ließ das Buch fast zwei Wochen lang links lieben auf dem Nachttisch-Lektüreberg. Doch dann war die Neugier stärker. Und ich wählte Anne Hidalgo als Testtext aus.

Zwischen all dem Bekannten, das Lindsey Tramuta da zur Pariser Bürgermeisterin auf vier Seiten packt, fand ich dann doch einige überraschende Infos über zur Stadtchefin, die Privates gerne privat hält. Und freute mich auch über die fünfte Seite, auf der die Politikerin des Parti Socialiste drei ganz persönlich Tipps zu Paris gibt.

So ist das gesamte Buch gehalten. Erst die Infos zur Person, dann persönliche Tipps. Heraus kommen 50 spannende Portraits von Pariser Frauen. Die allesamt sehr lesenswert wären. Wenn Lindsey nicht dauernd mit Klammern und Einschüben den Lesefluss trüben würde. Doch auch daran gewöhnte ich mich.

Und entdeckte viele spannende Menschen und neue Aspekte an Paris. Die allesamt widerspiegeln, was für eine positive Energie in der ville lumière steckt. Paris leuchtet. Kreativ, politisch, innovativ und aktiv. Wer mag, dann das sehr persönliche wie kunterbunte Portrait der Weltmetropole hier* online bestellen.

Gabriele Kasperski, Bretonisch mit Meerblick*

Bereits im Mai 2020 ist dieser Regionalkrimi aus der Bretagne erschienen. Als „Wohlfühlkrimi mit einer liebenswert chaotischen Detektivin vor der Kulisse der atemberaubenden Bretagne“ preist ihn der Verlag. Seine Autorin ist von Hause aus Schauspielerin am Theater und Moderatorin.

So erwartete ich einen kunstvoll verwobenen Krimi mit vielen geschickt gesponnen Fäden. Die Handlung: Tereza Berger, vierzig, geschieden, süchtig nach Milchschokolade, erbt auf der bretonischen Halbinsel Crozon ein Haus. Die Küste ist gefährlich; zwei Leichen wurden dort bereits angeschwemmt. Kaum eingetroffen, wird eine dritte Leiche angeschwemmt – und Tereza war die letzte, die den Toten gesehen hatte.

Ertranken die Toten in der gefährlichen Meeresströmung dort? Oder handelt es sich um Morde? Tereza ermittelt – und gerät dabei selbst in Gefahr.

In einfacher Sprache, locker und flockig verfasst, mit reichlich Stereotypen, Klischees und logischen Lücken berichtet die Ich-Erzählerin, mit welchen Mitteln sie aus ihrer neuen Heimat vertrieben werden soll. Doch erst im letzten Drittel gewinnt der Krimi an Fahrt.

So bleibt das Buch eine nette, ansprechende Urlaubslektüre, die mehr Frankreich-Flair als wirkliche Spannung enthält. Nicht so richtig was für mich, war auch der Eindruck beim zweiten Lesen. Doch die Geschmäcker sind verschieden. Und so sei auch dieses Buch hier einmal vorgestellt. Als ein Krimi für zwei, drei unterhaltsame Stunden, leicht und schnell zu lesen. Wer mag, kann ihn hier* online bestellen.

Bon Voyage – ein Franzose in Korea*


Mit Verstehen Sie die Béliers* hatte Regisseur Éric Lartigau die Kultkomödie des Jahres 2015 gedreht und Louanne zum Star gemacht. Umso mehr freute ich mich auf sein neuestes Werk, das zunächst ähnlich unterhaltend klang.

Chefkoch Stéphane (Alain Chabat) ist geschieden, hat zwei erwachsene Söhne und ist gelangweilt vom Leben. Über Instagram lernt er die Koreanerin Soo (Doona Bae) kennen. Ein reger Austausch übers Netz beginnt.

Jede Nachricht beflügelt den Franzosen in den besten Jahren. Noch einmal wieder das Leben und die Liebe spüren… Diese Sehnsucht wird so groß, das er aus einem Impuls heraus nach Seoul fliegt. Und sich dort auf die Suche nach Soo macht.

Sie endet so, wie ich den Film empfunden habe: mit einer Enttäuschung. Slapstickhafte Culture-Clash-Szenen dominieren die Einstellungen, die in Korea gedreht wurden. Slapstick statt Lachen und Humor mit Tiefe.

Schade. Oder einfach nur genug für eine lustigen Abend mit gutem Wein, bei dem der Film eine nettes Beiprogramm ist. Wer mag, kann den Film hier* online bestellen.

Offenlegung

Sämtliche Titel für die herbstlichen Medientipps à la française stellten mir die Verlage kostenfrei für die Rezension zur Verfügung. Merci!

Merci für's Teilen!

6 Kommentare

  1. Liebe Hilke,
    ich bin zufällig auf diesen Block gestossen und er tröstet mich enorm darüber hinweg, dass ich in diesem Jahr, aus gegebenen Anlaß, nicht meine Ferien in Frankreich verbringen kann. Ein ganz herzliches „Danke Schön“ an Dich für diesen Blog.
    Karin Vetten

  2. Halo Hilke,
    Das Buch von der Renault 4 werd ich mir bestellen, da ich in Frankreich oft mit so einer Einkaufen ging, meinem Vater war er viel zu langsam, meine Mutter fuhr nur Automatik, aber ich mochte die Kleine einfach, der Platz, der Komfort à la française passte mir immer sehr gut, die paar Macken, die sie hatte, hab ich ihr via eine kleine Garage 4 km entfernt ausgetrieben, zu einem unvorstellbaren kleinen Preis……C’était le bon temps…………….Danke fuer Deine immer tollen Beitraege, beste Gruesse aus der Schweiz, Rainer:-)

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.