Ein Wochenende in … Marseille

Der alte Hafen von Marseille
Der alte Hafen von Marseille

Marseille, Austragungsort der Olympischen Segelwettbewerbe 2024, erfindet sich neu: mit Architektur zum Staunen, Shopping der Superlative und grenzenloser Kultur rund um die Uhr. Schick, schön, stylisch. Bis 2020 soll alles fertig sein. Entlang der alten Hafenkante und rund ums MuCEM, 2013 zum Kulturhauptstadtjahr eröffnet, lässt sich das neue Marseille hautnah entdecken.

Auch die anderen Stadtviertel sind mitten im Umbruch. Marseille ist ein melting pot, den seit 2600 Jahren die Kulturen des Mittelmeerraumes formen – eine faszinierende Stadt gibt es kaum in Frankreich.

Nicht immer schön, aber stets spannend, überraschend, voller Vitalität und Dynamik. Und dann wieder stiller Winkel, lauschiger Ecken, grüner Parks, Badebuchten und Meer. Eine Stadt für Entdecker und alle, die gerne Neues wagen.

Tag 1: Stadt-Kultur

10 Uhr: „Petit Dej“ beim Bio-Bäcker

Die Bar à Pain von Emmanuel Arnoux lockt mit knusprigen Croissants, luftigen Brioches und ausgefallenen Kreationen zum Morgenkaffee. Köstlich: die schockigen Sesam-Nuss-Cookies und das Mandel-Feigenbrot.

10.30 Uhr: La Canébière & Vieux-Port

Gesäumt von Kaufhäusern, Hotels, Bistros und Belle-Epoque-Palais strebt Marseilles Prachtstraße zum Vieux-Port, dem alten Hafen mit seinen Ausflugsschiffen, Jachten und Kuttern. Ihren Fang verkaufen die Fischer morgens früh am Kai, gleich neben dem emblematischen Spiegeldach von Lord Norman Forster.

11.30 Uhr: Le Panier…

Zum Kulturhauptstadtjahr 2013 saniert, lockt das ältesten Viertel der Stadt heute mit einem spannenden Mix aus mediterran-dörflichem Erbe und trendigem Zeitgeist. Über schmale Gassen, steile Treppen und lauschige Plätze mit angesagten Lokalen wie dem Café des Épices geht es vorbei an der Kirche St-Laurent und dem Fort Saint-Jean aufs Dach des Museums der Zivilisationen Europas und des Mittelmeerraums (MuCem), das mit drei Restaurants und eigenem Küchengarten auch ein Mekka für Genießer ist.

… und die Pizza von Étienne

Oder besucht einmal ein Lokal, das Kult ist unter den Einheimischen: Chez Étienne. In der einfachen Pizzeria in der Rue de Lorette 43 gab es bis vor kurzem keine Preise auf der Karte. Wie teuer das Essen wurde, entschied der Patron nach dem Blick auf den Gast.

Der Klassiker heißt dort „moitié-moitié“, eine halbe Pizza, die zur Hälfte mit Tomaten und Oliven, auf dem zweiten Viertel mit Käse dick bedeckt wird. Ihr werdet nicht satt davon? Dann bestellt euch noch einen Teller „supiens frits“, frittierter Minikraken, die mit Zitrone und einer großen Schale gemischter Blattsalate serviert werden – auch ein volkstümlicher kulinarischer Klassiker aus Marseille.

13 Uhr: Oder schlemmen bei Gérald Passedat?

Im obersten Stock von J4 serviert Gérald Passedat, Dreisternechef des Petit Nice, hinter einer riesigen Maschrabiyya, einem geschnitzten Holzgitter der traditionellen arabischen Architektur, in „La Table“ mediterrane Gourmetküche, in „La Cuisine“ provenzalische Kichererbsen-Crêpes, Krebs mit Chili oder Schakschuka aus Tomaten und Paprika. Im Garten-Bistro „Le Café“ locken gegrilltes Hähnchen mit Honig und Zitrone, Meeräsche mit Zitronenconfit oder Fischbällchen mit Kreuzkümmel und Safran.

14.30 Uhr: Mediterrane Entdeckungen im MuCEM

Marseille ist seit 2600 Jahren eine multikulturelle Stadt am Schnittpunkt zwischen Orient und Okzident. Die kulturhistorische Vielfalt des Mittelmeerraums lässt sich Museum der europäischen Zivilisationen des Mittelmeeres, kurz MuCEM entdecken. Besucht die Dauerausstellungen „Galerie de la Méditerranée“ im J4 und „Le temps des loisirs“ im Fort Saint-Jean – am besten mit einem Multimediaguide!

Oder bei Führungen, die auch auf Deutsch angeboten werden. Als Ort der Begegnung und des Austauschs initiiert das MuCEM regelmäßig Sonderausstellungen, Workshops und andere Veranstaltungen, die zum Nachdenken anregen. Und darüber, was Afrika mit Europa verbindet.

16 Uhr: Euroméditerranée: neue Architektur am Kai

Ein kleiner Koffeinkick am Kai mit Blick auf die Fähren, die nach Korsika und Nordafrika ablegen, macht fit für Marseilles Euroméditerranée, von Lord Norman Foster revitalisiert als schicke Einkaufs- und Büromeile mit Architekturikonen von Zaha Hadid und Jean Nouvel.

17 Uhr: Aussichtsreich: Shopping am Hafen

Selbst am Sonntag sind von 10-20 Uhr die 190 Läden und Lokale der Megashoppingmall Les Terrasses du Port geöffnet, die im Mai 2014 im alten Werftviertel La Joliette eingeweiht wurde. Luxuslabels wie Boss, Michael Kors, The Kooples und ein Apple Store laden ebenso zum ausgiebigen Shopping wie das Warenhaus Printemps und Pop-Up-Stores.

Nicht verpassen: die 260 m lange Terrasse mit Blick aufs Mittelmeer – die perfekte Kulisse, um beim Ricard, dem berühmten Pastis aus Marseille, den Abend zu planen.

Oder sich zu stärken für den nächsten Shoppingmagneten am Meer: Les Docks Village, das gegenüber der Hafenterrassen mit weiteren Läden  und Lokalen in einstigen Hafenspeichern lockt.

Auch unterhalb der schwarz-weiß gestreiften Cathédrale de la Major findet ihr in den Voûtes de la Major tolle Adressen zum Stöbern, Shoppen und Genießen – vom Parfümhersteller Fragonard über den Feinkosttempel Les Halles de la Major bis zum opulent-edlen Restaurant Le Palais de la Major.

19 Uhr: Kultur pur ….

Da fällt die Wahl schwer: Zur besten Essenszeit beginnt auch das abendliche Kulturprogramm. Le Silo, einst größtes Getreidesilo Frankreichs, lockt mit Tanz, Theater und Dachblick aufs Dockviertel. Das nahe Théâtre Joliette-Minoterie hat sich als Bühne für zeitgenössische Inszenierungen einen Namen gemacht.

Wie ein 16 m-Sprungbrett ragt die Villa Méditerranée neben dem MuCEM auf – und unterhält mit Ausstellungen, Kino und Vorträgen im Unterwasserauditorium. Einblicke in Marseilles lebendige Subkulturen bietet La Friche la Belle de Mai.

Die ehemalige Tabakfabrik lockt heute mitKino und Kulturevents, Studios und Büros von z.B. Marseilles Radiosender La Grenouille, Skaterpark, angesagtem Café (EG) und Restaurant Les Grandes Tables im OG – und riesiger Dachterrasse mit anderen, ungewohnten Aussichten auf Marseille, Bar und Bühne. Mein Portrait der Friche findet ihr hier im Blog.

… oder große Küche?

Keine Fischsuppe ist so Geheimnis umwoben wie Marseilles Bouillabaisse. Was neben sieben Edelfischen, Felsenfischen, Fenchel, Safran und Pastis zum Suppenklassiker gehört? Bei Chez Fonfon der Paradeblick aufs Meer! Einen Michelinstern schmückt auch die traditionsreiche Gaststätte Chez Michel an der Plage des Catalans, Pilgerziel der Bouillabaisse-Fans wie Le Rhul.

Leckere preisgünstige Küche und abwechslungsreiche Kultur, Tapas und Tanz verbindet das Multikulti-Restaurant Mundart in der Rue de la Joliette – donnerstags stehen Apéros Linguistiques auf dem Programm, freitags Jazz, sonnabends könnt ihr das Tanzbein schwingen!

22 Uhr: Rein ins Nachtleben

Marcel Pagnol war Stammgast in der Hafenbar Le Marine (15, Quai de Rive Neuve). Eine großartige Weinbar mit riesiger Auswahl ist La Part des Anges (33, Rue Sainte). Nachts wird im Bazar abgehottet.

24 Uhr: Bonne nuit

Glücklich, erschöpft und voller neuer Eindrücke geht’s ab in die Federn – ganz stylisch in Philippe Starcks Budgetbude Mama Shelter. Oder im C2, das Luxus neu definiert hat. Für alle, die die neue Hafenfront erkunden wollen, sind das Best Western-Hotel La Jolietteund das schicke Intercontinental Hôtel-Dieu oberhalb des Vieux-Port perfekt gelegen.

Tag 2: Inseln & Shopping

8 Uhr: Café & Croissant

… zum Beispiel auf der Terrasse des Café de l’Abbaye (3, rue d’Endoume) – glutrot steigt die Sonne über dem Vieux-Port auf. Oder setzt euch in oder vor die Maison Vauban von Victor Parodi, einem kleinen Café im Hipster Look: Retro und Zeitgeist verbinden sich zu einem gemütlichen Ambiente, das mir so gut gefallen hat, dass ich auch mittags Stammgast wurde.

Und noch ein Tipp für mittags im Vauban-Viertel: das Restaurant Sepia von Paul Langlere in der Rue Vauvenargues, wo sich feinste Bistronomie mit grandiosen Ausblicken auf Marseille verbinden.

Die dritte Lieblingsadresse im Vauban-Viertel: JoggingJogging, der Concept Store von Oliver Amsellem und Charlotte Bunet in der Rue Paradis. Zu den Trendlabels wie Jaquemus, JW Anderson, Alyx und Maryam Nassir Zadeh im Shlop gehört ein Hinterhofgarten, in dem man sich die Locals werktags zum Mittagessen treffen – und am Wochenende zum Brunch.

8.30 Uhr: Notre Dame de la Garde

Auf einem 154 m hohen Hügel wacht seit 800 Jahren die vergoldete Jungrau von Notre Dame de la Garde über Marseille. Auf dem Weg zum Wahrzeichen liegt mit dem Jardin de la colline Puget der älteste Park von Marseille.

Für die Mühen des Aufstiegs hinauf zur „La Bonne Mère“ entschädigt der Traumblick auf das Häusermeer, die Küste und die Bergketten im Hinterland. Und das prunkvolle Innere der byzantinischen Basilika – ein Märchen aus 1001 Nacht in glitzerndem Gold! Einen Stopp auf dem Rückweg Richtung Hafen wert: retour elles, das kleine Boutique-Café von Charlotte und Serena mit Schmuck und Deko, Mode und Schuhen, Bagels, Brunch und bestem Tee.

10.30 Uhr: Ab ins Inselreich

Von der Sonne verbrannt, von Wind und Wellen geformt, das sind Pomègues, Ratounneau, Tiboulen und If, vier Inseln aus Kalk in der Bucht von Marseille mit einer Handvoll Restaurants, Jachthafen, Meerbarsch-Zucht.

Und dem Château d’If, das Franz I. zum Schutz des Marseiller Hafens errichten ließ – und Alexander Dumas als Kerker von José Custodio Faria, dem „Grafen von Monte Cristo“ weltberühmt gemacht hat.

Zum Archipel von Frioul legt der Frioul-If-Express vom Vieux Port ab – manchmal begleiten Delfine die Fähre.

15 Uhr: Zeit für Shopping

Designerläden und Concept Stores wie Oogie sind im Szeneviertel La Plaine zu finden, das auch mit einem Wochenmarkt und angesagten Cafés; Bars und Restaurants lockt. Der nahe Cours Julien ist ein Mekka für Street Art!

Seit den 1980er-Jahren beleben dort auch Start-ups von Designern Marseilles alte Textiltradition. Marken wie Diable Noir, Casablanca und Zaza of Marseille waren die Avantgarde, während Sessun, American Vintage und Le Temps de Cérises für frischen Wind sorgen.

Wie die berühmte Seife aus Marseille hergestellt wird, könnt ihr wenige Schritte weiter in der Savonnnerie de Licorne entdecken. Hier habe ich euch die bis heute handwerkliche Fertigung vorgestellt. Originelle Geschäfte gibt es auch in der nahen Rue du Paradis und in der exquisiten Rue Grignan (Tipp: die Sonnenstoffe von Souleiado), die besten Antiquitätenläden der Stadt im Quartier Préfecture.

Ebenfalls sehr beliebt zum Shopping ist das Quartier d’Opéra hinter der Oper. Größtes Einkaufszentrum der Region Provence Alpes-Côte d’Azur (PACA) ist Le Grand Littoral mit mehr als 200 Geschäften – und prall gefülltem Erlebnisprogramm, zu dem Spielfelder für Pétanque und Fußball, Kinderanimation und kostenlose Konzerte gehören.

19 Uhr: Sportlicher Apéro

Nach Sightseeing und Shopping erfrischen ein paar Runden im „Bain de Mer“, einem Freibad mit Strandbistro – seit 1854 treffen sich die Einheimischen zum Apéro im Le Petit Pavillon.

20 Uhr: Schlemmen am Meer

Im L’Epuisette inszeniert Guillaume Sourriau kulinarische Kunstwerke und serviert bei einer neungängigen „balade gastronomique“ die Aromen des Mittelmeeres als sinnesbetörende Gabelhappen.

21.30 Uhr: Flanieren mit Fernblick

Der Spazierklassiker – wunderschön besonders zum Sonnenuntergang – ist die fünf Kilometer lange Promenade „La Corniche“ mit Paradeblicken auf die bunt bemalte „pointus“-Fischerbötchen im Vallon des Auffes, die Klippenküste und den Frioul-Archipel. Das wohlhabende Bürgertum liebte diese Aussicht und errichtete prachtvolle Villen wie Valmer (1865) und Château Berger (1890), heute ein Spa mit Hamam, Antistress-Behandlungen und Thalassotherapie.

23 Uhr: Husch, in die Betten

Philippe Starck hat Mama Shelter gestylt, Le Corbusier in den fünfziger Jahren in der Architektur-Ikone Cité Radieuse ein Hotel mit 21 Zimmern, mal schlicht und einfach, mal komfortabler – und einige sogar mit Loggia und Blick aufs Meer. Fitnessraum, Sauna und Tennisplatz dürfen alle Gäste des Hôtel Le Corbusier* kostenlos nutzen. Das Hotelrestaurant hofft auf den ersten Michelinstern.

Tag 3: Das grüne Marseille

8 Uhr: Fotofrühstück

Fast alle Cafés in Marseille öffnen erst um zehn Uhr – im Polikarpov am Cours Honoré d’Estienne d’Orves kann man schon morgens um acht ausgiebig frühstücken und dabei Fotoausstellungen betrachten.

9 Uhr: Ab in die Calanques

Kalkweiße Felsen, azurblaues Wasser, helle Strände, steile Klippen, Pinienduft und leichte Brise: die Calanques, eine Kette von Minifjorden zwischen Marseille und Cassis, sind einzigartige Naturparadiese. Entdecken kann man Frankreichs jüngsten Nationalpark auf zwei und 3,5-stündigen Törns, die am Vieux-Port starten.

Bei der Calanque-Safari mit Segelboot oder Katamaran gehört der Sprung ins Wasser mit dazu. Um die Natur aus nächster Nähe zu beobachten, gibt es nichts Besseres als Halbtages- und Tagestouren im Seekajak.

Taucher entdecken 1991 in den Calanques in 35 Meter Tiefe eine Höhle mit urzeitlichen Zeichnungen. Heute ist sie gesperrt, die Unterwasserwelt aber noch immer ungeheuer beeindruckend. Schnorcheln und Tauchgänge im klaren Wasser bieten zahlreiche Klubs und Vereine.

Die malerische Küste ist auch äußerst beliebt bei Wanderern und Kletterern, die bei Les Goudes, Marseilleveyre, Sormiou, Morgiou, Luminy, und La Gardiole gesichert mit Seilen am Fels kleben.

17 Uhr: Wiedersehen mit dem MuCEM

Zurück in Marseille, leuchten die Fassaden des Quai du Port im Licht der Sonne. Gibt es eine schönere Einladung, noch einmal am Vieux Port zu bummeln, auf der Promenade Louis Brauquier den Sockel des Fort Saint-Jean zu umrunden, Abschied vom alten Hafen zu nehmen und – nach der letzen Biegung – das MuCEM aus einem völlig anderen Blickwinkel neu zu entdecken?

Nach den Sammlungen locken jetzt mediterrane Garten mit einem Streifzug durch die Flora, ein Apéro im Gartencafé… und danach vielleicht eine der vielen Veranstaltungen, die täglich außer dienstags abends im Fort stattfinden. Film, Aufführungen und Konzerte. Was darf es sein?

20 Uhr: Junge Provence-Küche

Ein Jungdreißiger ist er, und kocht so göttlich, dass selbst etablierte Sterneköche ins Schwärmen geraten: Ludovic Turac ist Marseilles „rising star“ – und verjüngt im Table du Sud am Vieux-Port so kreativ wie raffiniert provenzalische Klassiker.

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Im Blog

Der Winter endet in Marseille mit der Segnung der Navettes. Ganz besonders eng mit Marseille verbunden, fühlt sich der Komponist und Sänger Jean Caprice.  Die Olivenölseife aus Marseille ist weltberühmt. Wo & wie sie bis heute handgefertigt wird, erfahrt ihr bei dem Besuch von traditionsreichen Seidensiedereien wie der Savonnerie de Licorne.  Als Szeneviertel und Street-Art-Hochburg gilt der Cours Julien von Marseille.

Den Melting Pot Marseille in seiner ganzen Vielfalt und Farbigkeit von Menschen und Kulturen, Küchen, Kunst und Handwerk erlebt ihr in Noailles.  Das älteste Viertel von Marseille heißt Le Panier.  Le Corbusier baute in Marseille die Cité Radieuse. Heute gehört das „Haus des Verrückten“ zum Welterbe.  La Friche Belle de Mai war einst eine Tabakfabrik. Heute brummt hier die Kultur – und auch die Küche kommt nicht zu kurz.  Vor den Toren der Stadt liegen die wundervollen Klippen und Badebuchten der Calanques.

Im Buch

Marseille, mon amour

Marseille.  Man kann es verabscheuen. Sein Chaos hassen, seine fehlende Disziplin, seine Anwohner, die sich anschreien und beschimpfen. Die Gewalt, die Diebe und die Dreistigkeit, mit der sie alten Damen auf offener Straße ihre Handtaschen entreißen. Die jungen Männer, die mit Drogen dealen und sich gegenseitig mit ihren Kalaschnikows erschießen. Marseille? Man kann es lieben. Für seine Energie, seine Freiheit, seine rebellische Haltung… Marseille ist eine Stadt der Extreme.

So schreibt Michel Henri, Journalist der Libération, im Vorwort zu dem kleinen, feinen Bildband Marseille mon amour von Marcel Antoni, der im Dezember 2012 im Georg Pawlowski Verlag, München, erschien. Keine Hochglanz-Hommage an die neuen Viertel aus Glas und Stahl im politisch korrekten Look der internationalen Moderne.

Marseille. Mon amour. Ein schmaler, besonderer Band, Mit Streiflichter und Momentaufnahmen aus einer Stadt, die in keine Schablone passt, nie steril sein wird. Sondern immer voller Farben und Gerüchte, oft arm, aber immer stolz. Ein Melting Pot der Mittelmeerkulturen, deren Vielfalt auch Thema des Kulturhauptstadtjahres 2013 war. Wer mag, kann das Buch hier* online bestellen.

Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas „Provence“

In meinem DuMont-Bildatlas „Provence“ stelle ich in sechs Kapiteln zwischen Arles und Sisteron die vielen Facetten der Provence vor. Ihr erfahrt etwas vom jungen Flair zu Füßen des Malerberges, vom Weltstadttrubel an der Malerküste, dem weißen Gold aus der Pfanne oder einer Bergwelt voller Falten.

Specials und Themenseiten verraten euch, welche großen Probleme der Lavendel hat, wo ihr Slow Food genießen oder ganz aktiv das Sonnenreich im Süden erleben könnt: beim Mountainbiken, Malen, Paddeln, Wandern oder Wildbaden. Hinzu kommen Serviceseiten mit allen Infos, persönlichen Tipps und großer Reisekarte. Wer mag, kann den Band hier * direkt bestellen.

Hilke Maunder: Provence – das Licht des Südens. Ostfildern: DuMont Reiseverlag 2018. ISBN 978-3770193943.

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6 Kommentare

  1. Der Beitrag und die Fotos sind absolut top! Ich bin jetzt noch mehr ergriffen nach so einer schönen Stadt ziehen zu können dank meiner Praktikum. Vielen Dank und mach bitte weiter

  2. Wir waren am 1.Juni-Wochenende 2015 in Marseille. Schade, dass wir Ihren Beitrag erst jetzt gefunden haben. Wir hatten Glück: Am 1. Sonntag im Monat sind in Frankreich die Museen kostenlos. Das haben wir für das MuCem ausgenutzt. Schon die Architektur des 21. Jhdts. und deren Verknüpfung mit dem mittelalterlichen Fort Saint-Jean ist einfach genial. Auch das interaktive Ausstellungskonzept hat uns begeistert. Der neugestaltete Stadtteil La Joliette wirkt noch ein bisschen kühl und wartet sicherlich noch auf Mieter oder Käufer von Wohnungen und Geschäften. Wir haben dort im B&B-Hotel preiswert und ordentlich übernachtet (sogar mit Tiefgarage – in dieser Gegend nicht zu verachten).

    • Hallo Ute und Jürgen,
      ja, die B&B-Hotels sind wirklich preiswerte Unterkünfte, in denen man gut übernachten kann – auch für andere Ecken Frankreichs kann ich sie empfehlen. La Joliette wird jeden Tag ein wenig vielseitiger und lebendiger …! Es ist ungeheuer spannend, wie sich Marseille verändert!

  3. Das MuCEM kann auch ich nur empfehlen, auch und gerade für junge Leute! Auch wenn man kein großer Museumsgänger ist, dieses Haus besticht durch seine Interaktivität und seinen Abwechslungsreichtum. Hier dürfte sich niemand langweilen,

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