Poesie in Beton: die Église Saint-Joseph

Le Havre: Blick vom Hafen auf die Église Saint-Joseph. Foto: Hilke Maunder
Le Havre: Blick vom Hafen auf die Église Saint-Joseph. Foto: Hilke Maunder

Wie ein Leuchtturm und Signal der Hoffnung thront die Église Saint-Joseph über der Hafenstadt Le Havre am rechten Ufer der Seine. Ein Belgier erbaut sie. In Frankreich gilt er als Wegbereiter der modernen Architektur und Meister des Eisenbetonbaus: Auguste Perret (1874 – 1954).

Le Havre. Foto: Hilke Maunder
Blick auf Le Havre von der Seine aus. Über dem Sportboothafen und dem Häusermeer der Quartier Perret ergebt sich die Église Saint-Joseph. Foto: Hilke Maunder

Mit einem Team aus 60 Architekten baute er die nach Kriegsende auf 133 Hektar das fast völlig zerstörte Stadtzentrum wieder auf. Perret entwarf breite Boulevards und lange Straßenachsen, die Bauten in Beton säumten.

Der 110 m hohe der Église Saint-Joseph von Le Havre. Foto: Hilke Maunder
Der 110 m hohe Turm der Église Saint-Joseph von Le Havre. Foto: Hilke Maunder

Sand und Ziegelschutt verliehen dem sonst grauen Beton eine neue, ungeahnte Farbigkeit. Vorbild für die ab 1951 erbaute Église Saint-Joseph war ein nicht verwirklichtes Basilika-Projekt Perrets für Paris.

Église Saint Joseph von Le Havre: die Glasfenster
Die Glasfenster der Église Saint-Joseph. Foto: Hilke Maunder

Farbig verzauberter Beton

Ihren 110 m hoher Turm vollendeten nach Perrets Tod 1957 von Georges Brochard und Raymond Audigier. Ebenfalls am Kirchenbau beteiligt war Jacques Poirrier mit einem achteckigen Turmhelm.

Église Saint Joseph von Le Havre: Glasfenster in sieben Tönen lassen das Licht auf dem Beton farbig tanzen.
Glasfenster in sieben Tönen lassen das Licht auf dem Beton farbig tanzen.

Glasfenster in sieben Farben – gelb, orange, rot, lila, blau, grün, weiß – und 50 Schattierungen lassen das Sonnenlicht hinein ins Innere. In farbigen Quadraten gleitet es über die puristische Fassade. Zur Erde hin dominieren satte, dunkle Töne. Zur Spitze werden sie immer heller – bis zum Weiß des Himmels.

Église Saint Joseph von Le Havre: Von der offenen Wendeltreppe zum Turm eröffnen sich immer wieder neue Ausblicke auf das Farbenspiel der Glasfenster. Foto: Hilke Maunder
Von der offenen Wendeltreppe zum Turm eröffnen sich immer wieder neue Ausblicke auf das Farbenspiel der Glasfenster. Foto: Hilke Maunder

Erschaffen wurde der leuchtende Gegenpart zum unverkleideten Beton von Marguerite Huré. Perret hatte die Glaskünstlerin über den Nabis-Maler Maurice Denis kennengelernt.  1922 hatten sie erstmals bei der Église Notre Dame de la Consolation von Le Raincy zusammengearbeitet.

Église Saint Joseph, Le Havre. Blick in den hohen Turm mit seinen Glasfenstern. Foto: Hilke Maunder
Blick in den hohen Turm mit seinen Glasfenstern. Foto: Hilke Maunder
Église Saint-Joseph, Le Havre: An der Turmwand klebt die Wendeltreppe - was für eine Architektur! Foto: Hilke Maunder
An der Turmwand klebt die Wendeltreppe – was für eine Architektur! Foto: Hilke Maunder

Weite Blicke über die weiße Stadt

An der Südwestseite windet sich eine Wendeltreppe in vielen Windungen hinauf zur Spitze. Schwindelfrei solltet ihr schon sein, wenn ihr dorthin hinauf steigt!

Hoch über den Häusern von Le Havre: Weitblick von der Turmspitze der Église Saint-Joseph. Foto: Hilke Maunder
Hoch über den Häusern von Le Havre: Der Weg zum Weitblick von der Turmspitze der Église Saint-Joseph. Foto: Hilke Maunder

Vom flachen Kirchdach ist der Blick bereits eindrucksvoll, von der Turmspitze das Panorama indes grandios: Über das helle Häusermeer reicht der Blick bis zu den Stränden von Deauville und weit das Seine-Tal hinauf.

Der Blick auf Le Havre vom Kirchturm der Église Saint-Joseph. Foto: Hilke Maunder
Der Blick auf Le Havre vom Kirchturm der Église Saint-Joseph. Foto: Hilke Maunder

Im Juli 2005 nahm die UNESCO das von Auguste Perret wiederaufgebaute Stadtzentrum von Le Havre in die Liste des Weltkulturerbes auf.

Die Église Saint-Joseph ist für mich das schönste Beispiel seiner Poesie in Beton. 2015 feierte Le Havre zehn Jahre Welterbe. Und rückte die Kirche in den Fokus.

Église Saint-Joseph, Le Havre: Kirchenraum mit Altar. Foto: Hilke Maunder
Der Kirchenraum der Église Saint-Joseph mit dem Altar. Foto: Hilke Maunder

Église Saint-Joseph in Zahlen

700 Tonnen Stahl
50.000 Tonnen Beton
12.786  Glasfenster für eine Gesamtfläche von 378 qm
Gesamthöhe: 110 m
Kirchturmhöhe: 84 m

• 21. 10. 1961: Grundsteinlegung in Gegenwart des damaligen Rouener Erzbischhofs Joseph-Marie Martin
• Oktober 1957: Rohbau fertiggestellt
• 23. März 1959: Einweihung der Kirche
• 1959 – 1961: Inneneinrichtung
• 1964: Einrichtung und Weihe des Hochaltars von Guy Verdoia
• seit 1997: nächtliche Illumination
• 2003 – 2005: Restaurierung

Tipp: Beim Office de Tourisme gibt es einen deutschsprachigen Rundgangsführer auf den Spuren von Perret.

Église Saint-Joseph, Le Havre. Foto: Hilke Maunder
Église Saint-Joseph. Foto: Hilke Maunder

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Église Saint-Joseph, Le Havre: die Wendeltreppe zur Turmspitze. Foto: Hilke Maunder
Die Wendeltreppe hinauf zur Turmspitze. Foto: Hilke Maunder
Église Saint-Joseph, Le Havre: Blick von der Wendeltreppe zur Turmspitze auf den Altar. Foto: Hilke Maunder
Blick von der Wendeltreppe zur Turmspitze auf den Altar. Foto: Hilke Maunder
Église Saint-Joseph: "Accumulation of Power" nannte Chiharu Shiota diese Installation zum Kultursommer 2015 "Un été au Havre". Foto: Hilke Maunder
Accumulation of Power nannte Chiharu Shiota diese Installation zum Kultursommer 2017 Un été au Havre. Foto: Hilke Maunder
Auch nachts ein Hingucker: die Église Saint-Joseph von Le Havre. Foto: Hilke Maunder
Auch nachts ein Hingucker: die Église Saint-Joseph von Le Havre. Foto: Hilke Maunder
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