Europas größter Archipel: Îles Chausey

Îles Chausey, Grande Île. Foto: Hilke Maunder
Grande Île. Foto: Hilke Maunder

Eigentlich gehören sie zu Granville, und damit zur Normandie. Doch diesmal starten wir von Cancale, lassen uns zehn Seemeilen lang von wilden Wellen im Ärmelkanal durchschütteln, bis plötzlich die See spiegelglatt daliegt und Inselchen aus zerfurchtem Fels vor uns auftauchen: die Îles Chausey.

Von April bis Oktober setzen “Jolie France”-Fähren täglich, sonst mittwochs, sonnabends und sonntags von Granville zu den Inseln über, von denen im Mittelalter die Mönche des Mont Saint-Michel die Steine für den Bau ihrer Abtei holten.

Der Hafen von Grande-Île der Îles Chausey. Foto: Hilke Maunder
Der Hafen von Grande Île der Îles Chausey. Foto: Hilke Maunder

Für jeden Tag eine eigene Insel

Doch die meisten Besucher der Inselgruppe kommen wie wir im eigenen Boot, die meisten segelnd, nur wenige mit Motor. 365 Inseln sollen bei Ebbe zu sehen sein, 52 bei Flut. Sagen die einen. Die anderen meinen, nur 22 Inseln.

Doch bewohnt ist in Europas größtem Archipel nur eine: Grande Île. Bekrönt wird die 0,52 Quadratkilometer große Hauptinsel vom Signalturm, der 1867 auf dem Gros-Mont, mit 31 m der höchste Hügel der Insel, errichtet wurde.

Îles Chausey, Grande Île. Foto: Hilke Maunder
Grande Île. Foto: Hilke Maunder

Für die Boote der Fischer und der Besucher vom Festland legten deutsche Kriegsgefangene im Ersten Weltkrieg die Grand Cale an. Schaut euch die Pfähle einmal genauer an. Muscheln und Algen seht ihr, und eine Wasserlinie, 14 m höher als das Watt, das jetzt hier frei liegt. 14 Meter – so hoch ist der Tidenhub sonst fast nirgendwo in Europa.

Îles Chausey, Grande Île. Foto: Hilke Maunder
Grande Île. Foto: Hilke Maunder

Autofrei und sehr idyllisch

Folgt vom hölzernen Anleger dem Fußweg hoch entlang der Kliffkante. Richtige Straßen oder gar Autos gibt es hier nicht. Trecker und Tiere transportieren an Land Gepäck und Waren, bewegt wird sich zu Fuß, notfalls per Rad, am liebsten per Boot.

Auf der Grande Île der Îles Chausey. Foto: Hilke Maunder
Auf der Grande Île der Îles Chausey. Foto: Hilke Maunder

Rund 50 Häuser, Naturstein oder weiß verputzt, mit steinernen Schindeln gedeckt, ragen zwischen großen Gärten, Bootsschuppen, Büschen oder blühenden Hecken auf. Hier gelber Ginster, dort Palmen und Feigenbäume. Fast schon mediterran – dank des Golfstroms.

Îles Chausey, Grande Île. Foto: Hilke Maunder
Grande Île. Foto: Hilke Maunder

Schlummern in der Schule

Die alte Schule und das einstige Pfarrhaus wurden von der Kommune in Ferienwohnungen umgewandelt. Für die 1850 erbaute Feldsteinkapelle schuf  Yves Durand de Saint-Front schöne Fenster. Sehenswert sind ferner der Altar aus der Zeit des Sonnenkönigs Ludwig XIV. sowie zwei Segelschiffmodelle.

Îles Chausey, Grande Île. Foto: Hilke Maunder
Grande Île. Foto: Hilke Maunder

Die Inseln waren Jahrhunderte lang ein strategisch wichtiger Ort. Daher ließ Napoléon III 1866 ein Fort errichten. Während des Ersten Weltkrieges diente es als Gefangenenlager für 300 Deutsche und Österreicher. Im Zweiten Weltkrieg zog eine kleine Garnison der Wehrmacht ins Fort. 

Îles Chausey, Grande île: Erinnerung an kriegerische Zeiten. Foto: Hilke Maunder
Erinnerung an kriegerische Zeiten. Foto: Hilke Maunder

Heute wohnen hier Fischer. Drei Familien gehört das Inselreich – den Durand aus Saint-Front, den Fortin und den Gélin. Vor fast 100 Jahren haben sie die Société Civile Immobilière zur Verwaltung der Inseln gegründet.

Îles Chausey, Grande Île. Foto: Hilke Maunder
Grande Île. Foto: Hilke Maunder

Heute wacht die SCI auch darüber, dass die wachsenden Besucherströme keine größeren Schäden hinterlassen, an Land wie im Inselmeer. Jeden Morgen fahren die Hummerfischer dorthin hinaus, begleitet von Delfinen, die ganz dicht an ihre Boote kommen.

Îles Chausey, Grande Île. Foto: Hilke Maunder
Grande Île. Foto: Hilke Maunder

Îles Chausey: meine Reisetipps

Schlafen & schlemmen

Hôtel du Fort et des Îles

Seit mehr als 130 Jahren heißen die Nachfahren von Hotelgründer Lucien Ernouf ihre Gäste in acht gemütlichen Zimmer willkommen und verwöhnen sie mit bester Küche, aufmerksamem Service – und himmlischer Ruhe. Leider nur von April bis September.
• Îles Chausey, 50400 Granville, Tel. 02 33 50 25 02, www.hotel-chausey.com

Ferienwohnungen

Die Stadt Granville hat das ehemalige Pfarrhaus und die einstige Schule in zwei einfache, aber grundsolide kommunale Unterkünfte verwandelt, die das ganze Jahr hindurch gemietet werden können – von April bis September nur wochenweise, von Oktober bis März auch für Kurzaufenthalte. Die Ferienwohnungen sind groß genug für vier bis sieben Personen.
• Tel. 02 33 91 30 03, Mail: office-tourisme@ville-granville.fr

Die Bisquine La Cancalaise vor den Îles Chausey. Foto: Hilke Maunder
Die Bisquine La Cancalaise vor den Îles Chausey. Foto: Hilke Maunder

Shopping

La Boutique

Bäckerei, Konditorei, Lebensmittelladen, Metzgerei, Grillrestaurant, Strandboutique mit Anglerzubehör, Geschenke, Souvenirs, Postkarten, Zeitungen und Zeitschriften – es gibt fast nichts, was der einzige laden der Insel nicht führt. Und auf Wunsch zur Unterkunft liefert.
•  Tel. 02 33 50 24 01, Mail info@boutiquedechausey.com

Erleben & unternehmen

Von den sechs Stränden mit feinem, weißem Sand sind drei zum Baden geöffnet. Die Inseln sind zudem ein Paradies für alle, die gerne Vögel beobachten – von April bis Juni bitte nicht beim Nisten stören!

Cuisine Corsaire: Die Bisquine La Cancalaise vor den Îles Chausey. Foto: Hilke Maunder
Die Bisquine La Cancalaise vor den Îles Chausey. Foto: Hilke Maunder

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Îles Chausey, Grande Île. Foto: Hilke Maunder
Stille Bucht auf der Grande Île. Foto: Hilke Maunder

Grande Île. Foto: Hilke Maunder

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