L’Impressioniste: Zen auf dem Kanal 2


126 Fuß lang liegt sie vertäut im kleinen Hafen von Escommes: L’Impressioniste. Eine „péniche“ in bleu, blanc, rouge, auf der zurzeit noch vorwiegend englischsprachige Gäste die Lebensart des Burgund vom Wasser aus entdecken. Jetzt will European Waterways als Betreiber von Luxus-Flusskreuzfahrten auch den deutschsprachigen Markt erobern. Kommt mit an Bord bei meiner Testfahrt auf dem Canal de Bourgogne von Escommes nach Fleurey-sur-Ouche! Entdecken wir erst einmal Schiff und Fahrtgebiet – Erlebnisse, Ausflüge und Touren folgen in den nächsten Beiträgen.

Das Fahrtrevier

Der 243 Kilometern lange Kanal verbindet die Yonne, die im regionalen Naturpark Morvan entspringt, mit der Saône, wo er in Saint-Jean-de-Losne einmündet. Über weitere Flüsse (Seine und Rhône) und Kanäle schafft er – wie der südliche Canal du Midi – eine Verbindung zwischen Mittelmeer und Atlantik. Den Hafen von Escommes findet ihr sechs Kilometer südlich vom 376 m hohen Kanalscheitelpunkt in Pouilly-en-Auxois. Wer gen Norden schippern will, muss hier die Voûte de Pouilly-en-Auxois passieren, einen 3.333 m langen Tunnel. Ganz schön gruselig!

Das Schiff

L’Impressioniste wurde 1960 als Frachtkahn in Holland gebaut und  genutzt, seit 1996 ist das Stahlschiff ein Hotel. Angetrieben wird es von den 250 PS der Scania-Dieselmaschine, die sehr ruhig und gleichmäßig ihren Dienst tut. In den Kabinen, auf Deck oder im Salon hört ihr nur ein leises, sehr schwaches Brummen, wenn sie mit maximal sechs Knoten durch den Kanal gleitet.

Zwölf Knoten (37 km/h) könnte sie schaffen – doch auf dem Kanal gilt das Tempolimit von 11,11 Kilometern pro Stunde. Zwölf Tonnen Wasser und 3,5 Tonnen Diesel lässt der Kapitän vor jedem Törn für die maximal zwölf Passagiere an Bord laden.

Das langsame Dahingleiten ist Entschleunigung pur. Und perfekt geeignet, zu Fuß oder per Fahrrad dem Schiff auf den Treidelpfaden zu folgen. An jeder Schleuse könnt ihr aus- und zusteigen – und seid selbst zu Fuß stets schneller als das Schiff!

Die Kabinen

Auf L’Impressioniste gibt es Platz für zwölf Gäste in  zwei Juniorsuiten (14 Quadratmeter) und vier Doppelzimmern, 10 – 12 Quadratmeter groß. Viel Platz rund um die Betten gibt es da nicht; es reicht zum Laufen und für einen Nachttisch zu beiden Seiten. Aber: Die Matratzen sind top, die Kissenberge typisch amerikanisch – und die Länge der Betten mit 1,96 Meter für Frankreich geradezu famos.

Nicht gut platziert sind die Lampen an den seitlichen Wänden. Ich habe mir da täglich mehrmals den Kopf gestoßen. Auch die recht großen Nachtischlampen würde ich am liebsten durch Oberlicht-Warm-LED-Leuchten ersetzt sehen. Eure Kleidung und Koffer nehmen Schubladen unter dem Bett und ein kleiner Schrank mit Safe auf. Tipp: Nehmt weiche Reisetaschen statt feste Koffer!

MS L'Impressioniste : Degas-Kabine

Wenn ihr euch verkehrt herum aufs Bett legt, könnt ihr aus den Bullaugen den Kanal sehen. Oder die Schleusenwand mit Moos, Farnen und nassem Stein anschauen… ungeheuer entspannend und überraschend mitunter!

Die Zimmer sind rund zwei Meter hoch. Im ungewöhnlich geräumigen Bad ergibt dies für die Dusche rund 1.83 – einen Finger breit hatte mein Kopf Luft nach oben. Freut euch auf einen richtig schön kräftigen Wasserstrahl und Produkte von Occitane für die Haar- und Körperwäsche!

Der Salon

„Das Frühstück der Ruderer“ von Auguste Renoir schmückt den Esstisch an der Stirnseite des Salons; auf den Bartresen stellt Daniel jeden Morgen das Tagesprogramm auf, Rosalie das Menü der Mahlzeiten. Kaffee und Tee, Armagnac, Whisky, Cognac und Wein vereint die Bordbar. Fehlt eurer Lieblingsgetränk oder wollte ihr etwas kosten, was nicht vorhanden ist, besorgt es die Crew bei ihrem täglichen Einkauf.

So wurde auf die Bitte der Gäste neben die  Nespresso-Maschine auch ein Wasserkocher hingestellt – für die Teetrinker.

Das Deck

Lesen, gucken, träumen: Viel passiert nicht auf dem geräumigen Deck mit seinem Teaktisch unter dem Sonnensegel und dem größeren Teaktisch unter freiem Himmel. Doch dann ruft Sam plötzlich: „Achtung, bitte bleiben Sie sitzen. Nicht aufstehen!“ Das Sonnensegel senkt sich auf Knopfdruck hydraulisch, und ihr gleitet unter einer Brücke hindurch. Ihr Ziegelwerk, ihre Eisenträger oder Holzbalken sind handbreit über euren Köpfen.

Die Beine hochlegen könnt ihr auf zwei Teak-Liegestühlen. Ist das Schiff am Kai vertäut, rollt Sam zu Füßen der Deckchairs die Plane zurück: Dann könnt ihr im Whirlpool plantschen. Und zum Blubberbad feinste „bulles“ genießen, Champagner.

Die Crew

Kapitän, Matrose, Reiseleiter, Küchenchef, Servierkraft und Zimmermädchen: Immer gehören sechs Mitarbeiter zur Crews, auch wenn wenig als zwölf Passagiere an Bord sind. Bei meinem Törn waren wir zu viert – was für ein Serviceschlüssel!

MS L'Impressioniste: die Crew

Während wir frühstückten, wurden die Zimmer gemacht, wie von Geisterhand wurde eingeschenkt, weggeräumt, aufgeräumt, hier ein Kissen gerade gezupft, dort ein Staubkörnchen fortgewischt. Und immer mit einem Lächeln Der Törn war meine erste Begegnung mit Luxustourismus, dessen omnipräsenter Service mich nicht stresste oder störte, sondern entspannte. Wer war bei mir mit an Bord?

MS L'Impressioniste : Cédric, der Kapitän

Cédric, der Kapitän

Der 40-Jährige steht seit 20 Jahren am Ruder und kommt aus Dijon – er liebt seine Heimat Burgund. Und steuert gelassen sein Schiff durch die vielen Schleusen des Kanals, obgleich mitunter nur 5 Zentimeter Luft zum Rand sind. 289 Schleusen hat der Canal de Bourgogne.

L'Impressioniste: Am Canal de Bourgogne öffnet Sam die Schleuse mit einem Hebel

Sam, der Matrose

Für den 25-Jährigen aus Marcoing (Hauts-de-France) ist die Kreuzfahrt sportlich: 41 Schleusen öffnet und schließt er während des Törns mit der Hand – und stemmt mit langen Hebeln die Schleusentore auf.

MS L'Impressioniste: Daniel erklärt Lilian den Tagestörn

Daniel, der Reiseleiter

Der 40-jährige Cruise Manager aus England hat in Frankreich sein Herz verloren an Céline – mittlerweile haben sie geheiratet, einen kleinen Sohn und ein Haus in der Nähe des Kanals. Beide haben die gleichen Tattoo auf der Innenseite des Unterarmes…

MS L'Impressioniste: Zimmermädchen Erell ist Bretonin

Erell, das Zimmermädchen

Ungewöhnlich, aber typisch für ihre Heimat ist der Name der 30-jährigen Bretonin, die sich um die Kabinen kümmert und abends als Sommelière und Servicekraft auftritt: Erell ist Bretonin.

 

Rosalie, die Servierkraft

Auch Rosalie stammt aus der Bourgogne – die 24-Jährige wurde im der Tal der Ouche geboren und hat schon auf mehrere Flussschiffen gearbeitet. 2017 ist ihre erste Saison auf L’Impressioniste.

Joss, der Koch

Ein Hochgenuss ist alles, was der britische Koch in seiner winzigen Kombüse zaubert – mittags als leichten Lunch, abends als regional verwurzeltes Viergängemenü. Zum Captain’s Dinner am letzten Abend gibt es fünf Gänge.

Das Unternehmen

Dereks Banks ist der Mann hinter European Waterways. Selbst begeisterter Skipper, gründete er 1974 European Waterways in London. Unter dem Motto „Go barging“ bietet er Luxuskreuzfahrten auf Europas Flüssen an – 18 Schiffe, acht davon gehören dem Unternehmen, sind in 18 Regionen zwischen Schottland und Gascogne 22 Wochen im Jahr unterwegs. An Bord sind acht bis 20 Gäste.

Offenlegung

Zu der Reise auf dem Luxuskreuzfahrtschiff L’Impressioniste lud mich European Waterways ein. Veranstalter und Crew sage ich „merci“ und ganz dicken Dank. Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.


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2 Gedanken zu “L’Impressioniste: Zen auf dem Kanal

  • Claudia Albrecht

    Salut Hilke, vielen Dank für den ausführlich Bericht dieser besonderen und exklusiven Kanalfahrt. Der Reisebericht liest sich bereits sehr entspannt und wirkt allein beim Anblick der Bilder schon fast „entschleunigend“. Das macht richtig Lust, den Canal de Bourgogne mit der péniche L’Impressioniste zu erkunden. Ganz besonders gefällt es mir, dass es auf dem Schiff diesen besonderen Bordservice gibt. Die Verpflegung an Bord lässt wohl auch keine Wünsche übrig? Dadurch kann man sicherlich die Bordatmosphäre und Landschaft rundum ausführlich und entspannt genießen. Und die Kabinen sehen sehr einladend aus. Der Whirlpool an Bord – ist der Hit! Ich habe bereits Kanalfahrten mit Hausbooten in Frankreich gemacht, aber nie in so einer schönen und besonderen Atmosphäre. Beste Grüße Claudia A.