Mein Frankreich: Ingrid Pfeiffer
„Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch? Hier verrät es diesmal Ingrid Pfeiffer. Sie ist eine gebürtige Schwäbin aus Stuttgart und seit fast 50 Jahren verheiratet. Als Rentnerin wohnt sie seit einigen Jahren in Frankfurt am Main.
„Mein“ Frankreich ist eine langjährige Beziehung, die sich im Laufe der Jahrzehnte verändert und entwickelt hat. 1967, mit 15, hatte ich den ersten Kontakt mit diesem Land. Ich traf auf Menschen, die mir als Deutscher mit deutlichen Gefühlen der Ablehnung begegnet sind. Das hat mich getroffen und auch hilflos gemacht, sodass ich meinen Aufenthalt nach zwei Tagen abgebrochen habe.
1972 hat mich dann eine Mitbewohnerin meiner Wohngemeinschaft dazu überredet, zu einem Austausch mit der Partnerstadt ihrer Heimatgemeinde mitzukommen. Dieser Aufenthalt ist mir heute noch in positiver Erinnerung: freundliche Menschen und gutes Essen. Der Ausflug nach Paris war dann aber aus anderen Gründen für uns (Kollegiaten des Zweiten Bildungswegs) mit Ernüchterungen verbunden: in Paris gab es damals kaum für unseren schmalen Geldbeutel erschwingliche Bistros, und wir haben keine Imbissbude gefunden. Die erste erfolgreiche Eröffnung eines McDonald’s in Frankreich war 1979 in Straßburg.
Während meines Studiums, etwa 1975, sind wir mit einigen Leuten im VW-Bus nach Südfrankreich gefahren und haben die hüllenlosen Freiheiten des FKK-Campings und den Strand in Cap d’Agde genossen.
Erst einige Jahre später, über einen Studienkollegen, der aus Landau kam, wurde bei mir und bei meinem späteren Mann das Interesse an Frankreich geweckt. Wir fuhren einige Male ins Elsass und auch nach Paris. Ganz langsam lernten wir Land und Leute und vor allem auch das Essen und den französischen Wein kennen.
In den 1980er- und 90er-Jahren sind wir dann mit unseren Söhnen mehrmals nach Frankreich gereist. 1990 waren wir am Atlantik in Labenne-Océan. Wir hatten ein Ferienhaus gemietet und haben von dort aus viele Ausflüge u.a. nach Biarritz gemacht. 1996 verbrachten wir einen Urlaub in La Grande Motte. 1997 fuhren wir mit einem Zwischenstopp im Disneyland weiter in die Normandie. Es folgten weitere Reisen in die Bretagne, zwischendurch nach Korsika, dann wieder nach Südfrankreich, in die Bretagne und in die Normandie.


Aber wir genossen nicht nur die Strände, sondern unternahmen auch verschiedene Ausflüge zu kulturellen Orten und machten Wanderungen. Auch unsere Jungs genossen die Urlaube in Frankreich – sofern ihre Eltern nicht allzu viele alte Kirchen besichtigen wollten.
Später als die Kinder aus dem Haus waren, wollten mein Mann und ich auch andere Teile des inzwischen sehr geschätzten Landes kennenlernen. Wir bereisten verschiedene Städte und Regionen, z.B. Nancy, Lyon, Marseille und die Calanques, Nizza, Burgund, die Champagne und zuletzt Toulouse und Okzitanien.
Ein besonderes Erlebnis waren auch unsere Aufenthalte in Paris. Seit den 2010er-Jahren besuchten wir mehrmals diese schöne Stadt und erlebten sie in verschiedenen Phasen. Einmal hatten wir das Glück, dort ein weitgehend autofreies Wochenende zu verbringen, da der Autoverkehr wegen der Luftverschmutzung extrem eingeschränkt war. Wir konnten Busse und Metros umsonst benutzen.
Auch die Einweihungen der Seine-Ufer-Zonen durften wir zum Teil miterleben. Besonders beeindruckt hat uns die langsame, aber konsequente Reduzierung des Autoverkehrs in der Stadt sowie die Entdeckung immer neuer „grüner Zonen“ wie z.B. das Ökoviertel Clichy-Batignolles im 17. Arrondissement oder die Coulée Verte René- Dumont.




Da wir das langsame Reisen lieben und nicht gerne lange Strecken mit dem Auto fahren, sind wir oft mit dem Zug angereist und haben uns dann einen Mietwagen geleistet. So auch 2025.

Wir sind in Toulouse gestartet und haben dann eine Rundtour gemacht. Unsere erste Station war Mirepoix, wo wir in einem charmanten chambres d’hôtes bei sehr netten Gastgebern übernachteten. Es war unser Ausgangspunkt für verschiedene Ausflüge und Besichtigungen. darunter das Textilmuseum in Lavelanet, die Festung von Carcassonne und das Piano-Museum inLimoux.


Dann ging es gemütlich weiter nach Süden. In Leucate-Village hatten wir für eine Woche eine Ferienwohnung gemietet bei einem sehr netten Vermieter, der sehr gut Deutsch sprach. Dort erlebten und genossen wir den netten Ort sowie den nahen Strand und die Lokale der Austern- und Muschel-Fischer.


Auf dem Rückweg zu unserem Ausgangspunkt Toulouse haben wir uns ebenfalls Zeit gelassen. Wir haben bei Brousses eine alte, wieder aktivierte Papiermühle besichtigt und sind über die Berge der Montagne Noire gefahren. In Caunes-Minervois übernachteten wir in einem Logis de France und ließen uns am Abend das vorzügliche Menü schmecken. Wir besichtigten Abbaustätten sowie verschiedene Kunstwerke aus rotem Marmor und auch das Kloster.

Der nächste längere Halt, an dem wir wieder eine Ferienwohnung gemietet hatten, war Albi. Diese überaus lebendige Stadt mit ihren schönen Brücken über den Tarn und ihrer großen, sehr schön restaurierten Altstadt hat uns ausgesprochen gut gefallen.

Zum Ende unserer Reise gönnten wir uns noch einen mehrtägigen Aufenthalt in Toulouse. Auch hier hatten wir ein Appartement mit Kochmöglichkeit, was wir sehr schätzen. Toulouse ist eine lebhafte Studentenstadt mit einer schönen Altstadt und einer großen verkehrsberuhigten Zone.

Für mich ist Frankreich inzwischen das Land, in das ich seit vielen Jahren immer wieder besonders gerne reise. Mein Mann und ich mögen es, einen Kaffee an einem der schönen Plätze eines Ortes zu trinken und gelegentlich mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Und wir schätzen die Gasthöfe und Bistrots wo man mittags ein leckeres déjeuner zu sich nehmen kann. Und gelegentlich haben wir auch gerne in einem gemütlichen Lokal unser dîner genossen. Da wir aber besonders die Märkte und Markthallen schätzen und es lieben, dort einzukaufen, verbringen wir immer einige Tage oder eine Woche in einer Ferienwohnung, um unsere Mahlzeiten mit den eingekauften Schätzen selbst zubereiten zu können.
Im Unterschied zu den meisten, die hier einen Beitrag leisten, habe ich trotz mehrerer Anläufe die Sprache nicht wirklich gelernt. Ich habe meistens Schwierigkeiten, die Franzosen zu verstehen. Und ich habe es nur zu einigen einfachen Sätzen gebracht, um wenigstens meinen guten Willen demonstrieren zu können. Trotzdem möchte ich andere ermuntern, dieses schöne Land auch ohne oder mit geringen Sprachkenntnissen zu besuchen – in andere Länder, deren Sprache wir nicht sprechen, fahren wir ja auch. Außerdem sprechen inzwischen sehr viele, vor allem die jungen Franzosen, recht gut Englisch.

in Caunes-Minervois. Foto: Ingrid Pfeiffer
Der Beitrag von Ingrid Pfeiffer ist ein Gastartikel einer kleinen Reihe, in der alle, die dazu Lust haben, ihre Verbundenheit zu Frankreich ausdrücken können. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken. Ihr wollt mitmachen? Dann denkt bitte daran:
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