Paris, Jardin du Luxembourg: der Palais du Luxembourg. Foto: Hilke Maunder
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Jardin du Luxembourg: Lieblings-Park in Paris!

Der Jardin du Luxembourg an der Rive Gauche ist für mich der wohl schönste Rückzugsort mitten in Paris. Hinter den prächtigen, vergoldeten Toren lässt der große Park den Trubel der Stadt hinter sich und lädt zu einer Zeitreise in die Vergangenheit ein. Bis heute ist dieser Pariser Park herrlich altmodisch, der Zeit entrückt.

Bereits die Zugehörigkeit dieser Grünanlage ist besonders: Der Park gehört nicht der Stadt Paris, sondern dem Senat als domaine national du Jardin du Luxembourg. Deshalb gelten hier eigene Gesetze, durchgesetzt von den parkeigenen Wärtern, den surveillants. Kinder lassen ihre Boote am Bassin Central kreuzen. Erwachsene spielen Schach oder Boules. Andere flanieren vorbei an 106 Statuen, die Wasserspiele, Terrassen und Flanierwege säumen. Ihr Ziel ist der Palais du Luxembourg mit dem benachbarten Musée du Luxembourg.

Das Rilke-Karussell

Zu einem Bummel durch das Quartier Latin gehörte auch schon einst eine grüne Auszeit im Luco, wie der Jardin du Luxembourg von den Parisern genannt wird. Auch Rainer Maria Rilke spazierte während seines Aufenthaltes beim Bildhauer Auguste Rodin durch das Viertel auf der Rive gauche und legte eine Pause im Park ein. Sein Gedicht „Das Karussell“ entstand genau dort, woder Dichter mmer saß – und den Kindern auf dem Karussell zuschaute. 1879 hatte es Charles Garnier als ancien jeu de bague erbaut, und noch immer erhalten die Kinder hier eine Stange ( baguette ), um im Vorbeifahren mit ihr Ringe aus einer poire zu holen.

Das Karussell

Jardin du Luxembourg

Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser roter Löwe geht mit ihnen
und dann und wann ein weißer Elefant.

(…)

Rainer Maria Rilke, 1907

Sehnsucht nach Italien

Der Jardin du Luxembourg entsprang der Sehnsucht einer Frau. Nach dem Tod ihres Mannes – König Heinrich IV. – konnte Maria de Medici den Louvre nicht mehr ertragen. Sie floh ans linke Seineufer und ließ dort einen Palast samt Schlossgarten errichten, der sie an das Heim ihrer Kindheit erinnerte, den Florentiner Palazzo Pitti mit seinen Boboli-Gärten.

Jeden Winkel hat Hofarchitekt Salomon de Bros gestaltet. Zur Palastseite schuf er in barocker Symmetrie ein streng französisches Ensemble mit geraden Linien, beschnittenen Pflanzen, geordneter Natur, Vasen und Wasserspiel. Zur anderen Seite imitierte er in einem englischen Landschaftspark mit verträumten Ecken die Natur. Beide Bereiche trennt ein geometrischer Wald um das Bassin Central.

Der weite Park birgt Spiel- und Sportplätze, Bienenstöcke, einen Rosengarten und die Gewächshäuser des Senats. Dessen Orchideensammlung könnt ihr alljährlich beim Europäischen Denkmaltag bewundern. Im Obstgarten wachsen 320 alte Apfel- und 210 Birnensorten.

Im Herbst verkauft die Imkerschule des Parks die köstlichen Erzeugnisse aus dem Jardin du Luxembourg in der Orangerie!

Paris, Jardin du Luxembourg: Eisverkäufskiosk.Foto: Hilke Maunder
Charmant nostalgisch sind die Service-Kioske im Park. Hier gibt es kühles Eis. Foto: Hilke Maunder

Für jeden etwas

Verliebte treffen sich unter den Platanen an der Fontaine de Médici, in der Renaissance samt romantische Grotte angelegt. Kinder spielen mit ferngesteuerten Leihbooten. Erwachsene spielen Schach, Tennis oder Boules, entspannen sich auf den überall im Park verstreuten Bänken und Stühlen, lauschen kostenlosen Konzerten im Musikpavillon oder betrachten die Freiluft-Foto-Galerie, die im Sommer den Zaun schmückt, der den Park umgibt.

Die Bänke von Davioud

In die Pariser Parklandschaft, und besonders auch den Jardin du Luxembourg, gehören Bänke von Davioud. Pas question qu’ils disparaissent, betonte daher auch vor einigen Jahren der damalige Vize-Bürgermeister Julien Bargeton, als bekannt wurde, dass die Pariser Stadtverwaltung sich für moderne, vandalismusresistente Sitzgelegenheiten interessierte. Und betonte: „Wir werden sie auch weiterhin unterhalten – gibt es doch in Paris fast 10.000 von ihnen!“

Erfunden wurden sie in jenen Jahren, als Stadtpräfekt Baron Haussmann Paris umkrempelte und aus dem Mittelalter fit für die Moderne machte. Dem Stadtpräfekten zur Seite stand Gabriel Davioud, als rechte Hand Chef-Planer von Parks und Promenaden.

Für sie entwarf er zwei Modelle aus grauem Gusseisen und dunkelgrün gestrichenem Eichenholz. Modell eins, zwei Meter lang, 67 kg schwer, besaß nur eine Sitzfläche. Diese Sitzbank war gedacht für die Straßenräume, wo sie zwischen den Platanen aufgestellt wurde. Modell zwei besaß als Gondole für die Parks zwei Sitzflächen rechts und links, die eine zentrale Rückenlehne aus Holz trennte.

Die Stühle der Kriegswitwen

Eine besondere Tradition im Jardin du Luxembourg geht auf die Zeit nach den beiden Weltkriegen zurück, als der Park eine ganz spezielle Rolle für viele Pariserinnen spielte. Die Kriegswitwen, die durch den Verlust ihrer Männer in schwierige wirtschaftliche Verhältnisse geraten waren, erhielten von der Stadt Paris das Privileg, im Jardin du Luxembourg die beliebten Stühle zu vermieten. Diese Stühle waren damals nicht fest im Park installiert, sondern mussten gemietet werden, wenn man es sich auf ihnen bequem machen wollte.

Für die Kriegswitwen war diese Arbeit eine wichtige Einkommensquelle und zugleich eine Möglichkeit, weiterhin am Leben der Stadt teilzuhaben. Sie prägten das Bild des Parks über viele Jahrzehnte und waren ein vertrauter Teil des täglichen Lebens der Pariser.

Erst in den 1970er-Jahren verschwand diese Tradition allmählich, als die Stühle kostenlos zugänglich wurden und keine Miete mehr erhoben wurde. Doch die Erinnerung an die Kriegswitwen, die die Stühle pflegten und vermieteten, bleibt fest in der Geschichte des Jardin du Luxembourg verankert. Sie erzählt von einer Zeit, in der der Park nicht nur ein Ort der Erholung, sondern auch ein Ort der Solidarität war.

Die Modelle Sénat und Louvre, für den Jardin du Luxembourg hergestellt von der Firma Fermob, sind Designikonen. Dennolch sind sie nicht festgekttet. Denn der Park von der Dynamik lebt, dass jeder seinen Stuhl dorthin tragen darf, wo die Sonne oder der Schatten gerade ist. Dieses „Stühlerückens“ ist der Inbegriff des Parks.

Die Statuen

Mit seinen mehr als 100 Skulpturen ist der Jardin du Luxembourg ein wahres Freilichtmuseum der französischen Plastik. Die meisten dieser Skulpturen entstanden im 19. Jahrhundert und stellen berühmte Persönlichkeiten, mythologische Figuren oder Allegorien dar.

Bekannte Künstler wie Rodin, Bourdelle und Dalou haben sie geschaffen. Besonders bemerkenswert ist die Gruppe von 20 Statuen, die Frauen aus der französischen Geschichte darstellen. Doch keine der Figuren ist so berühmt wie La Liberté éclairant le monde, die Bronzestatue der Freiheitsstatue von Auguste Bartholdi.

Diese Skulptur diente als Modell für die berühmte Freiheitsstatue in New York und wurde 1900 anlässlich der Weltausstellung dem Luxembourg-Museum geschenkt. Seit 1906 zierte sie den Park, bis sie 2012 durch eine Replik ersetzt wurde. Die Freiheitsstatue im Jardin du Luxembourg ist nicht die einzige ihrer Art in Paris. Weitere Freiheitsstatuen von Bartholdi stehen in Paris auf der Île des Cygnes, vor dem Musée des Arts et Métiers sowie im Musée d’Orsay.

Die Fontaine Médicis

Zu den romantischsten Orten von Paris gehört die Fontaine Médicis im Park, die ursprünglich die Grotte du Luxembourg hieß. Inspiriert von den italienischen Gärten ihrer Kindheit, insbesondere der Grotte von Buontalenti in den Boboli-Gärten in Florenz, schuf Marie de Médicis hier einen Ort der Ruhe und Entspannung.

Im Laufe der Zeit erfuhr die Fontaine Médicis einige Veränderungen. Im Rahmen der großen Umgestaltung von Paris unter Baron Haussmann wurde sie 1862 an ihren heutigen Standort am östlichen Ende des Jardin du Luxembourg versetzt.

Die fontaine besticht durch ihren neoklassizistischen Stil. Das 50 Meter lange Wasserbecken, gesäumt von Platanen, bietet einen majestätischen Anblick. In der zentralen Nische findet man eine beeindruckende Skulpturengruppe von Auguste Ottin, die den Mythos von Polyphem, Galatea und Acis darstellt. Seitennischen beherbergen Statuen eines Fauns und einer Jägerin. Die Rückseite der Fontaine ziert ein Basrelief der Léda-Fontaine, das ursprünglich an anderer Stelle in Paris stand.

Der Palais du Luxembourg

Paris, Jardin du Luxembourg: der Palais du Luxembourg. Foto: Hilke Maunder
Der Palais du Luxembourg. Foto: Hilke Maunder

Im Witwensitz von Maria von Medici residiert heute der Senat. Den Zyklus mit den Lebensstationen der Fürstin, den Rubens für das Palais entwarf, hängt heute im Louvre. Die Regentin konnte den Palast kaum nutzen, da sie kurz nach seiner Fertigstellung 1630 in die freie Reichsstadt Köln fliehen musste. Sie hatte das Intrigenspiel gegen ihren Widersacher, Kardinal Richelieu, verloren. Ebenfalls im Palais du Luxembourg wurde bereits 1750 als erstes öffentliches Museum von Frankreich das Musée du Luxembourg für das Volk geöffnet. Heute zeigt dort die Réunion des musées nationaux (RMN) Grand Palais jährlich zwei Ausstellungen.

Seit den Anschlägen (2015) ist der Zugang zum Senat extrem restriktiv. Zu den Europäischen Denkmaltagen ( Journées Européennes du Patrimoine ) im September öffnet er jedoch seine Pforten für die Öffentlichkeit – da müsst ihr euch aber auf stundenlange Warteschlangen einstellen. Dann könnt ihr auch Inneren der einstigen Bibliothek die kostbaren Wandgemälde von Delacroix betrachten.

Der Senatspräsident residiert im Petit Luxembourg, auch Hôtel de la Présidence genannt. Beim Europäischen Denkmaltag im September gewährt er ebenfalls Einblicke in sein Domizil.

Jardin du Luxembourg: die Infos

Öffnungszeiten

Der Jardin du Luxembourg ist nachts verschlossen; die Öffnungszeiten schwanken je nach Jahreszeit. Im Groben gilt: geöffnet von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Es gelten sehr strenge Parkregeln für Bekleidung, Benehmen und Betreten der Rasenflächen. Hohe Bußgelder drohen!

Schlemmen und genießen

Angelina Paris

Außerhalb der Museumsmauern errichtete Pulitzer-Preisträger Shigeru Ban gemeinsam mit Jean de Gastines aus Pappröhren und anderen Recyclingmaterialien diesen beliebten Ableger des Café-Restaurants Angelina Paris. Genießt zur heißen Schokolade L’Africain den Dessertklassiker Mont Blanc mit Maronencreme! Auch das Stammhaus von Angelina Paris an der Rue de Rivoli beim Jardin des Tuileries ist einen Besuch wert!
• 19, rue de Vaugirard, 75006 Paris, Tel. 01 46 34 31 19, https://angelina-paris.fr

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Im Buch

Hilke Maunder, Baedeker Paris*

1975 kam ich dank Interrail zum ersten Mal nach Paris und übernachtete in einem einfachen Sleep-in in der Rue de Turenne. Damals ahnte ich noch nicht, dass diese Stadt mich ein Leben lang begleiten würde. In den Jahren danach verbrachte ich fast jedes Jahr viel Zeit in der Kapitale: als junge Frau, die im 18e Arrondissement als Kellnerin jobbte, später mit Partner, schließlich mit meiner Tochter. Und bis heute fehlt mir etwas, wenn ich Paris nicht immer wieder neu erlaufen, erradeln oder durch das Labyrinth der Métro durchstreifen kann.

Aus dieser langjährigen, sehr persönlichen Beziehung zur Stadt ist mein Baedeker Paris* entstanden. Er versteht Paris nicht nur als Ansammlung berühmter Sehenswürdigkeiten, sondern als lebendige, vielschichtige Metropole, die sich mit jeder Reise neu erschließt. Natürlich findet ihr darin die großen Klassiker – vom Louvre über die Île de la Cité bis zum Eiffelturm –, doch ebenso wichtig sind mir die besonderen Orte, die leisen Viertel, die kleinen Entdeckungen abseits der Postkartenmotive.

Neben verlässlichen Fakten, übersichtlich aufbereiteten Karten und praxisnahen Tipps erzähle ich von ungewöhnlichen Details, kleinen Anekdoten und Momenten, die man nicht planen kann, die aber oft die schönsten Erinnerungen hinterlassen: ein Tanz unter freiem Himmel, ein unerwarteter Blick von oben, ein Abendessen, das länger dauert als gedacht. Genau diese Mischung aus Orientierung und Inspiration soll euch dabei helfen, Paris auf eure ganz eigene Weise zu erleben. Wer mag, kann meinen Paris-Reiseführer hier* bestellen.

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