Jardins André van Beek: ein Garten wie ein Gemälde
Sie sind ein Garten wie ein Gemälde: die Jardins André van Beek bei Beauvais. Wer hier eintritt, versteht sofort, warum Gärten seit jeher eine Quelle der Inspiration für Künstler sind. Die Kombination der Farben, die Reflexionen im Wasser, das wechselnde Licht … all das regt zum Schaffen an. Bei Beauvais hat der Post-Impressionist André van Beek im Département Oise eigenhändig sein ganz privates Giverny geschaffen: eine Inspirationsquelle mit überbordender Natur, die im Wechsel der Jahreszeiten sich immer wieder neu erfindet.
Das Wasser steht still, als hätte es den Atem angehalten. Wie bei Monet in Giverny liegen Seerosen wie gemalte Tupfer auf den Teichen. Hortensien ballen sich in Rosa, Blau und Weiß im dichten Grün. Durch die Kronen alter Bäume fällt das Licht des späten Nachmittags.
Es bricht sich im Wasser, läuft über die Stämme, tanzt über Dahlien in allen Schattierungen von Gelb bis Purpur. Wer hier entlanggeht, tritt ein in ein durchkomponiertes Gemälde – doch keines, das an einer Museumswand hängt. Es ist lebendig, wächst, blüht, verändert sich. Es ist der Garten von André van Beek, Maler, Gärtner, Komponist von Farben und Formen, der ihn immer wieder neu erfindet.

Ein Giverny der Oise
Monets Gärten in Giverny sind weltberühmt. Wenige Kilometer von Beauvais entfernt, in Bray-Dorf Saint-Paul, hat van Beek ein Pendant geschaffen. Manche nennen es das „Giverny der Oise“. Doch während Monets Brücke elegant japanisch geschwungen ist, ist van Beeks Brücke kantig, picardisch und blau gestrichen – ein bewusst gesetztes Gegenstück, das zeigt: Hier entsteht kein Abklatsch, sondern eine eigenständige Schöpfung.
Auf 1,5 Hektar hat André van Beek mit Hilfe zweier Gärtner auf dem Gelände einer alten Sägerei eine Landschaft modelliert, die selbst ein Kunstwerk ist – ein Garten, der wie ein Gemälde auf der Leinwand heranwächst. Anfang der 2000er-Jahre hob Monsieur van Beek eigenhändig den ersten Teich aus. Einer folgte auf den anderen, bis heute sieben Wasserflächen den Garten rhythmisieren, mit Wasserfällen verbunden, durchzogen von Stegen und Alleen.

Rundherum entfaltet sich eine sorgfältig komponiertes Symphonie der Pflanzen. Jedes Jahr werden 700 Dahlien im Herbst von Hand ausgegraben, beschriftet, eingelagert und im Frühjahr an neuen Plätzen wieder eingesetzt. Van Beek komponiert mit ihnen neue Bilder, so wie er es mit Pinsel und Ölfarbe tut. Die Anlage entstand Stück für Stück, ohne großen Plan, aber mit einer klaren Vision: Jede Perspektive, jede Farbfläche sollte ein Bild ergeben.

Nahezu alle Schattierungen vereint die Farbpalette der Pflanzen. Im Frühjahr leuchten hier 15.000 Tulpen, im Sommer drängen sich die Hortensien in schwelgerischer Fülle – fünfzig verschiedene Sorten birgt der Garten!
Hinzu kommen dreißig Arten von Seerosen, duftende Rosenstöcke und rankende Kletterer, üppige Stauden von weiß bis blau. Hier Schilf, dort Farn. Dann wiegen sich filigran die Gräser in der sanften Brise, und alte Obstbäume mit knorrigen Ästen biegen sich unter der Last ihrer hutzeligen Früchte.

Jedes Jahr verändert sich das Ensemble. Pflanzen wechseln ihre Standorte, verschwinden oder kommen neu hinzu. Immer wieder entstehen frische Kompositionen, die sich mit der Jahreszeit, dem Stand der Sonne, dem kleinsten Wetterumschwung wandeln.

Selbst die Spiegelungen im Wasser sind sorgfältig komponiert. Van Beek weiß, dass der Himmel, der sich in der glatten Fläche bricht, Teil seines Bildes wird – ebenso wie die Boote, die in Pink leuchtende Akzente auf den dunklen Fluten setzen.
Blumenbeete, Teiche, Bäche, Wasserfälle, Brücken, Stege – alles wurde unter Berücksichtigung von Farben und Perspektiven angelegt. Alles so gestaltet, dass es möglichst visuell wirkt. Dieser Ort fernab der Welt ist in erster Linie ein Werkzeug für seine Malerei.
Der Maler, der schon zeichnete, bevor er schrieb

André van Beek ist seiner Heimat zeitlebens treu geblieben. Er wurde 1947 als Sohn eines niederländischen Vaters und einer französischen Musiklehrerin in Saint-Paul geboren und hat bis heute im Dorf seinen Lebensmittelpunkt.
Van Beek hat großes Glück. Weil er eine Leidenschaft hat. Weil er es geschafft hat, diese Leidenschaft zu seinem Beruf zu machen. Und auch, weil er es vermocht hat, sein ganzes Leben und seine Welt um diese Leidenschaft herum zu organisieren. Das macht ihn zu einem offenen, gelassenen und ausgeglichenen Menschen.

Ich setze mich in eine Ecke seines Ateliers, hole meinen Block heraus. Mehr als eine Stunde später bin ich immer noch da und höre ihm zu, wie er seine Geschichte erzählte und von seiner Leidenschaft spricht. Denn wenn André van Beek einmal angefangen hat, ist es schwer, ihn davon abzuhalten, aus seinem Leben zu erzählen und von seinem Wunsch, schon vor dem Schulbesuch Maler zu werden.

„Ich konnte schon zeichnen, bevor ich schreiben konnte”, erzählt er und blickt auf den Rechner, ehe er mit dem Pinsel etwas Farbe auf die Leinwand tupft Autodidaktisch hat er sich die Malerei erarbeitet, inspiriert von den Farben seiner Heimat. Er malt noch heute, im Alter von 78 Jahren, trotz der Krankheit seiner Frau, die an Alzheimer leidet.
Auf zwei Computerbildschirmen im Atelier laufen die Motive, die er gerade bearbeitet. Manchmal trägt er die Staffelei hinaus, mitten ins Blumenmeer, und setzt sich zwischen die Seerosen, um das Spiel des Lichts direkt einzufangen.
Landschaften in Pastelltönen oder leuchtenden Farben, Gärten im Morgen- oder Abendlicht, die Nebel über den Kanälen der Hortillonnages von Amiens oder Windmühlen auf weiten Weiden: Seine Bilder befriedigen die Sehnsucht nach einer stillen, intakten Welt, nach einem Leben in Harmonie mit der Natur. Damit finden sie längst auch Käufer in den USA und Japan.

Grünes Atelier
2011 zeichnete Frankreich seinen Garten als jardin remarquable aus, 2014 wählten Fernsehzuschauer ihn beim Wettbewerb Le Jardin Préféré des Français auf Platz vier. Doch trotz solcher Ehren bleibt dieser Ort ein Geheimtipp. Vielleicht, weil er keine Massen anzieht wie Giverny, vielleicht auch, weil van Beek seinen Garten nicht als touristische Bühne, sondern als Arbeitsraum versteht.
Im Foyer, das Besucher empfängt, hängen nicht nur seine Gemälde, sondern auch Mineralien und Kristalle – riesige Amethyste, Bergkristall und Pyrit, das „Katzengold“. Sie passen zu diesem Ort, der Natur und Kunst, Stein und Pflanze, Farbe und Wasser zusammenführt.

Oase an der Avenue Verte
Im Vorgarten hat André von Beek Fahrradständer aufgestellt. Sein Anwesen liegt direkt an der Avenue Verte – und damit jener Radwanderstrecke, die auf 470 Kilometern Länge Paris mit London verbindet.
Anfangs zeigte André van Beek seinen Garten nur zum Vergnügen. 2006 beschloss er, ihn ganz offiziell für Besucher zu öffnen. Seitdem sieht jeder, der durch die Anlage wandert, nicht nur Blumen und Teiche, sondern eine Biografie in Farben. Alles, was André van Beek ausmacht, steckt in diesem Stück Land. Geschaffen für seine Kunst, für seine Bilder, für sein Leben. Ein Garten wie ein Gemälde.

Die Jardins André van Beek: die Infos
Hinkommen
Adresse und Öffnungszeiten
• 1, rue des Auges, 60650 Saint-Paul, Tel. mobil 06 07 70 77 69, https://andrevanbeek.com
Die Jardins André van Beek in Saint-Paul bei Beauvais sind von April bis Oktober geöffnet. Reguläre Öffnungszeiten für Einzelbesucher sind:
- Montag, Freitag, Sonntag und an Feiertagen: 14–19 Uhr
- Samstag: 14–17 Uhr
- An den übrigen Tagen sowie außerhalb der Saison nur nach Vereinbarung.
ÖPNV
Vom zentralen Busbahnhof Beauvais Hôtel de Ville werden die Jardins André van Beek von zwei Linien angefahren:
- Linie 511 + vier Minuten Fußweg
- Linie 610 + 6 Minuten Fußweg
Rad
Die Jardins André van Beek liegen an der Radwanderroute Voie Verte Avenue London – Paris.
Schlemmen und genießen
La P’tite Cour
Gehobene gutbürgerliche Küche in einem Backsteinhaus im Dorfzentrum.
• 4, rue de l’Église, 60155 Rainvillers, Tel. mobil 06 07 98 36 30,
La Marcelle
Beliebte Adresse für französische Klassiker im legeren Ambiente.
• 8, rue Aristide Briand, 60000 Goincourt, Tel. 03 44 05 40 97
Hier könnt ihr schlafen

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