Jean Blaise: der Kultur-Macher

Jean Blaise, Generaldirektor der Voyage à Nantes. Foto: Hilke Maunder
Jean Blaise, Generaldirektor der Voyage à Nantes. Foto: Hilke Maunder

Zerzauste Haare, eine schwarze Brille, lebendige Augen: Kaum zu glauben, dass dieser Mann, gute 1.75 m groß, bereits 1951 in Algier geboren wurde. Eine ungeheure Vitalität strahlt er aus, und das bei einer ruhigen Gelassenheit und fokussierten Aufmerksamkeit. Ist das der Mix, mit dem Jean Blaise seine Ideen, Projekte und Visionen seit mehr als 40 Jahren erfolgreich umsetzt?

Fragt man seine Mitarbeiter, was er für ein Mensch sei, beginnen die Augen zu leuchten. „Dynamisch“. „Sehr sozial“. „Er wird Dich gleich duzen“, sagen sie. Und schwärmen von der anderen Art des Arbeiten bei Le Voyage à Nantes.

Bereits die Architektur, außen schnöder Beton, beflügelt drinnen die Fantasie mit Versatzstücken und Hinguckern, die man im Museum suchenn würde. Loftartigen Arbeitsräumen mit viel Licht, Glas, Holz und Stahl.

Mittendrin hat auch Jean Blaise sein Büro. Bis unter die Decke stapeln sich die Bücher in den Regalen, türmen sich auf den Tischen und Ablagen.  Hier treffe ich den Mann, der als Weggefährte und Freund von Jean-Marc Ayrault seit den späten 1980er-Jahren Nantes verwandelt hat. Mit Festivals wie Les Allumées, Fin de Siècle und Estuaire, dem Kulturzentrum Le Lieu Unique – und der Voyage à Nantes.

La culture libère la collectivitité comme elle libère l’individu

Die Kultur befreit das Kollektiv (die Gemeinschaft), da da sie den Einzelnen befreit. Jean Blaise (L’œil, 2010)

6 Kommentare

  1. Ich bin begeistert! Denn Jean Blaise zeigt, das nicht nur Tourismus ein Wirtschaftsfaktor ist. Auch sie ist mehr als ein Kostenfaktor, umfasst mehr als Abschreibungsobjekte Sondern beschert Nantes mit der Fusion beider Sektoren ein beträchtliches Einkommen. Le Havre hat das erkannt und folgt dem Weg von Blaise. Warum nicht viel mehr Städte? zumal auch die Bürger viel von der lebendigen Kunst in der Stadt haben und einbezogen werden.

    • Liebe Marion,
      danke für Deinen Kommentar. Und ja, Nantes als Vorbild… warum nicht. Allerdings müsste es der Kultur noch gelingen, auch die sozialen Spannungen in der Stadt besser in den Griff zu bekommen… ich denke, das kann Kultur viel leisten!

  2. Es ist Ihnen gut gelungen, die unglaubliche Leistung von Jean Blaise herauszustellen. Sie ist umso höher zu bewerten, als man leider auch als Tourist die großen sozialen Spannungen spürt, die diese schöne Stadt an der Loire immer wieder bis zum Zerreißen belasten. Da bleibt noch viel zu tun. Die große soziale Kluft zu manchen Vorstädten wird sonst weiter Zündstoff bleiben mit leider viel zerstörerischer Brisanz. Jean Blaise hat dieses heikle Kapitel nicht angesprochen. Ich bin aber sicher, daß seine Bemühungen um ein lebenswertes Nantes auch dem sozialen Ausgleich dienen sollen.

    • Lieber Herr Traub,
      ganz herzlichen Dank für diesen Hinweis. Ich werde das Thema bei einem zweiten Treffen, das sicherlich irgendwann noch einmal eintreffen wird, stellen. Einen ersten Schritt zur Integration und zur Schließung der sozialen Kluft hat er bereits mit Mitteln der Kunst bereits begonnen, in dem Sport, Spiel und Kunst verbunden hat – und kostenlos zur Verfügung stellte. Als Beispiel dafür möchte ich das etwas andere Fußballangebot Feydball und den Ping-Pong-Park nennen. Beide Angeboten werden rege genutzt, vor allem von den Jugendlichen der Stadt.

  3. Chère Hilke,

    voilà un reportage très émouvant comme toujours et très riche en de nouvelles découvertes. Mais alors pourquoi ne pas dire un seul mot du passé „pied-noir“ de Jean Blaise? Pourquoi cet oubli à mes yeux important pour comprendre le présent? Une question sans doute personnelle mais qui mérite qu’on la pose.

    Bien amic’allemand
    Serge Garau

    • Cher Serge, on a pas parlé sur ce sujet- il y avait seulement une fenêtre d‘une heure pour parler avec lui. Donc, merci pour le sujet d‘un prochain rencontre! Bises, Hilke

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