Karotten – der saisonale Alleskönner

Bunte Karottenvielfalt, gesehen auf dem Markt von Libourne (Gironde). Foto: Hilke Maunder
Bunte Karottenvielfalt, gesehen auf dem Markt von Libourne (Gironde). Foto: Hilke Maunder

Von zartem Zitronengelb über knalliges Orange bis zu tiefem Lilablau leuchten die Möhren auf den Marktständen. Von der Vorspeise bis zum Dessert werden Karotten in Frankreich in der Küche verwendet.

Nach der Kartoffel (27,5 kg) und der Tomate (14 kg) sind carottes (9 kg pro Person) das beliebteste Gemüse im Land.  Sie sind dort, wie bei uns, fast zu jeder Jahreszeit erhältlich.

Die wichtigsten Anbaugebiete sind Aquitanien, die südliche Normandie und die Bretagne. Landesweit werden jährlich rund 527.868 Tonnen Karotten geerntet.

Pamiers: Les Bain Douches - Anchovis mit Kürbis-Karotten-Sorbet. Foto: Hilke Maunder,
Köstlich: Anchovis mit Kürbis-Karotten-Sorbet. Foto: Hilke Maunder

Frankreichs Karotten-Vielerlei

Im Laufe des Jahres werden drei Kategorien von Karotten angeboten im französischen Handel.

Frühkarotte

Sie wird sehr jung und wird von Ende Mai bis Juli geerntet. Ihr könnt sie maximal drei Tage im Gemüsefach aufbewahren. Sie muss nicht geschält werden. Abspülen und gegebenenfalls schaben genügt! So bleiben alle Nährstoffe erhalten

Saisonkarotte

Sie ist von Juli bis Oktober erhältlich.

Lagerkarotte

Sie ist von Oktober bis März in den Regalen zu finden. Ihr könnt sie bis zu einer Woche im Kühlschrank aufbewahren.

Tipp

Um alte Karotten zu verjüngen, gebt einen Teelöffel Zucker in das Kochwasser!

Sandige Wurzeln

Einige Karottensorten wachsen auf sandigen Böden. Dort werden sie nicht maschinell, sondern wie einst noch per Hand geerntet. Ihr Geschmack ist milder und jodhaltiger. Zwei Sorten begeistern die Franzosen.

Die Sandkarotte aus dem Département Landes wird von Mai bis Juli geerntet. Sie verströmt einen zarten Duft und ist besonders zart schmelzend.

Das gilt auch für die Sandkarotte aus Créances (AOC). Ihre Heimat ist die Cotentin-Halbinsel, mild und süß ihr Geschmack. 1960 erhielt sie ihre kontrollierte Ursprungsbezeichnung. 1967 folgte das Label Rouge. Seit dem Jahr 2000 trägt sie auch eine geschützte geografische Angabe (Indication Géographique Protégée).

Tipp

Werft das Karottenkraut nicht weg. Ihr könnt es zum Würzen von Suppen oder Kochbrühen verwenden!

Das Fest

Alljährlich an einem Sonnabend Anfang August feiert das normannische Städtchen Créances seine Karotten mit der Fête de la Carotte. Widmete es sich früher einzig der Karotte, präsentiert das Gourmet-Fest heute alle lokalen Erzeuger bei einem großen Markt. Dort könnt ihr auch die lokale Fettsuppe probieren.

Einheimische in historischen Kostümen ziehen dann durch die Straßen, und das alles zu den Klängen von Musikgruppen, die jedes Jahr wechseln. Zum Fest gehört auch ein  Wettbewerb, bei dem die Karotten des Ortes oft sehr originell präsentiert werden.

Die Bruderschaft der Mouögeous d’carottes de Crianches (Karottenesser von Créances) nimmt alljährlich während des Festes in fröhlichem Rahmen ein neues Mitglied auf. Dieser “Bruder” muss vor der Versammlung schwören, die Karotte aus dem Sand von Créances sein ganzes Leben lang zu preisen und zu verteidigen. Der Tag endet mit einem prächtigen Feuerwerk.

Charmant!

Karotten machen liebenswert, sagt in Frankreich der Volksmund. Das ist kein Mythos. Sondern liegt an ihren Carotinoiden.  Das haben Forscher der Harvard University und der University of Wisconsin-Madison (USA) haben in einer Studie, die im Frühjahr 2022 in der Zeitschrift Psychometric Medicine erschienen ist, belegt.

Sie untersuchten bei fast 1000 Männern und Frauen die Blutspiegel von Antioxidantien im Vergleich zu ihrem Gefühl von Optimismus, ihrem psychologischen Wohlbefinden. Ihr Ergebnis: Je höher die Konzentration an Carotinoiden ist, desto optimistischer fühlt sich die Person. Also ran an die Karotten! Und an Rinderleber, Süßkartoffeln, Kürbis, Spinat, Löwenzahn, Petersilie, Mango, Melone und getrocknete Aprikosen – denn auch sie stecken voller Carotinoiden.

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