Krimi-Land Frankreich

Heineke:Tod à la Provence. Copyright: emons

Der Pate des Périgord

Früher waren es Franzosen wie Georges Simenon, die mit Polizeiromanen wie Maigret die Krimifans für Frankreich begeisterten. Heute sind es „expats“, Ausländer, die wegen der Arbeit oder der Liebe nach Frankreich gezogen sind und dort das Schreiben von Detektivromanen begonnen haben. So wie Martin Walker. 1999 kaufte der Schotte ein altes Bauernhaus im kleinen Dörfchen Le Bugue und ließ sich mit seiner Familie im Périgord nieder. Neun Jahre später verfasste der Journalist, der 27 Jahre lang für die britische Tageszeitung tätig gewesen war, seinen ersten Krimi.

Die Hauptperson hievte er auf den Titel: Bruno, Chef de Police*. Mittlerweile sind im Diogenes-Verlag elf Titel aus Martin Walkers Bruno-Reihe erschienen, die sich auf Deutsch mehr als eine Million Mal verkauften.

Über  das Leben und Schreiben im Périgord, über „Bruno, Chef de police“, dessen Sinn für Recht und Gerechtigkeit, das Reportagenhafte seiner Kriminalromane, über Saint-Denis, Brunos Dorf und darüber, was das mit Balzac zu tun hat erzählt Martin Walker auf Vimeo. Und hat längst seinem Helden auch eine eigene Webseite gewidmet.

Bretonische Sommer-Krimis

So, wie Walker Botschafter für das Périgord wurde, hat Jean-Luc Bannalec die Bretagne bekannter gemacht. Seine Titel verkaufen sich millionenfach, die ARD verfilmte sie. Alljährlich erscheint pünktlich zum Ferienbeginn im Sommer der nächste Titel.

Doch noch immer gilt, was Elmar Krekeler, Feuilletonchef bei der Welt, schon über Band zwei schrieb: „Eine Springflut von Infotainment überspült regelmäßig die Handlung. Und die Dramaturgie darunter ist ungefähr so kibbelig wie eine Fahrt bei Windstärke neun von Concarneau mit dem Speedboat nach Saint-Nicolas…“.  Kurzum: Auch dieser Krimi ist eine leichte Sommerlektüre, Fast Food für den Strand… der in der Bretagne liegen sollte: Sie ist der eigentliche Star der Bücher!

Die Krimi-Queen von Cannes

Christine Cazon (Jahrgang 1962) lebt mit ihrem Mann und zwei Katzen in Cannes – und ist dort unter die Krimischreiber gegangen. Mörderische Côte d’Azur* heißt das Erstlingswerk der Heidelbergerin, das im Februar 2014 bei Kiepenheuer & Wisch erschien. Ihre Hauptfigur, Kommissar Léon Duval, muss aufklären, warum während einer Pressevorführung bei den Filmfestspielen der Regisseur Serge Thibaut ermordet wird. Bei seinen Ermittlung trifft Duval, frisch aus Paris an die Küste versetzt, auf ein Dickicht aus Intrigen, Korruption und Eitelkeiten.

Im zweiten Band Intrigen an der Côte d’Azur* klärt Duval ein Verbrechen auf, in dessen Zentrum das altehrwürdige Hôtel Beauséjour steht: Häufen sich dort die Skandale, damit die Eigentümerin verkauft? Und das nostalgische Haus einem modernen Apartmentblock weichen kann? Spannend wie der erste Band ist auch dieser Fall für Monsieur Duval, den muffelig-charmanten Commissaire der glitzernden Côte.

Im Frühjahr 2016 erschien mit Stürmische Côte d’Azur* Band drei der beliebten Krimireihe. Darin führen die Ermittlungen Kommissar Duval auf die Île Sainte-Marguerite, der größeren der beiden Lérins-Inseln. Unmittelbar vor Cannes gelegen, ist sie ein beliebtes Naherholungsgebiet, im Sommer pendeln die Fähren unablässig zwischen der Stadt und dem kleinen Inselhafen hin und her. Doch inzwischen ist es Herbst geworden, ein Sturmtief liegt über der Bucht, als auf einer Jacht im Hafen von Sainte Marguerite ein Matrose ermordet aufgefunden wird – und sich, kurz nach Duvals Eintreffen, ein zweiter Toter gesellt…. Drogen, Luxus und Liebe: eine mörderische Mischung!

Frisch zum Frühjahr 2017 gab es wieder einen tollen Krimi aus Cannes, für den Christine mit Sylla M’baye sprochen hat. Herausgekommen ist ein Krimi, der nicht nur bis zur letzten Seite fesselt, sondern auch Einblicke in das Leben und die Arbeitsbedingungen der afrikanischen Straßenhändler auf der Croisette gewährt. In Endstation Côte d’Azur* entdeckt ein verliebtes Paar beim Mitternachtsbad an der romantischen Bijou Plage einen Toten im Wasser… Dass er an Herzversagen starb, mag Léon Duval nicht so recht glauben… Christines fünfter Krimi – Wölfe an der Côte d’Azur* –  führt Léon Duval, Kommissar aus dem südfranzösischen Cannes, in die raue Welt der französischen Seealpen im Hinterland der Côte d’Azur.

Eigentlich wollte er dort mit seinen Kindern und der Freundin Annie nur ein paar Tage Ski-Urlaub machen. Doch dann erhält Annie eine Nachricht und ein verstörendes Foto zugeschickt. Die Überreste eines vermisst gemeldeten Mannes wurden in der Nähe von Duvals Urlaubsort gefunden. War es Mord oder wurde er, wie gemunkelt wird, Opfer eines Wolfsangriffs?

Auch dieser Band ist pures Lesevergnügen. Pünktlich zum Frühjahr 2019 erschien Das tiefe blaue Meer der Côte d’Azur* – das sechste Fall für Lé0n Duval. Darin wird ein junger Fischer tot aufgefunden, vor sich der Abschiedsbrief an seine Geliebte. Doch… war es wirklich Selbstmord? Commissaire Léon Duval hat seine Zweifel. Denn die Geliebte ist niemand anderes als Nicky, die Frau seines Erzfeindes Louis Cosenza.

Mehr über sich und ihr Leben in Cannes erzählt die Autorin, die zuvor in Köln als Herstellerin in dem Verlag gearbeitet hat, der ihren Krimi jetzt veröffentlicht hat, in ihrem Blog Au Fils de Mots. Wie sie nach Frankreich kam – und warum sie dort blieb, hat sie bei meiner ersten Blogparade hier verraten.

Tödliche Tatorte im Languedoc…

Ebenfalls in Südfrankreich spielt der dritte Pippa-Bolle-Krimi Tote Fische beißen nicht* des Autorinnen-Duos Frau Keller und Frau Auer, den Pseudonymen von Brenda Stumpf und Ute Mügge-Lauterbach. Die Handlung ist rasch erzählt: Diesmal soll Pippa bei Toulouse die Renovierung eines Sommerhäuschen überwachen.

Als beim Wettangeln des Berliner Anglerclub „Kiemenkerle e.V.“ plötzlich eine Leiche am Haken hängt, hat sie dazu keine Zeit mehr. Sondern ermittelt. Wer jedoch klassische Krimis mit Blut und Gewalt liebt, wird enttäuscht werden: Sämtliche Pippa-Bolle-Krimis, die als List-Taschenbuch verlegt werden, sind eher Komödien, unterhaltend und voller Wortwitz, in denen eher per Zufall auch Leichen auftauchen.

In Madame Merckx trinkt keinen Wein* hat Lisa Graf-Riemann den spröden Charme des Haut-Languedoc mit kleinen Dörfern im bergigen Hinterland so eingefangen, dass man Thymian und Rosmarin fast riechen, den Wein fast schmecken kann, den Madame verschmäht. Zusammen mit ihren Freundinnen eilt die Belgierin einer Witwe zu Hilfe, die ihren Mann mit Eisenhut vergiftet haben soll. Ein charmant anderer Krimi, spannend und unterhaltsam bis zu letzten Seite!

… im Roussillon

Yann Sola, Philippe Georget. Thomas B. Fischer… –  der Roussillon hat viele Krimiautoren inspiriert. Yann Sola machte Banyuls zum Tatort – und stellt seine Wahlheimat hier vor. 2019 erschien im Frühjahr der vierte Krimi, der tief im Pays Catalan verwurzelt ist: Johannisfeuer*.

Yann Sola: JohannisfeuerZu Johanni pilgern die Katalanen alljährlich auf den Canigou und entzünden ihr heiliges Feuer. Und auch Perez hat diesen Aufstieg seiner Schwiegertochter versprochen. Während sich der durch und durch unsportliche und nun auch noch sprichwörtlich auf den Hund gekommene Ermittler versucht, in den Bergen rund um Banyuls fit für eine Besteigung des Canigou zu machen, stößt er plötzlich auf ein menschliches Wesen.

Eine Frau liegt mitten auf dem Weg. Seine Ermittlungen ziehen immer weitere Kreise und führen ihn schließlich mitten hinein ins kalte Herz einer verstörend agierenden Sekte. Wer mag, kann den Band hier* online bestellen.

Silke Ziegler kam während einer beruflichen Neuorientierung zum Schreiben. Welch ein Glück! Denn ihr Krimi Im Schatten des Sommers* ist äußerst unterhaltsam und spannend. Worum es geht?

Als Elfjährige verlor Sophia Mildner ihre Familie bei einem Aufenthalt in Südfrankreich. 24 Jahre später verunglückt ein Mann schwer bei einem Autounfall. Er trug das Bild ihrer Mutter und ihre Adresse bei sich… Sophia reist umgehend in den Süden und begibt sich auf die Spurensuche.

Inzwischen sind auch bei Silke vier Krimis zusammengekommen. Und ihr sind die Ideen und Tatorte noch lange nicht ausgegangen. Mehr zu Silke – und ihrer Liebe zu Frankreich – erfahrt ihr hier im Blog.

… und der Provence

Mistralmorde* nannte Ignaz Hold seinen Provencekrimi, in dem der Pariser Kommissar Jean-Luc Papperin einen Doppelmord im malerischen Cabanosque aufklären soll. Ein Baulöwe wollte dort eine Golf- und Wellness-Hotelanlage für den internationalen Jetset errichten. Bei Löscharbeiten eines Feuers, das der Mistral entfacht hat, wird eine Leiche entdeckt.  Inzwischen ist auch um den Province-Polizisten Papperin eine mehrbändige Serie entstanden.

Trüffel haben auch meinen Hamburger Kollegen Andreas Heineke zu einem wundervollen Krimi inspiriert: Tod à la Provence*. Schade, dass der Titel so leicht verwechselt werden kann mit Tod in der Provence von Pierre Lagrange. Denn das hat  das Buch nicht verdient.

Zumal ich, angesichts der Schwemme von Südfrankreich-Krimis, eher verhalten mich auf den Roman gestürzt habe. Doch dann… die Stunden schmolzen, die Lesestunde im Bett wurde zur Lesenacht… Bis zur letzten Seite wurde der Trüffel-Triller verschlungen. Wäre vielleicht nicht: Die Trüffel-Mafia auch ein toller Titel gewesen?

Denn darum geht es: mafiöse Machenschaften im Trüffelhandel, korrupte Politiker, Immobilienspekulation und die Probleme der Sternegastronomie. Daraus spinnt Heineke mit Pastis und Lourmarin, Lavendel und Eros eine Story, die 224 Seiten fesselt. Und auch Pascal Chevrier, den aus Paris in die Provence wunschversetzten Polizisten, der auf ruhigere Arbeitstage hofft, sehr sympathisch macht.

In seinem zweiten Krimi Versuchung à la Provence* enthüllt Andreas Heineke die Geheimnisse einer Gourmet-Bruderschaft, deren Wurzeln bis zurück ins Mittelalter reichen. Mit Akribie lässt sie alte Rezepte mit Igel, Biber und Pfau wieder aufleben – und ruft damit die Tierschützer auf den Plan.

Die Rezepte für derartige Genüsse gilt eine legendäre Kochbuchsammlung. Doch sie sorgt für geradezu perfide Verbrechen. Plötzlich finden Köche der Bruderschaft abgeschnittene Finger in ihren Lieferung, will der Vorsitzende im Lehmmantel gegrillt… was für ein spannendes Buch! Und wieder mal: eine Nacht durchgelesen. Was Andreas Heineke mit Frankreich, und ganz besonders mit Lourmarin, verbindet, hat der Hamburger Autor hier verraten.

Michel de Palma, auch „Baron“ genannt, ermittelt in Marseille. Zuerst war ich etwas skeptisch, als ich all die lobenden Worte zu Xavier-Marie Bonnot las, den die Presse als würdigen Nachfolger der Marseiller Krimilegende Jean Claude Izzo feiert – doch nach der Lektüre von Die Melodie der Geister* war ich schwer begeistert von Inhalt und kenntnisreichem Schreibstil.

Am nächsten Morgen war ich allerdings mehr als müde… denn die spannende Story um geklaute Köpfe und Niedertracht im Kunsthandel konnte ich erst aus den Händen legen, als die letzte der 362 Seiten verschlungen war. Zumal Gerhard Meier den Text von Bonnot meisterhaft ins Deutsche übertragen hat. Im Original gibt es Bonnots Werke bei Actes Sud, in der Übersetzung beim Züricher Unionsverlag, wo auch Im Sumpf der Camargue* von Bonnot erschienen ist.

Nizza ist der Tatort der Krimis von Robert de Paca, der seit 1997 in Südfrankreich lebt. Nach In den Straßen von Nizza* hat Autor, freiberuflicher Übersetzer und Berater mit dem leicht zu durchschauenden Pseudonym mit Das Nizza-Netz* im Frühling 2017 seinen zweiten Krimi vorgelegt.

Mörderisch:  Paris & Normandie

Zu den bekanntesten Krimischreiberinnen Frankreichs gehört schließlich auch Chantal Pelletier. Ihr Kommissar Maurice Laice, auch More-is-less genannt, ermittelt in Paris – und mitunter in der Normandie. In Der Bockgesang muss er einen seltsamen Doppelmord im Moulin Rouge aufklären, in More is less im Chinatown von Paris den Mörder eines alten Chinesen stellen.

Ihr Duktus war dabei anfangs gewöhnungsbedürftig: grell, überzeichnet, kryptisch und gespickt mit Umgangssprache und Slang – und dadurch schon bald ein faszinierender Spiegel der Stadt, ihrer Viertel und der Menschen. In Eros  und Thalasso findet Maurice Laice eine Tote in einem Algenbad, und stößt auf einen Sumpf aus Korruption, moderner Sklaverei und Eifersucht, der sich als absolut tödlich erweist…

Ebenfalls in Paris spielen zahlreichen Krimis von Fred Vargas. Hinter dem Künstlernamen verbirgt sich Frédérique Audoin-Rouzeau. Von Haus aus Archäologin in einem Forschungsinstitut, schreibt sie nur im Urlaub. Aber in diesen wenigen Wochen entstehen Werke, die unter die Haut gehen – und längst eine große Fangemeinde haben.

Mit jedem Band taucht Adamsberg immer tiefer in uralte Mythen ein. In Die dritte Jungfrau* spukt der Schatten einer frauenmordenden Nonne aus dem 18. Jahrhundert des Nachts über den Dachboden, in Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord* erscheinen über Nacht auf Pariser Bürgersteigen mysteriöse blaue Kreidekreise, und auch in Die Nacht des Zorns* wandelt Fred Vargas auf den Spuren eines jahrhundertealten Mythos in der Normandie. Und das mit einer Sprache, die – zumindest für mich – schöneren Lesegenuss bereitet als bei Chantal Pelletier.

Korsika: Mafia, Macchia & Vendetta

Die Polizisten Andreotti und Lefèvre haben nicht viel gemeinsam. Nur das Kopfgeld, das der Pate von Paris auf sie ausgesetzt hat, und die Versetzung nach Korsika, die ihren Hals retten soll. Auf der Insel der Schönheit wartet jedoch bereits die nächste Blutrache. Schon bald stehen die ungleichen Sonderermittler im Kreuzfeuer zweier verfeindeter Clans.

Doch hinter den bizarren Morden dieser Vendetta steckt mehr, als es den Anschein hat – und ein Trio Psychopathen ist bereits unterwegs, um sich das Kopfgeld zu verdienen. Wilde Insel, bizarre Morde – ein Ermittlerduo räumt auf. Mit Der Kopf des Korsen* hat Jean Renard alias Hans Fuchs einen erfolgreichen Erstlingsroman im emons-Verlag veröffentlicht. Ich bin gespannt. welche Krimis der Münchner Journalist und Sporttaucher verfassen wird.

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