Lesetipps: Hochspannung aus Frankreich

Krimis aus Frankreich

Wollt ihr einmal so richtig abtauchen? Alles um euch vergessen? Eintauchen in völlig neue Räume und Welten? Und dabei Frankreich förmlich spüren, riechen, vor eurem geistigen Auge sehen? Dann sind diese Krimis genau das Richtige für euch!

Hochspannung in Marseille

Der Erste Mensch: Abtauchen in Urgründe*

Ich bekenne: Ich bin ein Fan von den subtil gesponnen Krimis von Xavier-Marie Bonnot. Angesiedelt sich sie allesamt in der Provence. Und zwar genau dort, wo Commandant Michel de Palma ermittelt: in und um Marseille.

Seinen, wie er hofft, nunmehr letzten Fall vor seiner Rente muss „Le Baron“ der in einer Höhle in den Calanques aufklären. Ein Taucher ist dort verstorben. Und nicht an den Folgen eines Unfalls, eines zu schnellen Auftauchens.

War es Mord? Der Taucher galt als bester im Team der Wissenschaftler, die Zeichnungen untersuchten, die die ersten Jäger und Sammler dort an den Wänden hinterlassen hatten. Frühe, vielleicht so allererste Zeugnisse menschlicher Kunst. Wie der Hirschhornmensch, eine kleine Kult-Figur der Vorzeit.

Sie wird zum Dreh- und Angelpunkt einer spektakulär verwobenen Krimihandlung – samt Serienmörder, verrücktem Professor, Kuckuckskind, seltsamen Liebesbeziehungen und vertrackten Familienverhältnissen.

Immer tiefer  ziehen die Ermittlungen De Palma in einen Strudel der Ereignisse, der auch in die eigene Vergangenheit führt – und in der Gegenwart Spuren hinterlässt. Geschickt zeichnet Bonnot mit wenigen Worten vielschichtige Figuren.

Er zeigt menschliche Urgründe und Abgründe der Gegenwart, verspinnt Urgeschichte und Archäologie mit Psychoanalyse, Familiendrama mit Forschung. Und das mit so viel Frankreich-Flair, Lokalkolorit, Spannung und Lesespaß, dass ich für Stunden, nein, mehrere Abende, glücklich abgetaucht mit, entflohen der Corona-Krise.

Das gebundene Buch könnt ihr hier* online bestellen. Das E-Book gibt es hier*.

Der Autor & die Höhle

Xavier-Marie Bonnot kennt die Calanques wie seine Westentasche. 30 Jahre lang lebte B0nnot, 1962 in Marseille geboren, in seiner Heimatstadt. In jeder freien Minute – und schwänzte er dafür sogar die Schule –, strolchte er in den Calanques umher, entdeckte den Wald und das Meer.

Während einer seiner abenteuerlichen Angeltouren rettete der Entdecker einer vorzeitlichen Höhle, die heute seinen Namen trägt, den jungen Xavier-Marie vor dem Ertrinken: Henri Cosquer. Viele Jahrzehnte später inspirierten jene Ereignisse diesen Krimi. Wie auch die Detektivgeschichten, die ihm sein Valter oft erzählt hatte.

Lust auf mehr Bonnot-Krimis?

Im Original gibt es die mittlerweile acht Werke von Bonnot bei Actes Sud. Gerhard Meier hat drei von ihnen meisterhaft ins Deutsche übertragen. Die Übersetzungen der Krimis erscheinen im Unionsverlag Zürich. Auch die beiden anderen Krimis habe ich verschlungen. Zuerst war ich etwas skeptisch, als ich all die lobenden Worte zu Xavier-Marie Bonnot las, den die Presse als würdigen Nachfolger der Marseiller Krimilegende Jean Claude Izzo feiert.

Doch nach der Lektüre von Die Melodie der Geister* war ich schwer begeistert von Inhalt und kenntnisreichem Schreibstil.  Seit dem Debütwerk bin ich süchtig nach Bonnot. Am nächsten Morgen war ich allerdings mehr als müde.

Denn die spannende Story um geklaute Köpfe und Niedertracht im Kunsthandel konnte ich erst aus den Händen legen, als die letzte der 362 Seiten verschlungen war.

Der opernbegeisterte Polizist klärt darin den Mord an Dr. Delorme auf, der tot an seinem Schreibtisch aufgefunden wurde. Vor ihm lag, noch aufgeschlagen, ein Werk von Sigmund Freud Werk: Totem und Tabu. Den Wissenschaftler faszinierte das Thema, hatte er doch 60 Jahre zuvor in Neuguinea den Einheimischen Schädel und Totenmasken abgekauft.

Einer dieser Schädel fehlt nun. Und führt De Palma in die Tiefen der Marseiller Unterwelt und weiter bis nach Neuguinea.Wer mag, kann den Krimi hier* online bestellen.

Xavier-Marie Bonnot_Im Sumpf der Camargue_Cover_©UnionsverlagIm Sumpf der Camargue*

Tarascon und seine Tarasque bilden den zweiten Fall des Marseiller Kripomannes Michel de Palma, der vom Milieu seiner Heimat nur „Le Baron“ genannt wird. Diesmal muss er  tief in die Sümpfe der Camargue vordringen und Geheimnisse lüften, die zurückreichen bis in die Zeit der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs. Damals waren einige der Franzosen in den Dörfern um Tarascon  Kollaborateure, andere erbitterte Gegner der Nazis.

Doch auch die griechisch-römische Vergangenheit der Provençe ist in diesem Krimi entscheidend für die Taten. Denn die Böden bergen der archäologischen Funde … und das ausgerechnet in einem Gebiet, auf dem Investoren einen riesigen Freizeit- und Erlebnispark anlegen wollen.

Auch der zweite Bonnot-Krimi auf Deutsch, in Frankreich bereits 2004 als La bête du marais erschienen, ist hochgradig spannend, überraschend, kenntnisreich in der Region verwurzelt – ein Lesevergnügen bis zur letzten Seite! Wer mag, kann den Krimi hier* als gebundenes Buch online bestellen. Das E-Book gibt es hier*.

Hochspannung in Nizza

Mord d’Azur*

Durch ein Interview auf france.fr, der offiziellen Webseite des französischen Fremdenverkehrsamtes, entdeckte ich einen Hamburger Krimiautoren, der wie Sophie Bonnet oder Andreas Heineke aus meiner Heimatstadt Hamburg kommt und, wie Heineke, für den NDR arbeitet: Jörg Ambrüster.

Jörg Armbrüster in Nizza. Foto: privat

Hamburg und der NDR wecken offensichtlich die Erzähllust. Und die Sehnsucht nach Frankreich. Bonnet verliebte sich in die Provence, Heineke verfasst in seiner Schreibstube in Lourmarin seine Krimis. Und Jörg Ambrüster hat sich von Nizza zu seinem ersten Krimi inspirieren lassen. Warum, hat er mir in einer Mail verraten. Voilà!

Und warum nun dieser Roman?

Schon im Volontariat beim NDR wurde mir beigebracht: Am besten funktioniert Journalismus mit uralten Prinzipien des Erzählens. Da gibt es einen Protagonisten, eine Herausforderung und Hindernisse auf seinem (oder ihrem) Weg.

Nur kann ich als Journalist nie so frei und kreativ erzählen wie als Schriftsteller.  Mich hat es gereizt, mir eine Geschichte auszudenken, einen Krimi-Plot und Figuren zu entwickeln – und einen Roman zu schreiben, der unterhält und den Leser mit Eindrücken bereichert. Mir war schnell klar, dass dieser Roman in Nizza und Südfrankreich spielen sollte. Denn dort kenne ich mich ganz gut aus.

Seit ich mit einem Elternteil als Teenager mal nach Nizza gereist bin, hat mich diese Stadt und Côte d’Azur nicht mehr losgelassen. Es ein „Coup de foudre“! Die Farben, das Meer, der Duft, das „Savoir vivre“ des Südens.

Immer wieder bin ich in den Jahren danach nach Nizza gereist, habe Stadt und Umgebung erkundet, Menschen kennengelernt, Freundschaften geschlossen. Die Frankophilie motivierte mich zum Romanistik-Studium und später als Journalist zu vielen Reportagen über Südfrankreich für NDR und SWR: über das Stierkampffestival Feria in Nîmes, den „Train des pignes“, das Wandern im wunderschönen Hinterland der Alpes Maritimes, die Parfumhauptstadt Grasse, das Fürstentum Monaco und einiges mehr.

All diese Recherchen und Erfahrungen sind in mein Romandebüt mit eingeflossen. Mir war es sehr wichtig, das Lebensgefühl der Region einzufangen und eine authentische und spannende Geschichte zu erzählen.

Herausgekommen ist ein Krimi, der fesselt. Die Handlung ist rasch erzählt:

Am Opéra Plage, Nizzas ältestem Strand, wird der berühmte Louis Castilles tot aufgefunden – erstochen mit seinem eigenen Degen. Commandant Stéphane Matazzi von der Police nationale nimmt mit seinem Team die Arbeit auf. Wurde der Matador das Opfer radikaler Stierkampfgegner? Oder hat ihm ein Rivale den Todesstoß versetzt? Matazzi beginnt seine Ermittlungen. Und gerät ins Visier der Mafia, für deren Mitglieder die Omertà und die Familie höchste Güter sind.

Langsam, wie ein Regisseur, führt Armbrüster die Figuren ein, die Schauplätze der Handlung, und lässt – ein schöner Kunstgriff des Autoren – von den ersten Seiten auch immer wieder den Mörder zu Wort kommen. Je tiefer Matazzi in die Ermittlungen einsteigt, desto stärker gerät auch die eigene Familie in Gefahr. Der Krimi gewinnt an Tempo, wird Kopfkino, überrascht und fesselt. Das Finale: furios.

Ein gelungenes Debüt, leicht und schnell zu lesen, unterhaltsam wie ein Krimi im Fernsehen. Kein Grauen, das nachhallt – und so auch gut als Bettlektüre zu genießen ohne fatale Folgen in eigenen Träumen. Wer mag, kann den Krimi hier* online bestellen.

Wiedergelesen: Die Frau mit dem roten Schal*

Mit N’oublier jamais* gelang Michel Bussi 2014 ein Überraschungs-Erfolg. Unter dem Titel Die Frau mit dem roten Schal* ist der Krimi am 21. August 2015  im Aufbau-Verlag in der deutschen Übersetzung von Olaf M. Roth erschienen. Im Hauptberuf lehrt der gebürtige Normanne aus Louviers, Jahrgang 1965, als Politologe und Geograph an der Universität von Rouen.

Doch seit dem Erfolg von „Un avion sans elle“, für den Bussi den Prix Maison de la Presse erhalten hat, gehört der Dozent zu den fünf meistverkauften Krimi-Autoren Frankreichs. Seine Romane wurden in 22 Sprachen übersetzt,

Auch sein siebter Thriller bietet pures Lesevergnügen. Zumal vom Klappentext her:

Jamal sieht zuerst nur den roten Schal. Dann die verzweifelte junge Frau, die am Rand der Klippen steht. Er will sie retten, wirft ihr den Schal zu. Doch die Frau springt. Und niemand glaubt ihm seine Geschichte, denn es sind bereits zwei Frauen zu Tode gekommen, nach exakt dem gleichen Muster. Verzweifelt versucht Jamal zu beweisen, dass er nichts mit dem Tod der Frau zu tun hat, aber alles spricht gegen ihn. Und schon bald weiß er selbst nicht mehr, was wahr ist und wem er noch vertrauen kann … Ein hochspannendes und emotionales Spiel zwischen Schein und Wirklichkeit.

Vorab: Auch mein Vater war Dozent an der Uni. Und oft durfte ich erlebte, das Dinge, die kurz gesagt werden konnten, zu Vorträgen ausarteten. Dieser Versuchung erliegt auch Bussi. Wäre das Buch nicht 400 Seiten lang, sondern deutlich kürzer, wäre es ein atemloses Lesevergnügen, das mich bis zum letzten Punkt gefesselt hätte.

Denn „Die Frau mit dem roten Schal“ ist ein intelligenter, verzwickter Krimi, der immer wieder überraschende Wendungen nimmt und am Ende eine Lösung bereithält, mit der ich nie gerechnet hätte. Ein wenig realitätsfremd, aber durchaus plausibel. Zudem ist das Buch leichtfüßig und unterhaltsam geschrieben. Und: Obgleich es völlig auf gängige Frankreich-Klischees verzichtet, ist sein Werk doch typisch französisch. Wer mag, kann den Krimi hier* direkt bestellen.

* Durch den Kauf über den Referral Link, den ein Sternchen markiert, kannst Du diesen Blog unterstützen und werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci!

Merci für's Teilen!

4 Kommentare

  1. Liebe Hilke Maunder,

    vielen Dank für die stete Reise nach Frankreich, die gerade jetzt Balsam für die sehnsüchtige Seele ist!!!

    Herzliche Grüße
    Anne Classe

  2. Liebe Hilke,
    Ich bin erst seit kurzem Abonnentin Ihres Blogs und bin ganz begeistert!
    Ich bin Halbfranzösin, meine Mutter ist in Paris geboren und fahre seit langer langer Zeit immer wieder
    wenn es geht auch mehrmals im Jahr nach Frankreich insbesondere in die Provence, die ich ziemlich gut
    kenne.
    Schön fände ich, wenn gerade in der jetzigen Zeit, Ihre Literaturtipps, die ich sehr mag, nicht mit einer
    Werbung für Amazon verbunden wären. Der örtliche Buchhandel brauch gerade jetzt jede Unterstützung:
    Lokal einkaufen ist das Gebot der Stunde.
    Herzliche Grüße aus Köln
    Claudia

    • Hallo Claudia,
      schön, dass Dir mein Blog gefällt! Da Du ihn gerade erst entdeckt hast, hier dieser Hinweis in eigener Sache: Bitte habe Verständnis, wenn ich bei den Buchtipps mit Amazon verlinke. Ich verzichte in meinem Blog bewusst auf Werbung. Sondern nutze nur deren Affiliate Programm, um die Technik und Hostingkosten zu refinanzieren. Wer dort bestellt, zahlt den identischen Preis wie im Laden, ich erhalte im Gegenzug eine Provision. Ohne diese Möglichkeit müsste ich den Blog einstellen, da ich ihn nicht mehr finanzieren könnte. Das möchte ich nicht – denn es ist ein Herzblutprojekt nach Feierabend. Daher freue ich, wenn ihr mir so helft, ihn weiterzuführen. Aber auch das ist doch klar: Ich liebe lokale Buchhandlungen. Vor allem, wenn sie inhabergeführt sind!

      In Orten, die ich in Frankreich besucht habe, weise ich regelmäßig auch auf Buchhandlungen hin, die inhabergeführt sind, und stelle sie vor. Auch ich bevorzuge privat, so weit es geht, lokal einzukaufen. Doch gerade im dörflichen Raum sind Versandhändler wie Amazon wichtig, um an Dinge zu kommen, die sie sonst nicht erhalten könnten.

      Wenn Sie meinem Blog etwas länger folgen oder darin stöbern, werden Sie merken, dass ich sehr gerne lokales wie auch solidarisches Engagement vorstelle. Wie zum Beispiel hier:
      https://meinfrankreich.com/harfleur/ (la cantine)
      https://meinfrankreich.com/agnel-rollon-co-lokales-geld-in-frankreich/ (lokales Geld)
      https://meinfrankreich.com/solidaritaet-a-la-francaise/ (Wohlfahrt).
      Und gerne freue ich mich bei den vorgestellten Orten im Blog über Ihre Tipps für tolle Buchhandlungen – so wie La Galerne in Le Havre, die ich liebe!
      Beste Grüße & schöne Ostern! Hilke

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.