Das Manhattan von Paris: La Défense

La Défense. Foto: Hilke Maunder
La Défense. Foto: Hilke Maunder

Wolkenkratzer von Star-Architekten, eindrucksvolle Open-Air-Kunst, Frankreichs größtes Shoppingcenter, Food Trucks und die wiedereröffnete Grande Arche: Mit alljährlich acht Millionen Touristen gehört La Défense als Europas größte Bürostadt zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten von Paris. Und der drohende Brexit lässt das Pariser Manhattan auch wieder boomen. 

Welch ein Kontrast zum klassischen, historischen Paris! Nur wenige Minuten Metrofahrt genügen, um in einen völlig andere Welt einzutauchen: eine Stadt vom Reißbrett, ab 1955 angelegt in der Verlängerung der historischen Achse Louvre – Champs-Elysees.

Der monumentale AGAM-Brunnen von La Défense. Foto: Hilke Maunder

9000 Wohnungen und 1000 Kleinbetriebe wurden für den Bau der 160 ha großen Bürostadt abgerissen, der Auto- und Schienenverkehr in Tunnel unter den Betonplattdeckel der Esplanade de la Défense verbannt. Mehr als 30 Wolkenkratzer, viele über 200 m hoch, säumen die zentrale, 1,2 km lange Fußgängerzone mit ihren Bänken und Brunnen.

Die Spinne von Calder – ein Exponat der Kunstsammlung von La Défense. Foto: Hilke Maunder

Kunst Open-Air

Vor den futuristischen Ikonen moderner Architektur erheben sich 69 monumentale Skulpturen. Mit dabei:  „Der Tanz“ von Shelomo Selinger aus 35 behauenen Blumenbehältern auf der Place Basse der Esplanade Charles de Gaulle. die 15 m hohe „Rote Spinne“ von Alexander Calder  beim Total-Gebäudes und 12 m hohe Daumen von César Baldaccini.

Raymond Moretti hat für La Défense einen 32 m hohen Kamin aus hunderten farbiger Röhren geschaffen. Von Miré findet ihr dort fantastische Figuren von Miró. Weitere Werke lieferten Bernar Venet, César, Emily Young, François Morellet, Guillaume Bottazzi, Louis-Ernest Barrias und Patrick Blanc.

La Défense de Paris. Foto: Hilke Maunder

Die Statuen, Kunstwerke und großflächigen Bildern der La Défense Art Collection machen das Büroviertel zur zum größten Open-Air-Kunstmuseum Frankreichs. Ausgestellt ist auch das Bronzedenkmal „La Défense de Paris“ von Louis-Ernest Barrias, das den Soldaten aus dem deutsch-französischen Krieg von 1870 gewidmet ist – und La Défense seinen Namen gab.

Der CNIT-Bau von La Défense. Foto: Hilke Maunder

Architektur-Ikonen

Den Start für das Manhattan Frankreichs markierte 1958 ein Gebäue eingeweiht, das bis heute aufregend wirkt: das CNIT Centre des Nouvelles Industries et Technologies, eine 284 m weit gespannte Betonstruktur mit drei Dachschalen von faszinierender Leichtigkeit. Entworfen wurde die Messehalle und Leistungsschau der französischen Ingenieurskunst von Bernard Zehrfuss, Robert Camelot und Jean de Mailly.

Die gläserne Vorhangfassade stammt von Jean Prouvé. Im 161 m hohen Cœur Défense setzte Jean-Paul Viguier in den 1990er Jahren erstmals das Konzept des „open space Büro“ in den ersten zehn Etagen um. Das EDF Hochhaus von Pei, Cobb, Fred & Partners gilt als Paradebeispiel für die amerikanische Hochhausbauweise in Stahl. Die 231 m hohe Tour First wurde auf die verstärkten Strukturen des Tour CB 31 (AXA) montiert.

Immer mehr Wolkenkratzer wachsen in La Défense in den Himmel. Foto: Hilke Maunder

Neue Wolkenkratzer

Elf Hochhaustürme sind derzeit im Bau, ein Dutzend neuer Wolkenkratzer wurden für La Défense genehmigt – darunter auch die Zwillingstürme des russischen Immobilienentwicklers Hermitage. Mit einer Höhe von 323 m wird die Pariser Hermitage Plaza bei ihrer Fertigstellung im Jahr 2022 Londons „Shard“ als höchsten Wolkenkratzer von Westeuropa vom Sockel stoßen. Drei Milliarden Euro soll das Prestigeprojekt kosten, das das britische Architektenbüro Foster + Partners mit Luxusappartements, Büros und Fünfsterne-Hotel geplant hat.

Die Grande Arche von La Défense während der Bauarbeiten. Foto: Hilke Maunder

La Grande Arche

Ein Däne – Johan Otto von Spreckelsen  – erbaute das Wahrzeichen von La Défense: die 110 m hohe Grande Arche de la Fraternité. Mit dem Triumphbogen der Menschenrechte“ verwirkliche Präsident Mitterand eines seiner „Grands Projets“ – und sorgte für zugleich für eine touristische Belebung des anfangs etwas verwaisten Büroviertels.

Der monumentale Bogen aus Stahlbeton, Glas und weißem Carrara-Marmor wurde zur 200-Jahr-Feier der Französischen Revolution 1989 als westlicher Endpunkt der „axe historique“ eingeweiht.

Er ruht auf zwölf 30 m tiefen Betonpfeilern. Nach achtjähriger Renovierung ist die Aussichtsplattform auf dem Dach seit Mai 2017 wieder geöffnet. Vier Panoramaaufzüge sausen hinauf zum Belvedere im 35. Stock, der erstmals nicht nur Ausblicke auf Paris bis zum Louvre eröffnet, sondern auch auf Nanterre.

Detail der Grande Arche von La Défense. Foto: Hilke Maunder

Shopping in XXL

American Apparel, Desigual, Guess Denim, Smuggler, Uniqlo und andere internationale In-Labels birgt Les 4 Temps, das mit 230 Geschäften auf drei Etagen Frankreichs größtes Einkaufszentrum ist. Mit Kookaï, Un Deux Trois, Sinéquanone, Étam und Promod sind auch typisch französische Marken und Ketten vertreten.

Der Food Court „Le Dôme“ vereint 24 Gastrostände von Chipotle, Paul und Wok Tiger bis hin zu Starbucks, McDonalds, Quick & Co. Integriert in den Shoppingkomplex ist das Multiplexkino von ICG mit 16 Sälen.

Les 4 Temps – der Shoppingtempel von La Défense. Foto: Hilke Maunder

Festivals und Märkte

Jazz, Blues und Weltmusik präsentiert das La Défense Jazz Festival zehn Tage lang im Juni – alle Konzerte sind kostenlos! Ganz und gar gratis sind auch alle Veranstaltungen des Filmfestivals Atmosphères  das in La Défense und Courbevoie stattfindet. Im Advent gastiert ein Weihnachtsmarkt auf der Esplanade. Von April bis Dezember kommen auch die Food Trucks in die Bürostadt. Wo die 20 Wagen stehen, ändern sich täglich.

Kontrastreich: La Défense. Foto: Hilke Maunder

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Mein Reiseführer

Baedeker Paris 2018Monatelang habe ich recherchiert und gewühlt, ehe ich zur Feder griff.  Und danach mit Dr. Madeleine Reincke als Redakteurin im Verlag an ihm feilte. Am 2. Januar 2018 ist mein“ Baedeker „Paris“* ist der ersten Staffel des völlig neu konzipierten Reiseführer-Klassikers erschienen.
„Tango unter freiem Himmel: Die Stadt der Liebe: Der neue Reiseführer ‚Paris‘ zeigt – neben Sehenswürdigkeiten – besondere Orte für Höhenflüge, romantische Momente wie ‚Tango unter freiem Himmel‘ und unvergessliche Dinners. Dazu gibt’s viele Kulturtipps…“  schrieb die Hamburger Morgenpost über meinen Paris-Führer, der viele neue Elemente im enthält.

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Das Bassin Akis: Das bewegliche Kunstobjekt begrenzt die Promenade von La Défense Richtung Triumphbogen. Foto: Hilke Maunder
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6 Kommentare

  1. Anfang der 80er des vergangenen Jahrhunderts war ich erstmals in La Defense, damals noch ohne Grand Arche und weiterer Hochhäuser. Kann mich noch an einem Besuch an einem Sonntag dort in der menschenleeren Gegend erkunden – war schon mehr als unheimlich sich alleine dort zu bewegen. GsD sind mittlerweile die auch viele Restaurants und Hotels dort angesiedelt, so dass man das Viertel auch zu allen Wochentagen besuchen kann. Ja, das mit dem ab und an dort auftredenen Wind kann ich auch bestätigen, habe es aber nie als störend aufgefasst. Letzen März haben wir unseren Enkeln Paris nähergebracht und in La Defense einen deutsch sprechenden Anwohner kennengelernt, der zu allen dort zu sehenden Kunstwerken eine Geschichte zu erzählen wusste.

  2. Ich habe schon im Hotel in La Defense gewohnt und auch – weil ich architekturinteressiert bin – bei jedem Besuch einen Abstecher dorthin gemacht. Aber ich finde, es ist auf den Straßen – resp. der Fußgängerzone und auch dem Einkaufszentrum immer sehr „trostlos“ – quasi das urbane Gegenstück zur Wüste mit „Tumbelweed“ – es ist – durch die Hochhäuser oft auch sehr windig. Es entsteht einfach sehr wenig urbane Aufenthaltsqualität. Städteplanerisch ist dieser Aspekt sehr stiefmütterlich behandelt worden – daran ändert auch die Kunst wenig und das ist schwer nachzubessern.

    • Liebe Wendy,
      das stimmt! Windig ist es da recht oft. Es fällt mir nur gar nicht mehr auf, seitdem ich in den Pyrénées-Orientales meine Herzensheimat gefunden habe. So bläst es an 200 Tagen noch viel mehr. La Défense gefällt mir, weil es spannend und aufregend ist, mutig und immer wieder überraschend. Toll, um einmal in ein urbanes Labor einzutauchen, Kontraste zu sehen und zu erleben, zu staunen und zu entdecken. Ich habe es auf MeinFrankreich vorgestellt, weil Paris mehr ist als das, was im Zentrum zu finden ist. Die Kommunen der „inneren Krone“ sind allesamt mitten im Umbruch, erfinden sich gerade neu – und davon werde ich 2019 noch mehr berichten. Merci für Deinen Kommentar! Bises, Hilke

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