Das Manhattan von Paris: La Défense

La Défense. Foto: Hilke Maunder
La Défense. Foto: Hilke Maunder

Wolkenkratzer von Star-Architekten, eindrucksvolle Open-Air-Kunst, Frankreichs größtes Shoppingcenter, Food Trucks und die wiedereröffnete Grande Arche: Mit alljährlich acht Millionen Touristen gehört La Défense als Europas größte Bürostadt zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten von Paris. Und der Brexit lässt das Pariser Manhattan seit Jahren wieder richtig boomen.

Welch ein Kontrast zum klassischen, historischen Paris! Nur wenige Minuten Métrofahrt genügen, um in einen völlig andere Welt einzutauchen: eine Stadt vom Reißbrett.

Ab 1955 wurde sie drei Kilometer westlich der Pariser Stadtgrenze angelegt  – und mit ihr die „axe historique“, die historische Achse vom Louvre zum Triumphbogen am Ende der Champs-Elysees modern verlängert.

Der monumentale AGAM-Brunnen von La Défense. Foto: Hilke Maunder

Europas größte Bürostadt

Ziel von La Défense war beim Bau, die traditionellen Pariser Banken- und Büroviertel um die großen Boulevards und den Arc de Triomphe zu entlasten. Dazu wurde 1958 das unabhängige staatlichen Bauamt Etablissement Public d’Aménagement de La Défense ( EPAD) gegründet, das als Entwicklungsträger alle Planungen übernahm.

9.000 Wohnungen und 1.000 Kleinbetriebe wurden für den Bau der 160 ha großen Bürostadt abgerissen. Im Gegenzug entstanden mehr als drei Millionen Quadratmeter Bürofläche.

Rund 20.000 Menschen leben heute hier in 10.000 Appartements mit insgesamt 600.000 m² Wohnraum. 25.000 unterirdische Parkplätze entstanden für die mehr als 180.000 Beschäftigten.

Den  Auto- und Schienenverkehr verbannte man in Tunnel unter den Betonplattdeckel der Esplanade de la Défense. Das Viertel könnt ihr dadurch herrlich zu Fuß entdecken!

Mehr als 30 Wolkenkratzer, viele über 200 m hoch, säumen die zentrale Fußgängerzone mit ihren Bänken und Brunnen. 1,2 km lang und 200 m breit ist die verkehrsberuhigte Bummelmeile – und eine Schaustrecke der modernen Kunst!

Die Spinne von Calder – ein Exponat der Kunstsammlung von La Défense. Foto: Hilke Maunder

Kunst Open-Air

Vor den futuristischen Ikonen moderner Architektur erheben sich 69 monumentale Skulpturen. Mit dabei:  „Der Tanz“ von Shelomo Selinger aus 35 behauenen Blumenbehältern auf der Place Basse der Esplanade Charles de Gaulle.

Ebenfalls open-air zu sehen: die 15 m hohe „Rote Spinne“ von Alexander Calder  beim Total-Gebäudes und 12 m hohe Daumen von César Baldaccini.

Raymond Moretti hat für La Défense einen 32 m hohen Kamin aus hunderten farbiger Röhren geschaffen. Von Miré findet ihr dort fantastische Figuren von Miró. Weitere Werke lieferten Bernar Venet, César, Emily Young, François Morellet, Guillaume Bottazzi, Louis-Ernest Barrias und Patrick Blanc.

La Défense de Paris. Foto: Hilke Maunder

Die Statuen, Kunstwerke und großflächigen Bildern der La Défense Art Collection machen das Büroviertel zur zum größten Open-Air-Kunstmuseum Frankreichs.

Ausgestellt ist auch das Bronzedenkmal „La Défense de Paris“ von Louis-Ernest Barrias, das den Soldaten aus dem deutsch-französischen Krieg von 1870 gewidmet ist – und La Défense seinen Namen gab.

Der CNIT-Bau von La Défense. Foto: Hilke Maunder

Architektur-Ikonen

Den Start für das Manhattan Frankreichs markierte 1958 ein Gebäue eingeweiht, das bis heute aufregend wirkt: das CNIT Centre des Nouvelles Industries et Technologies, eine 284 m weit gespannte Betonstruktur mit drei Dachschalen von faszinierender Leichtigkeit.

Bernard Zehrfuss, Robert Camelot und Jean de Mailly entwarfen die Messehalle und Leistungsschau der französischen Ingenieurskunst. Die gläserne Vorhangfassade stammt von Jean Prouvé.

Im 161 m hohen Cœur Défense setzte Jean-Paul Viguier in den 1990er-Jahren erstmals das Konzept des „open space Büro“ in den ersten zehn Etagen um. Das EDF Hochhaus von Pei, Cobb, Fred & Partners gilt als Paradebeispiel für die amerikanische Hochhausbauweise in Stahl. Die 231 m hohe Tour First wurde auf die verstärkten Strukturen des Tour CB 31 (AXA) montiert.

Die 135 m hohe Tour Europlaza (1972) von Jean-Pierre Dagbert, Michel Stenzel und Pierre Dufau ist seit Juni 2019 Sitz der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde.

Immer mehr Wolkenkratzer wachsen in La Défense in den Himmel. Foto: Hilke Maunder

Neue Wolkenkratzer

Elf Hochhaustürme sind derzeit im Bau, ein Dutzend weiterer Wolkenkratzer wurden für La Défense genehmigt. Dazu gehören auch die Zwillingstürme des russischen Immobilienentwicklers Hermitage.

Mit einer Höhe von 323 m wird die Pariser Hermitage Plaza bei ihrer Fertigstellung im Jahr 2022 Londons „Shard“ als höchsten Wolkenkratzer von Westeuropa vom Sockel stoßen. Drei Milliarden Euro soll das Prestigeprojekt kosten, das das britische Architektenbüro Foster + Partners mit Luxusappartements, Büros und Fünfsterne-Hotel geplant hat.

Derzeit wächst La Défense vor allem in westlicher Richtung. Mit der Neugestaltung von Flächen, die einst ein Güterbahnhof einnahm, und der neuen Fußgängerachse von La Jetée und  Terrasses de Nanterre wird die Bürostadt besser mit Nanterre verbunden wird.

Im Zuge der Verlängerung der RER E soll 2022 der Bahnhof Nanterre-La Folie eröffnet werden und die Züge des RER E auch am Bahnhof La Défense halten. Dafür wird unter dem  CNIT eine eigene Bahnsteighalle gebaut. Auch der Grand Paris Express hält künftig in La Défense. 2027 soll dazu die Station der Metrolinie 15 in La Défense eröffnen.

Die Grande Arche von La Défense während der Bauarbeiten. Foto: Hilke Maunder

La Grande Arche

Ein Däne – Johan Otto von Spreckelsen  – erbaute das Wahrzeichen von La Défense: die 110 m hohe Grande Arche de la Fraternité. Mit dem Triumphbogen der Menschenrechte“ verwirkliche Präsident Mitterand eines seiner „Grands Projets“ – und sorgte für zugleich für eine touristische Belebung des anfangs etwas verwaisten Büroviertels.

Der monumentale Bogen aus Stahlbeton, Glas und weißem Carrara-Marmor wurde zur 200-Jahr-Feier der Französischen Revolution 1989 als westlicher Endpunkt der „axe historique“ eingeweiht.

Er ruht auf zwölf 30 m tiefen Betonpfeilern. Nach achtjähriger Renovierung ist die Aussichtsplattform auf dem Dach seit Mai 2017 wieder geöffnet.

Vier Panoramaaufzüge sausen hinauf zum Belvedere im 35. Stock, der erstmals nicht nur Ausblicke auf Paris bis zum Louvre eröffnet, sondern auch auf Nanterre.

Das Dach des modernen Triumphbogen ist seitdem auch eine beliebte Bühne für Kultur. Konzerte und Kunstausstellungen locken, aber auch Kurse, Events für Kinder und andere Veranstaltungen.

Oder genießt eine aussichtsreiche Mittagspause im Restaurant La City, das Montags bis Freitags zum Paradeausblick von 12 – 14.30 Uhr französische Küche serviert. A

bends kann das Lokal für Events gebucht werden. Achtung: Um dort zu schlemmen, müsst ihr vorab euren  Tisch reservieren – der Preis für den Panoramaaufzug ist im Menüpreis enthalten!

Detail der Grande Arche von La Défense. Foto: Hilke Maunder

Shopping in XXL

American Apparel, Desigual, Guess Denim, Smuggler, Uniqlo und andere internationale In-Labels birgt Les 4 Temps, das mit 230 Geschäften auf drei Etagen Frankreichs größtes Einkaufszentrum ist.

Mit Kookaï, Un Deux Trois, Sinéquanone, Étam und Promod sind auch typisch französische Marken und Ketten vertreten.

Der Food Court „Le Dôme“ vereint 24 Gastrostände von Chipotle, Paul und Wok Tiger bis hin zu Starbucks, McDonalds, Quick & Co. Integriert in den Shoppingkomplex ist das Multiplexkino von ICG mit 16 Sälen.

Tipp: es 4 Temps hat täglich von 10 bis 20.30 Uhr geöffnet. Und das auch sonntags – und an Feiertagen!

Les 4 Temps – der Shoppingtempel von La Défense. Foto: Hilke Maunder

Festivals und Märkte

Jazz, Blues und Weltmusik präsentiert das La Défense Jazz Festival zehn Tage lang im Juni – alle Konzerte sind kostenlos! Ganz und gar gratis sind auch alle Veranstaltungen des Filmfestivals Atmosphères  das in La Défense und Courbevoie stattfindet. Im Advent gastiert ein Weihnachtsmarkt auf der Esplanade. Von April bis Dezember kommen auch die Food Trucks in die Bürostadt. Wo die 20 Wagen stehen, ändern sich täglich.

Kontrastreich: La Défense. Foto: Hilke Maunder

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Das Bassin Akis: Das bewegliche Kunstobjekt begrenzt die Promenade von La Défense Richtung Triumphbogen. Foto: Hilke Maunder
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6 Kommentare

  1. Anfang der 80er des vergangenen Jahrhunderts war ich erstmals in La Defense, damals noch ohne Grand Arche und weiterer Hochhäuser. Kann mich noch an einem Besuch an einem Sonntag dort in der menschenleeren Gegend erkunden – war schon mehr als unheimlich sich alleine dort zu bewegen. GsD sind mittlerweile die auch viele Restaurants und Hotels dort angesiedelt, so dass man das Viertel auch zu allen Wochentagen besuchen kann. Ja, das mit dem ab und an dort auftredenen Wind kann ich auch bestätigen, habe es aber nie als störend aufgefasst. Letzen März haben wir unseren Enkeln Paris nähergebracht und in La Defense einen deutsch sprechenden Anwohner kennengelernt, der zu allen dort zu sehenden Kunstwerken eine Geschichte zu erzählen wusste.

  2. Ich habe schon im Hotel in La Defense gewohnt und auch – weil ich architekturinteressiert bin – bei jedem Besuch einen Abstecher dorthin gemacht. Aber ich finde, es ist auf den Straßen – resp. der Fußgängerzone und auch dem Einkaufszentrum immer sehr „trostlos“ – quasi das urbane Gegenstück zur Wüste mit „Tumbelweed“ – es ist – durch die Hochhäuser oft auch sehr windig. Es entsteht einfach sehr wenig urbane Aufenthaltsqualität. Städteplanerisch ist dieser Aspekt sehr stiefmütterlich behandelt worden – daran ändert auch die Kunst wenig und das ist schwer nachzubessern.

    • Liebe Wendy,
      das stimmt! Windig ist es da recht oft. Es fällt mir nur gar nicht mehr auf, seitdem ich in den Pyrénées-Orientales meine Herzensheimat gefunden habe. So bläst es an 200 Tagen noch viel mehr. La Défense gefällt mir, weil es spannend und aufregend ist, mutig und immer wieder überraschend. Toll, um einmal in ein urbanes Labor einzutauchen, Kontraste zu sehen und zu erleben, zu staunen und zu entdecken. Ich habe es auf MeinFrankreich vorgestellt, weil Paris mehr ist als das, was im Zentrum zu finden ist. Die Kommunen der „inneren Krone“ sind allesamt mitten im Umbruch, erfinden sich gerade neu – und davon werde ich 2019 noch mehr berichten. Merci für Deinen Kommentar! Bises, Hilke

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