La Vagabonde: Craft Beer des Fenouillèdes

La Vagabonde: Erfolgreich als Garagenfirma

Fünf Meter lang, drei Meter tief, viel größer ist die Garage nicht in der kleinen Gasse von Saint-Paul-de-Fenouillet in den Pyrénées-Orientales. Eine Tür führt in einen vielleicht sechs Quadratmeter großen Nebenraum, eine Werkstatttreppe aus Metall hinauf zum nachträglich eingezogenen Obergeschoss.

Neben Stapeln mit dunkelroten Getränkekisten von Caisse-France-Plastique verstecken sich dort weitere Erinnerungsstücke an vergangene Zeiten: eine Landkarte der Kanäle Frankreichs aus einstigen Schulzeiten, Comicbände und Kartons. „Hier möchten wir für La Vagabonde noch einen kleinen Verkostungsraum einrichten“, sagt Nathalie Petit-Bonnet, streicht durch ihr wuscheliges Haar und steigt die Treppe wieder hinab.

Die Braukessel kommen täglich zum Einsatz.

Gerstensaft aus der Garage

Während oben die Zukunft noch kreuz und quer liegt, herrscht unten Ordnung. Blank gescheuert blitzt der Edelstahl der Braukessel. Schläuche in weiß, rot und blau hängen an der Wand und über Regalen. Nathalie greift in eine Kiste und holt ihre Zutaten hervor: Bio-Malz aus dem Tarn und Hopfen aus Nordfrankreich. Daraus braut sie mit ihrer Partnerin Stéphanie seit 2016 sechs Sorten Craft Beer.

Voller Aromen ist der Hopfen aus Hauts-de-France; pur und lecker geröstet der Malz aus dem Tarn

Die Aromen der Region

Ihr Helles mit 4,8% heißt – in Anlehnungen an die nahen Gorges de Galamus – „Galamousse. Das Weißbier „Sambucus“ versetzt sie mit Holunderblütensirup. Stärker eingebraut ist ihr Happy IPA, das sich als Pale Ale mit exotischen Aromen paart. Ins kupferfarbene Foldinguedel mit mit starken Aromen von geröstetem Malz kommt mit dem Thymian der Geschmack der Garrigue. Sechstes Bier im Sortiment ist die Ephilide, ein sanftes, sehr süffiges Rotbier (bière rousse).

Das Sortiment von La Vagabonde.

Frauen brauen anders

Keines der Bier ist herb oder gar bitter wie manch ein Traditionspils. „Das liegt wohl am femininen Touch“, sagt Nathalie. „Der bringt andere Seiten im Bier zum Klingen“. Da kommt die Musikerin durch, die die 45-Jährige von Haus aus ist. Als eine Armverletzung sie zwang, den Beruf aufzugeben, sattelte sie von der Kultur in die Landwirtschaft um.

Sie zog aus der Nähe von Poitiers in den Fénouillèdes und eröffnete in Saint-Arnac einen Ziegenhof. Gemeinsam mit ihrer damaligen Partnerin stellte sie so köstliche Käse her, dass der Hof in der gesamten Region bekannt und geschätzt wurde.

Akribisch werden die richtigen Temperaturen kontrolliert bei der Fermentierung

Lang geträumt, schnell gemacht

„Doch schon damals liebäugelte ich mit dem Bierbrauen und hatte mir darüber ein Buch gekauft“, erzählt Nathalie. Als die private Trennung kam, meldete sich sich für einen Bierbrau-Intensivkurs im Département Oise an. „Eine Woche lang, jeden Tag für zehn Stunden, drehte sich alles ums Bierbrauen. Das war anstrengend, aber auch unglaublich interessant.“

Zurück in Saint-Paul, mietete sie eine Garage und baute sie eigenhändig um, flieste den Fußboden, montierte die Kühlung und installierte alles, was sie fürs Brauen benötigte. 2016 feierten die bedien Frauen mit Freunden und Nachbarn mit einem kleinen Fest in der Rue Delphin Roudières die Eröffnung.

Steil halten für die Krone – beim Rotbier wird nicht so schräg wie sonst eingeschenkt

Bereits im ersten Jahr braute Nathalie 60 Hektoliter Gerstensaft und zog ihn eigenhändig auf Flasche. 2018 waren es 80 Hektoliter. Im Obergeschoss mit einem kleinen Handgerät, das das Befüllen von drei Flaschen gleichzeitig erlaubt.

Sinnliche Prüfung

Eine von ihnen mit der handgeschriebenen Aufschrift „Ephilide“ öffnet sie jetzt mit dem Ende eines Kaffeelöffels, setzt sich auf einen Schemel und beginnt die Verkostung. Wie bei einer Weinprobe begutachtet sie erster die Farbe im Glas, atmet dann die Aromen mit der Nase ein, lässt das Bier atmen, nimmt dann einen kleinen Schluck und schließt die Augen. Für Sekunden spürt sie „einen Hauch vom Paradies“.

Erst gucken, dann kosten.

„La Vagabonde“: die Infos

Brasserie

Gebraut wird in Saint-Paul-de-Fenouillet in der 5, rue Delphin Roudières; für einen Besuch bitte vorher mobil unter Tel. 06 70 95 44 24 einen Termin vereinbaren.

Verkaufsstellen

Verkauft wird ihr Gerstensaft u.a. auch hier:

• Märkte: Saint-Paul-de-Fenouillet /Sa.), Saillagousse (So.), im Sommer auch auf dem Nachtmarkt von Latour-de-France (Di.)
• in Saint-Paul de Fenouillet: Mas Peyre (39, Avenue Général de Gaulle/D117), Boulangerie Racaud (29 Rue du Théatre/D117)

Duftet aromatisch: der Hopfen aus Hauts-de-France

Hintergrund

Während in Deutschland der Bierkonsum sinkt, steigt er in Frankreich. Craft Beer, dort „la bière artisanale“ genannt, erlebt geradezu einen Boom. 32 Liter Gerstensaft konsumiert, statistisch gesehen, jeder Franzose, Tendenz steigend.

Besonders Craft Beer boomt. Gab es 2007 im Hexagon nur 200 „brasseries artisanales“, ist ihre Zahl innerhalb von 10 Jahren von 1.100 gestiegen, so der Branchenverband Brasseurs de France.

Craft Beer deckt heute zwar erst vier Prozent des französischen Biermarktes ab, doch bis 2020 werden sich die Zahlen verdoppeln, so der Verband. Zu den Hochburgen der kreativen Kleinbrauer gehört auch die Region Auvergne-Rhône-Alpes mit mehr als 200 Betrieben.

Weiterlesen

Im Blog

Auch auf Korsika wird Craft Beer gebraut. Die Mikrobrauerei L’Impériale von Ajaccio habe ich hier vorgestellt.

Mehr zum Geheimtipp Fenouillèdes erfahrt ihr hier.

Im Buch

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