Land und Leute: Lesetipps für Neugierige

Lesetipps

Nachdem die letzten Lesetipps eher Spannung und Unterhaltung, Herz und Historie boten, möchte ich euch heute ein paar Titel vorstellen, die einladen, Land und Leute noch besser kennenzulernen. Einige Titel sind Neuerscheinungen, andere sind Neuentdeckungen.

Titel, die in der Flut der Frankreichbücher etwas untergegangen sind. Oder Bücher, die sich an Insider richten. Und sie dann mit tollem Hintergrund und Infos zu überraschen wissen. Voilà : 2 x Land und Leute für Leseratten, Entdecker und Neugierige. Und 2 x Paris für Entdecker.

Land und Leute besser verstehen

Olga Mannheimer (Hrsg.): Blau Weiß Rot: Frankreich erzählt*

Die Seele Frankreichs: Wie schlägt sie heute? Was lieben die Franzosen? Wofür begeistern sie sich? Was sorgt sie? Und was lässt sie richtig wütend werden? Olga Mannheimer hat für die Anthologie kreuz und quer die Stimmungslage eingefangen: mit Chansons und Comics, Gedichten und Erzählungen, klassischen und modernen Texten.

Der beliebte Liedermacher Renaud kommt ebenso zu Wort wie der Philosoph Roland Barthes, der zeitlebens versucht hat, die vielen Ebenen von Zeichen zu entschlüsseln – in der Fotografie, im Fernsehen, im Text.

Ebenfalls im Sammelband findet ihr bislang unveröffentlichte Texte von Catherine Millet, die 2001 mit einem emotionslos präzisen Bericht über ihr libertinäres Sexualleben die Franzosen schockierte, sowie von Unterwerfung*-Autor Michel Houllebecq.

Und von  Cécile Wajsbrot, die bereits ein Jahr von der Corona-Krise mit ihrem Werk Zerstörung* vom Schwinden der Freiheit und dem Ende der Zukunft erzählte. Wer mag, kann den Sammelband hier* online bestellen.

Irène Kuhn: Tour de France: Frankreich in kleinen Geschichten*

Ist euer Französisch etwas eingerostet? Und das Wissen um Frankreichs Geschichte auch? Dann bereitet euch Irène Kuhns literarische Zeitreise bestimmt Lesegenuss. Auf knapp 140 Seiten führt euch die Elsässerin, die einst an der Uni Strasbourg lehrte und heute zwischen München und der Provence pendelt, mit 40 Geschichten kreuz und quer durchs Land.

Ihre oft humorvollen Anekdoten sind kurz, interessante Lesestücke. Links findet ihr den französischen Text, rechts die deutsche Übersetzung.

Und so ganz nebenbei erfahrt ihr nicht nur, was König Heinrich IV. mit dem Sonntagshuhn des Béarn zu tun hat, was Renoir mit dem Porzellan von Limoges verbindet. Und warum die Mülltonne in Frankreich poubelle heißt.

Der einzige Wermutstropfen: Leider endet die Zeitreise mit dem Satz von Charles de Gaulle, den er einst an Churchill richtete: „Si je ne suis pas la France, pourquoi discutez-vous avec moi ?“ – „Warum reden Sie überhaupt mit mir, wenn ich nicht Frankreich bin?“

Anekdoten zur Nachkriegszeit und zum heutigen Frankreich fehlen völlig. Wäre das nicht eine schöne Idee, Madame Kuhn? Wer mag, kann die literarische Reise durch Zeit und Raum hier* online bestellen.

Paris für Insider

Georg Renöckl: Paris abseits der Pfade*

Ach, wären nur die Karten nicht so klein, die Fotos nicht so schlecht in schwarz-weiß. Sie ließen mich das Buch erst einmal beiseite legen. Doch dann siegte die Neugier. Und ein wenig das schlechte Gewissen gegenüber dem Kollegen, der mit 111 Orte in Nordfrankreich* mir bereits tolle Entdeckungen vorgestellt hatte.

So begann ich zu lesen. Und wurde immer tiefer hineingezogen. Wanderte mit dem Wiener Journalisten durch den Pariser Osten, durch Belleville und Ménilmontant.

Ich entdeckte Kleinode, die ich bislang übersehen hatte. Erfuhr von Orten, die gut zu kennen glaubte, noch wieder Neues. Und legte mich dann ins Gras der Buttes-Chaumont und freute mich daran, das der Wiener Journalist Georg Renöckl, der sechs Jahre lang in Paris und Strasbourg gearbeitet hatte, so unterhaltsam und sauber recherchiert sein Insiderwissen in diesem Band teilt.

Und Lust macht, beim nächsten Paris-Besuch einmal intensiver auf seinen Spuren zu wandeln.  Wer mag, kann den Band hier* online bestellen.

Murielle Rousseau: Die Gärten von Paris*

Bei Murielle Rousseau denken viele von euch eher an die wundervollen Kochbücher, mit denen die französisch-deutsche Autorin aus Saint-Germain-en-Laye seit 2007 die Herzen vieler Hobbyköche erobert hat. Am 14. Juni hat sie jetzt einen handlichen Garten-(Ver-) Führer im Insel-Verlag herausgebracht.

Von Arrondissement zu Arrondissement, aber auch im Pariser Umland, stellt sie 37 grüne Lieblingsplätze vor. Bekannte Oasen wie den Jardin des Tuileries, die Gärten der Champs-Élysées und die eindrucksvollen Parkanlagen von Le Nôtre am Schloss von Versailles, aber auch versteckte, intime Gärten und grüne Oasen abseits der Touristenströme.

Sie stellt euch die Pariser Freiheitsstatue auf der Schwaneninsel in der Sein vor, nimmt euch mit ins Tropengrün der Serres d’Auteuil und verrät schließlich auch ihren  ganz persönlichen grünen Lieblingsplatz, einen kleinen Rosengarten auf der Île Saint-Louis. Wer mag, kann den handlichen Garten-(Ver-) Führer für Paris hier* online bestellen.

Offenlegung

Für diesen Beitrag stellten mir die Verlage ihre Titel kostenfrei zur Rezension zur Verfügung. Einen Einfluss auf meine Wertung und meine Berichterstattung hat dies nicht. Ich berichte unabhängig und bin beim Bewerten total subjektiv.

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4 Kommentare

  1. Liebe Hilke,
    Ich habe gerade Sorj Chalandon “ Am Tag davor” gelesen! Ein französischer Erzähler. Spielt in Nordostfrankreich! Es war eine Empfehlung von der Buchhandlung “ Stories”’ . Großartig, aber kein Schmöker!

    Mehr in diese Kategorie gehört “ Unsere glücklichen Tage”. Schauplatz ist hier die französische Atlantikküste! Eine leichte Sommerlektüre!

    Vielen Dank für die Lesetipps

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