Impressum Mein Frsnlkreich: Lavendel-Anbau auf dem Plateau von Valensole. Foto: Hilke Maunder
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Lavendel: das blaue Gold der Provence

Lange Reihen von lilablauen Streifen bis an den Horizont, die Dörfer und Landschaften einhüllen in einen betörenden Duft: Der Lavendel ist das Symbol der Provence.

Er prägt das Bild der Region, verführt zum Träumen, weckt sofort Frankreich-Sehnsucht und ist Anlass für viele Feste, wenn er zur Blütezeit geerntet wird.

Lavendel-Traum in der Drôme. Foto: Hilke Maunder
Garten-Idyll in der Drôme. Foto: Hilke Maunder

Das Killer-Bakterium

Doch diese Pracht bedroht ein Bakterium. Stolbur-Phytoplasma heißt es. Winzig kleine Zikaden verbreiten es. Sie saugen am Saft der Pflanze und injiziert dabei den Erreger in die Leitungsbahnen. Haben sie eine Pflanze infiziert, bildet sie kleinere Blüten und vertrocknet schließlich.

Auch nahe der Ardèche-Schlucht gibt es noch Lavendel-Felder. Foto: Hilke Maunder
Auch nahe der Ardèche-Schlucht gibt es noch duftende Felder. Foto: Hilke Maunder

Im Jahr 2000 entdeckten die Lavendelbauern die existenzbedrohende Krankheit. Doch ein Gegenmittel fehlt bis heute. Zahlreiche Bauern mussten daher ihre Pflanzungen zerstören. Erst nach fünf Jahren Ruhezeit ist eine Neubepflanzung möglich. Die Produktion ist massiv eingebrochen.

Die Preise für Erzeugnisse mit Ingredienzien der Duftpflanze sind explodiert. Vor der Krise produzierten die Lavendelbauern der Départements Alpes-de-Haute-Provence, Hautes-AlpesVaucluse und Drôme noch 85 Tonnen ätherisches Öl aus den Blüten der Pflanze. Heute sind es nur noch 30 Tonnen.

Beim Blick auf die Zahlen ist Präzision wichtig, um das kostbare „blaue Gold“ nicht mit der Industrieware zu verwechseln. Die 30 Tonnen beteffen ausschließlich das extrem rare, handwerklich destillierte AOP-Lavendelöl der Bergregionen. Rechnet man den echten Lavendel ohne Biosiegel dazu, kommt Frankreich heute wieder auf stolze 120 bis 140 Tonnen pro Jahr. Es ist dennoch eine verschwindend geringe Menge im Vergleich zum Lavandin : Der pflegeleichte Hybrid aus den Tälern liefert jährlich mehrere tausend Tonnen Öl für die weltweite Kosmetikindustrie.

Bulgarien hat Frankreich als Weltmarktführer vom Thron gestoßen. China und die Ukraine sind Frankreich dicht auf den Fersen. Frankreich punktet heute über die kompromisslose AOC/AOP-Qualitätssicherung.

Herrlich - ein Spaziergang durch die Lavendelfelder während der Blüte im Juli. Foto: Hilke Maunder
Herrlich – ein Spaziergang durch die duftenden Felder während der Blüte im Juli. Foto: Hilke Maunder

Ein Traum in Lila

Doch jetzt ist es Sommer. Von Mitte/Ende Juni bis in den August hinein verwandelt der Lavendel das Land in einen Traum aus Lila. Von den Alpen der Haute-Provence bis zu den Hochplateaus von Valensole und Sault, von der Drôme bis zum Vaucluse leuchten die langen Reihen des lavande. Typisch französisch ist dieser herrliche Anblick nicht. Die Lavendelkultur kam erst mit den Römern in der Antike ins Land. Sie brachten die Nutzpflanze aus Persien in die Provence, wo bereits der wilde wild heimisch Lavandula angustifolia heimisch war. Seit der Antike wird der echte Lavendel hier jetzt kultiviert – doch nur auf Kalkböden.

Lavandin wird hier großflächig angebaut. Foto: Hilke Maunder
Lavandin wird hier großflächig angebaut. Foto: Hilke Maunder

Echt braucht Höhe

Längst nicht alles, was in der Provence blaulila blüht, ist auch echter Lavendel. Jener wächst nur in Höhen ab 800 Metern. In Frankreich bedeckt er vor allem die Südhänge der Hochebenen von Sault und Albion, die 70 Prozent des echten Lavendels liefern. Ihr erkennt ihn an seiner einzigen Blütenrispe pro Stängel. Für einen Liter echtes Öl werden 130 Kilogramm Rispen benötigt!

Lavendel: Margherite Blanc vom Château de la Gabelle erläutert die Unterschiede bei den Lavendelarten. Foto: Hilke Maunder
Margerita Blanc vom Château de la Gabelle erläutert die Unterschiede bei den Lavendelarten. Foto: Hilke Maunder

In den garrigues, den Strauchheiden des Südens, wächst in Höhen von 0 bis 600 Metern der Speiklavendel. Die deutlich größere Pflanze besitzt mehrere Blütenrispen und riecht deutlich nach Kampfer.

Aus dem Alambic fließen die essenziellen Lavendelöle in einen mit Wasser gefüllten Glaskolben und setzen sich oben ab. So können sie leicht abgesogen werden.
Aus dem Alambic fließen die essenziellen Lavendelöle in einen mit Wasser gefüllten Glaskolben und setzen sich oben ab. So können sie leicht abgesogen werden. Foto: Hilke Maunder

Ebenfalls in den Tälern wird seit den 1950er-Jahren ein Hybrid aus Speiklavendel und echtem Lavendel kultiviert: Lavandin. Seine büschelartigen Blüten liefern den kräftigen Duft, den ihr aus den Lavendelsäckchen kennt.

Auch Reinigungsmitteln wird er als Duftnote beigefügt. Für die Parfümherstellung ist Lavandin nicht geeignet. Doch eines ist allen Lavendelarten gemeinsam: Sie bergen ihre Aromastoffe nicht nur in der Blüte, sondern auch im Stängel und in den Blättern!

Lavendel: Philippe Soguel von der Distellerie Bleue Provence erklärt die Lavendelölextraktion. Foto: Hilke Maunder
Philippe Soguel von der Distillerie Bleue Provence erklärt die Lavendelölextraktion. Foto: Hilke Maunder

Garantierte Qualität

Echter Lavendel wurde einst auch „blaues Gold“ genannt. Damit das Öl das begehrte AOC-Siegel erhält, muss es strenge Auflagen erfüllen. Zugelassen als Anbauregion sind nur 255 Dörfer in der Haute-Provence, den Hautes-Alpes, dem Vaucluse und der Drôme. Dort muss es aus Pflanzen extrahiert werden, die aus Samen gezogen wurden.

Sie müssen dort auf mindestens 800 Metern Höhe wachsen. Ihr Öl darf nur durch Wasserdampf-Destillation gewonnen werden, schreibt das Institut national de l’origine et de la qualité (INAO) vor. Das staatliche Institut überwacht Anbau, Verarbeitung und Qualität der AOC Lavande de Haute-Provence.

Lavendel: Lavanderie Agnels. Foto: Hilke Maunder
Düfte der Natur, extrahiert von der Lavanderie Agnels. Foto: Hilke Maunder

Geradezu schier unendlich ist der Einsatz der Duftpflanze bei Körperpflege und Kosmetik. Body Lotions, Seifen, Dusch- und Badegels, Haar- und Gesichtskosmetik werden in der Provence werbewirksam mit Lavendel versetzt. Als natürlicher Badezusatz ist er ebenso beliebt.

Für Potpourris, Trockensträuche und andere lilablaue Deko züchten die 70 Landwirte, die sich in der Association des Producteurs de Lavande, Fleurs et Bouquets zusammengeschlossen haben, seit fast 50 Jahren einen ganz besonderen Lavendel. Er besitzt besonders feste Blütenkelche und behält seine intensiv blaue Farbe auch nach dem Trocknen.

Lavendel, in Szene gesetzt bei der Lavanderie Agnels. Foto: Hilke Maunder
Lavendel, in Szene gesetzt bei der Lavanderie Agnels. Foto: Hilke Maunder

Küchen-Geheimnisse

Längst hat Lavendel auch die Küche erobert. Doch Achtung: Wer aus Versehen mit Speiklavendel würzt, verleiht den Speisen eine seifenähnliche Note. Nur die Blüten und Blätter des echten Lavendels sind äußerst aromatisch. Verwendet werden die Rispen in der Küche ähnlich wie Rosmarin oder Thymian.

Denn echter Lavendel gehört – wie auch Fenchel, Majoran, Lorbeer, Bohnenkraut, Oregano und Salbei – zu den „Kräutern der Provence“. Nicht nur Fleisch und Fischgerichte, sondern auch Eiskrem und Kuchen, Limonade, Tee und Honig werden gerne mit Lavendel verfeinert. Restaurants wie L’Hostellerie du Val de Sault in Sault-en-Provence und La Bonne Étappe in Château-Arnoux-Saint-Auban servieren köstliche Lavendelmenüs!

Im Juli blüht der Lavendel im Klostergarten von Saint-Martin-de-Boscherville... in der Normandie! Foto: Hilke Maunder
Im Juli blüht der Lavendel im Klostergarten von Saint-Martin-de-Boscherville… in der Normandie! Foto: Hilke Maunder

Auszeit in Lila

Lavendel soll auch spirituelle Eigenschaften besitzen. Esoteriker sagen, Duft und Farbe der Pflanze entwickeln die Intuition, erlauben das geistige Loslassen und helfen, seine eigene Orientierung zu finden und die Individualität zu akzeptieren. Innere Reinigung und Klarheit bringe die Pflanze.

Ob es stimmt, könnt ihr bei einer spirituellen Auszeit auf dem Plateau von Valensole erfahren, wo die Sœurs Coopératrices Lavendel anbauen. Inmitten der Felder laden sie zur geistigen Einkehr in ihrem Kloster. Lavendel in der Provence – eine Entdeckungsreise für alle Sinne!

Lavendel - der Duft des Südens. Foto: Hilke Maunder
Der Duft des Südens, nach der Ernte frisch verpackt in kleine Duftsäckchen. Foto: Hilke Maunder

Lavendel: meine Infos

Fakten

Lavendelanbau

• 2.200 Produzenten, weitere 25.000 abhängige Arbeitsplätze in vier Départements: Drôme, Alpes de Haute-Provence, Hautes-Alpes und Vaucluse
• Anbaufläche: 15.000 ha Lavandin (0-600 m), 5.000 ha Lavendel (800-1.800 m)
• 120 Destillierbetriebe, davon 30 mit Publikumsverkehr
• Produktion von ätherischen Ölen: 1.000 Tonnen Lavandin, 30 Tonnen Lavendel (bis 2000: 85 Tonnen)

Quellen: Association des Producteurs AOP Lavande de Haute-Provence, CIHEF Comité Interprofessionel des Huiles Essentielles Françaises, cihef.org

Lavendel bei der Lavanderie Agnels. Foto: Hilke Maunder
Getrockneter Lavendel wird meist in kleinen Sträußchen verkauft. Foto: Hilke Maunder

Lavendel erleben

Les Routes de la Lavande

Sechs ausgeschilderte Strecken auf den Spuren der berühmten Duftpflanze, https://routes-lavande.com

Maison de la Lavande

Von der Maison de Lavande geht es per Bahn in die Lavandin-Felder. Foto: Hilke Maunder
Von der Maison de la Lavande geht es per Bahn in die Lavandin-Felder. Foto: Hilke Maunder

Der Lavendelbauer bringt euch mit einem kleinen, halb offenen Zug zu seinen Feldern – und erklärt euch die Herstellung der essentiellen Öle in seinem Museum, zu dem auch ein Schau-Alambic sowie ein kleiner Garten mit diversen Arten aus aller Welt gehört.
• 2200, Route des Gorges, 07700 Saint-Remèze, Tel. 04 75 04 37 26, www.lamaisondelalavande.com

Das Museum der Maison de Lavande. Foto: Hilke Maunder
Das Museum der Maison de la Lavande. Foto: Hilke Maunder

Musée de la Lavande

Im Luberon-Naturpark hat Georges Lincelé eine einzigartige Sammlung von Destillierkesseln zusammengetragen. Sophie und Jack bauten diesen Grundstock zu einer Schau rund um den Lavendel aus. Zum Museum gehört eine Boutique, in denen ihr die Produkte der Lavendelbauern kaufen könnt. Ihre Marke: Le Château du Bois.
• 76, route de Gordes, 84220 Coustellet, Tel. 04 90 76 91 23, www.museedelalavande.com

Lavendel: Véronique Agnels am Destillierkessel. Foto: Hilke Maunder
Véronique Agnels, Chefin der Distillerie Agnels, am Destillierkessel. Foto: Hilke Maunder

Distillerie Agnels

Im Luberon wird Lavendel nicht auf großen Flächen, sondern kleinteilig angebaut. Größter Produzent der Region – und einziger mit Laden und kleinem Museum – ist Agnels. Das 1895 gegründete Unternehmen leitet seit 2008 Véronique Agnels. Pro Jahr liefert ihr 50 Hektar großer Hof 10.000 Liter ätherische Öle. Sorgenfalten bereitet ihr nicht das Bakterium, sondern der Klimawandel, der immer trockenere und heißere Sommer im Luberon beschert.
• Route de Buoux (D113), 84400 Apt, Tel. 04 90 04 77 00, lesagnels.com

Distillerie Bleu Provence

Wie Lavendel destilliert wird, könnt ihr in der Provence an vielen Orten erleben. Auch in Nyons könnt ihr dabei zusehen. Wenige Schritte weiter verrät euch eine Ölmühle, wie sie Olivenöl gewinnt und verarbeitet. Nyons ist so schön, dass ihr es unbedingt einmal besuchen solltet!
• 58, promenade de la Digue, 26110 Nyons, Tel. 04 75 26 10 42, distillerie-bleu-provence.com

Lavendelfeste

• Ferrassières, 1. So. im Juli
• Valensole, 3. So. im Juli
• Barrême, letztes Juli-Wochenende
• Thorame, Ende Juli
• Sault-en-Provence, 15. August
• Digne-les-Bains, Anfang und Ende August

Die exportierte Provence
Lavendelfelder bis an den Horizont gibt es nicht nur im Süden Frankreichs, sondern auch im Nordosten Tasmaniens. Der Bridestowe Lavender Estate bei Nabowla, rund 55 Kilometer nordöstlich von Launceston, und gilt als größte privat geführte Lavendelfarm der südlichen Hemisphäre.​ Begründet wurde das Anwesen 1921/1922 vom Londoner Parfümeur Charles C.K. Denny. Der Brite brachte aus den französischen Alpen einige Samen reinen Lavandula angustifolia-Lavendels mit nach Tasmanien, da ihn das dortige Klima stark an die Provence erinnerte – beide Regionen liegen etwa auf dem 40. Breitengrad. Ziel Dennys war es, feinstes, kampherfreies Lavendelöl herzustellen, das der französischen Qualität ebenbürtig sein sollte.

Hier könnt ihr schlafen

Der Lavendelhof Château de la Gabelle bietet auch Gästezimmer an. Foto: Hilke Maunder
Der Lavendelhof Château de la Gabelle bietet auch Gästezimmer an. Foto: Hilke Maunder

Château de la Gabelle*

In Ferrassières könnt ihr hinter den wehrhaften Mauern einer Bauernburg aus dem 13. Jahrhundert schlafen. Heute hat sich der Lavendelhof ganz der Nachhaltigkeit verschrieben – vom Anbau bis zur Verarbeitung ist alles bio.Mit seinem Namen erinnert das Château de la Gabelle an die Salzsteuer hat, die früher erhoben wurde.

Das Schloss befand sich in den Händen der Mévouillon, einer sehr mächtigen Familie der Region, deren Einfluss von Ludwig XIV. durch die Auflösung ihrer Herrschaft gestoppt wurde. 1960 erbte Pierre Blanc, ein Nachkomme der Familie Roux, die ab 1863 das Anwesen besaß, das Haus, ließ sich mit seiner italienischen Frau Margherita nieder und belebte wieder den Lavendelanbau. Doch das Leben auf dem Schloss war hart. Missernten reihen sich aneinander, und der Zustand des Gebäudes verschlechtert sich stetig.

So öffnete das Paar sein Haus für Gäste. Inzwischen haben Margeritas Söhne Jean-Paul und Michel das 200 Hektar große Anwesen übernommen und werden heute von ihren eigenen Söhnen Rémi, Cyril und Théo unterstützt. Um die Gästezimmer und Ferienwohnungen kümmert sich Isabelle, eine der fünf Töchter von Margerita. Der Laden, in dem Bio- und lokale Produkte angeboten werden, die in Handarbeit und vor Ort aus den Produkten des Hofes hergestellt werden, leitet Inès, die Enkelin von Margerita.
•  1065, route de la Gabelle, 26570 Ferrassières, Tel. mobil 06 50 16 25 70, Gästezimmer auf Online-Portalen wie Booking.com*, Online-Boutique: https://chateaudelagabelle.fr

Lavendel und Mohn... in Ferrassières. Foto: Hilke Maunder
Stillleben in Ferrassières. Foto: Hilke Maunder

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Der Lavendel-Krimi

Crime Time: Roter Lavendel*

Ralf Nestmeyer, Roter Lavendel

Ralf Nestmeyer, den ihr vielleicht als Reisebuchautor kennt, hat mit „Roter Lavendel“ seinen ersten Krimi verfasst. Ruhig, aber unglaublich konsequent, zieht er den Leser in die Handlung. Ein deutscher Modefotograf besucht die Provence, um für einen Kalender Lavendel zu fotografieren. In Avignon begegnet er Monsieur Perras. Der Mitreisende bittet ihn, ein Päckchen mit historischen Briefen und Fotos für ihn aufzubewahren. Wenig später ist Perras verschollen.

Der Fotograf beginnt zu recherchieren und folgt Perras‘ Spuren bis in den Zweiten Weltkrieg, als die Deutschen Frankreich besetzt hielten. Mehr wird nicht verraten. Packt den Band ins Urlaubsgepäck, oder lest ihn daheim und lasst euch beim Lesen in die Landschaften, die Dörfer und Städte der Provence entführen. Eine Leseprobe gibt es hier. Wer möchte, kann den Band direkt hier* online bestellen.

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Lara erntet Lavendel. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder