Die schönsten Abteien der Seine: Graville

Seit einige Jahren klappere ich bei jeder Reise in die Normandie eine oder mehrere Abteien der Seine ab. Die Klosterruine von Jumièges und die Abtei von St-Georges-de-Boscherville mit ihrem herrlichen Garten, die beide im Umland von Rouen liegen, habe ich euch bereits in früheren Blogs vorgestellt.

Graville: Aussicht & Atmosphäre

Diesmal sehe ich mir die Abteien am Nordufer  der Seine-Mündung, und damit rund um Le Havre, an. Den Auftakt macht die Abbaye de Graville, die vom Kirchplatz und Friedhof bei gutem Wetter weite Ausblicke bis in die Landschaft des Calvados eröffnet.

Bei meinen Besuch regnete es allerdings, und die Sicht reichte nur zu einem runden, leuchtend blauem Ei im Tal, dem neuen Stadium von Le Havre, dessen Hülle die Sonnenenergie für den Betrieb erzeugt.

Blickt man abends vom hinteren, beleuchteten Parkplatz des Grand Stade zur Abtei hinauf, sieht es aus, als sei das Gotteshaus von lauter riesigen Sternen umgeben – ein traumhaft schöner Blick! Doch jetzt goss es in Strömen.

Juwel der Romanik

Und ich wollte nur eins: hinein in die Abtei, die zu den Meisterwerken der Romanik in der Normandie gehört. Erbaut wurde sie in jenen Jahren, als Wilhelm I. der Eroberer gen England aufbrach.

Die alten Klostergebäude aus dem 13. Jahrhundert, im 18. Jahrhundert umgebaut, bergen vom Keller, wo der der bronzene Kopf einer Madonna im Gewölbe ruht, bis zum Obergeschoss wahre Schätze, die auch interessant sind, wenn man in Religion(sgeschichte) nicht so bewandert ist.

Sakrale Kunst & Bauten der Welt

Neben  zwei Heiligen, die ihren Kopf unter dem Arm halten, und religiöser Kunst des 15. Jahrhunderts bis zur Gegenwart birgt das Musée de l’Abbaye mit der Collection Gosselin eine Sammlung von 206 Hausmodellen, die ein Gelehrter im 19. Jahrhundert angefertigt und auf der Pariser Weltausstellung 1889 ausgestellt hat. Hier habe ich euch die Sammlung im Blog vorgestellt.

Ruhe, die berührt

Doch nun zur Kirche, die erst nach dem Museumsbesuch und einem kurzen Weg über den Kirchhof zu erreichen ist. Hinter der schweren Holztür: Stille. Geschickt gesetzte Spots, die Architekturdetails hervorheben oder die ausgestellten Madonnen und Heiligen beleuchten. Rundbögen überkreuzen sich, ein Fries schmückt die Stirnwand. Ein Gotteshaus, das Ruhe atmet, bescheiden ist statt beladen mit Prunk, die es später Mode wurde… und am barocken Altar, der sich in Gold, Grün und Rot, den drei edelsten Farben neben dem königlichen Bleu und Hermelinweiß, zu sehen ist.

Die Heilige Honorine

Zur Zeit der ersten Angriffe der Normannen befanden sich im Kloster die Reliquien der Heiligen Honorine vom Kelten-Stamm der Caleti, die am 27. Februar 303 n. Chr. in Rouen als Märtyrerin und Jungfrau hingerichtet und in die Seine geworfen worden war. Die Mönche von Graville jedoch retteten die Leiche und bestatteten sie auf ihrem Friedhof. Als jedoch die Wikinger die Seine hinaufzogen, wurde die Heilige flussaufwärts nach Conflans in Sicherheit gebracht.

© Fotos: Hilke Maunder, Grand Stade: Wikipedia Commons

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