Mein Frankreich: Leonore Ander

Mit Mike, gefühlt seit 1000 Jahren mein Ehemannn. Foto: privat
Mit Mike, gefühlt seit 1000 Jahren mein Ehemannn. Foto: privat

“Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch? Diesmal verrät es Leonore Ander.


Februar 1996. Es regnete in Strömen. Zeit also, den Waschsalon im nächsten französischen Städtchen zu besuchen. In der Zwischenzeit einen Kaffee im Harley Davidson Café trinken. Ein kurzer Blick in das lokale Inseratenblättchen geworfen und………mir stockte der Atem und ich rieb meine Augen. Dort war das Haus annonciert, das wir schon lange suchten.

Der Blick auf unser Dorf im Minervois. Foto: Leonore Ander
Der Blick auf unser Dorf im Minervois. Foto: Leonore Ander

Wir, das war mein Mann, unser Sohn und ich. Folgende Kriterien waren gewünscht: ein altes Steinhaus, in einem Dorf im Minervois, an Elektrizität, Wasser und Abwasser angeschlossen, bewohnt  bis zum Kauf. Eine Werkstatt,  ein Garten und ein Bistro für ein abendliches Bier sollte auch vorhanden sein.

Uff! Die Besichtigung am nächsten Tag erfüllte alle Wünsche und noch mehr. Das Dorf, heute als grand site ein Landschaftskulturerbe, war umwerfend schön, das Haus mit 80 Zentimeter dicken Steinmauern uralt, und außer dem Garten gehörten noch 2600  Quadratmeter Land am Ende des Dorfes dazu. Am Fluß gelegen und voller Obstbäume und Reben.

Unterwegs als Fotojournalistin - hier bei ?. Foto: privat
Bei den Kopfjägern im Nagaland, Assam (Indien). Foto: Leonore Ander

Zum Zeitpunkt des Kaufes lag schon ein bewegtes Leben hinter mir. Als unabhängige Fotojournalistin hatte ich mehr als 20 Jahre lang im Auftrag von Verlagen, TV, Zeitungen und Zeitschriften die Welt bereist.

Bei ....? Foto: prviat
Mit den Einheimischen im Ganges Delta südlich von Kalkutta. Foto: Leonore Ander

Langzeitaufenthalte mit Sprachstudien in Mexico, Brasilien, USA und Italien hatten mir Tür und Tor geöffnet. Um eine Auszeit zu nehmen, entschied ich mich für eine Wanderung  entlang des Canal du Midi. Das war im September 1991, von Sète nach Toulouse.

Mein Boot auf dem Canal du Midi. Foto: Leonore Ander ?
Mein Boot auf dem Canal du Midi. Foto: Leonore Ander

Und da passierte es. Zwischen zwei Dörfern, versteckt unter den Platanen, dümpelte ein Boot und stand zum Verkauf.Die Weinlandschaft war so umwerfend schön, alles so friedlich und archaisch, das Mittelalter grüßte aus jedem Dorf.

Vier Jahre lang lebte ich in meinem Boot auf dem Canal du Midi. Foto: Hilke Maunder
Boot mit Tisch und Blumen und Blick auf den Canal: Foto Leonore Ander

Kurz, ich kaufte das Boot und arbeitete die nächsten vier Jahre auf dem schaukelnden Untergrund.Gereist bin ich nur noch im Radius von 100 Kilometer. Was hieß…im Westen bis Carcassonne, im Süden bis Perpignan, im Osten bis Montpellier und im Norden bis Albi.

Es gab so unglaublich viel zu entdecken, daß ich absolut keine Lust  mehr hatte, aufwendige Fernreisen zu unternehmen. Bis die Familie beschloss, ein Haus zu kaufen. Siehe oben…

Die Felsen bei unserem Dorf im Minervois. Foto: Leonore Ander
Die Felsen in i unserem Dorf im Minervois. Foto: Leonore Ander

Nun wohne ich schon 25 Jahre in diesem uralten Dorf , das sich demütig an den Fels duckt, um dem Cers, dem heulenden Nordwestwind, keine Angriffsfläche  zu bieten. Drumherum gruben sich fünf Schluchten in Millionen von Jahren in die Landschaft. Die Natur ist allgegenwärtig.

Ein Olivenhain bei unserem Dorf. Foto: Leonore Ander?
Ein Olivenhain bei unserem Dorf. Foto: Leonore Ander

Die Weinfelder dominieren, dicht gefolgt von Olivenhainen, Mandel- und Pfirsichplantagen.

Ob ich francophil bin? Ich weiß es nicht. Auf der  ganzen Welt, ob im Urwald in Brasilien, der Pampa in Argentinien, bei der Durchquerung der Sahara oder hier im Dorf. Überall habe ich solch herzliche, interessante und liebenswerte Menschen getroffen, dass ich einfach nur  sagen kann: die Welt ist mein Zuhause

Frühjahrsputz im Olivenhain. Foto: Leonore Ander
Frühjahrsputz im Olivenhain. Foto: Leonore Ander

Der Beitrag von Leonore Ander ist ein Gastartikel in einer kleinen Reihe, in der alle, die dazu Lust haben, ihre Verbundenheit zu Frankreich ausdrücken können. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken. Ich freue mich, wenn dieser Aufruf viele von euch zum Mitmachen inspiriert.

Ob kurz oder lang, Prosa oder Lyrik, Schickt mir den Text per Mail – und die Fotos bitte immer in Originalgröße (!!). Sind es viele, sendet sie bitte per WeTransfer.com. Oder hängt sie einzeln an die Mails. Merci ! Die Beiträge werden in loser Folge veröffentlicht.

Merci fürs Teilen!

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