Îles des Saintes: die blonde Karibik

Les Saintes: Fischerhaus in Le Bourg. Foto: Hilke Maunder
Fischerhaus in Le Bourg. Foto: Hilke Maunder

15 km vor der Südspitze von Guadeloupe erstreckt sich in den türkisfarbenen Gewässern der Karibik der kleine Archipel der Ȋles des Saintes. Auf den kargen Heiligeninseln landeten im 17. Jahrhundert Seefahrer aus dem Westen und Norden Frankreichs.

Bis heute sorgen die Nachfahren dieser Normannen und Bretonen dafür, dass die Menschen dort so ganz anders aussehen als in der restlichen Karibik: hellhäutig, blond und blauäugig.

Auf den kargen Weiden grasen Ziegen. Foto: Hilke Maunder

Besondern auf Terre-de-Haut fällt dies auf. Für Landwirtschaft gibt es auf den Hängen rund die Bergspitze des Morne du Chamenau (309 m) keinen Platz. Ackerflächen sind rar, Süßwasser fehlt völlig.

Zuckerrohr anzubauen wie auf den Nachbarinseln war und ist dort nicht möglich. So gab es auch keine Sklaven, die anderenorts zur Arbeit auf den Feldern aus Westafrika geholt worden war.

Auf und ab überziehen die Gassen die Terre-de-Haut. Foto: Hilke Maunder

Bereits 1493 hatte Christopher Kolumbus auf Terre-de-Haut festgemacht. Damals war die Insel noch ungewohnt gewesen.Wie einst die amerindianische Bevölkerung verließ auch Kolumbus die für ihn sehr unwirtliche Insel wieder.

Erst rund 150 Jahre später, 1643, stationierte Frankreich aus strategischen Gründen seine Soldaten für 36 Monate auf den Inseln von Guadeloupe und baute den Archipel zum Gibraltar der Antillen aus.

Die weite Bucht von Terre-de-Haut. Foto: Hilke Maunder

Bis ins 19. Jahrhundert hinein kämpften Franzosen und Engländer um die Antillen. Schicksalshaft war besonders die Seeschlacht vom 12. April 1782, in der 35 französische Kriegs- und 150 Frachtschiffe den Engländern unter Admiral George Rodney unterlagen. Das Blut von 1500 Leichen färbte die See rot.

Die Baie du Marigot. Foto: Hilke Maunder

Erst 1816 wurde die Inselgruppe endgültig französisch. Verteidigungsbauten wie die Batterie Caroline und das Fort Napoléon erinnern an kriegerische Zeiten. Erbaut wurde die Festung aus Steinen der Insel und von „le continent“, wie die Insulaner die Hauptinseln Basse-Terre und Grande-Terre nennen.

Bis heute eine imposante wehrhafte Anlage: das Fort Napoléon der Îles des Saintes. Foto: Hilke Maunder

Korallenkalk verbindet die ganz unterschiedlichen Baumaterialien. Auch, als das Fort seine militärische Bedeutung verloren hatte, blieb es für die Insulaner lebenswichtig: Es birgt die größte Zisterne der Insel!

Les Saintes: das Inselmuseum des Fort Napoléon. Foto: Hilke Maunder

Als Guadeloupe seine militärische Bedeutung verlor, kehrten die meisten Soldaten heim ins Hexagon, nach Frankreich. Nur die bretonischen und normannischen Seeleuten blieben.

Ihre  Familien bildeten bis heute eine geschlossene Gemeinschaft mit einer ganz eigenen Inselkultur. Geheiratet wird untereinander. Und noch immer sind die  Saintois Fischer und Schiffbauer, keine Bauern.

DaDas Inselmuseum hält die Seefahrtsgeschichte der Saintes lebendig und präsentiert Flora, Fauna der Inseln und ihre Kultur. Foto: Hilke Maunder

Um die lokalen Meeresströmungen zu bezwingen, konzipierten die neuen Einwohner ein besonders manövrier- und hochseefähiges Wasserfahrzeug, die „Saintoise“.

Das solide Holzboot wurde rasch zum Wahrzeichen der Antillen, verrät das Inselmuseum im Fort Napoléon. Eindrucksvoll dokumentiert es die vielen Facetten der Seefahrt auf den Îles des Saintes mit Schiffsmodellen, Zeichnungen, Fotos und vielen anderen Exponaten.

Im Gebüsch am Fort Napoléon verstecken sich gerne die Leguane der Insel. Foto: Hilke Maunder

Die Wallanlagen bergen heute einen kleinen Garten mit typischen Pflanzen der Insel. In ihrem Gebüsch könnt ihr mit etwas Glück Leguane entdecken. Obgleich sie furchterregend aussehen, sind es scheue Vegetarier.

Ihr grüne Färbung vertieft sich mit dem Alter. Vom Wall aus eröffnen sich herrliche Ausblicke aus rund 120 m Höhe auf die Buchten und Inseln des Archipels!

Der Ausblick vom Fort Napoléon. Foto: Hilke Maunder

Noch immer fahren die Insulaner um drei Uhr morgens raus zum Fischen. Zum Sonnenaufgang um sechs Uhr früh sind sie bereits auf hoher See. Ihr Boot, La Saintaise, ist mit seinem runden Rumpf und abgeflachtem Boden perfekt den Bedingungen des Karibischen Meeres angepasst.

Hoch am Wind gesegelt, können ihr die tiefen Strömungen des karibischen Meeres nichts anhaben.

Die traditionelle Saintoise besteht aus mehreren einheimischen Hölzern. Fock und Großsegel sind mit dem Mast und dem Baum (Bambus) wurden einst mit Lianen verbunden. Traditionell ist der Baum zudem länger als der Mast. Über Generationen wurde die Bauweise der Saintaise tradiert. Und angepasst.

Die Bucht von Terre-de-Haut mit dem unbewohnten Îlet à Cabrit gehört zum exklusiven Club der schönsten Buchten der Welt. Foto: Hilke Maunder

Auf der einzige Schiffswerft der Îles des Saintes hat Alain Foy in Le Marigot die Traditionsboote der Schiffe für Sportsegler adaptiert und den Kiel verändert. Statt Holz kommen heute immer stärker Verbundwerkstoffe beim Bau zum Einsatz. Viele Fischer haben längst die Segler gegen starke Motoren eingetauscht.

Doch wie einst werden die zurückkehrenden Fischer von ihren Frau mit einem Kuss und einem Küchlein empfangen, das sich „Tourment d’Armour“ nennt – Liebesqualen. Außen knusprig, innen weich, birgt das Törtlein eine köstliche Füllung aus Kokosnuss, Banane oder Guave.

Tourment d’Amour (Liebesqualen) – was für ein Name für das Kokosküchlein! Foto: Hilke Maunder

Bereits am Hafen, aber auch in den Gassen der kleinen Insel“hauptstadt“ Le Bourg, hocken junge und alte Frauen auf Schemeln und Bänken und bieten vor bunt bemalten Häusern mit roten Dächern diese Küchlein in ihren Körben an, fünf Stück zu fünf Euro.

In den Gassen von Le Bourg. Foto: Hilke Maunder

Ihr findet sie auch in der kleine Fußgängerzone, die an der Place du Hazier-du-Buisson endet. Das tropisch grüne Dreieck vereint Kirche und Rathaus,  Mandelbaum und Flamboyant. Dsnerben erhebt sich ein Denkmal für die auf See vermissten Fischer von Saintes.

Auf den Heiligeninseln werden die Gräber traditionell mit den Schalen der Meeresschnecken geschmückt. Foto: Hilke Maunder

Nahezu lebensgroß ist die Skulptur eines Fischers, der in seinem Kanu steht und verzweifelt seinen vermissten Begleiter ruft. Zwei Symbole kennzeichnen den Fischer von Saintes: sein Saintoise-Boot und sein Salako.

Street Art mit Salako – auf einem Stromkasten der Terre-de-Haut. Foto: Hilke Maunder

Niemand weiß genau, wie diese ungewöhnliche Kopfbekleidung auf die Inseln kam. Name und Form erinnern jedoch an einen Hut, der in Indochina einst weit verbreitet war. Salacco hieß er dort.

Ende des 19. Jahrhunderts soll ein aus Südostasien zu den Îles des Saintes zurückgekehrter Marineoffizier erstmals den Salacco auf dem Kopf getragen haben.  Das französische Marineinfanterie-Regiment hatte 1873 in Tongkin, einer nördlichen Region des heutigen Vietnam, einen Salacco als Diensthut getragen…

Andere Historiker vertreten die Ansicht, dass der Salako mit der Ankunft der indochinesischen Annamiten erschien, die 1873 wegen der Rebellion gegen Frankreich zu den als Häftlinge auf die Insel abgeschoben worden waren.

Nach fünf Jahren Zwangsarbeit ließen sich sich im Archipel der Saintes vor allem auf Terre-de-Bas nieder. Welche Version der Herkunft stimmt, ist Streit der Wissenschaftler.

Steht euch der Salako? Setzt ihn auf – im Inselmuseum des Fort Napoléon. Foto: Hilke Maunder

Im Inselmuseum von Saintes sorgt der ungewöhnliche Hut für ganz viel Spaß bei Jung und Alt, die ihn aufsetzen, in den Spiegel schauen – und sofort lachen müssen. Was für ein Selfie-Souvenir von den Îles-des-Saintes!

Terre-de-Haut: meine Reisetipps

Die Îles des Saintes (Terre-de-Haut (5 km2 ) und Terre-de-Bas (8 km2) sind das Paradies für Segler und Taucher. Sie bestehen aus neun Inseln, von denen zwei bewohnt sind. Die Reede mit dem Vulkankegel „Pain de sucre“ gehören zum exklusiven Club der schönsten Buchten der Welt.

Was für eine Lage! Da möchte man wohnen, bleiben, einfach nur sein. Foto: Hilke Maunder

Hinkommen

Von Paris-Orly fliegen Air France, Air Caraïbes, Corsair und LEVEL in rund acht Stunden zum internationalen Flughafen von Pointe-à-Pitre (Pôle Caraïbes/PTP). Von dort geht es im Bus oder Leihwagen zu den Fährhäfen von Pointe-à-Pitre, Saint-François oder Trois-Rivières, in denen Highspeedkatamarane zu den Îles ablegen. 

• Val’Ferry: + 590 (0)5 90 574 574, www.valferry.fr
L’Express des Iles: +590 (0)5 90 91 69 68, www.express-des-iles.com 
CTM Deher: + 590 (0)5 90 92 06 39, www.ctmdeher.com

Eben noch Sonne, plötzlich Sturm und Schauer – das Wetter wechselt schnell in der französischen Karibik. Alle Inseln liegen dort über dem Wind und sind regenreicher als die Inseln unter den Passatwinden. Foto: Hilke Maunder

Die Überfahrt

Im Canal des Saintes treffen der Atlantik und das Karibische Meer aufeinander. Das sorgt für eine kabbelige See und Wellengang mit oft recht hohen Brechern. Die Katamarane rasen mit High-Speed frontal durch die Wellenkämme. Wer nicht seefest ist, sollte vor der Überfahrt eine Reisetablette schlucken und sich im Schiff drinnen mittig setzen. Oder, bei ruhiger See, auf dem Oberdeck. Dort besteht jedoch das Risiko einer spontanen, schnellen Meeresdusche…

Winzig, aber traumhaft – der Strand am Pain de Sucre (Zuckerhut), einem Kegel aus ungewöhnlichem Basalt auf der Terre-de-Haut. Foto: Hilke Maunder

Emissionsfrei mobil

Die Îles des Saintes sind nahezu autofrei. Wer nicht zu Fuß die Inseln entdeckt, mietet sich Fahrräder, Scooter oder golfcartgleiche Elektroautos.

Die schönsten Badestellen

• die Plage de Pompierre
• der kleine Strand am Pain du Sucre
• die ruhige Bucht Baie de Marigot
• die kleine Anse Crawen mit ihrem Naturstrand

Achtung: An der Grande Anse ist das Baden wegen der starken Strömung verboten! Achtet auch auf die hier vom Flugfeld startenden Kleinflugzeuge!

Badebucht mit Felsinselchen: die Plage de Pompierre. Foto: Hilke Maunder

Dokumente

Die Îles des Saintes gehören zur EU: Der Personalausweis genügt!

Geld

Euro

Zeit

im Sommer MEZ  minus sechs Stunden, im Winter MEZ minus fünf Stunden.

Schlafen
Booking.com

Offizielle Webseite des Fremdenverkehrsamtes

www.ilesdeguadeloupe

Guadeloupe Explor

Ihre Mutter stammt aus der Picardie, ihr Vater aus Trois-Rivières: Taïna Tharsis kennt Guadeloupe seit ihrer Kindheit, und seit einigen Jahren lebt sie auch auch der Insel, die sich heute bei kleinen, individuellen Führungen und Touren vorstellt.
• Lieu-dit Surgy,  97180 Sainte-Anne, Tel. 00 590 690  26 81 11, www.guadeloupe-explor.com

Buchtipp

Guadeloupe und seine Inseln

Den einzigen deutschsprachigen Reiseführer zum Archipel von Guadeloupe haben Heidrun Bockmann und Stefan Sedlmaier verfasst. Sie stellen darinneben Aneben den beiden Hauptinseln Basse-Terre und Grande-Terre auch die kleineren Inseln Marie-Galante und La Désirade sowie die Îles des Saintes und die Îles de la Petite-Terre vor.

Der Führer richtet sich besonders an Selbstfahrer und Reisende, die gerne auf eigene Faust unterwegs sind. 24 kostenlos downloadbare Detailkarten mit eingezeichneten Sehenswürdigkeiten gehören daher ebenso dazu wie Routenvorschläge und Wandertipps.

Aber auch, wer im Rahmen von Kreuzfahrten in die Karibik nur einen Blitzbesuch auf dem Archipel macht, findet viele Infos und Inspirationen für tolle Erlebnisse und Entdeckungen.

Wer mag, kann den Reiseführer hier* online bestellen.

Offenlegung

Guadeloupe entdeckte ich bei einer individuellen Pressereise, zu der mit das offizielle Fremdenverkehrsamt von Guadeloupe eingeladen hatte. Vor Ort begleitete mich Taïna Tharsis  von Guadeloupe Explor. Beiden sage ich „merci“ und ganz herzlichen Dank. Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

* Durch den Kauf über den Referral Link, den ein Sternchen markiert, kannst Du unabhängigen Journalismus  unterstützen und meine Webseite werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci!

Eine Bar in Le Bourg – mit den Farben des Himmels und des Meeres.. Foto: Hilke Maunder

Im Hauptort Le Bourg könnt ihr direkt am Wasser die Meeresküche der Insel genießen. Foto: Hilke Maunder
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