Sight-Skiing in Les Sybelles

Les Sybelles: Blick auf die Bergspitzen der Aiguilles d'Arves, die zum Wahrzeichen des Skigebietes wurden. Foto: Hilke Maunder
Die drei Bergspitzen der Aiguilles d'Arves. Foto: Hilke Maunder

Schwingen, schwingen, Schuss! Schwingen, schwingen, und wieder die Ski laufen lassen. Im Savoyer Skigebiet Les Sybelles gleite ich durch den pulverweichen Schnee und genieße hoch über dem Tal der Maurienne im viertgrößten Skigebiet Frankreichs den Rausch der Geschwindigkeit inmitten eisfunkelnder Bergspitzen.

Les Sybelles: sechs Schöne

Mit einem Sechser-Sessellift, der sich von Saint-Sorlin d’Arves auf den Gipfel des L’Ouillon (2.431 m) schwingt, entstand zur Saison 2004 Frankreichs jüngstes Großskigebiet.

Zwischen 1.100 bis 2.620 m Höhe bietet es 310 Kilometer Piste im Schatten der „six belles“, der sechs Schönen, die allesamt ein wenig unter oder über der Dreitausender-Marke liegen.

Auf der Verbindungspiste von der Tête de Bellard zum L’Ouillon. Foto: Hilke Maunder

Doch im Gegensatz zu den anderen französischen Großskigebieten, in denen eher Fortgeschrittene sich wohl fühlen, ist Les Sybelles ein leichtes bis mittelschweres Areal, ideal für Familien, Genuss-Fahrer und (Wieder-) Einsteiger.

Nur sechs Prozent aller Pisten fordern mit ihrer schwarzen Markierung auch Könner – wie „La Grande Verdette“, die auf ihrem drei Kilometer langen Weg ins verlorene Tal „Vallée Perdue“ 600 Höhenmeter überwindet.

Die Pisten im Teilbereich Le Corbier/La Toussuire. Foto: Hilke Maunder

Brettlfans, die hingegen durch meterhohen Tiefschnee stoben wollen, finden ein schier unendliches Terrain am Tête de Bellard (2.225 m) und L’Ouillon (2.431 m).

Wie zum Wedeln geschaffen sind auch die unverspurten Hänge hinab nach Saint-Sorlin d‘Arves. 140 Kilometer Piste von „Les Sybelles“ sind leichte, breite „Autobahnen“, auf denen Carver ungestört ihre weiten Kurven ziehen können.

La Toussuire: Talstationen der Lifte im Ortszentrum. Foto: Hilke Maunder

Auch auf den 130 Kilometern mittelschwerer, baumfreier Abfahrten findet jeder ausreichend Platz, seine Fahrkünste genüsslich auszutesten. Doch wer hier zum Pistenflitzer wird, verpasst, was das Skigebiet zum schönsten der französischen Alpen macht.

Es ist das 360 Grad Panorama, bekrönt von den drei scharfen Zacken der Aiguilles d’Arves (3.510 m), die zum Wahrzeichen von Les Sybelles wurden.

Blick auf die Bergspitzen der Aiguilles d’Arves, die zum Wahrzeichen des Skigebietes wurden. Foto: Hilke Maunder

Dorfidylle oder moderne Station?

Als einzigen Wermutstropfen empfinden manche Gäste die Aussicht auf die „station club“ Le Corbier, die im Dezember 1967 als futuristisches Retortendorf für den Skisport mit viel Beifall in 1.550 m Höhe eröffnet wurde.

Lange, beheizte Ladenstraßen verbinden hier die mehrstöckigen Apartmenthäuser, die mit Namen wie Soyouz und Baikonour an die Eroberung des All erinnern.

Le Corbier: Einteilungen für die Skischulklassen. Foto: Hilke Maunder

Wo sich in den 1970er Jahren „tout Paris“ traf, schätzen heute besonders Familien das integrierte Konzept der autofreien Station, die als langer Riegel zwischen Zufahrtsstraße und Piste erbaut wurde.

Die Abfahrt nach Le Corbier. Foto: Hilke Maunder

Ihr größter Vorteil: Das Skivergnügen beginnt direkt vor der Haustür. Und sollte es schneien oder stürmen, so sind Bar und Bistro, Wellnesscenter, Supermarkt und andere Shops trockenen Fußes zu erreichen.

Ein wenig mehr Lokalkolorit bietet das drei Kilometer entfernte La Toussuire (1.750 m), das mit 10.500 Gästebetten in Hotels, Apartments und gemütlichen Chalets größter Ferienort von Les Sybelles ist.

Talblick auf La Toussuire. Foto: Hilke Maunder

Sybelles: vom Skistar zum Wirt

Auf seinem sonnigen Hochplateau wurden bereits in den 1920er Jahren Ski gelaufen. Wie gut das Gebiet dazu geeignet war, beweisen die jüngsten Skistars aus La Toussuire: Goldmedaillengewinner Jean Pierre Vidal. Im Jahr 2002 war er als Schnellster durch den Stangenwald von Salt Lake City gewedelt. Seine Schwester Vanessa Vidal startet im Weltcup der Damen.

Nicht minder erfolgreich war die Tante der beiden, Françoise Macchi. Bis heute tobt sie begeistert heute mit ihrem Mann Jean Noël Augert, der 1970 im Weltmeister im Slalom wurde, durch den Tiefschnee an der Pointe du Corbier (2.265 m).

Immer wieder erblickt ihr sie beim Gleiten: les six belles – die sechs Schönen von Les Sybelles. Foto: Hilke Maunder

Abends verwöhnen die beiden ihre Gäste im Restaurant Le St-Moritz in Le Corbier mit traditionellen Savoyarder Spezialitäten. Mittags lockt Le Charmun, eine urige Berghütten an den Pisten La Grande und La Petite Vadrouille.

Dort serviert Hüttenwirt Denis Villard inmitten seiner selbst gemalten Bergbilder nach deftige Schlachtplatten, gehaltvollen Suppen oder warmen Käsespezialitäten den hochprozentigen Kräuterschnaps „Mont Corbier“.

Am Mont Corbier. Foto: Hilke Maunder

Vier der insgesamt zehn Orte im Skigebiet sind „stations villages“, traditionelle Savoyarder Dörfer mit alten Höfen aus dunklem Holz, bis heute geprägt vom bäuerlichen Leben. Dazu gehören St-Colomban-des-Villards (1.100 m), Les Bottières (1.300 m), Saint-Sorlin d’Arves (1.600 m). Und  Saint-Jean d’Arves (1.300 m), wo es die einzige Flutlichtpiste der Sybelles sowie ein hochmoderne Kino direkt an den Liften gibt.

Nicht an das Liftnetz angeschlossen sind die Bergdörfer Jarrier, Albiez-le-Jeune und Saint-Alban-des-Villards sowie Albiez-Montrond, das neben einem eigenen Skigebiet mit weiteren 40 Pistenkilometern ein ungewöhnliches Ski-Erlebnis bietet: Ski-Jöring – Anfänger werden von Eseln, Fortgeschrittene von Pferden durch den Schnee gezogen.

St-Jean-d’Arves: Blick auf den Ort von der Talabfahrt. Foto: Hilke Maunder

Beaufort im Tiefschnee

Im Sommer dehnen sich unter den Schnee bedeckten Gipfelketten von Les Sybelles Sommeralmen aus, auf denen mahagonibraune Tarine-Kühe weiden. Ihre kräftige Milch verarbeitet die Milchkooperative von St-Sorlin d’Arvesin Saint Sorlin d’Arves zu einem nussigen Hartkäse aus Rohmilch – einem Beaufort mit dem Qualitätssiegel AOC.

St-Sorlin-d’Arves: In der Fromagerie Cooperative de la Vallee des Arves prüft Leiter Thomas Airieu mit einem kleinen Hämmerchen im Reifekeller die Qualität des Beaufort-Käse (A.O.C.). Foto: Hilke Maunder

Ski und Stöcke draußen an die Hauswand gelehnt, besichtigt eine kleine Gruppe das Lager, in dem fünf Millionen Käselaibe reifen und von kleinen Robotern täglich gewendet werden. Nach der Käsereibesichtigung samt Kostprobe geht es zurück auf die Piste. Vor der Molkerei hält regelmäßig der kostenlose Skishuttle.

St-Jean-d’Arves: der alte Ortskern mit seiner Kapelle. Foto: Hilke Maunder

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