Frankophile Lesetipps zum Sommer-Anfang

Lesetipps

Sommer, Sonne, Lesezeit! Aus den vielen Neuerscheinungen möchte ich euch diese Titel vorstellen. Sie stürmten in Frankreich die Bestsellerlisten oder holen euch Frankreich-Flair und viel Spannung nach Hause. Bonne lecture !

Schöne Schmöker für den Sommer

Natur & Nachhaltigkeit

Geoffroy Delorme, Leben unter Rehen*

Sieben Jahren lang lebte Geoffroy Delorme bei Louviers im normannischen Département Eure im Wald. Bereits als Schulkind hatte er den Ruf der Wildnis in sich gespürt. Immer öfter hatte er sich schon als kleiner Junge nachts aus dem Bett geschlichen. Bereits damals fand er im Wald Frieden und bei den Rehen Nähe.

Nach der Schulzeit und dem Versuch eines Studiums konnte er sich der Sehnsucht, ganz in der Natur zu sein, nicht mehr entziehen. Geoffroy isolierte sich von den Menschen im Alter von 19 Jahren. Sieben Jahre lang, bis 25, lebte der junge Mann bei den Rehen. Er steckte sein Territorium ab und ernährte sich im Wald von Wildkräutern und Wurzeln, Kastanien und der Milch der Kühe auf der Weide.

43 Rehe bildeten während der sieben Jahre seine „Familie“. Er gab ihnen Namen, lernte von ihnen das Überleben. Und hat ihrem zunehmend bedrohten Lebensraum ein Buch gewidmet, das 2021 der Überraschungserfolg in Frankreich wurde. Jetzt ist es in der Übersetzung von Barbara Neeb und Katharina Schmidt auf Deutsch erschienen. Integriert in den Text sind einige der schönsten Fotos seiner Reh-Familie.

Wer mag, kann den Natur-Roman hier* online bestellen. Oder in seiner Lieblingsbuchhandlung ordern. Die französische Originalausgabe mit dem Titel L’Homme Chevreuil gibt es hier*.

Wer mehr über den Mann erfahren möchte: Auf Youtube gibt es mehrere Reportagen, u.a. von Paris Match.

Spannende Zeitreise

Joël Dicker, Die letzten Tage unserer Väter*

Joël Dicker kann bereits auf vier ins Deutsche übersetzte Erfolgstitel blicken. Doch erst jetzt ist auch der allererste Roman des Genfer Autors in der deutschen Übersetzung erschienen. Dicker nimmt uns darin mit ins Jahr 1940. Der 22 Jahre junge Pariser Pal (Paul-Emile), der sich der Résistance anschließen möchte, reist daher nach London, wo ihn die von Churchill gegründete Special Operation Executive (SOE) anwirbt.

Zusammen mit anderen Franzosen, mit denen er ein intensives Training absolviert, soll er nach Frankreich zurückkehren, um dort die Reihen der Résistance zu vergrößern. Der Roman führt uns mitten in den Guerillakrieg gegen die deutschen Besatzer. Die Handlung braucht ein wenig Zeit, ehe sie an Fahrt gewinnt, aber dann fesselt sie. Was Dicker erzählt, wirkt glaubwürdig. Er zeigt auch, dass Fake News keine Erfindung unserer Zeit sind, sondern bereits damals Teil der Propaganda waren.

Eingebunden in die Handlung ist eine Vater-Sohn-Beziehung. Sie steht im Zeichen des Coming-Of-Age, des Erwachsenwerdens. Dicker spiegelt sie in der Figur von Stanislas. Der ältere Geheimagent nimmt Pal und seine jüngeren Kameraden unter seine Fittiche. Gut komponiert ist auch das Ende der Geschichte, das die Erwartungen des Lesers nicht trifft, sondern überrascht.

Den Lesegenuss trübten etwas die Wiederholungen, die mal überflüssig und lesehemmend, dann melodramatisch wirkten. Da hätte ich mir einen Lektor gewünscht, der den damals noch jungen Autoren etwas besser geführt hätte. Doch als Roman über einen Abschnitt der Weltgeschichte, über die es sonst recht wenige Werke gibt, habe ich das Werk dennoch gerne gelesen. Wer mag, kann die spannende Spionage-Geschichte hier* bestellen. Das Original mit dem Titel Les derniers jours de nos pères* gibt es hier* online. Ihr könnt es auch über den Buchhandel bestellen.

Hochspannendes Debüt

Elko Laubeck, Polizeidienst en français*

Elko Laubeck, 1955 in Essen-Kettwig geboren, hat bereits während des  Germanistik- und Philosophie-Studiums für das Feuilleton der Westdeutschen Zeitung geschrieben, ehe er zur Dithmarscher Landeszeitung kam und dort die verschiedensten Ressorts durchlief. Jetzt in Rente, hat der Vater von drei Kindern das Krimischreiben entdeckt – ganz zu meiner Freude.

Denn der Debütkrimi ist ein äußerst gelungener page turner. Zu Beginn trügerisch beschaulich, voller Flair und Flirt – und dann richtig spannend, schnell, perfide und überraschend. Kurzum: Jede Seite ein Genuss!

Worum es geht? Der Kriminalbeamte Gerd Pocher kommt im Rahmen eines deutsch-französischen Austausches nach Agde ans Mittelmeer und wird gleich bei seiner Ankunft hineingezogen in einen Mord, der zunächst sehr klar zu sein scheint. Doch als bei der Suche nach der Tatwaffe das Wasser aus dem Kanal gepumpt wird, kommt ein Frauenkörper zutage. Aus Stein! Von da an konnte ich nicht mehr aufhören, die Seiten zu verschlingen. Es wurde eine kurze Nacht… Wer mag, kann den Krimi hier* online bestellen.

Temporeicher Regionalkrimi

Gabriela Kasperski: Bretonisch mit Herz

Gabriele Kasperski, Bretonisch mit Herz*

Die Schweizerin Tereza Berger, geschieden und süchtig nach Milchschokolade, hat auf der malerischen Halbinsel Crozon von ihrer Tante Annie die Villa Wunderblau geerbt und in eine Buchhandlung „Dejalu“ verwandelt. In Band drei der Krimireihe organisiert sie dort im Sommer ein großes Literaturfest zu Ehren von William Shakespeare. Mitten im Trubel der Vorbereitungen, bei denen – rein zufällig? – ein mysteriöses Shakespeare-Stück auftaucht, erhält sie ein Anwaltsschreiben, mit dem ein Unbekannter ihr Erbe anficht.

Als Tereza Nachforschungen anstellt, geraten Leben in Gefahr – vom Giftanschlag mit Bilsenkraut und dem Verschwinden ihrer Freundin bis zu den tätlichen Angriffen eines Kapuzenmannes spitzen sich die Turbulenzen zu und sorgen für einen Wirbel an Ereignissen, der wie ein Strudel immer tiefer hineinzieht ins Buch und die Handlung so schnell vorantreibt, dass einem beim Lesen fast schwindelig wird. Mit diesem temporeichen Krimi, der auch ein wenig un tout petit peu d’amour zwischen die Seiten packt, endet die bretonische Trilogie. Wer mag, kann den Bretagne-Krimi hier* online bestellen.

Band 1: Bretonisch mit Meerblick* habe ich hier vorgestellt.

Band 2: Bretonisch mit Aussicht* ist hier besprochen.

Deutsch-französischer Dorfkrimi aus der Provence

Ralf Nestmeyer: Späte Rache im Luberon

Ralf Nestmeyer, Späte Rache im Luberon*

Am 26. Mai ist der dritte Krimi des Reisebuchautors Ralf Nestmeyer  im Emons-Verlag erschienen. Er führt uns in ein abgelegenes Bergdorf der Provence, wo ein kunstliebender Deutscher namens Dieter Steger das Dörfchen Trouvac als Ruine erworben und mit der Familie, Freunden und Unterstützern als alternative Künstlerkommune mühsam wieder aufgebaut hatte.

Eines Tages finden Wanderer seine Leiche im Gebüsch. Capitaine Malbec, der eigentlich das Wochenende mit seiner Freundin Catherine am Mittelmeer verbringen wollte, ermittelt. Wer hat den beliebten Patron ermordet? Schatzsucher und Immobilienmakler geraten unter Verdacht. Doch dann führt die Spur nach Deutschland, tief hinein in die Zeit des Links-Terrorismus.

Nur langsam nimmt der Krimi Fahrt auf. Das liegt vor allem daran, dass er ausführlich den Tatort Luberon vorstellt – von seinen Promis und Landschaften bis hin zu den Waldensern. Doch dann hat die Handlung mich so gefesselt, dass ich ihn bis zu Ende lesen musste an einem Abend. Wer mag, kann den Provence-Krimi mit überraschendem Ende hier* online bestellen – oder in jeder gut sortierten Buchhandlung erhalten.

Landeskunde & Reiselust

Philippe Gloaguan, DuMont Bildband: Atlas der Reiselust Frankreich*

Mit 50 Millionen Exemplaren in 45 Jahren gehören die Guides du Routard zu den Top 20 der meistverkauften Reiseführer der Welt.  Verlagsgründer Philippe Gloaguen jedoch ist überzeugt: „Frankreich ist das schönste Land der Welt“. Und beweist es mit Voyages France*, das 2019 bei Hachette erschien. Es ist kein handlicher Reiseführer, sondern ein Reise-ver-führer – nicht koffergeeignet, aber umso schöner auf dem Sofa zu lesen.

Mit vielen Fotos und liebevollen Illustrationen, die Lust aufs Leben, Blättern, Schauen und Entdecken mache, stellt es 1001 Reisen und Erlebnisse vor, mit denen man das Land (neu) entdecken kann. Die schönsten Seen und Flüsse, tolle Radtouren und Roadtrips, Kulturerbe und Festivals, Städte und Dörfer, Streetfood und Haute Cuisine, Käse und Wein, Einzigartiges, Ausgefallenes und Besonderes.

Doch das Schönste: Der DuMont-Reiseverlag hat das Werk im April 2022 in deutscher Übersetzung mit 320 Seiten auf den Markt gebracht. Wer mag, kann es hier* online bestellen. Oder es in der Buchhandlung seines Vertrauens erhalten. Das französische, 384 Seiten dicke Original gibt es hier*.

MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennen*

Diesen Titel habe ich nach Axel Patitz und Peter Bausch inzwischen seit sechs Ausgaben umfangreich erweitert und aktualisiert.

Strandvergnügen und Kultur, quirlige Städte und wildromantische Landschaften: Von den Cevennen über das Languedoc bis hin zum Roussillon findet ihr dort Highlights und Kleinode, Tipps für Entdecken und Sparfüchse – und Adressen, die ich neu entdeckt und getestet haben. Denn dieser Landstrich ist seit 2014 meine zweite Heimat.

Wandert rund um den Mont Lozére, radelt durch die Petite Camargue, schippert im Hausboot auf dem Canal du Midi, taucht mit der Zahnradbahn in die faszinierende Tropfsteinwelt der Cevennen ein oder entdeckt die Côte Vermeille bei einer Schnorchelwanderung. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Offenlegung

Sämtliche vorgestellten Titel zum Sommer-Auftakt stellten mir die Verlage kostenfrei als Rezensionsexemplare zur Verfügung. Die Buchbesprechungen erfolgen unabhängig und sind völlig subjektiv.

Merci fürs Teilen!

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