Patrick Chappert-Gaujal: der Recycling-Künstler

Was für ein Messie, dachte ich, als ich sein Haus in La Franqui erblickte. Im seitlichen Zugang standen ausgediente Markierungsstangen der Fischer, rostiges Blech und aufgerissene Fender, der Balkon war übersät mit Schwimmbojen, Plastikflaschen, Treibholz und Netzen. Und auch im Garten stapelten sich Dinge, die für mich eher in den Müll gehörten.

„Mein Fundus“, lacht Patrick Chappert-Gaujal, öffnet schwungvoll die Tür und deutet auf Boxen, Kästen und Tüten: „Hier sammle ich den Kleinkram, den ich auf meinen Spaziergängen am Mittelmeer finde: Korken, Flaschenverschlüsse, Stofffetzen – all das inspiriert mich ungemein zu meinen Werken. 2014 habe ich viel mit alten Seekarten gearbeitet.“

Ein Kind der Region

1959 in Bédarieux im Département Hérault geboren, ging Patrick 1975 nach Perpignan, um an der dortigen Haute École des Beaux-Arts bis 1980 Kunst zu studieren. Danach zog es ihn in den hohen Norden. Viele Jahre lebte er in Schweden, teilte sich mit anderen Künstlern ein Atelier.

Dort wurde er von Siwert Bergström entdeckt, der ihn aufforderte, seine Kunst doch nicht zu verstecken, sondern öffentlich zu zeigen. Und zwar in seiner Galerie. 1988  begann mit der ersten Ausstellung bei GKM für Patrick Chappert-Gaujal die langjährige Zusammenarbeit mit der Galerie aus Malmö.

Schweden als Sprungbrett

Bereits zwei Jahre später war Patrick auf der Lundbiennalen in der schwedischen Unistadt Lund mit dabei, 1990 auf dem Stockholm Art Fair vertreten und Vertreter der „Révolution Française“ der Smålands Konstarkiv Värnam im gleichen Jahr. Und bis heute zählt Skandinavien zu den Stammmärkten von Chappert-Gaujals Schaffen. Daneben zeigt der 55-Jährige längst auch seine Arbeiten in den Vereinigten Staaten, Afrika und Asien.

Der internationale Durchbruch kam mit den Trophäen, die Patrick für den Alpin-Weltcup 2009 für Val d’Isére entwarf, und der Teilnahme an der Foire Internationale d’Art Contemporain (Fiac) im Grand Palais von Paris. Sie rückten Patricks Recycling-Kunst aus der Nische ins Lampenlicht.

Die neuen Projekte von Patrick

Jetzt experimentiert Patrick auch mit Licht. Wo alte Telefonhäuschen oder Leuchtkästen entsorgt werden, sammelt er sie ein und verwandelt sie in leuchtende Exponate, monochrome Studien in Schwarzweißtönen.

Neben monumentalen Werken – beispielsweise für das Château de Lastours im Corbières-Örtchen Portel – reizt ihn auch die kleine Form. Unzählige Miniaturen hat er schon aus kleinsten Resten erdacht und in seine Setzkästchen gestellt. Oder an die Wand gehängt. „Irgendwann ergaben all diese Minis auch wieder etwas Monumentales“, schmunzelt er.

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