Lockdown-Lektüre 100% français: noch mehr Lesetipps

Lesetipps

Seit einem Jahr nun prägt das Virus unser Leben, beengt den Alltag, verhindert mit Lockdowns menschliche Kontakte, schließt Grenzen. Wie gut, dass Bücher Geist und Seele Flügel verleihen. Ob Krimi, Herz oder Historie, Reisen in andere Epochen oder andere Welten: voilà noch mehr Lockdown-Lesetipps. Holt euch mit Büchern Frankreich ins Haus!

Mörderisch Zeitreise

Stefan Böhm, Straßburger Glaubensbekenntnis

Stefan Böhm, Straßburger Glaubensbekenntnis*

Band eins der Krimireihe um commissaire Sturni hatte Stefan Böhm beim Knaur-Verlag herausgebracht. In Band zwei schickten Autor und Verlag den Ermittler nach Paris – und wechselten, was bei Regionalkrimis eher ungewöhnlich ist – den Standort. Nach den Pariser Enthüllungen* ermittelt Sturni nun wieder in Straßburg.

Doch Autor und Verlag haben sich getrennt. Schuld daran seien Umstrukturierungen gewesen. so Böhm. Jener suchte sich einen Agenten und verlegte Band drei kurzerhand selbst. Und das ist ein Glücksfall. Denn während Band eins hier und da noch holprig daher kam, ist das Straßburger Glaubenskrimi ein gestandener Krimi.

Er beginnt  in der der Nacht vor dem Äquinoktium, an dem Tag und Nacht genau gleich lang sind. In Straßburg wandert dann um die  Mittagszeit ein mysteriöses grünes Licht über die Jesusfigur an der Kanzel des Münsters. Zwei Mal im Jahr begeistert das Spektakel die Besucher. Doch diesmal muss es ausfallen: Unbekannte haben die Figur zerstört.

Banale Sachbeschädigung, denkt sich der commissaire, der vertretungsweise die Ermittlungen übernehmen muss. Doch dann entdeckt ein Kirchenkunsthistoriker unter der Figur einen Hohlraum, in dem einst ein Buch versteckt worden sein muss und wird die Kunsthistorikerin Oriane Jacquesson ermordet.

Sturni gerät immer  in verzwickte Ermittlungen,  in denen er schließlich mit zwei ermordeten Frauen und einem verschollenen Buch vom Johannes Gutenberg, Wegbereiter des Buchdrucks, zu tun hat. Immer tiefer dringt er die Strukturen der katholischen Kirche ein und arbeitet sich tief in die mittelalterliche Geschichte der Stadt einarbeiten, um die Mordfälle aufzuklären.

Gekonnt arbeitet Böhm dabei auch Anekdoten um Johannes Gutenberg ein, der von 1439 bis 1444 in Straßburg gelebt hatte. Seine Statue findet ihr auf dem Gutenberg-Platz nicht weit entfernt vom Münster. Er hält dort eine eine Seite aus der heiligen Schrift, auf der die Zeile ‘Und es ward Licht’ zu lesen ist. Hat Gutenbergs Buch etwas mit den Morden zu tun? Lest – und nach Seiten habt ihr die Antwort. Wer mag, kann den Straßburg-Krimi hier* online bestellen.

Heiter und komisch

Maude Mihami_Zehn Wünsche für AlfredMaude Mihami, Zehn Wünsche für Alfréd*

Ein kleines bretonischen Dorf in den frühen 1970er-Jahren ist der Schauplatz einer Trilogie, mit der die einstige Buchhändlerin Maude Mihami zum Shooting-Star der Regional-Komödie wurde, die seit dem Erfolg der Regionalkrimis nun die Leser begeistern sollen. Maude Mihami gelingt dieses mit Figuren, die ungeheuer charmante Antihelden sind.

Im fiktiven Dörfchen Camboudin sind das der pummelige Alfréd, 9 Jahre alt, der seinen Akzent auf dem Namen nicht mag, von den Mitschülern gehänselt wird, seinen Vater nicht kennt und vor seiner Mutter, die mehr trinkt und flucht als ihr gut tut, zum Großvater flüchtet, der zwar auch gerne trinkt, aber ein goldenes Herz hat.

Auch die restlichen Dorfbewohner sind eher rau, wenig taktvoll, doch immer menschlich und ehrlich großzügig. Ein bunter Haufen liebenswert schräger Individuen in einer Welt, die mehr auf Alkohol als auf Seife ausgerichtet ist. Alfréd liebt es, mit den Alten im Bistro Bélote zu spielen, und lernt von der fröhlichen Schar von alten Leuten das Leben. Mit Hilfe seines ehrwürdigen Großvaters beschließt er, das zehnte Lebensjahr zu vollenden, indem er eine Liste mit Wünschen aufstellt, die vor seinem großen Tag erfüllt werden sollen.

Einen echten Cowboy zu treffen, Bier zu trinken oder Traktor zu fahren, ist der Beginn einer Reihe von Abenteuern, die ebenso unglaublich wie fröhlich sind. Von vergeudeten Wünschen bis hin zu Momenten purer Glückseligkeit erlebt er das unglaublichste Jahr seines Lebens mit allen Höhen und Tiefen. Mit viel Komik und zärtlichem Blick gewährt Maude Mihami Einblicke in die Kinderseele und entführt für zwei, drei Lesestunden in ein unglaubliches Dorf.

Wer mag, kann den Roman auf Deutsch hier* online bestellen. Im Original heißt der Roman Les Dix Vœux d’Alfréd*. Im Französischen gibt es seit Frühling 2019 auch bereits eine Fortsetzung: Les amours d’Alfréd* – und seit Sommer 2020 auch den letzten Band der Trilogie: Du rififi au Camboudin*.

Taffe Frau

Susanne Popp_Madame Cliquot

Susanne Popp, Madame Clicquot und das Glück der Champagne*

Reims, 1805: Die 27-jährige Barbe-Nicole Clicquot findet eines Abends ihren Mann tot in seinem Arbeitszimmer. Ganz allein steht die junge Frau aus der bekannten Tuchhändler-Familie Ponsardin nun vor zwei Aufgaben: der Erziehung ihrer kleinen Tochter und der Frage: Was geschieht mit dem Weinhandel ihres Mannes?

Gegen den Willen der Familie entscheidet sie sich, das Geschäft weiterzuführen – doch das geht nur als Witwe. Auch, wenn zwei Männer Gefühle für sie entwickeln, muss sie das Geschäft allein leiten. Und wird zur Mutter aller Champagner. Mit dem von ihr erfundenen Verfahren der méthode champenoise gibt es erstmals prickelnden, farblosen Champagner – eine Weltpremiere!

89 Jahre alt wurde la veuve Clicquot. Doch Susanne Popp fokussiert sich in ihrem Roman auf  14 Jahre ihres Lebens. In jenen Jahren legte Madame den Grundstein für das bis heute erfolgreiche Unternehmen, erlebte die napoleonischen Kriege, Krisen und Glücksmomente.

Anschaulich, packend und top recherchiert lässt Susanne Popp ein Frauenleben in jener Zeit auferstehen – und verrät im Editorial vorab, was  erfunden – und was historisch belegt ist. Kurzum: eine fesselnde Zeitreise und Geschichte über ein Familienunternehmen, das heute zur LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton gehört. Wer mag, kann den Roman hier* online bestellen.

Ihrer Leidenschaft für außergewöhnliche Frauenbiografien geht die gebürtige Pfälzerin, die heute mit Mann und Tochter in der Schweiz am Zürichsee lebt, in ihrem Podcast nach. Auf www.frauenleben-podcast.de präsentiert sie alle zwei Wochen inspirierende Frauen. Mit dabei ist natürlich auch die Veuve Clicquot. Hört mal rein!

Timothée de Fombelle, Die wundersamen Koffer des Monsieur Perle*

“Wer hätte geahnt, dass sie eine Fee gewesen war?”  Ein erster Satz, der alle Möglichkeiten eröffnet. Und doch voraus nimmt, dass die Dinge oft anders kommen als geplant. So auch für den jungen Prinzen Iliån, der sich in seiner Märchenwelt in ein bezauberndes Geschöpf verliebt. Und dann hinausgestoßen wird in unsere Welt, mitten hinein in die 1930er-Jahre.

Die magischen Welten, die Timothée de Fombelle seit “Tobie Lolness” erschafft, sind faszinierende, schillernde Gebilde, fragil und wunderschön, mit magischen Wesen und einem ganz eigenen Zauber ausgestattet, der sie beim Lesen zum Leben erweckt. So auch die Märchenwelt, in der der Prinz  aufwächst, in der er sich in ein betörendes Geschöpf verliebt – und aus der er verbannt wird.

Das Jugendbuch, das Thimothée de Fombelle verfasst hat, ist für 14-17-Jährige eine passende Lektüre. Doch auch ich, viele Jahrzehnte älter, war vom Zauber seiner Worte gefangen. Märchenhaft-poetisch, melancholisch und voller Überraschungen erzäht Fombelle von einer langen Odyssee, auf der der junge Prinz Dinge in seinem Koffer sammelt, die er für seine Rückkehr als Beweise seiner Existenz auf Erde benötigt. Eine surreale Reise, angetrieben von der Liebe zur Fee.

Und ein Buch, das zwischen Märchen und Wirklichkeit schwebt, von Krieg, Lieben und Leiden erzählt, und doch sanft und wundersam berührend in der Fantasy-Welt verbleibt. Und der Leser leidet mit, fiebert mit –  und hofft, dass das offene Ende schlussendlich gut ausgeht. Wer mag, kann das Jugendbuch hier* online bestellen.

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13 Kommentare

    • Ach so, sorry, hatte die Antwort noch gar nicht gesehen.
      Dass Sie das Buch schon vorgestellt hatten, habe ich irgenwie nicht mitbekommen (vielleicht hatte ich da noch gar nicht Ihre Website entdeckt). Na ja, vielleicht findet es jetzt noch ein paar begeisterte Leserinnen und Leser.
      Herzliche Grüße,
      Christine

      • Alles gut, liebe Christine! Da das Buch wirklich sehr gelungen ist, erinnere ich mit Ihrem Kommentar gerne an diesen Titel. Herzliche Grüße, Hilke

  1. Merci für die tollen Buchtipps. Ich lese viel und bin immer dankbar für Empfehlungen. Madame Clicquot habe ich zu Weihnachten geschenkt bekommen und lese es derzeit. Sehr interessant und gut geschrieben. Viele Grüße et bonne soirée.

  2. Da ich grundsätzlich nichts “online” bestelle , ausser früher mal Flugreisen nach Deutschland ,
    als meine Mutter noch lebte, lese ich wenig Bücher in deutsch.
    Bevor ich hier in Antibes im Appartement beim “Lockdown” Däumchen drehe, lese ich Interessantes
    auch hier im Forum 😉 , ansonsten beschäftige ich mich kreativ und erweitere mein Zwergendorf
    mit Corona-Krankenhaus und neue Impf-Station. Alles natürlich auch recycelt aus Medikamenten-Dosen,
    Gips, Steinchen, Strandgut, Farbe und Vogelsand…
    In der Stadt trägt man Maske, aber nur in bestimmten Strassen und Plätzen wenn Markt ist. In der City
    sind die Restos zu, ok aber die Bistros haben vor dem Eingang grosse Tische und geben Kaffee und Glühwein aus.
    Seit vorige Woche diese Stände von immer mindestens 15 Enländern belagert waren, (die vom Hafen), patroullieren nun 10 Polizisten und manchmal Militäre dort… 😉 Also bleibe ich doch lieber zuhause…
    Dann habe ich noch ein kleines deutsches altes Kinderbuch gefunden, dass mein Papa mir mit 2 Jahren
    1948 geschenkt hatte… Dieses kleine Buch hat mich total fasziniert und ich glaube auch künstlerisch
    beeinflusst. Da es sehr rar ist und leider nicht mehr editiert wird, habe ich es gescannt “HANNEBUTCHEN”.
    Vielleicht kennt noch jemand das vergessene Büchlein…
    http://happynainsdejardin.over-blog.com/2018/02/ein-vergessenes-marchenbuch.html

  3. Madame Clicquot – auf sie habe ich geradezu gewartet! Seit langem fasziniert mich diese Frau, in der ich mich als Tochter eines (badischen) Winzers vielleicht besonders wiederfinde. Aber auch wer sich für starke Frauen und/oder Champagner interessiert, wird Freude an der Lektüre haben.
    Tipp: Das Buch zusammen mit einer Flasche “Schaumwein” verschenken – es muss nicht der Champagner von Veuve Clicquot sein, aber, wie sagt man so schön auf Badisch “schade kanns net” !
    Wie schrieb schon Wilhelm Busch: WIE LIEB UND LUFTIG PERLT DIE BLASE DER WITWE KLICKO IN DEM GLASE

  4. Imer wieder schön und verfolgenswert die Hinweise auf Literatur über und aus Frankreich, auf Bücher, die mehr oder weniger fundiert Eindrücke von unserem Nachbarland und seiner Gesellschaft vermitteln.
    Bisher vermisse ich allerdings die Vorstellung einer Autorin aus Frankreich – Historikerin und ehemalige Gewerkschafterin – die eindrücklich und tiefschürfend und dennoch ungemein spannend Kriminalromane schreibt, die z.T. aktuelle gesellschaftlich.politische Probleme auf- und angreifen. Ich möchte die Lektüre der Romane von Dominique MANOTTI empfehlen und allen, die Interesse an Frankreich haben, nachdrücklich ans Herz legen. Ein paar Titel aus der Reihe ihrer ins Deutsche übersetzten Werke: Hartes Pflaster, Marseille 73, Letzte Schicht, Das schwarze Korps. Viele ihrer Romane sind mit nationalen und internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet worden.

    • Geht mir und meinem Mann genauso! Kleiner Tipp: Ich lese gerade mit großem Vergnügen das Buch “111 Gründe, Frankreich zu lieben – Eine Liebeserklärung an das schönste Land der Welt” von Daniela Kahls und Evi Seibert (zwei langjährige Frankreichkorrespondentinnen). Man erfährt darin unheimlich viel Interessantes, Amüsantes, Aktuelles, Geschichtliches über die Besonderheiten und Eigenheiten des französischen (Alltags)lebens und der Französinnen und Franzosen. Sehr schön und humorvoll geschrieben und absolut empfehlenswert für alle Frankreichliebhaberinnen und Liebhaber!
      Viele Grüße aus Neckarsteinach,
      Christine

  5. Salut, ich hab ja so meine Fragezeichen wenn deutsche Hobbyschriftsteller unter französischem Pseudonym Regionalkrimis aus Urlaubsregionen schreiben. Im Urlaub mag das noch angehen, und zumindest muss das sprachliche Niveau stimmen… Da vertrau ich dann mal auf deinen guten Geschmack. Ansonsten Kopf über Wasser halten

    LG

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