Die Luftpost-Pioniere von Toulouse

Visualisierung der Piste des Géants in Toulouse. Copyright: Xavier Oudot/CRT Occitanie
Visualisierung der Piste des Géants in Toulouse. Copyright: Xavier Oudot/CRT Occitanie

Sie waren bewunderte Pioniere: die ersten Luftpost-Piloten, die vor mehr als 100 Jahren die ersten Briefe und Pakete durch die Welt flogen. In  Toulouse könnte ihr das Erbe der ersten Latécoère-Linien und deren Helden der Lüfte besonders gut entdecken. Die Hauptstadt Okzitaniens ist seit dem Ersten Weltkrieg eng mit der Luftfahrt verbunden. Das liegt besonders an einem Mann: Pierre-Georges Latécoère aus Bagnères-de-Bigorre.

1918 trat er zum ersten Flug der französischen Luftpost Aéropostale an Bord eines seiner Flugzeuge, einer Salmson 2A2, von Montaudran nach Barcelona an. Dann gründete Pierre-Georges Latécoère die ersten Flugzeugfabriken in Toulouse. Dort stellte er Piloten wie Mermoz oder Saint-Exupéry ein, um Post nach Dakar und später bis nach Südamerika zu senden.

Street Art beim Luftpost-Pionier

Die einstigen Latécoère-Werke in der Industriebrache von Montaudran wurden als Domizil des Ateliers50cinq ausgewählt. Seit  2014 gilt es als Hochburg der Street-Art – und beweist es alljährlich im Juni ein Wochenende lang mit dem Open Summer Festival. Dutzende Künstler werden dann wieder die Außenmauern des Ateliers50cinq mit Graffiti verzieren. .

Anfang Oktober lädt die größte zeitgenössische Street-Art-Ausstellung Frankreichs Mister Freeze ein, kostenlos zehn Tage lang mehr als 45 internationale Künstler auf den 13.000 Quadratmetern des Ateliers50cinq  zu entdecken. An den Fassaden, den Wänden der alten Latécoère-Werke und in allen weiteren Räumlichkeiten können die Künstler ihrer Fantasie freien Lauf lassen.

Auf den Spuren der Luftpost-Pioniere

Toulouse: Backsteinarchitektur an der Place du Capitole mit dem Hôtel du Grand Balcon. Foto: Hilke Maunder

Hôtel du Grand Balcon

Ob ihr hier schlaft oder nur etwas trinkt im legendären Hotel, in dem Henri Decoin 1949 den Spielfilm Au Grand Balcon nach dem Drehbuch von Joseph Kessel gedreht hat: Zimmer 32 des Hôtel du Grand Balcon solltet ihr auf den Fall euch ansehen. Dort hat Antoine de Saint-Exupéry, der Autor des kleinen Prinzen, stets geschlafen. Auch andere berühmte Piloten wie Mermoz, und Guillaumet logierten hier nahe der Place du Capitol.

Aéroscopia

Flugzeuge, die Geschichte schrieben, präsentiert das Museum Aéroscopia. Nach der Concorde oder dem Super Guppy solltet ihr noch zuschauen, wie bei Airbus die A380 und A350 gebaut werden . Beim Museum gibt es Kombitickets!

La Piste des Géants

Luftfahrtserbe und Erinnerung verknüpft eine neue Attraktion, die im Herbst 2018 in Toulouse eröffnete: La Piste des Géants. Zur Rollbahn der Giganten gehören drei Bereiche.

• La Halle La Machine

In der 6000 Quadratmeter großen Halle stellt François Delarozière 150 mechanische Objekte aus, die Menschen in Bewegung setzen – ähnlich der Maschinen von Nantes. In Toulouse wird ein riesiger Minotaurus auf der ehemaligen, zwei Kilometer langen historischen Start- und Landebahn von Montaudran euch entgegenkommen. Die Landebahn steht seit 1997 unter Denkmalschutz.

• Espace Mémoire Aéro

Dieses Museum erinnert auf 1000 Quadratmetern an die Pioniere der Fluggesellschaften Latécoère und Aéropostale. Es stellt Montaudran als Wiege der Luftfahrt von Toulouse vor. Ausgestellt wird auch der Flugsimulator Bréguet XIV, den Altran gebaut hat.

• Jardins de la ligne aéropostale

In den Gärten der Luftpost könnt ihr entlang der Start- und Landebahn in den drei Kontinenten umher spazieren, die die Piloten einst überflogen und verbunden haben. Mit acht Landschaften und verschiedenen Klimazonen von Toulouse bis Valparaiso in Chile lassen sie auf ganze andere Art und Weise die Flugerlebnisse der Luftpostpioniere lebendig werden. Interaktive Elemente und ein Kinderspielplatz sorgen dafür, dass die ganze Familie Spaß an den Entdeckungen hat.

Toulouse: meine Reise-Infos

Über Toulouse habe ich schon mehrfach im Blog berichtet. Meinen Vorschlag für ein Wochenende findet ihr hier, die schönsten Freiluftlokale hier. Unglaublich spannend ist auch der Besuch der Cité de l’Espace, die sogar mit Moonwalking lockt. Floraler Botschafter der Stadt ist das Veilchen. Reich geworden ist Toulouse einst dank des Pastels (Färberwaid). Mit Schnäppchen-Shopping lockt bei Toulouse das Outlet-Center Nailloux. Reinste Entspannung  ist ein Hausbooturlaub auf dem Canal du Midi, der in Toulouse beginnt. Die erste Etappe findet ihr hier, Teil zwei hier.

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2 Kommentare

  1. Das Hôtel du Grand Balkon kann ich sehr empfehlen!

    Das Musée Aeroscopia ist auf jeden Fall sehr empfehlenswert. Es ist für mich eines der besten Luftfahrt-Museen weltweit: https://www.reise-wahnsinn.de/musee-aeroscopia-luftfahrtmuseum-am-flughafen-toulouse/

    Die Airbus-Werkstour sollte man auch auf jeden Fall mitmachen. Ist schon spannend, einen A380 im Bau zu sehen: https://www.reise-wahnsinn.de/dem-super-jumbo-bei-der-geburt-zuschauen-werkstour-bei-airbus-in-toulouse/

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