Der Blick vom Stadtturm auf die Nord-Süd-Achse, die Luxeuil-les-Bains durchquert. Foto: Hilke Maunder

Luxeuil-les-Bains für Entdecker

Auf einem Plateau, umgeben von sanften Hügeln und tiefen Wäldern, liegt Luxeuil-les-Bains in den Südvogesen, den Parc naturel régional des Ballons des Vosges (Regionaler Naturpark der Vogesen-Ballons) und das Plateau des Mille Étangs vor der Haustür. Welch eine Lage, müssen sich schon die antiken Römer gedacht haben, die im 1. Jahrhundert nach Christus hier ihre Siedlung Luxovium gründeten und sich in heißen Quellen aalten.

1974 entdeckte der Groupe de Recherches Archéologiques de Luxeuil (G.R.A.L) auf der Spitze eines Hügels erste Zeugnisse ihrer Epoche: neun außergewöhnlich gut erhaltene Öfen, die von 1980 bis 1987 ausgegraben wurden. Andere Zeugnisse wurden bislang noch nicht freigelegt. Doch zahlreiche spätere Bauten, und besonders kirchliche Gebäude, ruhen auf antiken gallorömischen Fundamenten.

Ein Mönch mit Gefolge

Bedeutendere Spuren hinterließ ein Mann, der – im Jahr 543 in Navan, Irland geboren – um 585-590 n. Chr. mit seinen Gefährten bei Saint-Malo an der Küste der Bretagne landete. Von dort reiste die Gruppe über Reims, Châlons-en-Champagne und Langres in die Vogesen.

Im Jahr 587 ließen sie sich zunächst in Annegray nieder, wo ihr Anführer auf den Grundmauern eines antiken befestigten Lagers in den Vogesen sein erstes Kloster gründete. 590 erreichte er mit seinen Anhängern Luxeuil-les-Bains und gründete sein zweites und wichtigstes Kloster, das später zur Abtei aufstieg. Kloster drei folgte in Fontaine-lès-Luxeuil mit der Einsiedelei Saint-Valbert. Es war der Mönch Saint-Columban, auf Deutsch Kolumban.

Auf dem markierten Chemin des Moines könnt ihr heute rund um Luxeuil-les-Bains seine Spuren entdecken. Oder folgt auf der Via Columbani, einem 7.600 Kilometer langen Netzwerk aus nationalen und regionalen Routen in 20 Regionen und neun Ländern, den Spuren jenes Mönches, der schon damals Europa als eine politische Einheit sah. 1950 sagte daher Robert Schuman als Gründer des heutigen Europas über ihn: „Kolumban ist einer der Väter Europas“.

Saint-Columbans Regeln für ein gottesfürchtiges mönchisches Leben, festgehalten in den beiden Regelwerken Regula Coenobialis und Regula Monachorum, waren deutlich strenger als die Regula Benedicti von Benedikt von Nursia. Columbans Orden legte großen Wert auf Disziplin und Askese. Zur strengen Lebensweise gehörten viele Fastentage und lange Schweigezeiten. Die Kleidung war auf das Nötigste beschränkt.

Buße und geistliche Bildung waren die wichtigsten Ziele in der spirituellen Entwicklung der Mönche, zu der neben dem Selbststudium die gemeinsamen Gottesdienste und regelmäßigen Chorgebete gehörten.

Eine neue Schrift

Zu den schönsten Zeugnissen ihrer Arbeit gehört der Lektionar von Luxeuil, ein Meisterwerk der frühmittelalterlichen Buchkunst aus dem 8. Jahrhundert, mit einer Schrift, die in Luxeuil erfunden wurde: die Luxeuil-Minuskel. Sie ist eine Weiterentwicklung der älteren merowingischen Kursive und wurde sehr eng geführt, um Platz auf den Schriftrollen zu sparen. Berühmt wurde die Luxeuil-Minuskel insbesondere für die Ligatur „&“, die aus den Buchstaben „et“ zusammengesetzt ist und heute als Esperluette bezeichnet wird.

Die Luxeuil-Minuskel galt im 8. und 9. Jahrhundert als eine der schönsten und fortschrittlichsten Schriften der Zeit. Mit dem Aufkommen der karolingischen Minuskel im 9. Jahrhundert, die leichter zu lesen und zu kopieren war, verlor die Luxeuil-Minuskel jedoch an Bedeutung. Doch ihr Erbe ist erhalten: im Lektionar von Luxeuil, der im gut gekühlten Fundus der Bibliothèque nationale et universitaire de Strasbourg ruht.

Das Erbe von Saint-Columban

Saint-Columban verstarb am 23. November 615 in Bobbio, einer Stadt in der Emilia-Romagna. Unter den Nachfolgern Columbans, insbesondere Eustasius und Waldebert, stieg die Abtei zu einem führenden Zentrum der iro-fränkischen Mönchsbewegung und spielte eine bedeutende Rolle in der Christianisierung Europas.

Es waren unruhige Zeiten damals. 1201 wurde die Abteikirche erneut zerstört – und wieder aufgebaut. Der Bau der Abbatiale Saint-Pierre-et-Saint-Paul begann 1215 unter Hugues de Faucogney und wurde 1330 unter Abt Eudes de Charenton als überwiegend gotisches Gotteshaus mit hohen Gewölben und reich verzierten Fenstern fertiggestellt. Zehn Jahre später, 1340, wurde der Sakralbau geweiht.

Die Abteikirche

1924 erhob der Heilige Stuhl das Gotteshaus zur Basilica minor, und es erhielt als Zeichen der neuen Würde den Padiglione, einen hier weiß‑rot gestreiften, kegelförmigen Seidenschirm und das Tintinnabulum, eine kleine Glocke auf einem Stab, die bei feierlichen Prozessionen geschlagen wird. Der Grund für die neue Würde? Es waren die Reliquien des heiligen Colomban nach Luxeuil-les-Bains zurückgekehrt. Seit 1924 ruhen die Knochenfragmente in einem goldenen neogotischen Schrein, der formal an Colombans Grab in Bobbio erinnert.

Die Orgel in der Abbatiale Saint‑Pierre‑et‑Saint‑Paul, 1617 erbaut und 1685 erweitert, gilt als eine der ältesten und bedeutendsten Orgeln der Franche‑Comté. Ein imposanter barocker Prachtbau ist ihr Prospekt aus massiver Eiche. Vier Atlanten stützen ihn – angeblich wurde die geschwungene Konsole aus einem einzigen Eichenstamm geschaffen! In den Medaillons seht ihr Christus, der Petrus die Schlüssel übergibt, daneben König David mit der Harfe und die heilige Cäcilie, Schutzpatronin der Musiker, als Orgelspielerin.

Seine Kanzel aus dem Jahr 1806 wurde aus Notre-Dame de Paris nach Luxeuil-les-Bains gebracht. Wer genau hinsieht, bemerkt, dass sie etwas zu groß ist für die vorgesehene Nische – das Kreuz rahmt den Stein. Doch Viollet-le-Duc wollte für Paris eine neue Kanzel – so wurde dieses Prachtstück aus Eiche nach Luxeuil gebracht.

Die Abtei von Colomban

Die angeschlossene Abtei Saint-Colomban wurde im 8. Jahrhundert geplündert und zerstört und im 11. Jahrhundert wieder aufgebaut. In der Französischen Revolution säkularisiert, wandelte sich auch diese Abtei – wie viele im Land – in ein petit seminaire, dann in ein katholisches Collège.

Als die Diözese die Kosten für den Unterhalt der riesigen Anlage nicht mehr aufbringen konnte, wurde sie 2024 vom Bistum Besançon an das Ehepaar Pascale und Jean‑Yves Parisot verkauft. Jean‑Yves Parisot ist der Vorstandsvorsitzende der Symrise AG. Seitdem wird die Abtei für mehr als zehn Millionen Euro komplett saniert.

Zwischen der Abteikirche und dem einstigen erzbischöflichen Palais, heute Sitz der Stadtverwaltung, führen Treppen hinab zur Place de l’Abbaye, die noch drei der einst vier Arkaden des Kreuzgangs aus rosa Sandstein besitzt.

Auf den Schlusssteinen des Gewölbes sind die Wappen der Äbte zu sehen, die im 15. Jahrhundert zu seiner Errichtung beitrugen. Ganz in der Tiefe des Rundgangs treffen sich gerne die Jugendlichen des Dorfes zum Klönen und Chillen.

Spitzen-Kunst zum Zugucken

Im Kreuzgang kommt ihr zum Conservatoire de la Dentelle de Luxeuil, der in einem Trakt der einstigen Abtei ansässig ist. Frauen zeigen euch dort, wie die berühmte Nadelspitze aus Luxeuil entsteht – und unterrichten euch in Kursen in dieser Handarbeit! Die Dentelle de Luxeuil ist eine deutlich jüngere Nadelspitze als der Point d’Alençon, der als Welterbe anerkannt ist, und entstand erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Luxeuil-les-Bains und dem nahen Plombières-les-Bains.

Als Kaiser Napoleon III. und Kaiserin Eugénie im Jahr 1858 die Thermen von Luxeuil-les-Bains besuchten, war der Sonnenschirm der Kaiserin mit der Dentelle de Luxeuil verziert – und wurde flugs zum modischen Muss jener Zeit, das kurz danach auch die spanische Königin auf ihrem Kleid trug.

Die Herstellung der Dentelle de Luxeuil beginnt mit der Montage der lacets. Dabei wird ein mechanisch hergestelltes Spitzenband (l acet ) auf ein Papiermuster gelegt, das den gewünschten Entwurf zeigt. Die Verbindungsstellen werden fixiert, um das gesamte Werk zusammenzuhalten. Die leeren Flächen im Muster werden nun mit Nadel und Faden mit den verschiedensten Füllstichen ausgefüllt.

Ist die Spitze vollendet, müssen nur noch die Heftfäden durchschnitten werden, die die Spitze auf dem Papier gehalten haben. Danach kann das fertige Stück entweder so belassen oder auf Stoff montiert werden – als Zierde für Vorhänge, Bettwäsche, Tischdecken und Kleidung.

Die wiederentdeckte Nekropole

Gegenüber der Abteikirche machten die Archäologen bei den Vorarbeiten für einen Parkplatz im Jahr 2005 auf der heutigen Place de la République eine erstaunliche Entdeckung. Unter dem Boden kamen rund 380 Bestattungen zutage, darunter etwa 150 Sarkophage aus der Spätantike und der Merowingerzeit, die in außergewöhnlich gutem Zustand waren.

Diese Sarkophage sind heute der Kern des Museums Ecclesia, das die 2000 Jahre alte Geschichte von Luxeuil‑les‑Bains erzählt und die archäologischen Funde mit virtuellen Zeitreisen und farbigen Themen-Spots lebendig werden lässt. Auf dem Gelände von Écclesia stand bis 1797 die älteste Kirche von Luxeuil, die Église Saint-Martin. Zwischen den Sarkophagen der Nekropole und der Kirche könnt ihr auch noch Mauerreste römischer Wohnhäuser aus dem zweiten Jahrhundert sehen.

Tiefer in die Geschichte entführt die Tour des Échevins aus dem 15. Jahrhundert. Das ehemalige Rathaus birgt heute das städtische Museum für Kunst und Archäologie. Hinauf zu seiner Aussichtsplattform in 33 Metern Höhe führt eine immer enger werdende Wendeltreppe mit 146 Stufen. Oben angekommen, könnt ihr bei klarer Sicht nicht nur die Vogesen, sondern auch die Alpen sehen.

Von dort aus könntet ihr nun weiterbummeln, hin zur Maison du Cardinal Jouffroy. Erbaut wurde sie um 1400 von Perrin Jouffroy, einem reichen Mailänder Kaufmann und Vater des Kardinals Jean Jouffroy, nacheinander Bischof von Arras und Albi, 70. Abt von Luxeuil von 1449 bis 1468 sowie Berater von König Ludwig XI. Sein Stadthaus besitzt einen der ältesten hängenden Steinbalkone Frankreichs. Hinter dem Torbogen des Anwesens verbirgt sich ein Garten, der im 18. Jahrhundert angelegt wurde.

Nicht minder stattlich ist die Maison François Ier im Stil der italienischen Renaissance, die nicht für den König von Frankreich, sondern seinen Namensvetter angelegt wurde – dem Abt François de la Palud. Sein Anwesen besitzt die letzten Arkaden, die noch bis ins 20. Jahrhundert die gesamte Hauptstraße geschmückt hatten.

In der spätgotischen Maison du Bailli, deren älteste Teile aus dem Jahr 1375 stammen, residiert heute die Stadtbibliothek. Der spätgotische Bau gehört zu den Schmuckstücken der Place de la Baille. Der wichtigste Stadtplatz von Luxeuil-les-Bains vereint zugleich zwei der wichtigsten Museen des Ortes.

Das Musée du Combattant de la Haute-Saône dokumentiert auf 200 Quadratmetern die Geschichte der französischen Soldaten von den Kriegen des 19. Jahrhunderts bis heute. Unter den Exponaten befindet sich auch eine Jacke, die Charles de Gaulle gehört hat.

Jules Adler, der Maler

Schräg gegenüber führt ein Durchgang zum Parkplatz zu einem Fresko, das fast die gesamte Fassade einnimmt und an Jules Adler erinnert. Der „Maler des Volkes“ wurde am 8. Juli 1865 in Luxeuil-les-Bains geboren, studierte von 1887 bis 1890 an der École des Beaux-Arts in Paris und ging im Ersten Weltkrieg als Maler an die Front, um in Auftragsarbeiten für den französischen Staat die großen Schlachten darzustellen.

Als die Nazis Paris besetzten, verlor er als Jude seine Rechte, musste den gelben Stern tragen und durfte keine Parks besuchen. 1944 zog es Adler, der gerne aus nächster Nähe zu seinen Motiven malte und zeichnete, dennoch in den Parc des Batignolles. Von einem Nachbarn denunziert, wurde er verhaftet und in das Lager Drancy gebracht. Paris wurde ab dem 19. August 1944 befreit, und Jules Adler entging nur knapp der Deportation. Er starb am 11. Juni 1952 in Paris.

Jules Adler malte die Arbeiter, die sozialen Kämpfe und die Solidarität des Proletariats. Sein Werk wird oft mit dem literarischen Werk von Émile Zola verglichen. Die beiden Männer waren Zeitgenossen, und Adler zitierte den Schriftsteller regelmäßig. Beide Männer setzten sich für die Verteidigung von Alfred Dreyfus ein.

Zu seinen bekanntesten Werken gehören La Grève au Creusot (Der Streik in Le Creusot, 1899) und Les Haleurs (Die Treidler, 1906). 1897 wurde Jules Adler für sein Leben und Werk mit dem Prix de Rome ausgezeichnet. In drei Sälen der Stadtbibliothek erinnert das kleine Musée Jules Adler an den Maler.

Genuss open-air

Die kulinarischen Spezialitäten von Luxeuil-les-Bains könnt ihr jeden Sonnabend auf dem Wochenmarkt entdecken, der die gesamte Place de la Baille vor der Pfarrkirche einnimmt und mitunter auch die umliegenden Gassen erobert. Im Juli und August trifft sich Luxeuil-les-Bains dienstags ab 18 Uhr auf den marchés de nuit, den Nachtmärkten der Place Saint-Pierre und Place de la Baille mit Kunsthandwerk und lokalen Produkten, Musik und Holztischen, die einladen zum Essen und Trinken.

Im Oktober organisiert das Fremdenverkehrsamt eine semaine du goût und lädt dazu ein, bei einer Woche des Geschmacks lokale Spezialitäten in und um Luxeuil-les-Bains zu entdecken und zu kosten – von den andouilles aus dem Val d’Ajol, das für seine Kaldaunenwürste als site remarquable du goût ausgezeichnet ist, bis hin den zu den Kirschen aus Fougerolles, die in die Griottins, den Aperitif Grignolet und den hochprozentigen Kirsch AOP  wandern – und dem Dorf ebenfalls die Auszeichnung als Ort des bemerkenswerten Geschmacks einbrachten.

Zwei Schweinebauern in den Vosges saônoises züchten die Tiere für den herzhaften Jambon de Luxeuil , den fünf Produzenten im Umkreis von Luxeuil-les-Bains herstellen. Mit insgesamt 4.000 Schinken pro Jahr ist der über Tannenholz kalt geräucherte Rohschinken bis heute eine handwerkliche und wirklich lokale Spezialität. Vier Schinkenhersteller der fünf örtlichen Mitglieder der Association des artisans du jambon de Luxeuil sind so klein, dass sie nur ab Hof verkaufen.

Arnaud Daval ist der größte Produzent des Jambon de Luxeuil und beliefert auch hiesige Geschäfte und Restaurants. Er hat gemeinsam mit der Boucherie Destaing die alte Rezeptur übernommen und lässt seine Schinken in Val d’Ajol vorbereiten. Dort werden sie beim salage mit Salz, Pfeffer, Wacholder  – und Rotwein aus dem Département Haute-Saône – per Hand eingerieben und, eingehüllt in ein Tuch und sous-vide in Plastik, mazeriert, ehe es für die Schinken nach Luxeuil-les-Bains geht.

Mitten in der Altstadt versteckt sich hinter einem unscheinbaren Garagentor Davals Räucherei und Reifekeller. Zweimal pro Woche werden hier rund 40 Schinken kalt geräuchert, ehe sie im Obergeschoss in zwei Kammern hängen. Von außen belüftet, kann sich hier ein natürlicher, grüner Schimmel ( fleur) bilden, der bei der Reifung den Geschmack des Schinkens perfekt herauskitzelt. „Erst diese fleur verleiht ihnen das volle Aroma“, erzählt Monsieur Daval. Zurück in Val d’Ajol, werden die Schinken gewaschen, von jeglichem Belag befreit, entbeint und unter hohem Druck in Form gepresst. Fast ein Jahr vergeht, ehe der Jambon de Luxeuil aufgeschnitten genossen wird.

Das Wasser von Luxeuil-les-Bains

Der rosa Sandstein der Vogesen, aus dem nicht nur die Pfarrkirche vollständig erbaut wurde, und der auch bei vielen anderen Bauten der Stadt Eingang fand, sorgt für eine heimelige Atmosphäre und beginnt im Licht der tiefstehenden Sonne intensiv zu leuchten. Hier und da ist vielleicht auch ein sanftes Plätschern zu hören.

Es stammt von einem Le Morbief genannten Kanal, den der Abt Thiébaut de Faucogney im Jahr 1290 graben ließ, um das Wasser des Breuchin-Flusses zur Abtei zu leiten. Sein Namensbestandteil mor bezieht sich auf die leichte Steigung des Kanals, und bief bedeutet Bewässerungskanal.

40 Jahre nach dem Bau des Kanals entstand der Étang de la Poche. Er stellt eine der Wasserreserven der Abtei dar und war lebenswichtig, um die Mühlräder anzutreiben und Fische für die Küche zu liefern. 1706 kaufte die Abtei weiteres Land zwischen dem Kloster und der Rue des Lavoirs und leiteten den Morbief um, um auch dieses Grundstück zu bewässern.

Heute könnt ihr an ihrem „Taschen-Teich“ herrlich spazieren und eine Infotafel zum Thema am Parkplatz des Étang de la Poche studieren. Oder folgt in der Innenstadt dem sentier du patrimoine mit 14 Stationen des Kultur- und Bauerbes von Luxeuil-les-Bains!

Das älteste Thermalbad Frankreichs

Im Norden von Luxeuil-les-Bains findet ihr die Thermen. 48 bis 63 Grad Celsius warm sprudeln sie hier aus der Tiefe, vollgepackt mit Spurenelementen und Mineralien, die Rheuma- und andere Gelenkerkrankungen, Hautprobleme mit Ekzemen oder Psoriasis sowie Atemwegsbeschwerden lindern und allen, die Wellness suchen, tiefes Wohlbefinden bescheren sollen.

Bereits die Kelten kannten die wohltuende Wirkung des Wassers von Luxeuil-les-Bains, und die Römer bauten hier die ersten Thermalanlagen. Stolz rühmt sich das Städtchen daher als ältestes Thermalbad Frankreichs. Das heutige Thermalbad entstand erst im 18. Jahrhundert, erbaut aus dem roten Sandstein der Vogesen. Sein Architekt war Nicolas Didelot – und damit ein Schüler von Claude-Nicolas Ledoux, dem Schöpfer der Saline Royale d’Arc-et-Senans.

Kaiser Napoleon III. und Kaiserin Eugénie waren hier ebenso zu Gast wie ein Jahrhundert später Robert Schuman. Der französische Außenminister und Mitbegründer der Europäischen Union besuchte Luxeuil-les-Bains im Rahmen des 1.400-jährigen Jubiläums der Geburt des Heiligen Columban. Das örtliche Office de Tourisme vermarktet den Heiligen stolz als Visionär der EU.

Menschliche Störche

Fünf Kilometer südlich von Luxeuil-les-Bains liegt die Base Aérienne 116 Lieutenant-colonel Papin. Seit dem 3. September 2015 beherbergt der Luftwaffenstützpunkt das 2. Jagdgeschwader. Es besteht aus einer einzigen fliegenden Einheit, der Jagdstaffel 1/2 Cigognes. Sie ist nach den Störchen benannt, die im Elsass heimisch sind, wo die Einheit ursprünglich stationiert war. Die Cigognes fliegen derzeit noch Abfangjäger vom Typ Mirage 2000-5F, die nach dem Start innerhalb von vier Minuten auf 15.000 Meter steigen und dabei die doppelte Schallgeschwindigkeit erreichen können.

Am 18. März 2025 besuchte Präsident Emmanuel Macron die Luftwaffenbasis und kündigte enorme Investitionen an. Die Basis soll mit rund 1,5 Milliarden Euro modernisiert und ausgebaut werden, der Personalstamm von heute rund 1.000 auf knapp 2.000 Soldaten und Zivilbedienstete bis 2035 verdoppelt werden.

Statt 20Mirage‑2000‑Jagdbomber sollen dann zwei escadrons mit 40 Rafale-Jägern der neuesten F5‑Generation auf der BA 116 stationiert werden. Luxeuil wird damit bis 2035 zur vierten französischen Atom‑Luftwaffenbasis und zur ersten in Frankreich, die mit dem neuen Rafale‑F5‑Standard und dem nuklearen Hyperschall‑Waffenträger (ASN4G‑Linie) ausgerüstet wird.

Nahezu alle zwei Jahre veranstaltet der Luftwaffenstützpunkt ein Flugmeeting oder einen Tag der offenen Tür. Das Programm umfasst Vorführungen mit Flugzeugen des Stützpunkts und ausländischer Gastflugzeuge, Vorbeiflüge der Patrouille de France sowie Shows von Fallschirmspringern und Kunstfliegern.

Luxeuil-les-Bains: meine Reisetipps

Hinkommen

Luxeuil-les-Bains liegt 35 Kilometer nordöstlich von Vesoul, 50 Kilometer südlich von Épinal und 50 Kilometer nordwestlich von Belfort.

Bahn

In Luxeuil-les-Bains halten TER-Lokalzüge mit kostenloser Fahrradmitnahme.
• Place de la gare, 70300 Luxeuil-les-Bains

Schlemmen und genießen

La Pomme d’Or

Romain Blaison ist ein maître restaurateur, und dieses Können schmeckt man bei jedem Gericht auf der Karte – vom Lachstartar bis zum Entrecôte, das ich in all den Jahren in Frankreich noch nie so zart (und sehnenfrei) gegessen habe wie hier. Am besten könnt ihr die Aromen bei der Zubereitung saignant schmecken, außen kross und durch, innen noch fein rosa.
• 8, allées André Maroselli, 70300 Luxeuil-les-Bains, Tel. 03 84 93 43 59, www.la-pomme-d-or-restaurant-luxeuil-les-bains.fr

Le Café Français

Eines der wenigen Cafés im Land, die einfach noch urtypisch französisch sind, bodenständig und verlässlich gut. Hier trifft sich Luxeuil.
• 18, rue Victor Genoux, 70300 Luxeuil-les-Bains, Tel. 03 84 40 04 81

La Rose des Sables

Die köstliche Küche des Maghreb mit Tajine, Couscous & Co. in einem gemütlichen Gewölbekeller.
• 6, rue de Grammont, 70300 Luxeuil-les-Bains, Tel. 03 84 40 58 82, www.larosedessables70.fr

Le Rallye Gourmand

Schlemmer-Rallye nennt sich dieser Traiteur mit Restaurant am Stadtrand. Im einfachen, traditionellen Gasthaus-Ambiente serviert er gekonnt eine grundehrliche, klassisch französische Küche – auch zum Mitnehmen.
• 49, rue Edouard Herriot, 70300 Luxeuil-les-Bains, Tel.  03 84 40 04 92, www.rallye70.fr

Boulangerie-Pâtisserie Drouet

Für die TV-Show La meilleure boulangerie de France des Senders M6 kreierte Christophe Drouhet den Tourbillon de Luxeuil und kam damit ins Finale – sein Sohn, ebenfalls Bäcker und Pâtissier, wurde sogar als meilleur ouvrier de France ausgezeichnet.
• 6, rue du Dr Gilles Cugnier, 70300 Luxeuil-les-Bains, Tel. 03 84 40 04 40, auf Facebook zu finden

La Brûlerie Doillon

Alexandre und Rachel Doillon haben nach ihrer Ausbildung beim Bordelaiser Kaffeeröster Belco diese kleine, feine Kaffee-und Tee-Boutique samt Café eröffnet. Die braunen Bohnen werden vor Ort geröstet; außergewöhnlich vielfältig ist auch die Teeauswahl.
• 7, rue du Dr Gilles Cugnier, 70300 Luxeuil-les-Bains, Tel. 03 84 40 53 09

Craft-Bier-Duo

Neben den Obstgärten der Abtei hat Hardy Adomeit ein ehemaliges Bauernhaus in eine Mikrobrauerei mit Sudhaus, Gärungsraum und Lager verwandelt. Wer mag, kann bei stages der Brauerei Adomeit das Brauen lernen.
• Rue des Lavoirs, 70300 Luxeuil-les-Bains, Tel. 06 40 22 21 25, www.brasserie-adomeit.fr

Geradezu industriell wirkt die stylische Brauerei, die Alexandre Doillon und Pierre Poule im April 2023 eröffnet haben – samt Bar mit Blick auf die Edelstahl-Sudkessel, Billardzimmer und Terrasse mit 35 Plätzen.
• 9, rue du Dr Gilles Cugnier, 70300 Luxeuil-les-Bains, Tel. 03 84 93 67 22, www.brasserieluxovienne.fr, www.facebook.com/brasserie.luxovienne

Hier könnt ihr schlafen

Appart’Hotel Garden & City Luxeuil*

Das einstige Kurhotel gegenüber der Therme birgt heute geräumige wie ruhige Hotelzimmer mit Küchenzeile und separatem Bad und ist auch auf Langzeitaufenthalte eingerichtet. Speisen könnt ihr im hauseigenen Restaurant, das im Nachbarhaus die Küche des Südwestens serviert; vor dem Haus lädt eine Terrasse zum Kaffee oder Apéro. Wer MeinFrankreich ohne Mehrkosten unterstützen möchte, bucht hier*.
• 4, avenue des Thermes, 70300 Luxeuil-les-Bains, Tel. 03 84 40 57 07, www.garden-city.fr/fr/luxeuil.html

Logis Hôtel Beau-Site*

Ebenfalls ein ehemaliges Badehotel ist dieses Dreisternehaus mit Spa, großem Garten und bester Küche auf einer Anhöhe am Rande des Kurviertels. Die komfortablen Zimmer sind schallisoliert und auf drei Etagen mit Fahrstuhl sowie in einem Nachbargebäude zu finden. Hier* könnt ihr es buchen.
• 18, rue Georges Moulimard, 70300 Luxeuil-les-Bains, Tel. 03 84 40 14 67

Noch mehr Betten*

 

Weiterlesen

Im Blog

Alle Beiträge aus dem Département Haute-Saône vereint diese Kategorie. Sämtliche Ziele und Themen, die ich in meinem Online-Magazin nach Départements und Regionen vorstelle, findet ihr zentral vereint auf dieser zoombaren Karte.

Im Buch

* Durch den Kauf über den Partner-Link, den ein Sternchen markiert, kannst Du Mein Frankreich unterstützen und werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci !