Seide aus Lyon: die Kunst der Canuts

Lyon: Musterbuch für Seide. Foto: Hilke Maunder
Handbuch eines <canut: das Musterbuch für den Seidendruck. Foto: Hilke Maunder

Jahrhunderte lang hing der Wohlstand Lyons am seidenen Faden. Mit Franz I., der Seidenweber aus Italien an die Rhône holte, begann der Siegeszug der Herstellung von Seide nach der dem System der fabrication lyonnaise.

Während der Unternehmer die Rohstoffe importierte, Produktion und Absatz kontrollierte, arbeiteten die canuts, wie die Seidenweber genannt wurden, im eigenen Heim für einen Hungerlohn.

Lyon: Ein "canut" bedruckt Seide. Foto: Hilke Maunder
Ein canut bedruckt Seide. Foto: Hilke Maunder

Zarte Seide, schwere Arbeit

Am 21. November 1831 legten Tausende Weber ihre Arbeit nieder. Ihr Aufstand – der erste Arbeiteraufstand in der Geschichte der industriellen Revolution Frankreichs – wurde brutal vom Militär niedergeknüppelt. Auch bei den Weberaufständen 1834 und 1848 sorgte die Armee für Ruhe. Bis heute jedoch erinnert ein riesiges Wandbild in La Croix-Rousse an ihre Geschichte.

Die Traboules von Lyon: geschützte Wege für die Seide. Foto: Hilke Maunder
Die Traboules von Lyon: geschützte Wege für die Seide. Foto: Hilke Maunder

Traboules: Wege für die Seide

Typisch für das Viertel am Hang der Saône sind die traboules, enge, überdachte Passagen und Treppen zwischen den Straßenzügen. In ihnen konnten den die Weber ihre wertvollen Stoffe geschützt vor Wind und Wetter transportieren. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurde in Lyon nur unifarbene Seide gewebt.

Erst mit der Technik des Broschierens entfaltete sich der typisch Lyoner Stil. Beim Broschieren bildet die Seide das Grundgewebe. Das Muster bildet ein zusätzlicher Schussfaden.

Der Musterfaden sollte dabei etwas dicker sein als die Fäden des Grundgewebes. Pflanzen, Blumen und Früchte waren besonders beliebte Motive in Lyon.

Lyon: gewebte Seide. Foto: Hilke Maunder
Seide, gewebt in Lyon. Foto: Hilke Maunder

Seide aus Lyon: meine Reise-Tipps

Seide erleben

Atelier de Soierie

• 33, rue Romarin, F – 69001 Lyon, www.atelierdesoierie.com, Tel. 04 72 07 97 83, Besichtigung Mo. – Fr. 9.00 – 13.00, 14.00 – 18.30 Uhr, Sa. bis 18.00 Uhr

Schlafen

Hôtel Le College

Pauker, Streber oder Klassenclown? Fühlt euch mal wieder als Schulkind! Das ungewöhnliche Viersternehotel Le Collège, das  sich mitten im Welterbeviel Vieux Lyon versteckt, hat sich wie eine Schule von einst gestylt. Alle 40 Zimmer der dortoirs sind komplett weiß. Als Schrank dient ein Spind, als Tisch ein Pult, auf dem Bücherbord liegt ein Mathebuch. Insgesamt war es etwas spartanisch – aber konsequent durchgestylt. Auf dem Flur gab es bei meinem Besuch kostenlose Soft-Drinks im Kühlschrank.

Als Rezeption des Collège Hotels dient ein ledergepolsterter Turnkasten. Gefrühstückt wird in einem alten Klassenraum. Das Büffet ist liebevoll zusammengestellt, schmackhaft und abwechslungsreich. Und auch der Service ist allerbeste alte Schule! Tipp: Nehmt ein Zimmer nach hinten raus – zur Straße kann es laut werden, wenn morgens die Müllabfuhr kommt und die Tonnen aufs Kopfsteinpflaster knallt.
• 5, Place Saint-Paul, F-69005 Lyon, Tel. 4 72 10 05 05, www.college-hotel.com

Slo Living Hotel

Zwei Doppelzimmer mit Bad, Mehrbett-Schlafräume für zwei bis acht Personen, Lobby-Bar: Das kleine, zentrale Hotel heißen euch mit viel Holz und modernen Kunstwerken willkommen. Und bestimmt spottet ihr hier und da IKEA.
• 5, Rue Bonnefoi, 69003 Lyon, Tel. 04 78 59 06 90, http://slo-hostel.com

MOB Hôtel

Unverputzte Betonwände, Samtvorhänge als Betthaupt, Bio-Produkte im Bad und Ausblicke vom Mini-Balkon auf die Saône: In der Architektur-Ikone Orange Cube hat der Erfinder der Mama-Shelter-Kette eine neue, junge Kette gegründet. Zimmer und Gemeinschaftsräume verstseht er als lauter kreative Inseln.
• 55, Quai Rimbaud, 69002 Lyon, Tel. 04 58 55 55 88www.mobhotel.com/lyon

Away Hostel

An den angesagten pentes von Croix-Rousse hat am 23. September 2016 in einem Eckhaus aus dem 19. Jahrhundert dieses Hostel eröffnet, das ab 23 Euro ein Bett im Mehrbettzimmer bietet. Sehr geräumige Doppelzimmer, stylisch gestylt in Weiß und Holz, kosten ab 75 Euro. Wer lärmempfindlich ist, greift in den Glastopf an der Rezeption: Er ist randvoll mit gelben Ohrstöpseln befüllt.
• 21, Rue Alsace Lorraine, 69001 Lyon, Tel. 04 78 98 53 20www.awayhostel.com

Schlemmen

Chez Paul

Wer es rustikal und deftig mag, geht in Lyon in einen bouchon, ein rustikales Lokal wie das wie Chez Paul, wo David hinter dem Tresen steht. Von der Decke baumelt eine fast zwei Meter lange Rosette-Dauerwurst. Rote Lederbänke säumen die wenigen Tische, die rustikal mit rot-weiß karierten Tischdecken und Servietten eingedeckt sind.

Statt Musik vom Band erfüllt Stimmengewirr den Raum; statt einer gedruckten Speisekarte präsentiert der Patron jeden Werktag persönlich das Menü für den Mittag: Als Vorspeise gibt es charcuterie, Wurst und Schinken aus der Region – Rosette, Jésus und Saucisson de Lyon. Dazu serviert David einen Caviar de la Croix Rousse. Der „Fischrogen“ der Seidenweber entpuppt sich als Salat aus roten Linsen.
• 11, rue Major-Martin, Tel. 04 78 28 35 83www.bouchonchezpaul.fr

Mehr Lyon

Mit La Confluence entsteht das Lyon der Zukunft auf einer Industriebrache – der erste Bauabschnitt mit spektakulären Architekturikonen wie Cube Vert und Cube Orange von MacFarlane und der „Wolke aus Kristall“ von Coop Himmelb(l)au für das Musée des Confluences!

Den Winter erhellt Europas schönstes Lichterfest: die Fête des Lumières um den 8. Dezember. Hier habe ich sie vorgestellt.

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Das ganze Land

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