Mannele, Maenele, Mannala oder Männle heißen die Weckmännchen im Elsass - und gehören zum Advent unbedingt dazu. Foto: Hilke Maunder
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Mannele: das elsässische Weckmännchen

Die Mannele : Auf den Weihnachtsmärkten im Elsass begegnen sie euch früher oder später: diese kleinen goldbraunen Gestalten aus Hefeteig, die mit runden Augen aus Rosinen in die Welt blicken.

In den Auslagen der Bäckereien stehen sie dicht an dicht, mal mit verschränkten Ärmchen, mal mit ausgestellten Beinen, stets mit diesem stillen Lächeln. In Straßburg, in Eguisheim, in den Dörfern entlang der Weinstraße gehört das Mannele zur Adventszeit wie Winzer-Glühwein und Lichterketten. Als ich sie zum ersten Mal probierte, war ich erstaunt, wie flaumig und erstaunlich buttrig das Mannele hinter seiner zart glänzenden, feinen Kruste war, fast wie eine kleine Brioche in Menschenform.

Das Mannele ist eine der traditionsreichsten Spezialitäten des elsässischen Advents und fest mit dem Nikolaustag verbunden. Am 6. Dezember wird es oft zusammen mit heißer Schokolade serviert. Ursprünglich sollte die Teigfigur an den heiligen Bischof Nikolaus erinnern. Doch im Laufe der Zeit hat sich der religiöse Bezug gelöst; geblieben ist ein Gebäck, das Wärme, Geselligkeit und das sanfte Innehalten der Vorweihnachtszeit symbolisiert. Gerade seine Schlichtheit macht den Reiz aus. Keine aufwendigen Verzierungen, kein Kitsch – nur feiner, gut gekneteter Teig, Butter, Milch, ein Hauch Süße und ein Duft, der nach Backstube und Kindheit riecht.

Mannele & Weckmann: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Während im Elsass das Mannele im Advent und besonders am Nikolaustag überall auftaucht, hat sein Kompagnon jenseits des Rheins leicht andere Bedeutungen. Im Rheinland und in weiten Teilen Westdeutschlands heißt es Weckmann, Stutenkerl oder Kloskerl – und gehört dort nicht zum 6. Dezember, sondern zum Martinsfest am 11. November. Im Saarland und im linksrheinischen Teil von Rheinland-Pfalz hingegen futtert man am 11. November keinen Weckmann, sondern Martinsbrezeln.

Die gemeinsame Wurzel beider Gebäckfiguren liegt in der Verehrung des heiligen Nikolaus, doch die regionale Tradition hat zwei unterschiedliche Charaktere daraus geformt.

Der Unterschied zeigt sich auf den ersten Blick: Das elsässische Mannele wirkt schlicht. Er steht ohne Zubehör, hat Rosinenaugen und eine eher sanfte, fast runde Silhouette. Der Teig ist häufig briocheartig, weich und feinporig, mit spürbarer Butter. Er schmeckt milder, leicht süß, mit dieser typischen buttrigen Note, die an das französische Frühstücksbrot erinnert.

Der rheinische Weckmann dagegen trägt traditionell eine Tonpfeife in der Hand. Dieses Detail geht auf die Reformationszeit zurück, als die kirchliche Symbolik des Bischofsstabs vielfach durch ein weltliches Zeichen ersetzt wurde. Die Figur wirkt oft kantiger, manchmal größer, und der Teig kann etwas kräftiger und weniger buttrig sein, je nach Region und Bäcker. In vielen Orten wird er zudem nicht mit dem Nikolaustag, sondern mit dem Martinsbrauch verbunden, beim Laternenumzug verschenkt oder gemeinsam mit heißem Kakao gegessen.

So stehen sich zwei nahe Verwandte gegenüber, die viel gemeinsam haben – und doch zwei unterschiedliche Feststimmungen verkörpern. Beide sind Tradition, beide sind Kindheit – aber jedes auf seine eigene, regionale Weise.

Das Rezept: das Mannele

Für alle, die den Mannele selbst einmal backen möchten, hier das traditionelle Rezept:

Zutaten

  • 500 g Mehl
  • 90 bis 100 g Zucker
  • 10 g Salz
  • 30 g Hefe (frisch oder eine Packung Trockenhefe)
  • 150 g weiche Butter (Zimmertemperatur)
  • 2 Eier (Zimmertemperatur)
  • 200 ml lauwarme Milch
  • 1 Handvoll Rosinen (für Augen und Knöpfe)
  • Zum Bestreichen: 1 Ei, 1 TL Zucker, 1 TL Milch
  • Zum Nachbearbeiten (Glasur): Puderzucker gemischt mit etwas Wasser

Zubereitung

  • Mehl, Zucker, Salz und Hefe in einer Schüssel vermischen.
  • Die weiche Butter, Eier und lauwarme Milch hinzufügen und alles zu einem glatten Teig kneten.
  • Den Teig an einem warmen Ort etwa 1 Stunde gehen lassen, bis er sich verdoppelt hat.
  • Den Teig in kleine Portionen teilen und zu Männchen formen. Rosinen als Augen und Knöpfe eindrücken.
  • Die Manneles auf ein Backblech legen und nochmals 30 Minuten gehen lassen.
  • Mit einer Mischung aus Ei, Zucker und Milch bestreichen.
  • Im vorgeheizten Ofen bei 180 °C etwa 15 bis 20 Minuten backen, bis sie goldbraun sind.
  • Nach dem Backen mit einer Mischung aus Puderzucker und Wasser glasieren.

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