Marie Weber: Schuh-Träume aus Troyes

Schuhdesignerin Marie Weber aus Troyes. Foto: Hilke Maunder
Marie Webers Lieblingsschuh der Collection Hannah: Orange und Altrosa vereint am Fuß. Foto: Hilke Maunder

Marie Weberwurde in München geboren – und ist doch durch und durch Französin. In Troyes hat die Schuhdesignerin den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Warum gerade dort, hat sie beim Werkstattbesuch verraten.

28 Jahre jung ist die Französin, die in Bayern das Licht der Welt erblickte. Zehn Jahre lang lebte sie mit ihren französischen Eltern in München, ehe die Familie ins Elsass zog.

Dort war bereits ihr Ur-Ur-Großvater Martin Weber Schuhmacher in der Kleinstadt Soultzmatt gewesen. Doch das erfuhr die Älteste von drei Schwestern erst vor wenigen Jahren.

„Dennoch muss etwas von ihm in meinen Genen stecken“, lacht Marie und wirft eine lockige Strähne zurück ins Haar, hockt sich auf einen schlichten Klappstuhl, schlägt die Beine übereinander und wippt mit den Füßen.

Nicht die Jahreszeiten, sondern Landschaften, Lichter, eigene Eindrücke inspirieren Marie Weber. Foto: Hilke Maunder

An ihnen glänzt schwarzes Leder. Weiß leuchtet puscheliges Kunstfell. Eine helle Naht trennt Sohle und Oberleder. Auf einem schmalen Sideboard sind weitere schmucke Treter zu sehen.

Schuhe mit Namen

Mal Ton in Ton in Cognacbraun, dann keck komplementär kombiniert: Gelb trifft Blau, Weiß trifft Schwarz, Rot kontert Grün, Orange schmiegt sich an Altrosa. Hannah, Bertrand, Charlotte und Gilles heißen ihre Kollektionen.

Hier Eleganz im Dandylook, dort stylische Erdverbundenheit. Understatement mit Stil. Mal als Einzelschuhmaßanfertigung. Dann als Design für internationale Schuhlabel.

Gerne farbig: Ledermuster für die Maßschuhe von Marie Weber. Foto: Hilke Maunder

Handwerk und Kunst, vereint in Perfektion. „Von meinen Eltern lernte ich, Herausforderungen und Arbeit zu schätzen. Und die Liebe zu schönen Dingen“, sagt sie, als sie meinem Blick folgt.

Sie springt auf, geht vom kleinen Showroom nach hinten in die Werkstatt. In einem Körbchen liegen Ledermuster in allen Farben des Regenbogens. Silbrig, metallisch und Neon. Mal matt, mal glänzend, mal Wild- , mal Glattleder.

Edel sind die Materialien. Doch das Wichtigste ist die Eigenschaft des Materials. Nicht alles passt zusammen, sagt Marie Weber. Alle Zutaten für ihre Maß- und Designerschuhe sind handverlesen und stammen ausschließlich von kleinen Familienbetrieben in Deutschland und Italien.

Leidenschaft und Liebe zum Schuh und ihrem Handwerk verraten Mimik und Worte, wenn Marie Weber erzählt. Foto: Hilke Maunder

Ahle, Zwirn, Schusterschere liegen neben dem Leder. Hinter ihr steht eine Maschine, die schon von der Optik her für Wertarbeit steht. Sie fährt mit der Hand über das kalte Metall, das weiche Leder, rückt zurecht und erzählt ihren Werdegang.

Internationales Studium

„Zuerst studierte ich drei Jahre Produktdesign an der ESAA (école supérieure d’arts appliqués) von Troyes. Dann ging ich nach Italien und erwarb an der POLIMODA von Florenz einen Master in Schuhdesign. Dort hatte ich viele Künstler als Lehrer. Durch sie wurde mir klar, dass ich das Reich schöner  Schuhe nie verlassen würde.“

Nachdem sie in Berlin für einen Marktführer für Herrenschuhe gearbeitet hatte, reifte ihr Entschluss, ein eigenes Label zu gründen und sich selbstständig zu machen. Sie wählte als Sprungbrett nicht Paris oder Florenz, sondern Troyes.

Marie Weber an ihrem Arbeitsplatz. Foto: Hilke Maunder

2018 eröffnete sie im Herzen der alten Hauptstadt ihren kleinen, feinen Showroom samt Atelier. Dort fertigt sich Einzelschuhe nach Maß und entführt Designerschuhe für Modelabels. Warum gerade dort?

„In Paris müsste ich für mein kleines Laden-Atelier mehr als 10.000 Euro im Monate Miete zahlen. In Troyes sind es nur 250 Euro.“

Traum wird Wirklichkeit

Möglich macht es ein Angebot der Stadt, das mit radikal günstigen Mieten Jungunternehmer unterstützt. Einzige Bedingung: Sie müssen  sich in der Innenstadt ansiedeln und für Vielfalt und neue Angebote im Stadtzentrum sorgen.

Für Marie Weber war die Standortoffensive der Stadt das Sprungbrett für eine internationale Karriere. 25 Stunden arbeitet sie an einem Schuh. Für ihre Kollektion orientiert sie sich nicht an den Jahreszeiten, sondern eigenen Inspirationen. Und kreiert so für jeden einen kleinen persönlichen Traum. Sein Preis: ab 850 Euro.

Ich will kein Konsumobjekt anbieten, das die Menschen einfach kaufen und wenige Monate später wieder verlassen. Ich möchte eine Geschichte erzählen, die den Verbraucher in ihren Bann zieht: etwas Sensibles, etwas Einzigartiges und voller Poesie. Meine Schuhe sollen ein Stück eines Traum sein.

Marie Weber

• 10, Rue du Colonel Driant, 10000 Troyes, Tel. 06 40 22 34 60, www.marieweber.fr

Deutsche Wertarbeit: Die Ausputzmaschine wurde einst von Mebus in Schwerin gebaut. Foto: Hilke Maunder

Hilfe für Start-ups in Frankreich

Département Aube

French Tech Troyes

French Tech Troyes betreut Start-ups in den Départements Aube, Haute-Marne und Yonne. Partner sind lokale Behörden, Handelskammern und Unternehmen.

Technopole de l’Aube

Die Schnittstelle zwischen Uni und Wirtschaft des Départements Aube; www.technopole-aube.fr

Dort angesiedelt ist auch das YEC Young Entrepreneur Center als studentischer Inkubator; www.young-entrepreneur-center.fr

CCI Troyes – Aube

Auch die Handelskammer hält Hilfen für Existenzgründer bereit. Dazu gehört u.a. die finanzielle Unterstützung von Kleinstunternehmern mit Mitteln von L’Acre.

Ile-de-France

Startup-Accelerator des Großraum Paris, www.wilco-startup.com

Region Grand-Est

Scal’E-nov

Das umfassende Förderprogramm fördert Existenzgründer in Ostfrankreich über einen Zeitraum von drei Jahren. Neben gemeinsamen Workshops und Expertenvorträgen sieht es erhebliche finanzielle Hilfen vor. Zur Stärkung des Eigenkapitals des Unternehmens wird ein zinsloses Darlehen in Höhe von bis zu 150.000 Euro pro Unternehmen gewährt.

Ferner können Start-ups einen Zuschuss von bis zu 30.000 Euro pro Jahr erhalten und so drei Jahre lang zu 50 Prozent einen Mitarbeiter finanzieren.

Für die Umsetzung dieses Dreijahresprogramms mobilisiert die Region Grand Est 4,5 Millionen Euro für Kredite und 1,8 Millionen Euro für individuelle Unterstützung mit bis zu 30 000 Euro pro Jahr.
www.grandenov.fr/accelerateur-scalenov

Frankreichs Landesinitiative für Jungunternehmer

La French Tech

Die Initiative French Tech  unterstützt die Start-ups in Frankreich und vernetzt sie mit Jungunternehmen in aller Welt – nicht nur in Paris, sondern auch  in 13 French Tech Capitals wie Brest, Nantes oder Bordeaux sowie 38 French Tech Communities im Zentralstaat.

Und auch im Ausland hilft French Tech französischen Gründern, Fuß zu fassen mit seinen mehr als 48 French-Tech-Communities in 100 Städten weltweit.

Ihr wollt als Startup nach Frankreich?

Das French Tech Ticket unterstützt seit 2013 junge ausländische Start-up-Gründer mit Geld und Beratung. Die einzige Voraussetzung : ein 6- bis 12-monatiger Aufenthalt in Frankreich. Für euer Projekt könnt ihr eine Unterstützung von maximal  12.500 Euro im Monat erhalten.

Bei Bedarf kann die Förderung einmalig um weitere sechs Monate verlängert werden. Euch zur Seite stehen ein (zweisprachiger) Mentor sowie administrativer Berater. Und Büromiete könnt ihr vergessen. In Paris kommt ihr kostenlos in einem der Startup-Zentren wie Station F unter.

Offenlegung

Troyes und die südliche Champagne durfte ich auf einer individuellen Pressereise entdecken, zu der mich Aube Tourisme und Troyes Tourisme eingeladen haben. Auf dem Programm stand auch dieser Werkstattbesuch. Allen Mitarbeitern, die bei Troyes Tourisme und Aube Tourisme meinen Aufenthalt unterstützt haben, sage ich ganz herzlichen Dank.

Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

25 Stunden lang arbeitet Marie Weber an einem Schuh. Foto: Hilke Maunder
Merci für's Teilen!

2 Kommentare

  1. Toller Bericht! Einmal im Jahr mit Familie in Troyes, fühlen wir uns dort immer wohl. Bedauernd haben wir bemerkt, wie viele Läden in Stadtmitte aufgegeben werden. Deswegen ist die Initiative der Stadt für junge Leute, die sich dort niederlassen wollen, prima! Der tüchtigen Schuhmacherin viel Erfolg!

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