Côte Fleurie: Der Glanz der Belle Epoque 1


Sie atmet Eleganz und Stil: die Côte Fleurie. Zwischen den Mündungen von Seine und Orne säumen die mondänsten Seebäder der Normandie die Blumenküste. Deauville, Trouville und Cabourg sind bis heute Trendziele der High Society. Ihr Laufsteg sind die Planches, Paradeplanken zwischen feudalen Villen und feinstem Sand, weißen Wolken und sanften Wellen.

Zeitreise durch die Belle Époque

Eine Fahrt entlang der Côte Fleurie von Honfleur nach Cabourg gleicht einer Zeitreise durch die Belle Époque. Im Zweiten Kaiserreich folgten reiche Pariser den Fußstapfen von Künstlern wie Alexandre Dumas, der 1829 erstmals seine Ferien in Trouville verbrachte. Binnen weniger Jahre verwandelte sich die verschlafenen Fischerdörfer Trouville und Houlgate zu Seebädern mit Stil. Deauville entstanden ab 1860 auf dem Reißbrett, als ein Konsortium unter Führung des Duc de Mornay und Dr. Oliffe, dem britischer Botschafter in Paris, hier die Marschen trockenlegte und darauf eine völlig neue Stadt plante.

Das ›21. Arrondissement‹ von Paris kultiviert den Lebensstil der Hauptstadt an der Küste: chic, edel, teuer. Vorbei an den Badekabinen berühmter Stars wie Harrison Ford, Gloria Swanson, Burt Lancaster oder Kirk Douglas flanierten Madame und Monsieur auf hölzernen Stegen, den „planches“, an goldgelben Sandstränden entlang.

Abends wurde sich bei Austern und Champagner in den Kasinos und Luxushotels amüsiert. Wie, verrät Marcel Proust im zweiten Buch seiner siebenbändigen ›Suche nach der verlorenen Zeit‹, der in den Leben in den Zimmern und Salons des ›Grand Hôtel‹ von Cabourg spielt – der Romancier verbrachte dort von 1907 – 1914 jede Saison.

Bis heute reist die Prominenz an die Côte Fleurie. Zum Festival des amerikanischen Films geben sich Stars und Sternchen aus Hollywood ein Stelldichein in Deauville; beim Großen Preis von Deauville wird alljährlich Aga Khan, Multimillionär und Pferdenarr, an der Rennbahn gesichtet.

Millionen für ein Fohlen

Für Pferdehändler ist Deauville gleichbedeutend mit dem Jährling. Jeden Herbst wechseln hier die 18 Monate alten Fohlen für astronomische Summen den Besitzer – 2001 kam ein Fohlen für mehr als eine Million Euro unter den Hammer. Je makelloser das Jungtier, je besser der Stammbaum, umso höher der Preis – ein paar 100.000 Euro spielen für die arabischen Scheichs und internationale Prominenz keine Rolle. 2015 wurde ein neuer Verkaufsrekord gemeldet: Pur Sang wechselte für 2,6 Millionen Euro den Besitzer.

Mehr als 80.000 Händler, Züchter, Jockeys und Käufer bevölkern dann das mondäne Seebad, lassen im Kasino die Roulettekugel drehen und dinieren in einem Nobelrestaurant, dessen Name ihre Leidenschaft bezeugt: The Yearling – der Jährling. Weniger medienwirksam sind die ›Fences‹-Verkäufe, die jedes Jahr in Bois-le-Roi auf dem Gut des Springreiter-Trainers und Olympiasiegers von Montréal, Marcel Rozier, stattfinden.

Hier erstehen prominente Stammgäste ganz unter sich preisverdächtige Sportpferde – für 460.000 Euro wechselte der Hengst ›L’Arc de Triomphe‹ 2002 den Besitzer. Müde und kraftlose Galopper werden in Bréhal wieder fit – bei einer Thalassotherapie. Wenige Meter vom Strand entfernt, bekommen sie Schlammpackungen und Meerwasser-Behandlungen, um die Wetter beim nächsten Rennen in Deauville wieder zu siegen. Und wenn der hoch dotierte Gaul lahmt, hilft ein orthopädisches Hufeisen wieder auf die Sprünge…

Côte Fleurie: meine Reisetipps

Schlemmen an der Côte Fleurie

Honfleur

Vincent Guyon verbindet im gemütlichen Restaurant Fleur de Sel die Küche seiner Großmutter mit eigenen Ideen.
• 17, rue Haute, Tel. 02 31 89 01 92, www.lafleurdesel-honfleur.com

Trouville-sur-Mer

Abseits des Trubels offeriert La Petite Auberge köstliche regionale Fischküche in urgemütlichem Ambiente.
• 7, rue Carnot,Tel. 02 31 88 11 07, www.lapetiteaubergesurmer.fr

Deauville

Vom Tresen auf den Teller: der gehobene Fisch-„Imbiss“ L’Étole des Mers gilt als beste Adresse für topfrische Hochgenüsse aus dem Ozean.
• 74, rue Gambetta, Tel.02 14 63 10 18, http://deauville.org

„Tout Paris“ isst im Côté Royal des Lucien Barrière.
• bvd. Cornuche, Tel. 02 31 98 66 33, www.lucienbarriere.com.

Schlummern an der Côte Fleurie

Honfleur

Unter dem Schieferdach einer Pfarrei aus dem16. Jh. bietet ***L’Absinthe nostalgische Zimmer.
• 1, rue de la Ville, Tel. 02 31 89 23 23, www.absinthe.fr, 6 Z.

Trouville-sur-Mer

Seit drei Generationen empfängt das **HôtelCarmen seine Gäste (24, rue Carnot, Tel. 0231 883543, www.hotelcarmen.fr, 16Zi.). Im Sommer 2015 eröffnete mit Les Cures Marines ein Wellnesshotel der Luxusklasse im Seebad.

Deauville

200 m vom Meer empfiehlt sich **Le Trophée.
• 81, rue du Général Leclerc, Tel. 02 31 88 45 86, www. letrophee.com, 35 Z.).

Der Mythos Deauville lebt im legendären Luxushotel ****Le Normandy Barrière, wo bis heute Jetset und Stars absteigen. 2015 wurde das zeitlos schöne Herrenhaus im normannischen Stil mit der prägenden Fachwerkfassade erstmals seit seiner Eröffnung 1912 von Grund auf renoviert.

In 180 Tagen krempelten 600 Handwerker und Künstler 20.000 qm komplett um.  160 Tonnen neue Fliesen kamen in die Bäder. 1.200 Türen wurden ausgewechselt, fast 6.000 qm Teppich und 23.000 qm Raumabteilungen und Deckenabhängungen entfernt. 55.000 Kubikmeter Lagerraum waren notwendig, um  das Inventar zwischenzeitlich unter zu bringen.

Das Ergebnis: Die runderneuerte Belle-Epoque-Schönheit ist so authentisch wie eh und je, immer noch mehr als „ein Hotel“ – und jetzt bei Technik und Komfort topmodern.
• 38, rue Jean-Mermoz,Tel. 02 31 98 66 22, www.lucienbarriere.com,290 Z.

Golf an der Côte Fleurie

Die Normandie gehört zu den zehn weltbesten Golfregionen, die Blumenküste zu den schönsten Landstrichen zum Abschlagen. An der Blumenküste haben sich sieben Plätze zusammengetan und gewähren nach dem Erwerb einer „carte d’avantage“ rund 20 Prozent Rabatt auf die Greenfee-Gebühren. Info: Comité Régional de Tourisme Normandie, www.normandie-tourisme.fr.

Coco Chanel & die Blumenküste

Film_Kino_Coco ChanelIn der Normandie wurden zahlreiche Kino-, TV- und Werbefilme gedreht. Für „Coco Chanel“ von Anne Fontaine diente die Côte Fleurie als Kulisse.V om Waisenhaus zum Weltimperium: Das Leben der französischen Designerin bietet Stoff für Legenden.
1838 in Saumur an der Loire als Tochter eines Hausierers geboren, wird sie mit elf Jahren in ein Waisenhaus abgeschoben, erhält dort Nähunterricht – und findet genau dort die Wurzeln ihres Stils. Die weißen Hauben und schwarzen Roben der Ordensschwestern sind Vorboten einer neuen Ästhetik, mit der Coco die Modewelt umkrempelt.
Dieser frühen Coco Chanel, der ihr Liebhaber Boy Capel in Deauville die erste Boutique kaufte, hat Anne Fontaine mit Coco avant Chanel (Coco Chanel – Beginn einer Leidenschaft) ein cineastisches Denkmal gesetzt. In der Titelrolle wandelt Audrey Tautou diesmal nicht durch Amélies Pariser Traumwelt, sondern besucht die Seebäder der Côte Fleurie.Gedreht wurde nicht in Deauville, sondern im benachbarten Trouville, am Strand von Merville-Franceville und in Cabourg, wo Marcel Proust sich 100 Jahre zuvor auf die Suche nach der verlorenen Zeit begeben hatte. Vorlage für den Film war das Buch Irrégulière ou mon Itinéraire Chanel, das Edmonde Charles-Roux 1974 über die Designerin verfasst hatte.

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Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Normandie

DMBA Normandie von Hilke Maunder

Sechs Kapitel, gegliedert nach regionalen Gesichtspunkten, geben einen Überblick über die raue Provinz mit Charme. Zu jedem Kapitel gehören Hintergrundreportagen und Specials. Sie erklären, warum der Golfstrom die Normandie zum Garten am Meer macht, betrachten die Poesie in Beton von Le Havre und die Renaturierung des Mont St-Michel. Jedes Kapitel endet mit Infoseiten zu den wichtigen Sehenswürdigkeiten, die auf der Reisekarte lokalisiert sind. Dazu: Empfehlungen zu Hotels und Restaurants, Anregungen zum Aktivsein – und meine ganz persönlichen Tipps. Wer mag, kann den Band hier * bestellen – es gibt ihn auch als eBook!

Hilke Maunder, Normandie – ein Garten am Meer. DuMont Reiseverlag, Ostfildern. 121 S.
ISBN: 978-3770-1942-85

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F_Trouville_Sunset_2_©Hilke Maunder