Bei Toulouse-Lautrec: Albi, „la rouge“ 1


Tarn_Albi_Altstadt_©Hilke Maunder

77 km nördlich von Toulouse im Département Midi-Pyrénées wurde im Sommer 2010 Frankreichs jüngstes Welterbe in die Schutzliste der UNESCO aufgenommen: die Bischofsstadt Albi am Tarn.

Albi, la rouge

Ihr Beiname “La Rouge” verweist auf ihre Bauweise: Ihr Zentrum wurde fast ausschließlich aus örtlichem Backstein erbaut – da die Ziegel handgetrocknet wurden, sind auch immer wieder die Fingerabdrücke der Maurer zu erkennen. Selbst die riesige Kathedrale mit ihren bis zu sechs Meter dicken Mauern wurde in Ziegelbauweise errichtet, ein Weltrekord.

Zum 20 Hektar große Bischofsviertel, dem die UNESCO den Kulturerbestatus zuerkannte, gehören neben der gotischen Cathédrale Sainte-Cécile der angrenzende Bischofspalast Palais de la Berbie, die Stiftskirche Saint-Salvi als ältester Sakralbau der Stadt, die Brücke Pont-Vieux von 1040 und ein Teil des Tarn-Ufers. Typisch für die Baukunst im Tarntal ist auch das Maison du Vieil Alby, das noch einen „Soleilhou“ besitzt – einen offenen Dachboden, in dem einst Färberwaid getrocknet wurde.

Tarn_Albi_Palais de Berbie_Toulouse-Lautrec-Museum_©Hilke Maunder

In der alten Katharerhochburg am Ufer des Tarn wurde 1864 ein Maler geboren, der als Portraitist des leichten Lebens von Montmartre weltberühmt wurde: Henri de Toulouse-Lautrec. Als er mit 36 im Suff an Syphilis starb, wollte kein Pariser Museum seine Werke – umso schöner werden sie heute in seiner Heimatstadt Albi präsentiert. Eine Erbkrankheit – Pyknodysostose – und zwei Beinbrücke hatten Henri de Toulouse-Lautrec im Alter von 14 Jahren zum zwergwüchsigen Krüppel gemacht.

Die schönsten Werke von Toulouse-Lautrec

Im Leid entdeckte der junge Lautrec seine Liebe zur Malerei. 1881 zog er nach Paris. Seine Bleibe fand er auf Montmartre, mitten im Milieu der Dirnen und Künstler. Das nächtliche Treiben in den Bars und Bordellen wurde seine Inspirationsquelle, der Alkoholließ ihn sein körperliches Elend vergessen. Albi_Toulouse-Lautrec_Aristide Bruant_wikiepdia commons KopieAls er mit 36 Jahren im Schloss von Malromé in den Armen seiner geliebten Mutter starb, hinterließ er sein Œuvre seiner Geburtsstadt Albi: mehr als 500 Ölgemälde, Zeichnungen und Lithografien, die seit 1922 hinter den dicken Backsteinmauern des Palais de Berbie im Musée Toulouse-Lautrec zu bewundern sind.

Zu den Fans des Malers gehört der Meisterbäcker St-Honoré, der ihm zu Ehren den Gâteau Lautrec kreiert hat: als Bananen-Karamell auf Mousse de Chocolat. Sein Laden in der Rue St-Julien liegt nur einen Steinwurf vom Museum entfernt, mitten in der jener Altstadt, die Albi wegen der hier verwendeten Mauerziegel den Beinamen „La Rouge“ eingebracht hat.

Roter Backstein, wohin man schaut – selbst die riesige Kathedrale mit ihren bis zu sechs Meter dicken Mauern wurde in Ziegelbauweise errichtet, ein Weltrekord – und inzwischen Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Musée de Toulouse-Lautrec, Place de la Berbie, www.musee-toulouse-lautrec.com; Mi. – Mo.  Jan./Febr. 10.00 – 12.00/14.00 – 17.00, März, Okt. bis 17.30, Apr. – Juni. Tgl. 9.00 – 12.00/14.00 – 18.00, Jul./Aug. 9.00 – 18.00 Uhr.

Mein Schlemmer-Tipp

L’Epicurien

Die Heimat von Küchenchef Rikard Hult ist Schweden, seine Frau ist Französin – wen wundert es da, dass sich in der Marktküche des Gourmetkoches skandinavische Melancholie und südfranzösisches Terroir perfekt vereinen? Mit Vorliebe serviert er zu Mont-Royal-Täubchen auf Pilzen und Sellerie, Jakobsmuschel-Risotto oder einem zarten Rinderfilet die Weine seines besten Freundes: Die Tropfen von Patrice Lescarret (Domaine de Causses Marines) harmonieren ausgezeichnet mit den Speisen.
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Hier habe ich geschlafen

Mercure Albi Bastides

Erst Wassermühle, dann Nudelfabrik, heute Hotel: Vom Restaurant – und vielen Zimmern – bieten sich Traumausblicke auf den Tarn und die Altstadt von Albi.
• 41 bis, rue Porta, Albi, Tel. +33 5 63 47 66 66, www.mercure.com

 

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