Hürden-Radeln an der Seine

Begeistert vom Pariser Stadtradsystem Vélib, beschloss ich, nach vielen Touren im Gewühle der Stadt doch einmal dem Lauf der Seine am Rive Gauche zu folgen. Wenn ich gewusst hätte, dass das eine sehr sportliche Entscheidung werden würde …

Der Start begann gut: Direkt an der Métro-Station Quai de la Gare war die Vélib-Station gut bestückt, und zu meiner Freude gab’s mit dem Pass Navigo, einer aufladbaren Wochen- bzw. Monatskarte für die Métro, auch kräftige Prozente beim Ausleihtarif. Der Regen hatte ebenfalls aufgehört, die Tasche passte in den Lenkradkorb, und eine neu gepflasterte Rampe führte hinab zum Flussufer, wo Hausboote, Restaurantsschiffe und mit der Piscine Joséphine Baker und dem benachbarten Petit Bain die beiden einzigen Seine-Schwimmbäder auf einem Ponton vertäut waren.

Die Büchertürme der Bibliothèque Nationale François Mitterand spiegelten sich in der Seine, über die sich leicht und beschwingt die Passerelle Simone de Beauvoir zum Park von Bercy schwang. Weiter westlich ratterte die Métro hoch auf der zweiten Etage über die eindrucksvollen Bögen der Pont de Bercy.Das Kopsteinpflaster am Quai war frisch verlegt; vor der Kulisse des neuen Pariser Osten shooteten Fotografen chromblitzende Automodelle und Pariser Mode.

Die Cité de la Mode et du Design – ein froschgrüner Hingucker am Kai des Rive Gauche. Foto: Hilke Maunder

Doch nach der Brücke war’s mit der Idylle vorbei: riesige Löcher im Kopfstein, Dreck in allen Ecken, Matratzen von SDFs (= sans domicile fixe), Obdachlosen. Der Holperparcours an der Wasserkante wird gleich enden, dachte ich – schließlich würde in wenigen Metern die neue Cité de la Mode et du Design von MacFarlane kommen. Doch angekommen, änderte sich nur wenig: Auf Seine-Niveau befinden sich die Parkgaragen und Müllbehälter. Die berühmte grüne Fassade, die den Beton verkleidet, endet eine Etage höher auf dem Eingangsniveau der Straßenebene.

Am Seine-Ufer hingegen dominierte Tristesse, war das Ufer die Hinterkammer – bis zur Pont d’Austerlitz. Danach, ganz überraschend: eine perfekt planierte, sandige Promenade mit Skulpturen, Stauden und Solitären: die Ausläufer des Jardin des Plantes mit dem Musée des Sculptures en Plein Air, an den sich der Jardin Tino Rossi mit herrlichen Blicken auf die Île Saint-Louis anschließt.

Nach dem Pont de Tournelle jedoch zeigt sich: Die paradiesischen Radelmeter waren nur eine Erholungspause – jetzt begann der richtige Hürdenlauf. Das Kopfsteinpflaster der Quais wurde unregelmäßiger, zeigte Mut zur Lücke und erhob sich aus dem Sand,  die Quais wurden schmaler und zur Sequenz von Stufen – und die stabilen Vélib-Räder sind nicht gerade leicht…. Für die Mühen entschädigten die Ausblicke auf Notre Dame.

Nach der Pont St-Michel wurde das Terrain wieder eben, die schlechte Qualität der Uferstraße blieb, auf der jetzt ein reger Zulieferverkehr zu den vertäuten Kähnen und Hausbooten lief, ein Batobus entlud Menschenmassen am Kai, das Radeln wurde zum Slalom. Ohne uns abzusprechen, nahmen wir die nächste Rampe zurück zur Straße, hin zu nahen Station des Vélib am Pont du Carrousel du Louvre.  Meine Tochter zum Ende der Tour: „Das nächste Mal aber radeln wir am Nordufer…!“ Ob das eine gute Idee ist?

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2 Kommentare

  1. Vielen Dank für die tollen Tipps. Mit dem Rad durch Paris, das habe ich in diesem Sommer zum zweiten Mal für eine Woche erlebt. Super!!! Wir hatten uns sofort wieder vor Ort bei dem Vermieter „Paris à Vélo c’est Sympa“ – http://www.parisvelosympa.com – gute City Räder ausgeliehen. Sehr zu empfehlen.Tipp: auf funktionsfähiges Licht und gute Bremsen achten, das braucht man in Paris! Mittlerweile haben sich die Pariser an die Fahrradfahrer gewöhnt. Mit dem Velo durch die Stadt fahren – pures Freiheitsgefühl. Wir haben so viele schöne Eindrücke erlebt, die man zu Fuß oder mit der Metro nicht erleben kann. Sehr zu empfehlen eine Fahrt durch den Bois de Boulogne mit seiner Vielfalt. Eine der schönsten Strecken war die Fahrt mit dem Rad nach Versailles, hoffnungslos verfahren… aber dadurch so viele besondere Eindrücke gewonnen. Sonntags sind die Straßen am Rive Gauche und rund um den Canal Saint-Martin mit seinen schönen Brücken und Schleusen für die Autofahrer gesperrt, da macht Radeln richtig Spaß.
    Eine eindrucksvolle Fahrt ist es auch über den „Boul‘ Mich“ zu fahren und mittags im Jardin du Luxembourg
    eine Pause einzulegen.
    Und wenn es Gänsehaut Feeling pur geben soll, mit dem Rad abends zur Pont Neuf fahren. Am Seine Ufer ein Picknick machen und warten wenn es zur vollen Stunde z.B. 22.00 Uhr wird und der Eiffelturm für 5 Minuten zu einem blinkenden Zauber wird. Magisch!
    Fazit: Ich freue mich schon auf das nächste Radl-Abenteuer in Paris,Claudine

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