Saint-Malo: Große Runde bei den Korsaren

Wie eine granitene Zitadelle, eine „Steinkrone auf Wellen“, so François-René Châteaubriand und Gustave Flaubert, thront die alte Korsarenstadt Saint-Malo am Ostufer der Rance-Mündung im Norden der Bretagne. Abweisend und wuchtig schützt ein begehbarer Mauerring die Ville Close, die ummauerte Altstadt am Meer.

Hoch über Saint-Malo

1.754 Meter lang sind die „remparts“ in ihren drei Stadttoren (Porte Saint-Vincent, Grand‘ Porte und Porte Saint-Thomas) und ebenso vielen Bastionen (Bastion Saint-Louis, Bastion Saint-Philippe und Bastion de la Hollande). Macht es wie ich, klettert die wuchtigen Stufen hinauf und bummelt einmal die große Runde um die Altstadt!

Die Ringmauer um die Altstadt bietet immer wieder neue Ausblicke auf die alten Herrenhäuser der reichen Reeder, die Stadt und das Meer. An der Stelle, wo einst das Grab des Stadtgründers St-Malo gestanden haben soll, wurde im 11. Jahrhundert mit dem Bau der Cathédrale St-Vincent begonnen. Das Gotteshaus, das erst im 18. Jahrhundert vollendet wurde, birgt leuchtende Kirchenfenster von Jean Le Moal und Max Ingrand

Stolze Malouiner

Nüchterne Granithäuser mit Schieferdach säumen die engen Gassen der intra muros von Saint-Malo, die nach den alliierten Luftangriffen vom August 1944 Stein für Stein originalgetreu wieder aufgebaut wurde. Stolz verteidigten die Malouins immer wieder ihre Unabhängigkeit.

Nie wurde die Festungsinsel vom Meer erobert. Vier Jahre war sie im 16. Jahrhundert sogar unabhängige Republik. „Bin weder Franzose noch Bretone, ich bin Bürger von Saint-Malo“ lautete der stolze Wahlspruch ihrer Bewohner. Für Ruhm und Wohlstand sorgte schon früh die Seefahrt.

Im 16. Jahrhundert legten hier die Schiffe der Entdecker ab.  1534 entdeckte der Malouiner Jacques Cartier Kanada. Sein Wohnhaus Manoir de Limoëlou erinnert als Museum an den Entdecker Kanadas.

Königliche Freibeuter

Im 17. und 18. Jahrhundert verunsicherten Malouiner Freibeuter wie Robert Surcourf und René Duguay-Trouin die Weltmeere und kaperten vor allem englische Handelsschiffe im Auftrag der französischen Krone. Später verlegten sich die Malouiner zunächst auf den Tuch- und Sklavenhandel, dann auf die Hochseefischerei vor Labrador und Neufundland. Noch heute ist der Hafen mit einem Güterumschlag von knapp zwei Millionen Tonnen und 1,2 Millionen Passagieren wichtigste Einnahmequelle der Stadt.

Die beste Einführung in die bewegte Vergangenheit der Seefahrer-Stadt gibt das Musée d’Histoire de la ville et d’Ethographie du pays malouins im Schloss. Der Bau der gewaltigen Festung begann im 14. Jahrhundert als Symbol der herzoglichen und später königlichen Macht. Der 1498 erbaute Tour Quic-en-Groigne verewigt einen oft zitierten Ausspruch von Anne de Bretagne. „Qui qu’en groigne, ainsi sera, car tel es mon bon plaisir“ ( Lasst sie nur klagen! Es ist so, weil ich es so will), soll sie den Bürger von St-Malo auf ihre Worte geantwortet haben.

Saint-Malo: meine Reisetipps

Schlafen

In einer ruhigen Seitenstraße mitten in der Altstadt versteckt sich das Hôtel Ajoncs d’Or mit 22 Zimmern (10, rue des Forgeurs, Tel. 02 99 40 85 03, www.tourisme-hotel-saint-malo.fr

Welterste Crêpes-Schule

Die bretonische Crêpe und ihre herzhafte Buchweizen-Schwester Galette sollen Welterbe werden, wünscht sich der bretonische Crêpier-Meister Bertrand Larcher. Nach Crêperien in Tokio, Paris und New York eröffnete er im Oktober 2018 in Saint-Malo mit dem Atelier de la Crêpe das erste internationale Crêpier-Ausbildungszentrum.

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