Der 1. Mai und das Maiglöckchen

Maiglöckchen: das traditonelle Präsent zum 1. Mai

Alljährlich am 1. Mai in Frankreich: Überall verkaufen Kinder und Frauen in großen Körben und Schalen weiß blühende Maiglöckchen, das kleine Gebinde für einen Euro. Die kleinen Sträuße mit dem betörenden Duft werden als porte-bonheur, Glücksbringer, einem geliebten Menschen geschenkt. Und auch die Männer, die am 1. Mai beim Tag der Arbeit die vielen Demonstrationen besuchen, tragen den Frühlingsgruß im Knopfloch. Eine schöne Sitte, die seit Jahrhunderten in Frankreich gepflegt wird.

Mai-Brauch seit der Antike

Als Liebesgruß war das Maiglöckchen schon in den antiken Legenden beliebt. Apollo soll mit Maiglöckchen zu Füßen seiner Musen einen weichen Teppich  bereitet haben. Im Mittelalter befestigten Männer Maiglöckchen über die Tür der Angebeteten. Nachdem jedoch Karl der Neunte 1560 offen bei Hofe Maiglöckchen an seine Damen verschenkte, wurde der bis dato inkognito gesandte Liebesgruß ein gesellschaftlich anerkannter Glücksbringer.

Symbol der Sinnlichkeit

Der Duft der Maiglöckchen ist für Franzosen der als Inbegriff von Weiblichkeit, Sinnlichkeit und Erotik. Mit seiner intensiven Süße und einem frischen, blumigen Charakter, fügt er sich perfekt in viele Parfums ein. Selbst in sanften Herrendüften findet ihr die Extrakte der weißen Blüten! Beliebt sind vor allem Kombination mit Sandelholz oder Ylang Ylang.

Mugueter … oh là là!

Er sorgte sogar dafür, dass ein neues Verb Eingang in die französische Sprache fand: mugueter – verführen, den Hof machen (muguet=Maiglöckchen). Seit 1. Mai 1947 ist der 1. Mai in Frankreich ein offizieller Feiertag. Und bis heute ist nur an diesem Tag – der Fête du Muguet – das Pflücken der Frühlingspflanze legal und unbesteuert.

Bonheur pour tous

Es gelten jedoch einige Regeln. Verkauft werden darf nur, was wild im Garten oder Wald selbst gepflückt wurde. Tische oder Stände sind tabu. Daher tragen die Verkäufer meist Körbe oder Schale. Und wehe, sie wagen sich zu nahe an die Geschäfte von Floristen. Dann droht Ärger. So stehen Kinder und Senioren, Frauen und Männern an den Plätzen, schlendern durch Straßen und Gassen und freuen sich, wenn ihr sagt: „Un brin de muquet!“ Denn der Maiglöckchenverkauf bessert auch kleine Einkommen auf. Und bringt so auch so „bonheur“, Glück.

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6 Kommentare

  1. Schade, daß es diese schöne Sitte nicht in Deutschland gibt. Maréchal Pétain hat das Maiglöckchen mit dem Tag der Arbeit verbunden – bis dahin war L‘églantine rouge (das rote Heideröschen) die Symbolblume der Arbeiter/innen am 1. Mai gewesen.

  2. Kein erster Mai ohne Maiglöckchen. Am ersten Mai dürfen wie in Frankreich Maiglöckchen im Wald pflücken und sie auf der Strasse verkaufen.

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