Hier bin ich, Jürgen Focke, vor der Kathedrale von Amiens in der Picardie. Foto: Jürgen Focke

Mein Frankreich: Jürgen Focke

„Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch? Viele haben schon bei dieser Reihe mitgewirkt.

Ich heiße Jürgen Focke, bin 59 Jahre alt, habe zwei erwachsene Söhne und wohne in Düsseldorf. In meiner Freizeit interessiere ich mich unter anderem für Geschichte, Architektur, Landschaften und Menschen. Im Urlaub bin ich gerne aktiv, mache neue Erfahrungen und entdecke neue Dinge. Das war mal eine Wanderung über die Alpen, und in den letzten Jahren bin ich viel durch Frankreich geradelt, weil für mich das Fahrrad ideal ist, um eine Gegend zu erkunden.

Man reist durch die Landschaft anstatt von A nach B zu fahren, entdeckt dabei viel, kann jederzeit anhalten, um etwas näher anzusehen, und man kommt mit Menschen in Kontakt. Wer diese Seiten liest, mag Frankreich und versteht, warum Frankreich für meine Vorlieben ein tolles Land ist. Von meinen Begegnungen mit Menschen auf meinen Reisen in Frankreich möchte ich gerne erzählen.  

Ich finde Frankreich schon länger schön, also die Landschaften, Orte und Brücken. Als Familie waren wir eine Zeitlang mit einem Verein jedes Jahr an der Ardèche zum Paddeln, schöne Gegend, super netter Campingplatz, ein Super U zum Einkaufen. Ja, Frankreich ist schön.

Aber ich denke so richtig lerne ich Frankreich erst kennen, seitdem ich alleine mit dem Fahrrad durch das Land radle. Und damit meine ich nicht die Landschaften, die verändern sich durch das Alleinreisen nicht, sondern die Begegnungen mit Menschen, die mich immer wieder begeistert haben, und davon möchte ich etwas erzählen.

Eine Reise nach Frankreich mit dem Fahrrad führt mich immer zunächst nach Amiens. Amiens ist an einem Freitagnachmittag von Düsseldorf aus mit dem Auto zu erreichen (per Bahn kommt man nicht gut von Deutschland nach Frankreich, wenn man ein Fahrrad dabei hat), und von Amiens aus kann es weitergehen, denn Amiens ist per Bahn an Paris angebunden, und von Paris aus kommt man per TGV auch mit Fahrrad eigentlich überall hin. Man kann aber auch prima direkt von Amiens aus losradeln.

Meine erste Begegnung mit Amiens an einem späteren Abend hat mich geflasht: Die Stadt hat einen ganz besonderen Charme mit ihrer großen Kathedrale, die die Stadt dominiert, den schönen Gebäuden, soweit sie nicht im Krieg weggebombt wurden, den vielen Studierenden. Es ist eine schöne und entspannte Stadt an der Somme, bei allen sozialen Problemen, die es auch in Amiens gibt. Die Stadt kenne ich inzwischen recht gut, auch ein paar Menschen dort, zum Beispiel Mohamad, der in Amiens ein Restaurant betreibt, das Bagdad – denn Mohamad kommt aus dem Irak. Dort kann ich hingehen, wenn ich in Amiens angekommen bin, und das ist dann ein schöner Reiseanfang.

Also ist Amiens mein Tor nach Frankreich, vertraut bevor es dann in neue Gegenden geht, und auf meinen Radtouren lernte ich dann die Hilfsbereitschaft der Menschen in Frankreich schätzen, die schon mal alles stehen und liegen lassen, wenn ich sie um Hilfe bitte (Schraube am Fahrrad weg, der gute Mann im Garten suchte, fand eine passende Schraube in seinem Keller und montierte sie an meinem Fahrrad) oder einfach ungefragt, wenn sie meinen, dass ich Hilfe brauchen könnte:

So hält oft ein Auto an, wenn ich erschöpft am Straßenrand stehe und man fragt, ob ich Hilfe bräuchte. „ Merci beaucoup, mais je n’ai pas besoin d’aide. Vous êtes très gentil ! “ was ich total lieb finde und mir die Sicherheit gibt, dass mir in Frankreich auch bei einem Unfall geholfen werden wird – es gibt allerdings in der Picardie auf den kleinen Straßen kaum Verkehr, was zum Fahrradfahren sehr angenehm ist.

Oder als ich in glühender Hitze im Schatten eines Hauses stand wurde mir spontan Wasser angeboten und ja, die Mutter säße im schattigen Garten, ob ich nicht auf einen Kaffee zu ihr in den Garten wolle? Wir haben uns dann so gut es ging unterhalten, und der Hund kam auch dazu. Es war fast ein bisschen schade, dass ich an dem Tag noch weitermusste. Dafür habe ich an dem Tag beschlossen, mein Französisch zu verbessern. Es geht in der Regel auch mit Englisch gut; die Franzosen sind da, so gut sie es können, entgegenkommend, aber Französisch ist natürlich besser.

Den französischen Humor und die Lebensfreude mag ich sehr und sie hilft schon mal, wenn meine eigene Lebensfreude aufgebraucht ist. Ein furchtbarer Fahrradtag endete in Angers an der Loire und dort in einem ziemlich schäbigen Hotel. Frustriert suchte ich ein Lokal für das Abendessen, zwei Türen weiter war eine hübsche Pizzeria. Ich fand ein Tischchen, die Bedienung brachte die Karte und meinte: “Unser Koch ist sehr langsam, wenn du bald eine Pizza haben möchtest, musst du ihm sagen, dass du großen Hunger hast. Und jetzt bekommst du erst einmal ein Glas Wein.“

Ich sagte dem Koch also das mit dem großen Hunger und die Pizza kam dann auch, vor allem aber bekam der Koch mit, dass ich Fahrrad fuhr„ J’ai une chanson pour toi ! “ Huch, fängt er jetzt an zu singen? Nein, ganz so kam es nicht, aber wir beiden saßen dann zusammen vor YouTube, hörten La bicyclette von Yves Montand und 20 andere Chansons, und der Lehrling musste Pizza backen – klappte semi-gut, und die Belegschaft war von unserer Chansonbegeisterung nur mäßig angetan, aber am Ende saßen die meisten dann neben uns vor dem Fernseher, und wir hatten viel Spaß. Ein erfreulicher Ausklang eines ansonsten unerfreulichen Tages.

Ich hatte noch viele andere schöne Begegnungen und könnte noch viel darüber schreiben, allerdings denke ich, dass diese Beispiele schon einen guten Eindruck vermitteln. Denn meine Erfahrungen mit den Menschen in Frankreich wollte ich gerne teilen; neben den Landschaften, Orten und Brücken sind diese der ganz wesentliche Grund für meine Frankreichbegeisterung.

Der Beitrag von Jürgen Focke ist ein Gastartikel einer kleinen Reihe, in der alle, die dazu Lust haben, ihre Verbundenheit zu Frankreich ausdrücken können. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken. Ihr wollt mitmachen? Dann denkt bitte daran: 

  • Keine PDFs.
  • Text: per Mail in Word oder Open Office. Bitte denkt daran, euch mit ein, zwei Sätzen persönlich vorzustellen.
  • Fotos: Bitte schickt nur eigene Bilder und jene möglichst im Querformat und immer in Originalgröße. Sendet sie gebündelt mit SwissTransfer (kostenlos & DSGVO-konform)  – oder EINZELN ! – per Mail. Bitte denkt an ein Foto von euch – als Beitragsbild muss dies ein Querformat sein.
  • Ganz wichtig: Euer Beitrag darf noch nicht woanders im Netz stehen. Dublicate content straft Google rigoros ab. Danke für euer Verständnis.
  • Vor der Veröffentlichung erhaltet ihr euren Beitrag zur Voransicht für etwaige Korrekturen oder Ergänzungen. Erst, wenn ihr zufrieden seid, plane ich ihn für eine Veröffentlichung ein. Merci !

Ich freue mich auf eure Beiträge! Alle bisherigen Artikel dieser Reihe findet ihr hier.