Mein Frankreich: Nathalie L. Brochard

Nathalie L. Brochard
Nathalie L. Brochard

„Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch? Celia Šašić hatte den Auftakt gemacht – seitdem haben viele an meiner ersten Blogpararade mitgemacht.

Diesmal stellt Nathalie L. Brochard, Inhaberin des EuroBiz Communication Institute, Lehrerin, Buchautorin und Fotografin, ihr Frankreich vor. Vielleicht kennen ja einige Nathalie schon: Sie hat 2016 gemeinsam mit Hervé Dieu die Fotoausstellung „Heimat / <i-mat>“ für das arabesques Festival 2016 gemacht habe. Ihre nächste Fotoausstellung wird sie in Toulouse beim Goethe-Institut im Januar 2017 zeigen.

Wie alles began…

Zuerst war mein Frankreich Sartrouville, eine Stadt mit 60.000 Einwohnern, 12 km westlich von Paris im Département Yvelines. Meine ersten Erinnerungen führen mich durch diese Stadt, den Wald von Maisons-Laffitte, den Park vom Versailler Schloss, den Zug zum Bahnhof St-Lazare, die Straßen von Paris, le jardin des Tuileries und den Meerblick von der Côte d ́Azur und der Bretagne.

Es sind auch Erinnerungen von mir barfuß mit meinem Indianerin-Kostüm, Cannes und Fréjus, von Familienfesten, wo wir bis Ende der Nacht getanzt haben, von Boules und Belote auf dem Campingplatz spielen, von Lachanfällen und Spielen mit meinen Kusinen im Garten meiner Großeltern, oder wie wir Himbeeren und Kirschen gepflückt und gegessen haben, manchmal bis wir krank waren, oder von tausend Büchern im Garten lesen.

Es sind Erinnerungen vom Essen: Ich rieche und schmecke noch den schwarzen Kaffee, das frische Baguette mit salziger Butter, den Schokoladenkuchen meiner bretonischen Urgroßmutter, die Crêpes von meiner bretonischen Großmutter, den Far (Auflaufkuchen mit Backpflaumen) von den anderen bretonischen Großmutter, die Mousse au chocolat meiner Mutter. Auch Erinnerungen von Gerüchen – Orangenblüte, Lavendel, Veilchen, Pastis und dem Duft der Gärtnerei meiner Urgroßeltern in Gagny – und von Gerüchten (Zikaden), die nur meinem Frankreich gehören.

Mit zehn Jahren musste ich Deutsch im Gymnasium lernen, obwohl mein Wunsch war, Englisch und Russisch zu lernen. Zu der Zeit sollten die guten Schüler Deutsch als erste Fremdsprache auswählen. So habe ich Deutsch, Englisch und Spanisch später gelernt. Ganz natürlich bin ich gleich nach dem Abitur ins Ausland gegangen: Ich war für ein Jahr in Hamburg und ein Jahr in den USA als Au-pair Mädchen.

Wenn man weit weg von seiner Heimat lebt, ist der Blick auf seinem Land anders. Man wird bewusst, was man mag und vermisst. Dennoch habe ich mich entschieden, gleich nach zwei Jahren Germanistik an der Universität Paris X (Nanterre) nach Hamburg zurückzukehren.

Mein Frankreich in Hamburg

Für viele Leute ist es kaum vorstellbar noch weniger nachvollziehbar, dass eine Französin sich entscheiden kann, weit von Frankreich zu leben. Erstens bin ich wohl kein typisches Beispiel… (Lachen). Ich mag verreisen, Fremdsprachen reden, neue Leute kennen lernen, neue Länder erkunden und fühle mich an erste Stelle Mensch des Universums.

Zweitens sind Frankreich und Deutschland für mich wie zwei Schwester, die sich mögen und manchmal streiten. Drittens bin ich von meiner Kindheit geprägt, ich trage alle Erinnerungen in meinem Herzen und in meiner Seele und finde immer Möglichkeiten, sie überall in der Welt zu beleben.

In Hamburg habe ich eine zweite Heimat gefunden. Auch wenn Frankreich dafür bekannt ist, das schöne Leben, das leckere Essen, den Weinen, die Gelassenheit anzubieten, habe ich hier in Hamburg mehrere Wege mein Frankreich zu zeigen und zu teilen: Als Französischlehrerin kann ich Französisch und mein Land vermitteln und den Leuten, die Lust geben nach Frankreich zu reisen, um mehr von der Sprache und der Kultur zu erfahren.

Als Buchautorin von Französisch für Dummies habe ich eine einfache Zusammenfassung der Sprache und der Sitten und Gebräuche konzipiert. Als Mitglied des arabesques e.V.-Vorstands kann ich ein Stück Frankreich nach Hamburg einladen. Seit 2012 sorgt das deutsch-französische Kulturfestival arabesques für französisches Flair fünf Wochen lang in Hamburg.

Als Fotografin bin ich auf der Suche der Ähnlichkeiten und der Unterschiede Deutschlands und Frankreichs, die ich dann in Fotoausstellungen weitergebe. Durch meine Bilder lade ich meine Mitmenschen auf eine Reise der Entdeckung anderer Kulturen und Landschaften ein  – online auf flenathalie.wix.com und www.flickr.com.

Im Januar 2017 werde ich meine nächste Fotoausstellung haben. Meine Fotoausstellung Heimat / <i-mat>, die ich zusammen mit Hervé Dieu für das arabesques Festival 2016 gemacht habe, wurde vom Goethe-Institut-Toulouse für die deutsch-französische Woche eingeladen. Für dieses Projekt haben wir deutsch-französische Paare fotografiert und sie gefragt „Was ist Heimat?“. Bei der Vernissage haben sie es dann unter dem Bild geschrieben.

Hamburg hat viel von meinem Frankreich…

Ich habe nah an der Seine gelebt, wo ich oft den Sonnenuntergang genossen habe, jetzt wohne ich an der Elbe. Das Wetter in Hamburg erinnert an die Bretagne. Hamburg bietet Kultur, alte Gebäude und Monumente wie in Paris. In Frankreich bin ich über das Wochenende in die Normandie gefahren: nichts Besseres als am Meer zu sein, Spaziergänge am Strand zu machen, und viel Mischmuschel zu essen. Jetzt fahre ich an die Ost- oder Nordsee.

In Paris war ich gerne im Jardin du Luxembourg, heute flaniere ich gerne in Planten un Blomen. Mit Europa, dem Euro, dem Internet und billigen Flugtickets habe ich den Eindruck, dass ich gar nicht so weit weg von meinem Frankreich lebe.

Vergangenheit und heute…

Mein Vater war Lehrer, wir sind fast den ganzen Sommer über am Mittelmeer gewesen: Cannes, Sète und Argelès-sur-Mer. Auf die Hin- und Rückfahrt sind wir mit dem Wohnwagen durch Frankreich gereist. Jeden Tag war ein Abenteuer, eine neue Entdeckung von wunderschönen Orten und Austauschen mit unseren Landsleuten. Da immer, wo wir uns wohl gefühlt haben, sind wir länger geblieben und das Jahr später zurückgekommen.

Mein Frankreich heute ist noch ein Synonym vom Urlaub. Vor allem bin ich gerne in Paris und in der Provence. In Paris für die Kultur: ins Kino gehen, flanieren in den kleinen Straßen des 5. und 6. Arrondissements und an die Seine entlang, einen Kaffee an der Place des Vosges trinken. In der Provence mag ich vor allem das Meer, die Sonne, die Wärme und schamanische Wanderungen mit meiner Trommel im Wald oder in den Bergen. Und natürlich Fotos machen: Ich gehe nie ohne meine Kamera raus!

Der Beitrag von Nathalie L. Brochard  ist der achte Gastartikel in einer kleinen Reihe, in der alle, die dazu Lust haben, ihre Verbundenheit zu Frankreich ausdrücken können. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken. Ich freue mich, wenn dieser Aufruf viele von euch zum Mitmachen inspiriert. Ob kurz oder lang, Prosa oder Lyrik, nur Fotos oder nur Text: Schickt mir eine Mail! Die Beiträge werden in loser Folge veröffentlicht

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