Meschers-sur-Gironde: tief in den Klippen
Meschers-sur-Gironde wirkt auf den ersten Blick klein und beschaulich. Doch hinter jedem Stein, in jeder Gasse, verbirgt sich eine überraschende Fülle an Geschichte in diesem ruhigen Küstenort hoch auf der Klippe.
Wie ein Aussichtsbalkon ragt Meschers-sur-Gironde über die Trichtermündung der Gironde. Weit schweift der Blick über den größten Ästuar Europas hinüber zum Médoc am Südufer, bleibt hängen am Tanz der Wolken, der hereinströmenden Flut, den Fischerbooten. Die Luft schmeckt nach Salz. Möwen gellen: Welch ein Panorama!
Am Fuße der Flussklippen erstrecken sich kleine, sandige Buchten wie die Conche des Cadets und intime, beliebte Badestrände wie Nonnes, Vergnes und Suzac. 25 Meter hoch ragen die Felswände auf. Sie bildeten einst den Meeresboden – denn der urzeitliche Ozean lag 200 Meter höher. Die verschiedenen Kalksteinschichten aus der Kreidezeit vor 65 bis 140 Millionen zeugen davon: fest an der Basis, weich und formbar an der Spitze. Wind, Wetter und die Gezeiten haben Hohlräume hineingewaschen.

Einfach paradiesisch, müssen sich die Menschen vor Urzeiten gedacht haben. Denn sie bauten Leitern und Treppenwege und höhlten die ursprünglich natürlichen Höhlen von Meschers-sur Gironde per Hand zu Höhlenwohnungen aus. Und genau dort, wo eine strahlend weiße Fischerhütte auf Stelzen im Flutsaum steht, könnt ihr heute eine solche Troglodyten-Behausung besichtigen und eintauchen in die Lebenswelt von damals.
15 Höhlen und Terrassen reihen sich in Meschers-sur-Gironde auf 300 Metern aneinander. Schon die Kelten nutzten die Grotten als Speicher. Zur Zeit der Religionskriege suchten Protestanten dort Zuflucht. Später versteckten sich hier Schmuggler, Piraten und Wrackräuber. Ganz raffiniert ging ein gewisser „Cadet“ vor. Er befestigte zwischen den Hörnern eines Widders, der das Ufer entlanglief, eine Laterne. Das falsche Signallicht leitete die Schiffe direkt auf die Riffe, wo sie Schiffbruch erlitten.


Richtige Wohnungen wurden die Grotten erst im 19. Jahrhundert. Dies macht den Besuch der Schauhöhle Régulus so charmant. Die Zimmer und Szenerie gleichen einem Besuch bei Uroma: mit Blümchengeschirr, Familienfotos und Möbeln, die vertraut wirken. Ihren Namen verdanken sie dem Kriegsschiff Le Régulus, das sein Kapitän im Jahr 1814 anzündete und versenkte, damit es nicht in die Hände der Engländer fiel. Als die Kanonen des brennenden Schiffs explodierten, flog eine Kanonenkugel sogar bis ins Dorf und riss ein Dach ab.

Crêperie, Hotel und Schaugrotte verbinden die Grottes du Matata in Meschers-sur-Gironde. Berühmt sind diese Höhlen vor allem für die Grotte des Amoureux und Verbindung zu Charlotte de La Trémoïlle ( (1568–1652), einer Adligen aus dem 16./17. Jahrhundert.
Der Legende nach floh Charlotte de La Trémoïlle, Prinzessin von Condé, in diese wilde Höhle, um ihre verbotene Liebe zu ihrem jungen Pagen Permilhac de Belcastel zu verbergen – denn sie war bereits mit war mit Henri de Bourbon-Condé verheiratet. Eine halb offene Geheimtür in der Felswand symbolisiert den Ort ihrer Treffen – ein romantisches Versteck mit atemberaubendem Blick auf die Gironde-Mündung.

Die Carrelets – Fischerhütten auf Stelzen
Am Fuße der Klippen säumen carrelets die Küste, Fischerhütten auf Holzpfählen. Vor ihnen hängt an einer langen Holzstange ein quadratisches Netz( carrelet ), das bei Flut ins Wasser gelassen und bei Ebbe hochgezogen wird, um Fische und Meeresfrüchte zu fangen.
Die Hütten dienen nicht nur der Fischerei, sondern auch als gemütliche Rückzugsorte mit Blick auf das Ästuar. Besonders malerisch wirken sie bei Sonnenuntergang, wenn sich ihr Spiegelbild im Wasser verfängt. An der Pointe de Meschers und entlang der Strände reihen sie sich wie Perlen an einer Kette – ein wunderschönes Fotomotiv!

Wer die Klippen gen Norden in Richtung Royan entlangwandert, wird mit spektakulären Ausblicken auf die Gironde-Mündung belohnt, in der sich das Versailles der Meere erhebt: der Phare de Cordouan. Der 68 Meter hohe Leuchtturm, 1584–1611 von Louis de Foix im Stil der Renaissance samt königlicher Loggia erbaut, gilt als ältester Meeresleuchtturm Frankreichs – und gehört seit 2021 zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Am Hafen von Meschers-sur-Gironde
Gemütlich und beschaulich wie das kleine Ortszentrum von Meschers-sur-Gironde, das dieÉglise Saint-Saturnin überragt, ist auch der kleine Hafen des Ortes, in dem heute Segeljachten und Kabinenkreuzer bis zu acht Metern Länge 234 Liegeplätze finden – 117 Liegeplätze im Schleusenhafen, 107 Trockenliegeplätze sowie zehn Liegeplätze am Kai des Kanals. Der Hafen unterliegt dem Einfluss der Tide, ist aber bei +3,50 m Pegel gut zugänglich bei einem Tiefgang bis 2,5 Metern. Achtet penibel auf die acht Meter breite Fahrrinne, um nicht auf den Sandbänken rechts vom Eingang des Fahrwassers aufzulaufen!

Drehscheibe der cabotage
Im Mittelalter war der Hafen ein wichtiger Umschlagplatz für den Export von Salz und Wein auf die Britischen Inseln. Im lokalen Küstentransport, dem sogenannten cabotage, transportieren Flusschiffe Getreide, Vieh, Wein, Eau-de-Vie und Holz aus der historischen Provinz Aunis – dem heutigen Département Charente-Maritime – flussabwärts nach Bordeaux. Auch Dachpfannen, Ziegel aus gebranntem Ton und Mehl, das von den sechs Windmühlen auf den Klippen von Meschers-sur-Gironde gemahlen wurde, gehörten zu den umgeschlagenen Gütern.
Im 17. Jahrhundert entwickelte sich der Hafen zu einem berüchtigten Piratennest. Immer wieder überfielen Freibeuter Schiffe in der Gironde-Mündung, bis 1617 mehrere von ihnen vom Vizeadmiral von Guyenne gefasst und hingerichtet wurden. Selbst spanische Piraten drangen 1620 bis vor Royan vor!
Zum Kabeljaufang nach Neufundland
Später starteten von hier die Fischer zum Kabeljaufang auf den Grand Banks von Neufundland. Nach der Aufhebung des Edikts von Nantes im Jahr 1685 spielte Meschers-sur-Gironde eine entscheidende Rolle als Fluchtweg für verfolgte Protestanten. Als Ende im 20. Jahrhundert die Logistik verstärkter auf Schiene und Straße setzte, wandelte sich der Hafen in den Jahren 1985-1990 zu einer Marina für Freizeitskipper an der Côte de Beauté.

Meschers-sur-Gironde: meine Reise-Tipps
Hinkommen
Schlemmen und genießen
Le Moussaillon
Topfrische Meeresküche und köstliche andere Speisen, dazu ein sehr netter Service und schöne Ausblicke auf die Masten und Hütten im Hafen – was braucht man mehr für eine Genusspause?
• 88, avenue du Port, 17132 Meschers-sur-Gironde, Tel. 05 46 02 70 38
Bikki Beach
Beliebte Tapas-Strandbar an der Plage des Nonnes.
• Plage des nonnes, 17132 Meschers-sur-Gironde,www.bikkibeach.fr
Hier könnt ihr schlafen
Camping à la plage
Der Name täuscht – der einfache Campingplatz befindet sich nicht direkt am Strand, sondern neben dem Wohnmobilstellplatz von Meschers-sur-Rhône auf der Klippe.
• 12, rue du Fief des Sables, 17132 Meschers-sur-Gironde
Noch mehr Betten*
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Alle Beiträge aus dem Département Charente-Maritime vereint diese Kategorie. Sämtliche Ziele und Themen, die ich in meinem Online-Magazin nach Départements und Regionen vorstelle, findet ihr zentral vereint auf dieser zoombaren Karte.
Im Buch
Hilke Maunder, Glücksorte in Südwestfrankreich*
Le bonheur heißt Glück auf Französisch, und das gibt es im Südwesten von Frankreich fast an jeder Ecke.
970 Kilometer lang präsentiert die Atlantikküste zwischen La Rochelle und Spanien ihre atemberaubende Natur mit Dünen, Kliffs und Küstenflüssen wie der verwunschen wilde Courant d’Huchet, die die Badeseen in den Kiefernwäldern der Forêt des Landes mit der Brandung am Atlantik verbinden.
Le bonheur serviert der Südwesten Frankreichs auch ganz weit oben – vom Leuchtturm Phare de la Coubre wie in den höchsten Bergregionen der Pyrenäen, wo der Petit Train d’Artouste in offenen Waggons auf 2000 Meter Höhe durch eine erstaunliche Bergwelt rattert. Le bonheur findet ihr auch in der cusine du terroir. Kostet das Land – und erlebt den Südwesten Frankreichs mit meinen 80 Tipps für alle Sinne! Hier* gibt es die Glückstipps!
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