Golfe du Morbihan: steinerne Zeugnisse einer versunkenen Kultur

Meine Freundin Barbara Kettl-Römer hat mit ihrer Familie wunderschöne Ferientage am Golfe du Morbihan im Süden der Bretagne verbracht. Merci für diesen Gastbeitrag, Barbara!

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Der Golfe du Morbihan im Süden der Bretagne ist landschaftlich reizvoll und ein Paradies für Wassersportler, Wanderer und Vogelkundler. Er war offensichtlich schon vor Jahrtausenden attraktiv für die Menschen der Steinzeit, die sich nach und nach vom nomadischen auf das sesshafte Leben umstellten. Sie haben uns so beeindruckende wie rätselhafte Zeichen ihrer Kultur hinterlassen: Steine. Und zwar ziemlich große Steine. Weil das auf Griechisch noch besser klingt, nennt man sie Megalithen.

Mekka der Megalithkultur

Ab etwa 5.000 vor Christus wurden sie einzeln, in Kreisen oder Halbkreisen oder auch in Reihen – den so genannten Alignements – aufgerichtet. In Frankreich am bekanntesten sind die Alignements bei Carnac.

Etwa 3.000 Steine wurden dort in Reihen aufgestellt. Auch wenn heute viele davon fehlen, weil die Bauern der anliegenden Dörfer sie als Baumaterial benutzten oder weil sie im Zuge eines Straßenbaus einfach entfernt wurden, bieten sie noch einen staunenswerten Anblick. Warum die Alignements errichtet wurden, weiß man nicht. Es scheint aber gesichert zu sein, dass sie nicht als Begräbnisstätten dienen.

Gräber haben die Steinzeitmenschen mit Vorliebe auf Hügeln gebaut. Praktisch auf jeder Erhebung rund um den Golfe du Morbihan findet sich ein Tumulus oder ein Dolmen. Der Dolmen ist die eigentliche Grabkammer, die aus mehreren großen Randsteinen und einer Deckplatte besteht. Dieser hier befindet sich auf der Île-aux-Moînes.

Diese Kammer wurde mit Erde zu einem Grabhügel aufgeschüttet, dem Tumulus. Heute sind die Hügel oft abgetragen, nur der Dolmen ist übrig. Daneben gab es noch Gräber, die über einen Gang zugänglich waren und mit Steinen ummantelt wurden. Sie heißen Cairn. Sie dienten als Begräbnisstätte für ganze Sippen und wurden teilweise über mehrere Generationen hinweg genutzt.

 

Einer der bekanntesten Cairns befindet sich auf einer weiteren Insel im Golfe, auf der Île Gavrinis. Er stammt aus der Jungsteinzeit und wurde etwa um 3.500 vor Christus errichtet. Der Cairn de Gavrinis ist nicht nur wegen seiner Größe außergewöhnlich, sondern auch, weil die Steine von Gang und Kammer alle mit Ritzungen verziert sind.

Auch wenn wir die Bedeutung der Linien und Symbole nicht verstehen, sind sie künstlerisch sehr ansprechend. Man kann mit einem Boot vom kleinen Hafen L’Armor-Baden aus hinfahren und den Cairn mit einer Führung – die es allerdings nur auf Französisch gibt – besichtigen. Da diese Tour nur zweimal täglich angeboten wird, ist eine Reservierung empfehlenswert.

Auf der Rückfahrt von der Île Gavrinis sieht man auf der benachbarten winzigen Insel Er Lannic noch zwei hufeisenförmige Steinkreise, von denen einer größtenteils im Wasser versunken ist. Da man dort Werkzeuge und Schmuck gefunden hat, geht man davon aus, dass sie kultischen Zwecken dienten.

Der Golfe du Morbihan war in prähistorischer Zeit gar kein Golf, sondern eine Hügellandschaft, durch die drei Flüsse verliefen, die schließlich ins Meer mündeten. Die Menschen lebten damals in den Flussauen und bauten nur ihre Begräbnisstätten auf den Hügeln. Heute sind die Hügel Inseln, und viele archäologische Zeugnisse liegen nun auf dem Meeresgrund. Das ist wissenschaftlich vermutlich bedauerlich, aber dafür wunderschön.

Wer sich für Megalithen interessiert, sollte übrigens unbedingt das Musée de la Préhistoire in Carnac besuchen. Dort werden die Funde aus der Umgebung ausgestellt und viele Hintergrundinformationen über die Megalithkultur anschaulich präsentiert. Führungen gibt es nur auf Französisch, aber es gibt sehr gutes Informationsmaterial auf Deutsch, mit dem man seinen eigenen Rundgang machen kann.

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2 Kommentare

  1. Liebe Barbara,
    meinen Dank zurück! Dein Blogbeitrag zu Morbihan ist wundervoll – und ich freue mich, wenn Du mal wieder Lust haben solltest, für meinen Blog einen Gastbeitrag zu verfassen. Es gibt noch so viele schöne Ecken im Hexagon! Besonders das Landesinnere wird leider immer wieder viel zu wenig besucht – und dabei lebt gerade südlich der Loire das Bilderbuchfrankreich ganz beschaulich und charmant.
    Merci nochmals! Herzlich, Hilke

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  1. - Barbara Kettl-Römer

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