Morbihan: Auf den Spuren der Vorzeit

Menhire in Carnac. Foto: Michel Angot / MDLF
Menhire in Carnac. Foto: Michel Angot / MDLF

Die Mysterien der Megalithkultur lassen sich im Süden der Bretagne auf Schritt und Tritt entdecken. Rätselhafte Riesensteine, die in Carnac kilometerlang in Reih und Glied stehen, und imposante Langgräber belegen, dass das Département Morbihan seit der Vorzeit ein äußerst angenehmer Platz zum Leben und Genießen ist.

Und das bis heute! Beim Baden an den Sandstränden von La Baule, einem Bummel durch malerische Orte wie Vannes oder Guérande, Spaziergängen auf den Spuren der Schauspielerin Sarah Bernhardt – oder Austern schlürfen an der Route de l’Huitre.

Savoir-vivre am kleinen Meer

Nirgendwo gibt es mehr Zeugnisse der Megalithzeit als zwischen der Ria d’Etel und dem Golfe du Morbihan. Die amphibische Landschaft, in dem Land und Meer tief ineinander greifen und vom Rhythmus der Gezeiten leben, hat schon die Menschen der Vorzeit mit allem versorgt, was sie brauchten: fruchtbare Äcker, Fisch und Fleisch.

Zwei Mal pro Tag dringt der Atlantik tief in die beiden Mini-Meere ein, bringt frisches Plankton zu den Austernbänken und reichert die flachen Fluten mit neuem Sauerstoff an.

Dort, wo größere Zuflüsse Sand und Schlick fortspülen und selbst bei Niedrigwasser für Tiefe sorgen, säumen kleine Häfen die zerklüfteten Buchten. Immer wieder ragen Inseln und Felsen aus den beiden Binnenmeeren auf.

Für jeden Tag eine Insel

365 Eilande sollen es im Golf von Morbihan sein – für jeden Tag eine, erzählt eine Legende. Tatsächlich sind es 40. 30 sind bewohnt, zwei davon Privatbesitz.

In dieser reich gesegneten Erde liegt das berühmteste Mekka der Megalithkultur: Carnac. Zu Tausenden ragen Hinkelsteine inmitten von Heideflächen und Wiesen auf: riesige, von Menschenhand errichtete Steindenkmäler. Die Steinreihen nördlich der Stadt sind älter als die Pyramiden – und damit die älteste monumentale Stein-Architektur der Menschheit.

Bereits die Griechen bestaunten diese Zeugnisse der Vorzeit – und gaben der Epoche ihren Namen: Megalithzeit (mega lith – großer Stein). Einzeln stehende Steine heißen Menhir (bret. Men hir = langer Stein), flache liegende Steintische hingegen Dolmen (bret. Taol = Tisch, Men = Stein). Werden Menhire im Kreis oder Halbkreis angeordnet, entsteht ein Cromlec’h; in Linien aufgereiht bilden sie ein Alignement.

Carnac: Vorzeit in XXL

Seit 2003 werden die Megalithfelder von Carnac ›passiv‹ saniert: Von Oktober bis März besteht freier Zutritt zu den besterhaltenen Bereichen. Von April bis September könnt ihr die Steine nur bei Führungen auf den Fuß- und Fahrradwegen entdecken.

Faszinierende Steinsetzungen

Spektakulärste Steinsetzung ist das Alignements du Ménec mit 1099 Menhiren in elf Reihen auf einer mehr als einen Kilometer langen, aber nur 100 m breiten Wiese. Nahezu gleich groß ist das Alignements de Kermario mit 1029 recht großen Steinblöcken in zehn Reihen.

Das östliche Alignements de Kerlescan ist das kleinste, aber besterhaltene Hinkelsteinfeld. Auf einen Cromlec’h aus 39 Blöcken folgen 540 Menhire in 13 Reihen auf einer Strecke von 880 Metern.Die unterschiedlichen Anordnungen der Riesensteine geben bis heute Rätsel auf. Waren sie Kultstätten? Opfersteine? Observatorien?

Die Toten der Steinzeit

Einzig bei Dolmen sind sich die Forscher über die Funktion einig: Sie dienten als Gräber. Erbaut aus senkrecht stehenden Tragsteinen, die einen Deckstein stützen, wurden die jungsteinzeitliche Grabanlagen meist mit einem künstlichen Hügel zugedeckt – entweder aus Erde und Sand (Tumulus) oder aus Bruchsteinen (Cairn).

Größer als ein einfacher Dolmen war das Ganggrab (Dolmen à couloir). Wie imposant solche Anlagen einst waren, zeigt sich ebenfalls in Carnac: Mitten in der Stadt erhebt sich der größte Grabhügel des Kontinents – der Tumulus Saint-Michel. 125 m lang, 60 m breit, 12 m hoch, wurde er um 4500 v. Chr. als Sammelgrab für ein Fürstengeschlecht errichtet.

Menhir der Superlative

Eine beliebte Begräbnisstätte jungsteinzeitlicher Sippenchefs war auch das Städtchen Locmariaquer an der Pointe de Kerpenhir.

Neben dem gewaltige Grab Table des Marchands liegt der größte und schwerste aller Menhire: der Menhir Brisé – ein 20 Meter langer und 350 schwerer Koloss aus Stein. Im Mittelalter verdammte die Kurie die vorzeitlichen Riesensteine als Teufelswerk – und ging beherzt daran, die heidnischen Kolosse mit Kreuzen und Gravuren zu christianisieren.

Meine Reisetipps

Ansehen

Musée de Préhistoire James Miln-Zacharie Le Rouzic

Ein Muss für alle, die sich für die  Megalithkultur interessieren!
• 10, place de la Chapelle, www.museedecarnac.com

Musée d’Histoire et d’Archéologie de Vannes

Im Château Gaillard von Vannes zu entdecken: Schmuck aus der Steinzeit  und viele andere Zeugnisse aus der Vorzeit.
• 2, rue Noé, Tel. 02 97 01 63 00, www.mairie-vannes.fr/vannesloisirs/musees/musee-dhistoire-et-darcheologie

Vannes: Blick von der Tour de Connétabel auf die Ville Close mit Wehrmauer und Stadtkirche. Foto: Hilke Maunder
Blick von der Tour de Connétable auf die ville close mit Wehrmauer und Stadtkirche. Foto: Hilke Maunder

Schlummern und schlemmen

La Fontaine du Hallate

Als erster Campingplatz Europas wurde die Anlage  bei Vannes 2013 mit dem green globe für besondere Nachhaltigkeit ausgezeichnet, https://camping-morbihan.bzh/fr/

Die hohe Schule köstlicher Desserts

Alain Chartier, Eisdessert-Weltmeister und als „Meilleur Ouvrier de France“ einer der besten Gastronomen Frankreichs, verrät in seiner „École des Desserts“, wie süße Köstlichkeiten kinderleicht gelingen. Im Kurs „Schätze der Bretagne” werden Kouign Amann, bretonische Mürbteigplätzchen und Galettes Bretonnes gebacken!
• 4, rue Ampère, ZA Saint Léonard, 56450 Theix, Tel. 02 97 43 27 37, www.alainchartier.fr

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Weiterlesen

Im Blog

Noch mehr Tipps für die südliche Bretagne hat das Vielweib Tanja Neumann hier vorgestellt.

Vannes feiert alljährlich ein tolles Foto-Festival. Mehr Infos dazu gibt es hier.

Guérande und die stille Prozession von Fedorenko sind hier im Blog vorgestellt.

Guérande und die stille Prozession von Fedorenko. Foto: Hilke Maunder
Guérande und die stille Prozession von Fedorenko. Foto: Hilke Maunder

Im Buch

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

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