Die Fayencen von Moustiers-Sainte-Marie

Gorges du Verdon/Moustiers-Ste-Marie: Aufstieg zur Wallfahrtskapelle Notre-Dame-de-Beauvoir. Blick auf die Dächer der Altstadt. Foto: Hilke Maunder
Moustiers-Ste-Marie: Beim Aufstieg zur Wallfahrtskapelle Notre-Dame-de-Beauvoir eröffnen sich tolle Ausblicke auf die Dächer der Altstadt. Foto: Hilke Maunder

Kommt im Herbst, wenn die Autobusse nicht mehr morgens um zehn in das provenzalische Bergnest einfallen und ihre Massen an Touristen, die schnurstracks in die vielen Fayencen-Läden strömen. Oder vor Ostern, wenn noch der letzte Hauch des Winters sich an den Kalksteinspitzen festkrallt, Moustiers-Sainte-Marie aber schon in der Sonne des Südens badet.

An diesem Morgen ist der Himmel blau, so blau, als hätte ihn Cézanne soeben frisch gemalt: monochrom, tief und klar. Seit Tagen bläst der Mistral, zerzaust die Platanen, rüttelt an den Fensterläden. Dann steigt die Sonne auf, wärmt den blank gefegten Himmel. Auf dem Platz erscheinen die ersten Boulespieler, und Madame schließt die Tische und Stühle vor dem Caféraum ihrer Auberge Le Relais auf. „Un petit noir?“ Eng an den Platz gedrängt an den Platz, genieße ich ihn dort, wo schon Picasso dinierte und logierte.

Hochburg des Fayencen-Handwerks

Langsam erwacht Moustiers-Sainte-Marie, und ich habe noch genug Zeit, den Charme des malerischen Städtchens zu erkunden, das Picasso liebte, bevor gegen elf Uhr die Tagestouristen eintreffen: Moustiers gilt in Frankreich mit seinen 14 Werkstätten als Hauptstadt des provenzalischen Fayence-Handwerks. Den ganzen Tag über halten die Ausflugsbusse vor den Ateliers von Aulagnet-Baratta, Bondil und Mufraggi. Fayencen aus Steingut, die im 17. und 18. Jahrhunderts Moustiers Ruf begründeten, gibt es jedoch nicht hier, sondern in Marseille – das dortige Musée des Arts Décoratif besitzt eine wunderschöne Sammlung, aus der meine Beispiele stammen.

Ich flüchte vor dem Gedränge und steige auf einer Natursteintreppe zu einer kleinen Chapelle Notre-Dame de Beauvoir empor, die sich vor einer Felswand hinter hohen Zypressen versteckt. Einzig das Zirpen der Zikaden unterbricht die Stille. Gegen 17 Uhr verlassen die Ausflugsbusse den Bergort. Die Fayencen-Läden jedoch schließen erst um 19 Uhr – jetzt bleibt genug Zeit zum Stöbern. Und dem Wasserspiel der vielen Brunnen zu lauschen, die im Stimmengewirr des Tages nicht mehr zu hören waren…

Moustiers-Sainte-Marie: meine Reisetipps

Schlafen

Hôtel-Restaurant Le Relais*

Die Zimmer sind klein und verwinkelt, Küche und Café urfranzösisch, und Madame ist eine Fundgrube für Tipps und Entdeckungen: Die traditionsreiche Auberge macht alles, was ihr vielleicht als negativ empfinden könnten – kaum Parkplätze oder recht kleine Komfort-Zimmer – mit Charme, guter Küche und Herzlichkeit wett. Und dass ein Bach gleich neben unserem Zimmer plätscherte, gefiel besonders meiner Tochter ungemein.
• 04360 Moustiers-Sainte-Marie, Tel. 04 92 74 66 10, www.lerelais-moustiers.com

Schlemmen

Ferme Sainte-Cécilie

Küchenchef Patrick Crespin ist ein wahrer Künstler, seine Frau Catherine eine charmante wie kenntnisreiche Gastgeberin, die Terrasse eine wahre Oase zum Abschalten und Genießen.
• Route des Gorges du Verdon, 04360 Moustiers-Sainte-Marie, Tel. 04 92 74 64 18,  www.ferme-ste-cecile.com

La Bastide de Moustiers

Die Terrasse ist traumhaft, die von Alain Ducasse kreierte Küche einfach köstlich. Wer sie genießen will, muss eine Reservierung vorweisen können – und wird dann mit 5-Sterne-Service verwöhnt.
• Chemin de Quinson, 04360 Moustiers-Sainte-Marie, Tel. 04 92 70 47 47, www.bastide-moustiers.com

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DuMont Bildatlas „Provence“

Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Provence

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Hilke Maunder: Provence – das Licht des Südens. Ostfildern: DuMont Reiseverlag 2018. ISBN 978-3770193943.

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