Narbo Via – Narbonnes neues Museum zur Antike

Das geplante Antikenmuseum Narbovia von Narbonne
Das geplante Antikenmuseum Narbovia von Narbonne

Erste römische Kolonie in Gallien, Hauptstadt der Provinz Gallia Narbonensis: In Narbonne schlug das Herz Roms in Frankreich. Schaufenster seines unglaublich reichen geschichtlichen Erbes wird ein neues Museum, das Lord Norman Foster entworfen hat: das Musée Régional de la Narbonne Antique.  

Bis Januar 2018 hieß es MuRéNA. Bei einem Baustellenbesuch benannte es Carola Delga, Präsidentin der Region Occitanie, offiziell um: Narbo Via ist nun der neue Name, mit dem alles besser und schneller werden soll. Denn die Eröffnung, ursprünglich für 2016 geplant, soll nun 2020 erfolgen.

Narbonne: Das Lapidarium inszeniert die römischen Büsten und Statuen regelmäßig mit einem Ton-Licht-Spektakel. Foto: Hilke Maunder

Narbo Via: Megamuseum zur Antike

Das neue Museum will zentral am Ufer des Canal de la Robine die Schätze vereinen, die derzeit im Musée archéologique und im Musée lapidaire ausgestellt sind oder im Fundus der Stadtarchive lagern. Mehr als 15.000 Exponate umfasst der Fundus. Er bildet die gesamte Vielfalt des städtischen Lebens in der Antike ab. Skulpturen, Mosaiken, Wandbilder, Vasen und Keramiken, Alltagsgegenstände, Handwerksgeräte und Gegenstände, die im Handel Verwendung fanden, sind dort erhalten.

Der alte Name des Mega-Museums war ein Akronym. MuRéNa verwies gleich doppelt auf die Antike. Zum einen auf die Familie von Lucius Murena, die im 1. Jahrhundert vor Christus in einem Gerichtsverfahren von Cicero verteidigt wurde, zum anderen auf einen Fisch (la murène), die die Römer einst in Narbonne in Becken züchteten, wie Fundstücke aus dem Hafen belegen.

Narbonne: Überrest der Via Domitia. Foto: Hilke Maunder

Narbo Via entstand aus dem Ortsnamen Narbonne und dem lateinischen Begriff für Weg. Damit verweist der Kunstname auf die Via Domitia. Die alte Handelsstraße der Römer führt mitten durch die Stadt. Per Zufall wurden bei Bauarbeiten Reste freigelegt, die ihr heute bewundern könnt.

Narbo Via: ein Werk von Lord Norman Foster

Realisiert wird das Projekt vom Gewinner des Architekturwettbewerbes, Foster + Partners. Projektpartner sind Studio Adrien Gardère (Museumsdesign), OGER International (technisches Studien), Gardiner & Theobald (Wirtschaftlichkeitsstudie), Urbalab (Landschaftsplanung) und Georges Sexton (Beleuchtung).

Als schlichtes 97 Meter langes, 85 Meter breites und acht Meter hohes Rechteck mit hellem Flachdach erstreckt sich das Museum ebenerdig auf einem erhöhten Plateau. Für das Museum stelte die Stadt Narbonne am östlichen Stadtrand in der Nähe von Stadion und Theater am Ufer des Canal de la Robine ein drei Hektar großes Grundstück zur Verfügung.

8000 Quadratmeter groß wird der Museumsbau. Für die Dauerausstellung sind 2.700m Quadratmeter, für Sonderschauen 500 Quadratmeter vorgesehen, weitere 3.000 Quadratmeter sind für die Restaurierungswerkstätten und den Fundus vorgesehen. Hinzu kommen Büros und Verwaltungsräume.

Narbo Via will 2020 eröffnen

Die Investitionskosten von rund 44 Millionen Euro werden komplett von der Region Languedoc-Roussillon getragen. Die Eröffnung indes schiebt sich immer weiter hinaus. März 2016, dann 2018, 2019… Nun soll es als Narbo Via 2020 die Tore öffnen.

Die Verzögerung hat vielerlei Ursache. Eine davon: Der Baugrund bereitet Probleme. Der Untergrund am Kanal ist weicher als erwartet. Für nicht eingeplante Mehrkosten von fast zwei Millionen Euro wurde er inzwischen befestigt. 

Okzitanien inszeniert seine Antike 

Die Entdeckung der antiken Geschichte von Languedoc-Roussillon lässt sich der Conseil Général einiges kosten. 2012 fanden in der Region 200 Ausgrabungen statt, 30 davon im Zuge von Bauprojekten. 15 archäologische Projekte unterstützte die Region im gleichen Zeitraum mit rund 350.000 Euro.

Neben Narbonne profitiert vor allem Nîmes von finanzieller Unterstützung für das antike Erbe. 600.000 Euro gab die Region zur Restaurierung des Amphitheaters, des Maison Carrée und des Centre d’interprétation de l’architecture et du patrimoine. Weitere zehn Millionen Euro Zuschuss erhielt das Musée de la Romanité von Nîmes, das am 2. Juni 2018 eröffnete – drei Monate eher als geplant.

Das antike Lattera, dessen Funde das Musée Henri-Prades in Lattes zeigt, wurde mit 800.000 Euro unterstützt. Große Pläne werden auch für das Ausgrabungsgelände von Javols-Anderitum gehegt. Die einstige Hauptstadt von Gébaudan auf dem Gebiet des heutigen Départements Lozère war im  1. und 2. Jahrhundert nach Christus ein wichtiges Handelszentrum mit blühender Kultur.

Visulisationen: © CR Languedoc-Roussillon, Fotos: © Hilke Maunder

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