NarboVia – die Antike lebt in Narbonne

NarboVia: das neue Antikenmuseum von Narbonne. Foto: Hilke Maunder
Das Antikenmuseum NarboVia in Narbonne. Foto: Hilke Maunder

Erste römische Kolonie in Gallien, Hauptstadt der Provinz Gallia Narbonensis: In Narbonne schlug das Herz Roms in Frankreich. Schaufenster seines unglaublich reichen geschichtlichen Erbes ist ein neues Museum, das Lord Norman Foster entworfen hat: das Musée NarboVia.

Narbonne: Das Lapidarium inszeniert die römischen Büsten und Statuen mit einem Ton-Licht-Spektakel. Foto: Hilke Maunder
Narbonne: Das Lapidarium inszeniert die römischen Büsten und Statuen regelmäßig mit einem Ton-Licht-Spektakel. Foto: Hilke Maunder

NarboVia: Megamuseum zur Antike

Das neue Museum vereint am Ufer des Canal de la Robine die Schätze, die zuvor im Musée archéologique und im Musée lapidaire ausgestellt waren oder im Fundus der Stadtarchive lagerten. Mehr als 15.000 Exponate umfasst der Fundus.

Er bildet die gesamte Vielfalt des städtischen Lebens in der Antike ab. Skulpturen, Mosaiken, Wandbilder, Vasen und Keramiken, Alltagsgegenstände, Handwerksgeräte und Gegenstände, die im Handel Verwendung fanden, sind dort erhalten.

Narbonne: Überrest der Via Domitia. Foto: Hilke Maunder
Narbonne: Überrest der Via Domitia. Foto: Hilke Maunder

Der Namen des neuen Museums, das während der Projektplanung noch MuReNa geheißen hatte, entstand aus dem  aus dem Ortsnamen Narbonne und dem lateinischen Begriff für Weg: NarboVia. So verweist der Kunstname auf die Via Domitia.

Die alte Handelsstraße der Römer führt mitten durch die Stadt. Per Zufall wurden bei Bauarbeiten Reste freigelegt, die ihr heute bewundern könnt.

NarboVia: ein Werk von Lord Norman Foster

Realisiert wurde das Projekt vom Gewinner des Architekturwettbewerbes, Foster + Partners. Projektpartner waren Studio Adrien Gardère (Museumsdesign), OGER International (technisches Studien), Gardiner & Theobald (Wirtschaftlichkeitsstudie), Urbalab (Landschaftsplanung) und Georges Sexton (Beleuchtung).

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Als schlichtes 97 Meter langes, 85 Meter breites und acht Meter hohes Rechteck mit hellem Flachdach erstreckt sich das Museum ebenerdig auf einem erhöhten Plateau.

Für das Museum stelte die Stadt Narbonne am östlichen Stadtrand in der Nähe von Stadion und Theater am Ufer des Canal de la Robine ein drei Hektar großes Grundstück zur Verfügung.

8000 Quadratmeter groß ist der Museumsbau. Für die Dauerausstellung sind 2.700m Quadratmeter, für Sonderschauen 500 Quadratmeter vorgesehen, weitere 3.000 Quadratmeter sind für die Restaurierungswerkstätten und den Fundus vorgesehen. Hinzu kommen Büros und Verwaltungsräume.

Der lange Weg zur Eröffnung

Die Investitionskosten von rund 44 Millionen Euro werden komplett von der Region Languedoc-Roussillon getragen. Die Eröffnung indes schiebt sich immer weiter hinaus. März 2016, dann 2018, 2019, 2020.

Die Verzögerung hat vielerlei Ursachen. Eine davon: Der Baugrund bereitet Probleme. Der Untergrund am Kanal ist weicher als erwartet. Für nicht eingeplante Mehrkosten von fast zwei Millionen Euro wurde er inzwischen befestigt. 

Dann kam die Corona-Pandemie. 2021 war das Museum fertig gebaut und eingerichtet, bereit für die Eröffnung am 12. Februar. Doch dann kam die hochgefährliche Virus-Variation B 117….

Römische Antike mal drei

In Narbonne könnt ihr die römische Antike an drei Standorten entdecken. Neben dem Museum NarboVia könnt ihr auch das einstige unterirdische Warenlager der Römer besichtigen in Narbonne, das Horreum. Etwas außerhalb findet ihr Amphoralis, das Museum zur römischen Töpfer- und Keramikkunst von Sallèles d’Aude.

Okzitanien inszeniert seine Antike 

Die Entdeckung der antiken Geschichte lässt sich der Conseil Général von Okzitanien einiges kosten. 2012 fanden in der Region 200 Ausgrabungen statt, 30 davon im Zuge von Bauprojekten. 15 archäologische Projekte unterstützte die Region im gleichen Zeitraum mit rund 350.000 Euro.

Neben Narbonne profitiert vor allem Nîmes von finanzieller Unterstützung für das antike Erbe. 600.000 Euro gab die Region zur Restaurierung des Amphitheaters, des Maison Carrée und des Centre d’interprétation de l’architecture et du patrimoine. 

Nîmes: Musée de la Romantité. Foto: Hilke Maunder
Das Musée de la Romantité von Nîmes. Foto: Hilke Maunder

Weitere zehn Millionen Euro Zuschuss erhielt das Musée de la Romanité von Nîmes, das am 2. Juni 2018 eröffnete – drei Monate eher als geplant.

Das antike Lattera, dessen Funde das Musée Henri-Prades in Lattes zeigt, wurde mit 800.000 Euro unterstützt.

Große Pläne hegt Okzitanien auch für das Ausgrabungsgelände von Javols-Anderitum. Die einstige Hauptstadt von Gébaudan auf dem Gebiet des heutigen Départements Lozère war im  1. und 2. Jahrhundert nach Christus ein wichtiges Handelszentrum mit blühender Kultur.

Visualisierungen: © CR Languedoc-Roussillon, Fotos: © Hilke Maunder

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