Pissarro und die Häfen der Normandie

Camille PISSARRO (1831-1903), Quai de la Bourse, Rouen, Sunset, 1898, oil on canvas. © Collection Linda Gale Sampson
Camille PISSARRO (1831-1903), Quai de la Bourse, Rouen, Sunset, 1898, oil on canvas. © Collection Linda Gale Sampson

Häfen! Das war vor einem guten Jahrhundert das Sujet, das die Künstler faszinierte.  Ausgelöst vom Werk Impression soleil levant auf dem Claude Monet den morgendlichen Frühnebel im Seinehafen von Le Havre dargestellt hat, wählten auch die Maler die Industrialisierung der Häfen ab 1874 zum Sujet.

Besonders intensiv setzte sich Camille Pissarro mit dem Thema auseinander. 20 Jahre lang – von 1883 bis 1903 – hat er in den drei normannischen Häfen Rouen, Dieppe und Le Havre den Wandel der Hafenaktivitäten festgehalten.

Mit flotten Pinselstrich hielt er die Industrialisierung, die im Hafen arbeitenden Menschen und die Häfen im Wandel des Lichts und der Jahreszeiten in Öl auf Leinwand fest.

Camille PISSARRO (1831-1903), The Seine at Rouen, Saint-Sever, 1896, oil on canvas. Paris, musée d’Orsay. © RMN-Grand Palais / Hervé Lewandowski
Camille PISSARRO (1831-1903), die Seine bei Rouen, Saint-Sever, 1896, Öl auf Leinwand. Paris, musée d’Orsay. © RMN-Grand Palais / Hervé Lewandowski

Pissarro in Rouen

Den Auftakt seiner Hafenserie bilden die Werke aus Rouen. 1883 malte er dort die ersten Bilder. Drei Mal kehrte zum Seinehafen zurück – 1896 zwei Mal, 1898 ein Mal. Die Holzverladung am Kai war ebenso Thema wie das Gewimmel von Menschen, alte Lastsegler und moderne Dampfschiffe.

Camille PISSARRO (1831-1903), Inner Harbour, Dieppe, Grey Weather, Rain, 1902, oil on canvas. © Worcester Art Museum, Stoddard Acquisition Fund in memory of Mr and Mrs Robert W. Stoddard
Camille PISSARRO (1831-1903), der innere Hafen von, Dieppe, 1902, Öl auf Lein. © Worcester Art Museum, Stoddard Acquisition Fund in memory of Mr and Mrs Robert W. Stoddard

Pissarro in Dieppe

Auf der Suche nach einem neuen Standort kam er 1901 nach Dieppe, wo er bis 1902 das Hafengeschehen immer wieder neu interpretierte. 1821 hatte ein britischer Maler bereits den See- und Fährhafen als Motiv entdeckt und in auf Zeichnungen und Aquarellen festgehalten: William Turner.

Camille PISSARRO (1831-1903), The Pilots' Jetty at Le Havre, 1903, oil on canvas, 54.5 x 65 cm. © MuMa Le Havre / David Fogel
Camille PISSARRO (1831-1903), Der Lotsenanleger von Le Havre, 1903, oÖl auf Leinwand, 54.5 x 65 cm. © MuMa Le Havre / David Fogel

Pissarro in Le Havre

1903 überzeuge ein Sammler aus Le Havre, Pieter Van der Velde, Camille Pissarro, sich in Le Havre niederzulassen. Die 24 Gemälde der Hafenserie aus Le Havre malte Camille Pissarro von den Fenstern des Hôtel Continental aus, wo der Künstler seit Juli 1903 logierte.

In seinem Zimmer an der Place Dauphine auf der Pariser Île de la Cité verstarb der Maler am 12. November 1903. Mit den Hafenbilder des Spätwerks kehrte Pissarro an die Anfänge seiner Kunst zurück: Während sein Vater ihn in das Geschäft der Familie einführen wollte, hatte Pissarro bereits als junger Mann 1847 jede Minute am Hafen verbracht und dort gezeichnet und gemalt.

Auch Eugène Boudin und Maxime Maufra wählten die normannischen Häfen als Sujet ihrer Werke im Stil der Impressionisten. Jüngere Künstlerkollegen wie Raoul Dufy, Othon Friesz und Albert Marquet entwickelten die Hafen-Themen und Motive in ihrem Stil weiterentwickelten. 1906 malte Dufy seine ersten Werke in Le Havre im Stil der Fauves.

Eugène BOUDIN (1824-1898), Le Havre, Bassin de l’Eure, 1885, oil on canvas. Évreux, musée d’art, histoire et archéologie. © RMN-Grand Palais / Agence Bulloz
Eugène BOUDIN (1824-1898), Le Havre, Bassin de l’Eure, 1885, Öl auf Leinwand. Évreux, musée d’art, histoire et archéologie. © RMN-Grand Palais / Agence Bulloz

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