entdeckt nouvelle-calédonie!
Neukaledonien – oder Nouvelle-Calédonie, wie es offiziell heißt – ist ein Archipel der Superlative am anderen Ende der Welt. Seit 1999 ist das Inselreich, das nach Unabhängkeit strebt, eine collectivité sui generis nach Artikel 77 der französischen Verfassung – und besitzt dank der Loi Morris einen Status mit hoher Autonomie. Es besitzt eine eigene Bürgerschaft mit mit legislativen Kompetenzen, alle Entscheidung indes in den Bereichen Verteidigung und Außenpolitik trifft Frankreich. Das heißt für euch als Reisende: kein Schengen, kein Euro – sondern pazifischer Franc.
Im Herzen des Südpazifiks gelegen, besitzt Nouvelle-Caédonie die größte Lagune der Welt und das zweitlängste Korallenriffs der Erde, und damit seit 2008 ein UNESCO-Weltnaturerbes. Wer im fernen Iselreich mit der Ordungsnummer 988 landet, betritt ein Territorium, das den Spagat zwischen kanakischer Urkultur, französischem Savoir-vivre und einer fast überirdisch schönen Natur äußerst fasziniert meistert.

Grande Terre: Kontinent im Kleinformat
Die mehr als 400 Kilometer lange Hauptinsel Grande Terre wird von einer zentralen Gebirgskette durchzogen, die das Land in zwei völlig unterschiedliche Welten teilt. Die Westküste ist das Reich der stockmen – neukaledonischen Cowboys –, geprägt von weiten Trockensavannen, Niaouli-Bäumen und riesigen Rinderfarmen. Hier findet man auch das berühmte Coeur de Voh, eine natürliche Herzform, die von Mangroven im Sumpf gebildet wurde und durch die Luftaufnahmen von Yann Arthus-Bertrand weltberühmt wurde.
Die Ostküste hingegen ist das feuchte, tropische Gesicht der Insel. Hier stürzen Wasserfälle über üppig bewachsene Klippen, und die Vegetation ist so dicht, dass man sich wie in einem botanischen Garten fühlt. Es ist das Herzland der Kanaky, der melanesischen Ureinwohner, deren traditionelle Rundhütten (cases ) mit ihren geschnitzten Firstpfosten stolz in den Dörfern stehen.

Nouméa: das Nizza des Pazifiks
Die Hauptstadt Nouméa im Süden von Grande Terre versprüht einen ganz eigenen Charme. Wer an der Baie des Citrons oder der Anse Vata spazieren geht, fühlt sich an die Côte d’Azur erinnert. Luxuriöse Boutiquen, erstklassige französische Bäckereien und schicke Jachthäfen prägen das Stadtbild. Ein absolutes architektonisches Highlight ist das Centre Culturel Tjibaou, entworfen vom Stararchitekten Renzo Piano. Die futuristischen Holzkonstruktionen, die an traditionelle Kanak-Hütten erinnern, sind ein beeindruckendes Denkmal für die melanesische Kultur und Identität.

Die Loyalitätsinseln und die Île des Pins
Wer die Postkarten-Paradiese des Archipels sucht, muss die Hauptinsel verlassen. Auf den Loyalitätsinseln (Lifou, Maré und Ouvéa) könnt ihr euren Strand- oder Wanderurlaub mit Begegnungen der kanakischen Kultur perfekt verbinden. Ouvéa wird oft als die Insel bezeichnet, die dem Paradies am nächsten kommt – ein 25 Kilometer langer, blendend weißer Sandstrand schmiegt sich hier an eine türkisfarbene Lagune, die so klar ist, dass ihr die Schatten der Rochen im Wasser zählen könnt.

Südlich von Grande Terre liegt die Île des Pins (Kunié). Die heute bekannteste Badeinsel von Nouvelle-Calédonie war einst Standort eines bagno, eine gefürchteten Gefängnisses, in dem auch Mitglieder der Pariser Kommune einsaßen. Benannt wurde die Insel von Kapitän James Cook, dem die majestätischen Säulenfichten (Araucaria columnaris) auffielen, die die Küsten säumen. Die Baie d’Upi mit ihrem natürlichen Meerwasser-Schwimmbecken, das Koralleniffe einrahmen, gleicht einem Aquarium unter freiem Himmel, während am Ufer hohe Kiefern in den azurblauen Himmel ragen. Macht hier mit Einheimischen einmal einen Ausflug im Auslegerboot und schnorchelt oder taucht in dieser Bucht!

Das blaue Herz: die Lagune
Die 24.000 Quadratkilometer große Lagune von Nouvelle-Calédone beheimatet eine unglaubliche Artenvielfalt. Von Dugongs (Seekühen) über Buckelwale bis hin zu seltenen Meeresschildkröten und bunten Korallenfischen reicht die Unterwasserfaune und macht das Archipel zu einem Eldorado für Taucher und Schnorchler
Kulinarische Kontraste
La Nouvelle-Calédonie ist ein Schmelztiegel. Hier trifft das Erbe der ehemaligen Sträflingskolonie auf die jahrtausendealte Tradition der Kanak und den modernen Einfluss Frankreichs. Diese Mischung spiegelt sich auch in der Küche wider: Ein traditionelles bougna (ein im Erdofen gegartes Gericht aus Fleisch, Fisch und Wurzelgemüse) schmeckt nach einem Tag voller Erlebnisse und Abenteuer genauso vorzüglich wie ein perfekt gereifter Camembert mit einem Glas Bordeaux in einem Restaurant in Nouméa.

Ferne Abenteuer
Nouvelle-Calédonie ist kein Reiseziel für den schnellen Besuch. Doch nach der weiten Anreise, die ihr auch mit einem Stopover in Japan unterbrechen könnt, taucht ihr ein in eine Lebensart, Kultur und Natur, die so ursprünglich und vielfältig ist, dass man sie kaum in Worte fassen kann. Ob ihr in Nouvelle-Calédonie die roten Erden des Südens erkundet, mit dem Pferd durch die Savannen des Westens reitet oder in den türkisblauen Buchten der Inseln abtaucht: Neukaledonien ist ein Abenteuer am Rande der Welt, eine Reise fürs Leben. Mich hat der Archipel, der stolz seine Wurzeln bewahrt und gleichzeitig mit einem Savoir-vivre überrascht, die nur Frankreich in den Pazifik bringen kann, seit meinem ersten Besuch gefesselt.











