Paul Cézanne: Leben und Werk in der Provence
Erfahre hier alles über Paul Cézanne, den Wegbereiter der Moderne – von seinen Anfängen in Aix-en-Provence bis zu seinen Meisterwerken von der Montagne Sainte-Victoire.
„Ich möchte Paris mit einem Apfel verblüffen!“ – mit diesem kühnen Ziel revolutionierte Paul Cézanne von seiner provenzalischen Heimat aus die Kunstwelt. Heute gilt der eigenwillige Maler aus Aix-en-Provence als der „Vater der Moderne“, der den Weg für den Kubismus und die Abstraktion ebnete.
Wer heute durch die Gassen von Aix-en-Provence streift oder den Blick über die markante Silhouette der Montagne Sainte-Victoire schweifen lässt, begegnet Paul Cézanne auf Schritt und Tritt. Doch wer war dieser Mann, der zeitlebens mit seinen Motiven rang, die Einsamkeit der Natur suchte und erst spät die Anerkennung fand, die ihm gebührte? Voilà eine kleine Spurensuche in der Provence – von seinen frühen Jahren im Jas de Bouffan bis zu seinen letzten Pinselstrichen im Atelier Les Lauves.

1839 wurde Paul Cézanne in der Rue de l’Opéra geboren. Zeitlebens war er ein Suchender – und seiner Heimat ng verbunden, auch wenn es ihn immer wieder nach Paris zog. Doch die Kunstmetropole machte es ihm nicht leicht: Seine Werke wurden regelmäßig vom offiziellen „Salon“ abgelehnt. Selbst seine Mitstreiter, die Impressionisten, wussten anfangs oft wenig mit seinem radikalen Ansatz anzufangen.
Cézanne wollte nicht einfach nur den Moment festhalten, wie es Monet oder Renoir taten. Er suchte nach der Beständigkeit. „Man muss die Natur durch den Zylinder, die Kugel und den Kegel behandeln“, war seine Devise. Damit legte er den Grundstein für alles, was in der modernen Kunst folgen sollte.
Muse aus Kalkstein: die Montagne Sainte-Victoire
Kein Motiv ist so untrennbar mit seinem Namen verbunden wie die Montagne Sainte-Victoire. In 30 Ölbildern und 45 Aquarellen hat er den markanten Kalksteinfelsen in Öl oder Aquarell festgehalten. 1902, mit 63 Jahren, wechselte er zum allerletzten Mal sein Atelier und zog nach Les Lauves, um seinem Lieblingsmotiv noch näher zu sein.
Für Paul Cézanne war der Berg kein bloßes Landschaftselement, sondern eine lebenslange Obsession. Er untersuchte das Licht, die Schatten und die Tektonik des Gesteins immer wieder aufs Neue, bis er die Landschaft in Farbflächen auflöste, die fast schon abstrakt wirkten.
Bis zu seinem Tod 1906 arbeitete der Maler in diesem Atelier der Stille und des Lichts. Dort schuf er Meisterwerke, die heute in den Museen der Welt hängen – darunter auch die letzten großen Badenden.
Für den Transport seiner großformatigen Tableaus ließ Paul Cézanne neben den Atelierfenstern einen Schlitz in die Wand einbauen und mit einem Flaschenzug versehen. Sein Atelier ist bis heute unverändert – und gewährt ergreifende Einblicke in sein Leben und Werk. Mehr dazu findet ihr hier.
Schlemmen mit Zola
Mittags tafelte Paul Cézanne mit seinem Freund Émile Zola am Cours Mirabeau in einer Brasserie, die mit vergilbten Spiegeln, Lüstern, Stuck, Gold und Glanz bis zum zerstörerischen Brand von Ende 2019 ein Schmuckstück der Belle Époque war: Les 2 Garçons.
Das einzige Porträt, das Cézanne je von Zola gemalt hat, hängt in Aix-en-Provence im Musée Granet – gemeinsam mit neun weiteren Werken des Malers. In den historischen Mauern hatte Cézanne von 1857 bis 1862 das Zeichnen gelernt. Das alte Priorat des Malteserordens barg damals die kostenlose Zeichenschule der Stadt.
Zeitlebens faszinierte ihn die Provence mit ihren Straßen, Orten, Landschaften und Menschen. „Wenn man dort geboren wurde, ist es um einen geschehen, man kann sich für nichts anderes mehr begeistern“, sollte Paul Cézanne in der Ferne später sagen. Denn wo er auch war, die tiefe Verbundenheit zur Provence sollte ihn stets begleiten.

Malen im Freien: eine Innovation
Sein erstes Atelier richtete der junge Maler im alten Familiensitz Bastide du Jas de Bouffan ein. Im Erdgeschoss malte er Dutzende Wandgemälde. Gelegentlich stellte er seine Staffelei auch im Park, vor dem Haus oder an der Kastanienallee auf und malte plein air – eine Innovation zur damaligen Zeit. Insgesamt 36 Ölbilder und 17 Aquarelle entstanden von 1859 bis 1899 auf dem Anwesen. Die Jahre 1885/1886 verbrachte Paul Cézanne 15 Kilometer südlich von Aix-en-Provence in Gardanne. Heute verdeutlicht ein Pfad auf der Colline des Frères das strukturelle Konzept des Malers.
In L’Estaque an der Côte Bleue arbeitete Cézanne zwischen 1864 und 1885. Vom Chemin des Peintres könnt ihr bis heute den Blick auf die Bucht von Marseille genießen, den auch Maler wie Braque, Derain und Dufy auf die Leinwand gebannt haben.
Lieblingsmotiv wurde ein Berg, der die Landschaft seiner Heimat dominiert: die Montagne Sainte-Victoire. Die berühmtesten Bilder vom schroffen Kalkriegel malte Paul Cézanne vom Chemin de la Marguerite auf der Colline des Lauves, zu der er seine 20 Kilogramm schweren Malutensilien schleppte.
Der Ruf des Berges
Morgens hinauf, mittags herab, und mitunter nachmittags erneut hinauf und hinab – angesichts seines Alters, seiner Zuckerkrankheit eine beachtliche Leistung. Für Kunstfans hat Aix-en-Provence dort mit Blick auf den markanten Gipfel das Terrain des Peintres gestaltet und neun Reproduktionen der schönsten Saint-Victoire-Bilder aufgestellt.
Ein zweites Motiv fand Cézanne zu Füßen der Montagne Sainte-Victoire : Steinbrüche. In den Carrières de Bibémus (3090, chemin de Bibémus) waren bis weit ins 18. Jahrhundert hinein die Steine für den Bau von Aixer Monumenten gebrochen worden.
Rund um eine einfache Hütte, in der der Künstler seine Werke lagerte und manchmal nächtigte, führt ein Rundweg zu den Stellen, die Cézanne zu Meisterwerken wie „Der rote Felsen“ inspirierte.
Auf den Spuren von Paul Cézanne
Mit Metallplatten, die ein C tragen, ist in Aix-en-Provence ein Rundgang gekennzeichnet, der vom Geburtshaus des Malers bis zum Friedhof Saint-Pierre führt, wo Cézanne 1906 seine letzte Ruhestätte fand.
Geführte Besichtigung auf den Spuren von Cézanne, Apr. – Okt. Do. 10.00 Uhr, Office de Tourisme
Cézanne Pass: 1 Ticket, 3 Stätten (Atelier de Cézanne, Bastide du Jas de Bouffan, Carrières de Bibémus)
Webseite: www.aixenprovencetourism.com/de/sehen/die-statten-cezannes
Miniführer als kostenloses PDF zum Download: www.aixenprovencetourism.com/de/sehen/die-statten-cezannes
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