Perlmuttküste: Weltgeschichte hautnah

Gleich zwei Mal war die Perlmuttküste in der Normandie Schauplatz der Weltgeschichte. An ihren breiten Stränden, über die heute die Strandsegler jagen, landeten im Sommer 1944 die Alliierten. Im Hinterland leben die Erinnerung an Wilhelm den Eroberer fort.

Von Ouistreham bis zur Pointe du Hoc säumen die Sandstrände der Côte du Nacre die Küste. Berühmter wurde die Perlmuttküste als „Landungsküste“. Von hier aus starteten die Alliierten am 6. Juni 1944 den längsten aller Tage: D-Day. Die größte Landeoperation aller Zeiten besiegelte die deutsche Niederlage im Zweiten Weltkrieg und befreite Europa vom Nazi-Regime.

Der Morgen, der alles veränderte

Das Wetter ist schlecht, sehr schlecht. Niemand auf deutscher Seite rechnet mit einer Invasion. Auch nicht Erwin Rommel, Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B. Er reist am 5. Juni nach Ulm, um den Geburtstag seiner Frau zu feiern. Mitten in der Nacht beginnt die Operation Overlord. Drei Divisionen von Fallschirmspringern springen an beiden Flügeln der Front ab.

Operation Overlord

Während die amerikanischen und britischen Paratrooper Zug um Zug Schlüsselpositionen wie Flakbatterien, Straßen, Brücken und Schleusen erobern, nähert sich eine Armada britischer, kanadischer und US-Einheiten mit 4126 Landungsbooten und 1213 Kriegsschiffen den fünf Stränden – Utah Beach, Omaha Beach, Gold Beach, Juno Beach und Sword Beach.

Unter heftigen Kämpfen und enormen Verlusten an Menschenleben werden 135.000 Soldaten und 20.000 Fahrzeuge an Land gebracht. 9.3700 alliierte Jets und Bomber fliegen diesen Tag  14.674 Einsätze und lassen 12.000 Bomben niederregnen.

Acht Themenrouten

Heute führen die acht chronologischen Strecken der Normandie –Terre Liberté zu den geschichtsbeladenen Stätten, die bis heute frösteln lassen. Die Heftigkeit der Kämpfe und den hohen Blutzoll des alliierten Vorstosses demonstriert besonders die Themenroute D-Dac – Le Choc, die am Strand von Omaha Beach beginnt.

Hier stießen die Sturmwellen der 1. US-Infanterie auf erbitterten Widerstand der deutschen Truppen. Die Schlacht wurde zum Blutbad. 9.387 perfekt aufgestellte, weiße Kreuze auf grünem Rasen ragen heute hier in den Himmel, umgeben von Totenstille.

Eine Schlacht als Comic Strip

Am 7. Juni war Bayeux die erste Stadt Frankreichs, die von den Alliierten befreit wurde. Das wertvollste Zeugnis einer früheren Schlacht verbrachte gut versteckt in den Kellergewölben des Pariser Louvre jene Jahre und kehrte erst 1948 nach Bayeux zurück: der älteste erhaltene Wandteppich des Mittelalters – die Tapisserie de la Reine Mathilde, besser bekannt als Teppich von Bayeux.

Das Thema: 1066

Der erste Comic Strip der Geschichte erzählt in 58 Szenen die Eroberung Englands durch den Normannenherzog Wilhelm von der Vorgeschichte im Jahr 1065 bis zur Schlacht von Hastings am 14. Oktober 1066 mit dem Sieg über Harold II. Zehn Jahre lang wurde das 68,38 m langen und rund 50 cm breiten Wandbild aus bunten Wollfäden auf Leinen im Stil- und Plattstich gestickt, der untere Rand mit Ornamenten verziert, der obere Rand mit lateinischen Erläuterungen  zur Schlacht versehen.

Die Welt des Mittelalters

Zu sehen ist nicht nur kämpfende Ritter, sondern die gesamte Lebenswelt des Mittelalters: Menschen in typischer Kleidung, Schiffe und Häuser jener Zeit sowie die erste bekannte bildliche Darstellung des Kometen Halley. Ab 1077 wurde der Bilderreigen einmal jährlich in der Kathedrale von Caen aufgehängt – 400 Jahre lang.

Dass er heute im Centre Guillaume-le-Conquérant zu bewundern ist, ist dem beherzten Eingreifen des Anwalts Leforestier zu verdanken. Er rettete das Meisterwerk 1789 vor den Schergen der Revolution, die die Leinwand als Wagenplane missbrauchen wollten.

Von der Perlmuttküste aus begann rasch die Rückeroberung des Hinterlandes, die Befreiung Frankreichs.

Am 20. August 1944 rückte die britische Armee in Putanges ein. Nach den Kämpfen war das 1000-Einwohner-Dorf in der  Normannischen Schweiz war ein einziges Trümmerfeld, durch das sich die Orne als blaues Band und Namensgeber des Départements sich den Weg bannte.

Die Brücke, auf der ich jetzt stehe und die Fotos des heutigen Örtchens mache, wurde noch von der deutschen Wehrmacht wenige Stunde vor Einmarsch der Briten mit Dynamit in die Luft gesprengt. Sieben Jahre dauerte der Wiederaufbau. 1965 wurde Putanges mit der Nachbarkommunen am anderen Ufer der Orne zu Putanges Pont-Ecrépin fusioniert.

Wer hier bleiben möchte: Valérie und Alain Lecleve bieten in ihrer normannischen Steinvilla, die ein traumhaft großer Garten umgibt, ein gemütliches, ruhiges chambre d’hôte mit schnellem WLAN und gutem Frühstück (La Grande Vienne, 61210 Putanges-Pont-Ecrépin, Tel. 02 33 36 28 16).

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